Sonntag, 14. Dezember 2014

[Rezension Hanna] Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki - Haruki Murakami


Inhalt
Tsukuru Tazaki ist sechsunddreißig Jahre alt und lebt in Tokio, wo er als Ingenieur Bahnhöfe umbaut. Vor kurzem hat er Sara kennengelernt, mit der er gerne eine Beziehung beginnen würde. Doch Sara ist der Überzeugung, dass Tskuru etwas belastet und möchte nicht mit ihm zusammen sein, bis er dies aufgearbeitet hat. Daher erzählt Tskuru ihr von dem einschneidenden Erlebnis in seinem zweiten Studienjahr, als seine vier besten Freunde den Kontakt zu ihm abbrachen. Sara ermutigt Tskuru, jetzt, nach sechzehn Jahren, den Grund hierfür herauszufinden, und so beginnt für Tskuru eine Reise in die Vergangenheit.

Meinung
Die Geschichte beginnt in der Vergangenheit, und der Leser erfährt zunächst, wie Tsukuru seine vier Freunde kennen lernte und wie diese ihn schließlich einige Jahre später verstießen. Immer wieder springt die Geschichte währenddessen in die Gegenwart, wo Tsukuru Sara von den Vorfällen erzählt. Durch die Sprünge erfährt man, wie Tsukuru Jahre danach über den Verstoß denkt und welche Konsequenzen dieser für sein Leben hatte und noch immer hat.

Die Geschichte wird in ruhigem Tempo erzählt und schlägt einen nachdenklichen, melancholischen Ton an. Mit einer gewissen Wehmut denkt Tsukuru an die schönen Momente seines Lebens zurück und versucht zu analysieren, was passiert ist. Doch viele Geheimnisse lassen sich nur lüften, indem er den direkten Kontakt zu seinen alten Freunden sucht. Daher macht er sich ab der Hälfte des Buches auf, um diese zu besuchen. Die Begegnungen sind aufschlussreich und werfen nochmals ein gänzlich neues Licht auf Tsukurus Situation. Doch wie wird Tsukuru mit diesen neuen Informationen umgehen?

„Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ erzählt auf eindringliche Weise die Geschichte von Tsukuru, der mit dem Verstoß aus seinem Freundeskreis lange Jahre nicht abgeschlossen hat. Wie ist es überhaupt dazu gekommen? Hat der Vorfall sein Leben geprägt oder wäre es ohne ihn ähnlich verlaufen? Und kann Tsukuru nach alle den Jahren noch die ganze Wahrheit darüber herausfinden, was seine Freunde damals zu ihrer Entscheidung bewegt hat? Das Buch konnte mich schnell in seinen Bann ziehen, zum Nachdenken bringen und meine Neugier wecken. Murakamis schriftstellerisches Können machte die Geschichte für mich zu einem beeindruckenden Leseerlebnis.

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Gebundene Ausgabe mit Lesebändchen: 350 Seiten
Erscheinungsdatum: 10. Januar 2014
Verlag: Dumont Buchverlag
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Freitag, 12. Dezember 2014

[Rezension Hanna] Einfach. Liebe. - Tammara Webber


Inhalt
Jacqueline ist gerade frisch von ihrem Freund Kennedy verlassen worden. Als sie sich nach einer Collegeparty allein auf den Heimweg machen will, wird sie von einem Bekannten ihres Ex-Freundes beinahe vergewaltigt. In letzter Sekunde wird sie von dem ihr bislang unbekannten Lucas gerettet. Jacqueline will das ganze nur schnellstmöglich vergessen. Doch von nun an begegnet ihr Lucas ständig und lässt ihr Herz höher schlagen. Aber auch ihr Wirtschaftstutor, der ihr per E-Mail hilft, versäumten Stoff aufzuholen, ist humorvoll und sympathisch. Kann Jacqueline so bald einen Neustart in Sachen Liebe wagen, und wenn ja, mit wem?

Meinung
Bevor man auch nur einen Charakter näher kennen lernt, startet die Geschichte mit der schockierenden Szene von Jacquelines Beinahe-Vergewaltigung und ihrer Rettung durch Lucas. Cover und Titel versprechen eine rosarote Liebesgeschichte, weshalb ich mit solch einem Einstieg nicht unbedingt gerechnet habe. Jacquelines Entscheidung, Buck für sein Verhalten nicht anzuzeigen, wirkt rational betrachtet sicher falsch, doch ich trotzdem verstehen, warum sie sich in dieser emotional aufwühlenden Situation so verhalten hat. Dass diese Entscheidung nicht ohne Konsequenzen bleiben wird, müssen sie und der Leser noch früh genug lernen.

Die Geschichte nimmt sich anschließend erst einmal Zeit, Jacqueline genauer vorzustellen, die mir schnell sympathisch geworden ist. Die Zahl der Nebencharaktere ist begrenzt und diese sind eher flach ausgearbeitet, sodass der Fokus der Geschichte ganz auf Jacqueline und ihren Gefühlen zu Lucas und Landon liegt. Das ständige Aufeinandertreffen mit Lucas führte zu einigen unterhaltsamen Situationen. Gleichzeitig schmachtete ich gemeinsam mit Jacqueline Landons formell-verständnisvoll-süße E-Mails an. Ich fand es allerdings auch gut, dass sich die Dreiecksgeschichte nicht durch das gesamte Buch zieht.

Jacqueline ist durch die Trennung und ihre Beinahe-Vergewaltigung emotional stark aufgewühlt, und so beschäftigt sich das Buch auch lange Zeit mit der Aufarbeitung der Ereignisse. Die Vergewaltigungsthematik nahm mir allerdings zu viel Platz ein und ich konnte mich nicht damit anfreunden, dass Bucks Taten zum Aufhänger der ganzen Geschichte werden. Doch auch Jacquelines Auserwählte hüten schwerwiegende Geheimnisse. Die Masse an Problemen war für meinen Geschmack hart an der Grenze, das hat die Autorin aber erfolgreich durch zahlreiche süße, romantische Szenen ausgleichen können.

Fazit
„Einfach. Liebe.“ ist eine College-Liebesgeschichte, in der es jedoch nicht nur rosarote Momente gibt, sondern jeder sein Päckchen zu tragen hat. Neben Drama bot die Geschichte aber auch eine ganz große Ladung an unterhaltsamen und romantischen Szenen, die das Buch zu einem kurzweiligen Lesevergnügen gemacht haben. Von mir gibt es gute vier Sterne.

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Taschenbuch: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2013
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
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Dienstag, 9. Dezember 2014

[Rezension Hanna] Nach dem Sommer - Maggie Stiefvater




Inhalt
Grace wohnt in Mercy Falls in einem Haus am Waldrand. An einem kalten Wintertag wurde sie als Kind von Wölfen angegriffen und in den Wald verschleppt, dann aber von einem Wolf mit gelben Augen gerettet. Seither hat sie „ihren“ Wolf jeden Winter beobachtet, aber im Sommer ist er stets verschwunden. Als Grace siebzehn ist, wird ein Mitschüler von den Wölfen getötet. Dessen Vater macht daraufhin mit einigen Männern Jagd auf die Wölfe. Grace versucht, die Aktion zu stoppen, kann aber nicht verhindern, dass ihr Wolf angeschossen wird. Doch plötzlich liegt kein Wolf mehr vor ihr, sondern ein Junge. Grace wird Teil eines großen Geheimnisses und einer bittersüßen Liebesgeschichte…

Meinung
Das Buch beginnt gleich mit einer dramatischen Szene: Grace wird von Wölfen umringt, die an ihr zerren und sie beißen. Wird hier etwa schon ihr grausames Ende vorweg genommen? Doch dann wird Grace gerettet, von einem Wolf mit gelben Augen, und der Leser erfährt, dass das Ereignis inzwischen Jahre zurückliegt. Seither ist Grace jedoch von den Wölfen, besonders von „ihrem“ Wolf, fasziniert. Weil die Geschichte abwechselnd von Grace und Sam erzählt wird, weiß man als Leser schnell, dass es sich keineswegs um normale Wölfe handelt. Daher war schnell meine Neugier geweckt, wann Grace den menschlichen Sam zum ersten Mal trifft.

Grace ist ein sympathischer und aufrichtiger Charakter, den ich mühelos ins Herz geschlossen habe. Ihre Eltern zeigen nur geringes Interesse an ihr, weshalb sie früh erwachsen werden und für sich selbst sorgen musste. Dafür erhält sie Unterstützung durch ihre Freundinnen Rachel und Olivia, die ihrer Wolfsbegeisterung jedoch mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen. Sam hingegen wirkt von Beginn an geheimnisvoll und ich konnte die Faszination, die er auf Grace ausübt, gut nachvollziehen.

Nach dem spannenden und dramatischen Beginn fokussiert sich das Buch zunehmend auf die Liebesgeschichte zwischen Grace und Sam. Dabei steht schnell fest, dass sie tiefe Gefühle füreinander haben und einfach zusammengehören. Aber wie lange können sie zusammen sein, bis Sam sich wieder in einen Wolf verwandelt, diesmal vermutlich für immer? Normalerweise hätte ich mir bei einem solchen Buch noch etwas mehr Spannung gewünscht, aber Grace und Sam haben mir zusammen einfach so gut gefallen, dass ich jeden ruhigen und bittersüßen Moment zwischen den beiden genossen habe.

Das Schicksal einiger Nebencharaktere rundet die Geschichte ab. Da ist zum Beispiel der neue Wolf Jack, der Sam Sorgen bereitet; seine Schwester Isabel, welche die Wahrheit wissen möchte; die Wölfin Shelby, die Macht gewinnen möchte und Beck, der für Sam lange wie ein Vater war, nun aber eine äußerst fragwürdige Entscheidung getroffen hat. Zum Ende der Geschichte hin laufen schließlich alle Fäden zusammen und bieten dem Leser ein dramatisches Finale. Dieser erste Band endete schließlich ganz zu meiner Zufriedenheit und machte mir große Lust auf die Fortsetzung „Ruht das Licht“.

Fazit
„Nach dem Sommer“ hat mich mit der wunderschönen Liebesgeschichte von Grace und Sam überzeugen können. Auch wenn die Idee der Werwölfe alles andere als neu ist, haben mir das von Maggie Stiefvater geschaffene Setting und die Geschichten rund um das Rudel sehr gut gefallen. Ich freue mich schon jetzt auf mehr Geschichten aus Mercy Falls und empfehle diesen Reihenauftakt sehr gerne an Leser der romantischen Fantasy weiter.

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Gebundene Ausgabe mit Lesebändchen: 424 Seiten
Erscheinungsdatum: 6. September 2010

Montag, 8. Dezember 2014

[Rezension] Tim Mälzer - Heimat: Kochbuch

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Titel: Heimat - Kochbuch
Autor: Tim Mälzer
Erscheinungsdatum: 13.10.2014
Verlag: Mosaik Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Lesebändchen






Als großer Fan der Rezepte von Tim Mälzer habe ich mich über das neue Buch des Kochs sehr gefreut. Der Küchenchef nimmt den Leser mit auf eine kulinarische Reise durch Deutschland. Von außen fällt das Buch durch seine besondere Gestaltung auf. Es hat eine Goldfolienprägung, ist in Leinen gebunden und mit einem praktischen Lesebändchen versehen. Der umlaufende Rahmen auf der Vorder- und Rückseite ist unterbrochen, so als ob das Buch schon vom häufigen Gebrauch abgenutzt ist. Es erinnert an ein Kochbuch, das schon viele Jahre benutzt wird, aber durch seinen Glanz zeigt es gleichzeitig, dass der Inhalt etwas Besonderes sein muss. Schlägt man dann den Buchdeckel um, springt die pinkfarbene Ausgestaltung dem Leser direkt ins Auge. Hier verbinden sich also Tradition und Moderne direkt im äußeren Gewand des Buches und auch in den Rezepten. 

Auf den ersten Seiten gibt es eine Übersicht des Inhalts. Nach einem Vorwort von Tim Mälzer folgen sieben Kapitel mit Kochanleitungen zu Suppen, Mittagstisch, Fisch, Fleisch, zu Salaten, Gemüse & Beilagen sowie Abendbrot und Süßes. Den Abschluss des Buchs bildet ein Register in dem alle Rezepte alphabetisch und danach noch einmal nach Kapitel und Themen aufgeführt sind.

Doch nicht nur Rezepte, sondern auch viele großformatige Fotos aus allen Teilen Deutschlands und einige gemalten Bilder zeigen jeweils ein Stück dessen, was unsere Heimat ausmacht. Natürlich führen den Leser viele Fotos auch in die Küchen und an die Herde der Nation. Neben den Rezepten präsentiert das Buch auch Menschen, die hinter den Gerichten stehen, denn Tim Mälzer nimmt den Leser unter anderem mit zum Fischzüchter, zum Bauern, zur Kräutergärtnerin und wir erfahren Wissenswertes über Anbau, Zucht und Ernte von dem, was auf unsere Teller kommt. Ferner stehen bei den einzelnen Gerichten immer wieder Tipps zur Zubereitung, Hinweise auf passende Beilagen oder Informationen zu einer Zutat. Aufgelockert wird die Gestaltung ebenfalls durch ein paar Kochanleitungen, die wie handgeschrieben aussehen oder beispielsweise auch durch ein paar kürzere Zubereitungshinweise für verschiedene Arten von Butter.

Das Buch ist sowohl für Kochanfänger, die sich Basiskenntnisse verschaffen möchten, sowie für erfahrene Köche, die hier noch manche Geschmackvariante entdecken können, geeignet. Leider sind keine Nährwertangaben bei den Rezepten vorhanden und mir fehlte eine Angabe dazu, für welche Herdart die angeführten Gradeinstellungen gedacht sind. Meiner Familie und mir haben die bisher zubereiteten Gerichte sehr gut geschmeckt.


Im Folgenden zeige ich euch einige der von mir ausprobierten Gerichte:

1) Hackbraten (S. 82/83)

Gehacktes vom Schwein oder Rind in allen Variationen esse ich immer gern. Tim Mälzer gibt in diesem Buch die Anleitung zu einem Hackbraten, der mit Porree gefüllt und mit Speck ummantelt wird. Leider hatte ich zu wenig durchwachsenen Speck gekauft, so dass ich auf eine magere Sorte zurückgreifen musste - das ist aber eigentlich nicht weiter aufgefallen ;)

Die Zutaten zum Hackbraten (ohne Salz und Pfeffer)
... während des Einfüllens in die Form


Et voilà: der fertige Hackbraten !!!

2) Brathähnchen (S.45/46)

Ein Brathähnchen, das außen knusprig und vom Fleisch her saftig ist - so meine Wunschvorstellung. Und dieses Tim Mälzer Rezept hat mich und meine Familie überzeugt! Für die Zubereitung habe ich ein Kikok-Hähnchen gekauft, das ein Brattermometer in Form eines roten kleinen Plastikstäbchen beinhaltet. Das Stäbchen springt raus, wenn das Fleisch von innen gar ist.

Die Zutaten für das Brathähnchen
... im Sud, mit Paprikabutter bestrichen ...


Knusprig braun und lecker :)



3) Apfelkompott (S. 282)

Ich mache Apfelkompott aus Äpfeln, Wasser und Zucker. Daher interessierte es mich, ob Tim Mälzers Variante mit Ahornsirup mir auch schmecken würde, vielleicht sogar besser? Das Ergebnis ist mir geglückt, wie man auf dem Foto sieht, aber mir persönlich war es zu süß.





Nun, vielleicht habt ihr jetzt auch Lust auf die Rezepte im Buch bekommen? Ich werde jedenfalls noch einige weitere ausprobieren. Als nächstes habe ich mir schon die Erbsensuppe und den Schokoladenpudding "ausgeguckt".

Eure Ingrid


Samstag, 6. Dezember 2014

[Rezension Hanna] Die Mitternachtsrose - Lucinda Riley



Inhalt
Indien, 2000: Am Tag ihres einhundertsten Geburtstages versammelt sich Anahitas Familie zur ihrer Geburtstagsfeier. Im Kreise ihrer Familie denkt Anahita auch an ihren Sohn, von dem sie vor achtundsiebzig Jahren getrennt wurde und der angeblich tot ist. Doch Anahita ist überzeugt davon, dass er noch lebt und hat ihre Geschichte für ihn aufgeschrieben. Ari, ihrem Urgroßenkel und dem einzigen Familienmitglied mit blauen Augen, vertraut sie die Geschichte an mit der Bitte, ihren Sohn zu finden.

England, 2011: Die berühmte Hollywoodschauspielerin Rebecca reist ins englische Dartmoor, um vor der Kulisse eines alten Herrenhauses einen Film zu drehen. Weil sie von Paparazzi verfolgt wird, bietet der der Hausherr Anthony an, in Astbury Hall unterzukommen. Dort trifft auch bald Ari ein, der Rebecca und Anthony von Anahitas Geschichte erzählt. Diese führte ihn nach Astbury Hall, und er hofft, dort Antworten zu finden. Bald stoßen sie auf dunkle Geheimnisse…

Meinung
Kurze Kapitel und einige Zeitsprünge helfen dem Leser zu Beginn der Geschichte, sich einen Überblick über das Geschehen zu verschaffen. In raschem Tempo erzählen sie von Anahitas Geburtstag und ihrem Auftrag an Ari; Anahitas Tod im folgenden Jahr, kurz nach sie verkündet hat, dass ihr Sohn nun tatsächlich gestorben sei; Aris Abkapselung von seiner Familie und seinem Entschluss, nach 11 Jahren doch noch den Spuren von Anahitas Geschichte zu folgen. Ich fand mich schnell in der Geschichte zurecht und freute mich darauf, mehr über Anahitas Leben und Aris Nachforschungen zu erfahren.

In der Gegenwart wird die Geschichte nach dem Einstieg nicht mehr aus der Sicht Aris, sondern aus der der Schauspielerin Rebecca erzählt. Gemeinsam mit ihr erfährt der Leser nach und nach von Anahitas Geschichte. Hierzu springt die Handlung immer wieder für längere Zeit in die Vergangenheit. Anahitas Geschichte entführte mich ins exotische Indien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie gibt interessante Einblicke ins Leben im Palast eines Maharadschas und erzählt von den Beginnen einer Freundschaft, die Anahitas ganzes Leben prägen soll. Ihre Geschichte konnte mich fesseln und gemeinsam mit ihr ging ich durch zahlreiche Höhen und Tiefen. Schließlich verschlägt es Anahita nach England, wo man nicht nur die Wirren des 1. Weltkrieges miterlebt, sondern auch Astbury Hall zu jener Zeit kennen lernt. Leider gibt es in Anahitas Leben eine äußerst tragische Wendung, doch die Geschichte behält immer einen Funken Hoffnung.

Während Rebecca und der Leser all dies erfahren, geht in der Gegenwart das Leben in Astbury Hall weiter. Ich erhielt zahlreiche Einblicke in das Leben am Set, Rebeccas Probleme mit ihrem Freund und ihre Aufeinandertreffen mit dem merkwürdigen Hausherrn Anthony. Die Autorin hat die eigentümliche Atmosphäre des fast leeren Herrenhauses gut transportieren können, dennoch waren mit die Schilderungen von Rebeccas Leben ein bisschen zu ausführlich. Gleichzeitig fand ich es schade, dass man so wenig über Ari erfährt. Zudem wirkten Zeitpunkt und Gelegenheit, zu denen Ari und Rebecca die Geheimnisse von Astbury Hall aufdecken, sehr konstruiert. Schließlich werden aber alle wichtigen Fragen beantwortet und der Abschluss der Geschichte konnte mich voll und ganz zufrieden stellen.

Fazit
„Die Mitternachtsrose“ gibt fesselnde Einblicke in das ungewöhnliche Leben der Inderin Anahita, die durch Freundschaft und Liebe tiefgreifende Entscheidungen getroffen hat, die ihr Leben entscheidend geprägt haben. Auf der Suche nach Anahitas verlorenem Sohn trifft in der Gegenwart Ari in Astbury Hall ein und deckt gemeinsam mit Rebecca einige Geheimnisse auf. Ich empfehle das Buch gerne an Leser von Familiengeschichten weiter.

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag: 576 Seiten
Erscheinungsdatum: 27. Januar 2014
Verlag: Goldmann Verlag
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Dienstag, 2. Dezember 2014

[Rezension] Hape Kerkeling - Der Junge muss an die frische Luft

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Titel: Der Junge muss an die frische Luft - Meine Kindheit und ich
Autor: Hape Kerkeling
Erscheinungsdatum: 06.10.2014
Verlag: Piper Verlag
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
(Haupt-)Handlungsort: Recklinghausen/Ruhrgebiet 
Handlungszeit: Gegenwart



Hape Kerkeling setzt sich in seinem Buch „Der Junge muss an die frische Luft“ mit seiner Kindheit auseinander. Nach einem heiteren Gruß an den geneigten Leser schildert Herr Kerkeling zu Beginn des Buchs einige Situationen seines Lebens aus den letzten Jahren, bei denen er eine Verbindung zu sich selbst als Kind sieht. Dies führt schließlich zurück zu den Umständen der Geburt des Entertainers. Mehr oder weniger ausführlich lernt man auf den nun kommenden Seiten die Familie von Hape Kerkeling kennen und ihn selbst als Kleinkind. 

Einen breiten Raum seiner Erzählung nehmen seine Beziehung zu seiner Mutter und deren freiwillig gewähltes Lebensende ein. Aus einer lebensfrohen Frau wurde innerhalb von Monaten jemand, der keinen Sinn mehr im Leben sieht, obwohl doch Söhne und Ehemann Halt bieten sollten. Am Autor nagt die Frage, ob er irgendetwas hätte tun können um den Freitod zu verhindern. Obwohl man eher unbekümmerte, heitere Worte von Herrn Kerkeling gewohnt ist, sind in diesem Bereich seiner Schilderungen wenig erheiternd, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung damit, wie es soweit kommen konnte. 

Gerne hätte ich noch an weiteren Highlights seiner Karriere teilgenommen, die bereits im Teenageralter begann, doch nach Ausführungen über das Leben bei seinen Großeltern, die sich schließlich um den Haushalt, ihren Sohn  und ihre Enkel gekümmert haben, kam das Ende des Buchs rascher wie erwartet. Da ich kaum älter bin als der Autor und auch nicht allzu fern von seiner Heimat aufgewachsen bin, fühlte ich mich manches Mal an meine eigene Kindheit erinnert. Über seine offene und ehrliche Art gewährt Herr Kerkeling dem Leser tiefe Einblicke in seine Empfindungen. Rund um das Lebensende seiner Mutter, dass bei Hape eine tiefe Wunde gerissen hat, weiß er aber auch mit seiner eigenen Art locker und humorvoll amüsante Episoden zu berichten. 

Dieses Buch hat mich unterhalten, aber gleichzeitig auch berührt. Ich empfehle es gerne an alle weiter, die Interesse haben, Hape Kerkeling als Kind kennenzulernen. 

Montag, 24. November 2014

[Rezension Hanna] Onyx. Schattenschimmer - Jennifer L. Armentrout



Inhalt
Seit Katy von Daemon geheilt wurde, existiert zwischen den beiden ein Band, das Katy in den Wahnsinn treibt. Sie hat keine Lust auf eine Beziehung, die auf nur künstlichen Gefühlen beruht, denn ohne das Band hätte Daemon sicherlich noch immer nicht das geringste Interesse an ihr. Nach einer heftigen Erkrankung, für die sie sogar ins Krankenhaus musste, wartet bei ihrer Rückkehr eine Überraschung auf sie: Es gibt einen neuen Mitschüler, Blake, der offen zeigt, dass er Interesse an ihr hat. Er ist süß und normal, und damit vielleicht genau der Richtige für Katy. Daemon glaubt jedoch nicht daran und wettet stattdessen, dass sie ihm bis Neujahr ihre Liebe gestehen wird. Katy muss sich entscheiden: Daemon oder Blake?

Meinung
Das Buch beginnt mit dem mittlerweile bekannten und geliebten Schlagabtausch zwischen Daemon und Katy, sodass ich mich schnell wieder in der Geschichte zurechtfinden konnte. Von dem Band, das seit der Heilung zwischen den beiden existiert, ist Katy mehr als genervt. Dieses ist ganz offensichtlich die Ursache dafür, dass sie sich zunehmend zu Daemon hingezogen fühlt und es ihm nicht anders geht. Diesen künstlichen Gefühlen möchte sie einfach nicht nachgeben. Dieser nimmt es mit dem bekannten Sarkasmus hin und bleibt beharrlich. Die Szenen zwischen den beiden sind wieder herrlich unterhaltsam, doch Daemon tat mir bald tatsächlich ein bisschen Leid. Mal weist Katy ihn ab, um dann doch schwach zu werden und ihm Hoffnung zu machen, ihm dann aber gleich wieder zu sagen, dass dies nur ein Ausrutscher war.

Als neuen Charakter lernt man in diesem Band Blake kennen, der von Beginn an großes Interesse an Katy zeigt. Katy fühlt sich geschmeichelt und stimmt einem Date zu. Während sie sich einredet, dass diese normale Beziehung eine Chance hat, konnte mich Blakes Charakter nicht dazu bewegen, dass Team Daemon zu verlassen. Das Hin und Her zwischen Blake und Daemon nimmt den Großteil der ersten Buchhälfte ein, und trotz vieler Situationskomik zog es sich für mich ein wenig hin. Im Gegensatz dazu verbringt Katy sehr wenig Zeit mit Dee, deren heitere und treue Art ich vermisst habe.

In der zweiten Buchhälfte wurde es dann endlich wieder interessanter, denn ein große Geheimnisse werden aufgedeckt und alle Charaktere müssen sich mit den Konsequenzen auseinander setzen. Vor allem Katy muss herausfinden, was die Neuigkeiten für sie bedeuten und entscheiden, was sie eigentlich will. Viele Fragen werden gleichzeitig aufgeworfen und dann nach und nach beantwortet. Auch das Tempo wird zunehmend angezogen, denn bald befinden sich Katy und alle, die ihr lieb sind, in Gefahr. Es kommt zu hochspannenden Momenten, in denen nicht selten Leben auf dem Spiel stehen. Kaum glaubt man, dass das Schlimmste überstanden ist, da wartet auch schon die nächste unangenehme Überraschung. Auch wenn ich über Katys Verhalten weiterhin den Kopf schütteln musste, konnte ich das Buch aufgrund der hohen Spannung nur noch schwer beiseitelegen. Vor allem Daemon gefiel mir richtig gut und hat sich zu meiner absoluten Lieblingsfigur entwickelt. Der fiese Cliffhanger am Ende, in dem noch eine richtig große Bombe platzt, lässt mich ungeduldig auf den April 2015 zurück, in dem der dritte Teil erscheinen wird.

Fazit
„Onyx. Schattenschimmer“ startet ruhig und thematisiert vor allem das Liebesdreieck zwischen Katy, Daemon und Blake. Dieses zog sich ein wenig, konnte aber vor allem durch Daemons Sarkasmus unterhalten. In der zweiten Buchhälfte wird es wieder spannend und actionreich und den Leser erwarten zahlreiche Überraschungen. Wer „Obsidian“ mochte, der sollte unbedingt weiterlesen, um zu erfahren, wie es mit Katy und den Lux weitergeht!

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Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 21. November 2014
Verlag: Carlsen Verlag
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Donnerstag, 20. November 2014

[Rezension] Mechtild Borrmann - Die andere Hälfte der Hoffnung

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Titel: Die andere Hälfte der Hoffnung
Autorin: Mechtild Borrmann
Erscheinungsdatum: 27.08.2014
Verlag: Droemer Verlag
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Handlungsort: Zyfflich und Düsseldorf/Deutschland, Kiew und Prypjat/Ukraine
Handlungszeit: 2010


Eine junge Frau, barfuß, im Kleid, eilt auf dem Cover des Buchs „Die andere Hälfe der Hoffnung“ von Mechtild Borrmann über ein Feld. In der Erzählung ist der Boden sogar gefroren, während Tanja auf diese Weise auf den Hof des verwitweten Matthias Lessmann im niederrheinischen Zyfflich, nahe der niederländischen Grenze, ankommt. Schnell merkt dieser, dass Tanja von zwei Männern verfolgt wird. Er gewährt ihr Schutz und erfährt, dass sie aus Kiew in der Ukraine kommt und mit ihrer Freundin in Deutschland einen Job zur Finanzierung des Studiums angenommen hat, dann aber zwangsprostituiert wurde und ihr nun die Flucht gelungen ist. Ihre Sorge gilt ihrer Freundin ohne die sie nicht nach Hause zurückkehren möchte. Sie bittet Matthias, ihre Freundin zu suchen. 

Unterdessen wartet in der Entfremdungszone von Tschernobyl eine Mutter auf die Rückkehr ihrer Tochter. Der Leser erfährt mehr über das Leben von Walentyna, die während des Reaktorunfalls im Jahr 1986 in unmittelbarer Nähe als Krankenschwester gearbeitet hat. Sie hat seit Monaten nichts mehr von ihrer Tochter gehört, die zum Studium nach Deutschland gereist ist. Ihren Kummer hat sie Leonid Kyjan geschildert, der als Ermittler bei einer Sondergruppe der Kiewer Miliz arbeitet. Zu Ermittlungen in einem Fall von vermutetem Menschenhandel reist er nach Düsseldorf.

Das Buch schildert nicht nur einen Kriminalfall in der Gegenwart, sondern auch die Lebensgeschichte von Walentyna. Die Autorin greift zu einem besonderen Darstellungsstil, indem sie Waltentyna ihre Erinnerungen für ihre Tochter während ihrer einsamen Tage in der Sperrzone mit einem Bleistift in einem Heft aufzeichnen lässt. Diese Abschnitte sind im Buch kursiv gedruckt. Auf berührende Weise beschreibt sie ihre Ausbildung in der Sowjetunion, wie sie ihren Mann kennenlernt und mit ihm schließlich in das privilegierte Prybjat zieht, in dessen Nähe es zu dem Nuklearunfall kam. Diese Beschreibung hat mir die Erinnerung an das Ereignis zurückgebracht. Doch der Unfall passierte damals in der für mich weit entfernten Ukraine. Nun aber war ich an der Seite von Walentyna, die erst so nach und nach begreift, welche Gefahr und vor allem welche Nachwirkungen der Unfall auf die dort Anwesenden haben wird. Sie kann aufgrund der staatlichen Reglementierungen nicht so handeln, wie sie möchte, jede ihrer Handlungen hätte Konsequenzen innerhalb der Familie gehabt. 

In der Gegenwart erzählt Mechtild Borrmann glaubhaft über Menschenhandel und Zwangsprostitution, die durch Bestechlichkeit, Gier und Machtkampf innerhalb der Miliz gefördert werden. Da ich eine junge Kiewerin in Tanjas Alter kenne, ging mir auch dieses Schicksal sehr nahe. Geschickt sind alle drei Erzählebenen miteinander verknüpft, führen aber nicht unbedingt zu dem vom Leser gewünschten Ende. 

Mich konnte das Buch durch die authentischen Charaktere, durchaus realistischen Darstellungen und einem schlichten, aber ergreifenden Erzählstil überzeugen. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Dienstag, 18. November 2014

[Rezension Hanna] Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte - Jessica Park


Inhalt
Julies Freude über ihr bald beginnendes Studium schlägt bei ihrer Ankunft in Boston in Ernüchterung um: Die Wohnung, die sie über das Internet gemietet hat, gibt es gar nicht. Julies Mutter nimmt daher Kontakt zu Erin, ihrer ehemaligen Mitbewohnerin vom College auf, die in Cambridge lebt. Dort kann Julie unterkommen, bis sie etwas Eigenes gefunden hat. Schnell freundet sie sich mit Erins Kindern an. Matt studiert am MIT und kümmert sich neben seinem Studium die meiste Zeit um seine Schwester Celeste. Deren ständiger Begleiter ist eine Pappfigur ihres Bruders Finn, der sich auf Weltreise befindet. Während Julie versucht, zu der liebenswerten, sozial aber eher inkompetenten Celeste durchzudringen, wird sie neugierig auf Finn. Per Facebook nimmt sie Kontakt zu ihm auf, und mit seiner witzigen Art lässt er bald die Schmetterlinge in Julies Bauch flattern. Wann kommt er bloß endlich seine Familie besuchen?

Meinung
Begeisterte Stimmen zu diesem Buch haben mich auf die Geschichte aufmerksam gemacht, und kaum hielt ich das Buch in meinen Händen, musste ich es auch sofort lesen. Ich war absolut neugierig, wie und warum Julie sich in eine Pappfigur verliebt. Wie Julie überhaupt ein Teil von Erins Familie wird, ist plausibel beschrieben, und ich freute mich, mehr über diese Familie herauszufinden.

Auf den ersten Blick wirkt die Familie sympathisch, hochintelligent, aber auch ein wenig merkwürdig. Erin und ihr Mann arbeiten die meiste Zeit an der Harvard University und bestellen ihr Abendessen daher ausschließlich beim Lieferservice. Matt vergräbt sich die meiste Zeit in seinem Studium. Die meisten Rätsel aber wirft Celeste auf, die Papp-Finn mit sich trägt, in der Schule keine Freunde hat, uncoole Klamotten trägt und sich weigert, Geschäfte zu betreten. Julie möchte ihr sehr gerne helfen, was ich gut nachvollziehen konnte. Schritt für Schritt gelingt es ihr, zu Celeste durchzudringen und bald erste Fortschritte zu erzielen. Doch warum verhält sie sich überhaupt so?

Julies Kontakt zu Finn entsteht vor allem aus der Neugier heraus, mehr über den Menschen zu erfahren, in dessen Zimmer sie wohnt und um vielleicht einen Tipp zu erhalten, wie sie mit Celeste umgehen soll. Obwohl sie sich nicht kennen, wird daraus bald ein intensiver Kontakt, und zwischen den beiden fliegen die virtuellen Funken. Finn ist lustig und verständnisvoll und wird in Julies Leben bald zu einem wichtigen Anker. Gemeinsam mit ihr hoffte ich, dass es bald zu einem ersten echten Kennenlernen kommen wird. Könnten die beiden dann eine echte Beziehung führen?

Dem Buch ist es in rasantem Tempo gelungen, mein Herz zu erobern. Ich konnte mich sehr gut in Julie hineinversetzen. Gemeinsam mit ihr rätselte ich, wie man zu Celeste durchdringen kann und hoffte auch ein Treffen mit Finn. Die Geschichte wird die meiste Zeit in einem lockeren und humorvollem Ton erzählt, doch Celestes Verhalten und auch die Familiendynamik ließen mich immer wieder nachdenklich werden. Die psychologische Seite des Romans fand ich äußerst interessant. Julies Chats mit Finn sorgen außerdem zunehmend für romantische Momente. So hat mich die Geschichte bestens unterhalten, aber auch tief berühren können.

Fazit
„Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte“ überzeugte mich mit seiner ungewöhnlichen Idee und Charakteren, die man einfach lieben musste. Mühelos gelingt es der Geschichte, unterhaltend und berührend zugleich zu sein. Ihr wolltet euch schon immer mal in eine Pappfigur verlieben? Dann los, dieses Buch müsst ihr unbedingt gelesen haben!

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Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 21. Juli 2014
Verlag: Loewe Verlag
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Sonntag, 16. November 2014

[Rezension] Emil Ostrovski - Wo ein bisschen Zeit ist

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Titel: Wo ein bisschen Zeit ist
Autor: Emil Ostrovski
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Thomas Gunkel
Erscheinungsdatum: 24.07.2014
Verlag: FJB
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
Handlungsort: Nordwesten der USA
Handlungszeit: Gegenwart


Jack trifft sich mit seinem erwachsenen Sohn an dessen Geburtstag. Dieser steht kurz davor aufs College zu gehen und Philosophie zu studieren Der Leser merkt dadurch gleich, dass Vater und Sohn keinen sehr engen Kontakt zueinander haben. Emil Ostrovski, der junge Autor des Buchs „Wo ein bisschen Zeit ist“ schickt diesen Prolog der eigentlichen Geschichte des Romans voraus, die Jack nun im Folgenden aus der Ich-Perspektive seinem Sohn erzählt. Ich finde es nicht gut, dass in der Inhaltsangabe auf der Rückseite des Umschlags das Ende des Buchs vorweggenommen wird. 

Jack erhält an seinem 18. Geburtstag den Anruf seiner Ex-Freundin Jess, die gerade in einem Krankenhaus den gemeinsamen Sohn zur Welt gebracht hat. Er hatte ihr zur Abtreibung geraten, doch Jess wollte das Kind unbedingt bekommen. Im Krankenhaus erfährt er davon, dass Jess den gemeinsamen Sohn zur Adoption freigegeben hat. Bei Jack keimen Vatergefühle auf und er mag seinen Sohn nicht hergeben. Kurz entschlossen steigt er mit seinem Sohn aus einem Fenster des Krankenhauses und begibt sich mit ihm auf eine Reise die erst ein Ziel findet, als seine an Alzheimer erkrankte Großmutter ihn zur Gratulation anruft. Sie wird er trotz der dazwischenliegenden mehrstündigen Fahrtzeit besuchen, um ihr seinen Sohn zu zeigen! 

Auch sein treuer Freund Tommy ruft zum Geburtstag an. Beide verbinden viele gemeinsam erlebte Tage ihrer Jugend und so wird im Schwelgen über gemeinsam Erlebtes und noch zu Erlebendes eine irrsinnige Fahrt, zunächst mit dem Auto von Tommy und später mit dem Boot von dessen Vater, über den amerikanischen Kontinent. Mit an Bord ist auch Jess, die vor den Adoptiveltern ihres Sohns und der Polizei, die nach dem Entführer sucht, aus dem Krankenhaus geflüchtet ist. 

Das Buch ist eine humorvolle, abenteuerliche Geschichte, deren schneller Handlungsablauf immer wieder unterbrochen wird durch tiefgründige Zwiegespräche, die Jack mit seinem Sohn hält, den er nach dem großen Philosophen der Antike Sokrates nennt. Hin und wieder macht Jack sich bewusst, dass diese Gespräche natürlich eine innere Auseinandersetzung seiner selbst sind. Auf diese Weise nimmt der Leser Teil daran, wie Jack sich mit seiner bisherigen Sorglosigkeit auseinandersetzt, die sogar soweit geführt hat, dass er sich umbringen wollte, als er über seine Glückwünsche zum Geburtstag nachgedacht hat. Doch die Angst vor Folgeschäden hat ihn davon abgehalten. Dies war ein erster Schritt sich darüber klarzuwerden, welche Auswirkungen Handlungen haben können. 

Die sich mühelos lesende, lebendige Erzählung ist nur die Basis für eine viele tiefergehende Erfahrung, die der Leser an der Seite von Jack nachvollziehen kann. Man merkt der Geschichte an, dass der Autor selber noch jung ist, nämlich Anfang 20, da er die Handlungen und Gedanken seines Protagonisten so leicht zu Papier bringt. Dabei bleibt die richtige Behandlung des Babys auf der Tour Nebensache, die zunehmende Übernahme von Verantwortung steht im Vordergrund. Emil Ostrovski weiß mit phantasievollen und frischen Einfällen den auch wenig an philosophischen Gedankengängen interessierten Leser immer wieder in seine Erzählung zurückzuziehen. Unter der Oberfläche der Romanidee geht es um Freundschaft, das Erwachsenwerden, die Unendlichkeit und vieles mehr. 

„Wo ein bisschen Zeit ist“ ist ein besonderer Roman, der neben der Beschreibung einer unglaublichen Flucht ganz nebenher ein wenig Philosophie vermittelt und den Leser zum Mitdenken über die großen Fragen der Menschheit anregt. Gerne empfehle ich dieses Buch weiter. 

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