Montag, 6. Februar 2023

Rezension: Fräulein vom Amt - Der Tote im Kurhaus von Charlotte Blum

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Fräulein vom Amt: Der Tote im Kurhaus
Autorin(nen): Charlotte Blum
Erscheinungsdatum: 25.01.2023
Verlag: Scherz (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783651001121
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Alma Täuber, die als „Fräulein vom Amt“ in der Kur- und Bäderstadt Baden-Baden arbeitet und bereits vor einigen Monaten bei der Aufklärung eines Mordfalls behilflich war, ermittelt im Roman „Der Tote im Kurhaus“ zum zweiten Mal. Sie ist die Protagonistin in der nach ihrem Beruf benannten Serie von Charlotte Blum, einem offenen Pseudonym der beiden Autorinnen Regine Bott und Dorothea Böhme. Der Untertitel gibt selbstredend den Fundort des Verstorbenen preis. Wie es zum Todesfall kam, wirft Rätsel auf.

Der fiktive kulturelle Höhepunkt der Stadt im Jahr 1924 stellt die Aufführung einer Verdi-Oper im Kurhaus dar, bei der die ägyptische Königstochter „Aida“ im Fokus steht. Dazu werden hochkarätige Ensemblemitglieder engagiert. Viele Gäste kommen von auswärts zur Premiere. Am nächsten Tag findet passend zum Thema Ägypten ein Motto-Abend mit Musik und Tanz statt, auf dem Interessierte auch einige Skulpturen von Ausgrabungsstätten des fernen Landes besichtigen können. Am nächsten Morgen wird der Tenor der Oper vor dem Kurhaus tot aufgefunden und es gibt nur wenige Zweifel daran, dass er erschlagen wurde. Der Hauptverdächtige stand in einer Beziehung zu Emmi, der besten Freundin und Mitbewohnerin von Alma, von der sie um Hilfe gebeten wird, um dessen Unschuld zu beweisen.

Alma ist im Gegensatz zu Emmi bedächtiger in ihren Handlungen. Zum Teil ist das ihrem Beruf geschuldet, denn von den Fernsprechvermittlerinnen wird ein sittsames Leben erwartet. Für die Fräulein vom Amt bleibt die Wahl zwischen Heirat oder Beruf, was für Alma nicht immer einfach ist, weil sie sich ein Leben an der Seite von Kriminalkommissar Schiller gut vorstellen kann, aber auch ihre Arbeit liebt, die ihr Unabhängigkeit gibt. Die Autorinnen schildern im Roman vorstellbare Szenen aus dem Alltag in der Vermittlung mit zwischenmenschlichen Konflikten innerhalb der Gruppe der dort Tätigen wie auch im Kontakt mit den Anrufenden.

Emmi ist im Gegensatz zu Alma lebenslustiger und in Liebesdingen unbeständiger. Ihr Beruf als Dekorateurin führt sie in die Häuser der Gutbetuchten sowie in Hotels und öffentliche Gebäude. Mit ihr gelingt Charlotte Blum eine Konstruktion, die Alma trotz ihres zurückhaltenden Lebensstils an Orte führt, die ansprechend sind und Flair zeigen. Lediglich die Erläuterungen zu den Zusammenhängen führen schonmal zu kleinen Längen.

Die Autorinnen binden zahlreiche Details über die damalige politische Situation, aber auch zu Musik, Film, Mode und Literatur in die Geschichte ein. Baden-Baden gibt sich mondän und im Trend der Zeit. Ferne Länder zu erkunden ist teuer, aber machbar und wird für viele zum Traumziel. Ein Glossar am Ende des Romans erklärt einige historische Persönlichkeiten, Begebenheiten und kulturelle Glanzstücke.

Mit dem zweiten Band „Der Tote im Kurhaus“ der Serie um Alma Täuber, dem „Fräulein von Amt“ ist Charlotte Blum erneut ein Roman gelungen, dessen Handlungen gut aufeinander abgestimmt sind und dabei ein vorstellbares Bild der Stadt und Gesellschaft von Baden-Baden im Jahr 1924 vermitteln. Das Ende der Geschichte verheißt auch für den dritten Band eine Zusammenarbeit von Alma und ihren Freunden bei Fallermittlungen in der Kurstadt und lässt mich mit dem Untertitel „Spiel auf Leben und Tod“ auf dramatische Begebenheiten hoffen. Gerne empfehle ich das Buch an Freunde historischer Romane weiter. 

Sonntag, 5. Februar 2023

Rezension: Mann im Mond (Erzählungen) von Lana Bastašić


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Mann im Mond (Erzählungen)
Autorin: Lana Bastašić
Hardcover: 208 Seiten
Erschienen am 25. Januar 2023
Verlag: S. FISCHER

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Ein Junge und sein jüngerer Bruder stellen sich im Garten lebhaft die Ereignisse rund um die Mondlandung vor, während die Eltern drinnen vor dem Fernsehen gemeinsam mit ihren Gästen die Vorgänge am einzigen Fernseher des Dorfes anschauen. Der Junge hat noch Schmerzen von dem letzten Mal, als er von seinem Vater verprügelt wurde, und ist froh, dass sein kleiner Bruder bislang von ihm verschont blieb. Woanders wird ein Junge von seinem Vater nach der Schwimmstunde gedemütigt, und ein Mädchen soll auch nach der Sportstunde weiterlaufen, bis ihr Lehrer plötzlich zusammenbricht. Zwei Geschwister werden von ihrer Mutter auf die Rückkehr ihres Vaters aus dem Krieg vorbereitet.

Lana Bastasic hat in diesem Buch zwölf Erzählungen vereinigt, die gemein haben, dass sie alle aus der Perspektive eines Kindes geschrieben sind. Schon der erste Satz der ersten Erzählung - "Ich brauchte ganz schön lange, um Papa zu erwürgen." (S.9) - verdeutlicht, dass dieses Buch eine schwere Lektüre ist. Es geht um Ängste und ganz verschiedene traumatische Erlebnisse, welche die Kinder gerade erfahren oder erfahren haben, meist im Zusammenhang mit ihren Eltern oder einer anderen nahen Bezugsperson. 

Die Erzählungen beginnen teils mit alltäglichen Situationen, bis es zu einer schockierenden, oftmals geradezu verstörenden Entwicklung kommt. Andere steigen bereits mit einem klaren Statement ein, was Leser:innen erwartet. Oft ist es ein Ich-Erzähler oder ein Ich-Erzählerin, dem oder der ich mich nahe fühlte. Einzelne Geschichten sind aber auch in einer Er-, Du- oder Wir-Form geschrieben. Sprachgewandt erzählt Lana Bastasic von Angst, Hilflosigkeit, Wut und Trauer, aber auch Momenten des Mutes und der Selbstermächtigung. 

Die Erzählungen stimmten mich nachdenklich im Hinblick darauf, wie mächtig der Einfluss erwachsener Bezugspersonen auf Kinder ist und wie traumatische Erlebnisse sie ihr Leben lang prägen werden. Die Mehrheit der Geschichten hat mich berühren und schockieren können, es gab jedoch auch einige, aus denen ich weniger herausziehen konnte. Insgesamt eine eindrückliche Lektüre, die ich weiterempfehlen kann.

Montag, 30. Januar 2023

Rezension: Fräulein Gold - Die Rote Insel von Anne Stern

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Fräulein Gold - Die Rote Insel (Band V)
Autorin: Anne Stern
Erscheinungsdatum: 15.11.2022
Verlag: Rowohlt Polaris (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783499009167
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Der fünfte Band der „Hebamme von Berlin“-Serie von Anne Stern führte mich als Leserin auf die sogenannte Rote Insel in der Hauptstadt Deutschlands, die für den vorliegenden Teil der Reihe titelgebend ist. Die Gegend wird nicht etwa als Insel benannt, weil Wasser sie umgibt, sondern weil sie von Bahnlinien eingegrenzt wird. Auf der Karte, die sich hinter der vorderen Klappe verbirgt, ist dieser Umstand sehr schön illustriert. Die Protagonistin Hulda Gold hat hier eine neue Unterkunft und Arbeit gefunden. Die Farbe Rot in der Bezeichnung nimmt Bezug darauf, dass dort früher die linke Arbeiterbewegung verbreitet war, die auch im vorliegenden Roman eine Rolle spielt.

Im Juni 1926 ist Hulda von ihrem verstorbenen Verlobten hochschwanger. Ihre Arbeit an der Klinik durfte sie nicht weiter ausüben und als zukünftig alleinerziehende Mutter musste sie auch ihre Wohnung aufgeben. Ihre Freundin Grete, Ärztin auf der Roten Insel, beschäftigt sie als Arzthelferin und hat dafür gesorgt, dass sie im Souterrain des Hauses, in dem die Praxis liegt, ein Zimmer beziehen kann. Grete hilft Frauen in schwierigen Situationen, Hulda steht ihr dabei zur Seite. Mit Bedenken sieht Hulda die Entwicklung, dass die links Gesinnten, zu denen auch ihre Freundin gehört, zunehmend in Zwist geraten mit den Anhängern der erstarkenden nationalsozialistischen Bewegung. Als ein Kohlenhändler aus dem Viertel erschlagen aufgefunden wird, trifft Hulda auf ihren früheren Geliebten Karl, der für seinen Vater die Umstände des Mords aufklären soll.

Anders als bisher wirft der Prolog kein Rätsel auf, wie er in die kommende Geschichte einzuordnen ist, sondern beschreibt eine Situation vor acht Jahren im Leben von Grete, die zeigt, wie sich deren Meinung zu bestimmten Themen entwickelt hat. Im Mittelpunkt des fünften Bands stehen diesmal nicht nur die Gefühle von Hulda, die durch die nahe Geburt beeinflusst sind und sie nun auf der anderen Seite erfahren lassen, was sie schon viele Male als Hebamme erlebt hat. Außerdem gelingt es Anne Stern, mir als Leserin die Hintergründe des Konflikts zwischen rechter und linker politischer Gesinnung verständlich zu machen. Sie ließ das Tagesgeschehen von Hulda mit weiteren Informationen zu gerade angesagten Themen lebendig werden.

Hulda kann sich nicht der Tatsache entziehen, dass ihr Kind von einem Vater aus einer höheren Gesellschaftsschicht stammt. Der Besuch in seinem Elternhaus verdeutlicht ihr den Kontrast zur deutlich ärmeren Bevölkerungsschicht, die in ihrer neuen Heimat wohnt und zu denen auch Frauen gehören, die Gretes Praxis aufsuchen. Sie versucht zu verstehen, warum Grete an ihren Ansichten festhält, wodurch es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Frauen kommt, ohne dass ihre Freundschaft dadurch beeinträchtigt wird.

Im fünften Band der Romanreihe über ihr „Fräulein Gold“ beschreibt Anne Stern erneut mit viel Feinsinn, vorstellbar und mit vielen Erklärungen und Details, wie ihre Protagonistin Hulda, die hochschwanger ist, einen neuen Anfang gewagt hat. Aber dennoch blickt sie in eine unsichere Zukunft und muss sich in Anbetracht dessen und in Erwartung des baldigen Mutterglücks mit ihren Gefühlen auseinandersetzen, während sie in ihrem Umfeld Ausschreitungen politischer Denkart erlebt. Glücklicherweise stellt Hulda fest, dass ihre früheren Freunde und Freundinnen sie nicht vergessen haben. Daraus schöpft sie Mut und Zuversicht. Das Ende gestaltet sich dramatisch und spannend. Ich freue mich auf den nächsten Band, zu dem es bereits eine Leseprobe im Buch gibt. Sehr gerne empfehle ich das Buch an Lesende historischer Romane weiter.


Donnerstag, 26. Januar 2023

Rezension: Die Frauen vom Lindenhof: Ein Neuanfang für uns von Katharina Oswald

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die Frauen vom Lindenhof: 
Ein Neuanfang für uns (Band 1 von 3)
Autorin: Katharina Oswald
Erscheinungsdatum: 25.01.2023
Verlag: S. Fischer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch mit Klappen
ISBN: 9783596706525

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Thema der Trilogie „Die Frauen vom Lindenhof“ ist das Streben nach Selbstbestimmung der jeweiligen Protagonistin in den 1950er, 1980er und 2000er Jahren. Sie leben auf einem Hof, der etwas außerhalb eines Dorfs im Hohenloher Land in Baden-Württemberg liegt. Andrea Bottlinger und Claudia Hornung schreiben die Reihe gemeinsam unter dem offenen Pseudonym Katharina Oswald. Im ersten Band mit dem Untertitel „Ein Neuanfang für uns“ kämpft Marianne Wagner 1953 und den folgenden Jahren darum, eigenständig die Schreinerei ihres verstorbenen Vaters mit einer frischen Geschäftsidee weiterführen zu können.

Mariannes Mutter Barbara verdient mit Näharbeiten das Geld für den Haushalt der Familie zu der sie selbst, ihre drei Kindern und ihr Schwiegervater gehören. Nach dem Verlassen der Volksschule hat Marianne sie im Haushalt auf dem Lindenhof unterstützt und Botengänge erledigt. Doch sie möchte gerne mit einer Arbeit, an der sie Freude hat, Einkommen erzielen. Die Schnitzarbeiten ihres Opas wecken ihr Interesse und andernorts sieht sie schöne Dinge aus Holz, die sie zu der Überlegung bringen, die Werkstatt wieder aufzubauen. Mit Ausnahme ihres engsten Umfelds glaubt niemand an die Verwirklichung ihrer Vorstellungen und sie muss viele Steine beiseite räumen, die ihr in den Weg gelegt werden.

In einem angenehmen Schreibstil schildern die beiden Autorinnen die Mühen der Protagonistin um ein selbstbestimmtes Leben. Mit dem Freund der jüngeren Schwester bringen sie einen Antagonisten ins Spiel, der Marianne das Leben schwer macht. Aber nicht alle seine Einwände sind von der Hand zu weisen, wenn man sie in den zeitlichen Kontext einordnet. Er verhält sich zuvorkommend gegenüber seiner Freundin. Die Autorinnen verstehen es, seine wahren Absichten lange verbergen.

Glücklicherweise findet die Hauptfigur Unterstützung bei Personen, auf die sie sich verlassen kann, denn ohne sie ist die Erfüllung ihres Traums kaum möglich. Mehr als einmal überlegt Marianne aufzugeben. Einer, der ihr Mut macht und seine Arbeitskraft eifrig einsetzt ist Alexandre, dessen familiäre Herkunft lange geheim bleibt. Von Beginn an, weiß die Protagonistin, dass der Lindenhof nur eine Zwischenstation für ihn ist, weil er seine eigenen Träume verwirklichen möchte. Es entsteht eine hintergründige Spannung dadurch, ob Marianne sich ohne ihn zurechtfinden wird, sowohl in beruflicher Sicht als auch in Sachen Liebe. Gerne hätte ich mehr über ihre Kindheit und Jugend erfahren sowie ihr Alter.

Auch acht Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Erinnerung daran immer noch lebendig und hat seelische Wunden hinterlassen. Obwohl Frauen sich zur Kriegszeit nicht nur im Haushalt , sondern oft im Beruf engagieren mussten, um das Überleben der Familie und beziehungsweise oder den Bestand des Unternehmens zu sichern, werden sie in den 1950er wieder in die früheren Rollenverhältnisse zurückgedrängt. In Katharina Oswalds Geschichte ist der Esprit der Zeit deutlich zu spüren. Neben dem Charme der ländlichen Gegend vermittelten die Autorinnen mir auch einen Eindruck vom Stadtleben in Schwäbisch Hall.

Mit dem Roman „Ein Neuanfang für uns“ ist Katharina Oswald der Auftakt der Serie über die Frauen vom Lindenhof gelungen. Auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben muss sich die Protagonistin Marianne gegen die in den 1950er Jahren allgemein geltende Überlegenheit der Männer in Sachen Entscheidungen durchsetzen. Sie kämpft mit unvorhersehbaren Schicksalsschlägen und verliebt sich in einen Mann, der mit seinem Talent beruflich in Paris erfolgreich werden möchte. Von Beginn an hofft man, dass die sympathische Hauptfigur ihre Ziele erreichen wird. Mancher Rückschlag sorgt dabei für ein ergreifendes Lesevergnügen bis zum Schluss. Gerne empfehle ich das Buch weiter und freue mich auf den zweiten Band, der in den 1980er Jahren spielen wird.


Mittwoch, 25. Januar 2023

Rezension: Mann im Mond (Erzählungen) von Lana Bastašić

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Mann im Mond (Erzählungen)
Autorin: Lana Bastašić 
Übersetzerin: Rebekka Zeinzinger
Erscheinungsdatum: 25.01.2023
Verlag: S. Fischer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783103971538

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Im Buch „Mann im Mond“ von Lana Bastašić vereinen sich zwölf Erzählungen, die einzig durch ihr Eigentümlichkeit und dem kindlichen Alter ihrer ProtagonistInnen verbunden sind. Es sind Geschichten rund um Furcht und Angst in ihrer vielfältigen Form und zeigen die Reaktionen des betroffenen Kinds, manche männlich, aber meist weiblich. Die Handlungen siedelt die Autorin zu verschiedenen Zeiten an ohne eine genaue Einordnung vorzunehmen.  Beispielsweise spielt die titelgebende „Mann im Mond“-Erzählung zur Zeit der ersten Mondlandung Ender der 1960er und „Papa kommt heim“ vermutlich im Dezember 1995 als der Bosnienkrieg beendet war. Social Media oder auch nur ein Handy sind keine Themen im Buch.

Mich erinnerten die Geschichten an meine eigene Kindheit und die Unsicherheiten, die ich damals empfunden habe. Jedoch treibt Lana Bastašić die Situation immer wieder auf die Spitze, übertreibt und lässt sie abstrus enden. Aber vorher erleben die Kinder Sorge und Beklemmung. Sie leben mit einem Vater, der gewalttätig wird, an sich selbst Hand anlegt oder provoziert. Andere erfahren eine alkoholisierte Mutter oder eine bei der das Kind für andere zurückstehen muss. Die Kinder stellen sich solche Fragen wie zum Beispiel, was die Folge sein wird, wenn das oder jenes passiert oder wenn es selbst das oder jenes tut. Wird darüber jemand böse sein und es bestrafen? Ob solches, was es selbst beobachtet, alltäglich ist oder einmalig? Ihre Fragen stellen sie niemandem, sie bleiben unbeantwortet, denn das Kind kann nicht ermessen, ob die Frage selbst Ärger auslösen wird.

Aus den Geschichten liest sich heraus, dass es besser zu sein scheint, sich so zu verhalten wie allgemein angemessen. Aber wie kann ein Kind wissen, was angebracht ist? Die Unsicherheit, das Nichtwissen verbunden mit Unerfahrenheit sammelt sich zu einer Mischung, die einige Male explodiert und zu Reaktionen führt, die beängstigen und dem Lesenden nicht nur die Absurdität vor Augen führen, sondern auch zu rufen scheinen: nehmt uns Kinder wahr, erklärt uns die Welt und sorgt für unser geistiges und körperliches Wohl.

Die Erzählungen im Band „Mann im Mond“ von Lana Bastašić bestechen durch die ungewöhnlichen Handlungen, die die kindlichen Hauptfiguren als Reaktion auf ihr Umfeld zeigen. Sie brachten mich zum Nachdenken über soziale Gerechtigkeit, Erziehungsstile und unsere Verantwortung gegenüber Schwächeren. Es sind Geschichten, die nachhallen und daher empfehle ich sie gerne weiter.

Dienstag, 24. Januar 2023

Rezension: Alle Farben meines Lebens von Cecelia Ahern

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Alle Farben meines Lebens
Autorin: Cecelia Ahern
Übersetzerin: Ute Brammertz und Carola Fischer
Erscheinungsdatum: 27.10.2022
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783492071802
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Im Roman „Alle Farben meines Lebens“ von Cecelia Ahern entdeckt die achtjährige Alice, dass sie die besondere Eigenschaft besitzt, die eine Person umgebende Aura wahrzunehmen. Die Auren haben unterschiedliche Farben, an denen sie erkennt, in welcher Stimmung der entsprechende Mensch, ob er ehrlich ist, beziehungsweise in welchem gesundheitlichen Zustand er sich befindet. Die besondere Fähigkeit ihrer Protagonistin wird von der Autorin nicht genau bezeichnet, aber im Bereich der Synästhesie angesiedelt. Insoweit verbleibt ein mystisches Element, welches sich durch die Geschichte bis zum Ende zieht.

Die Mutter von Alice ist alleinerziehend und hat noch zwei Söhne. Weil ihre eigenwillige Begabung als Kind nicht richtig aufgefasst wird, stellt man bei Alice Förderbedarf fest und schickt sie in ein Internat für verhaltensauffällige Schüler und Schülerinnen. Cecelia Ahern begleitet ihre Protagonistin bis zum Ende ihres Lebens. Eine zeitliche Einordnung unterbleibt, so dass ich vermute, dass der Beginn der Geschichte etwa in den 1980er liegt, der Schluss also in der Zukunft spielt. Für den Roman spielen aktuelle Entwicklungen in der Politik oder den Medien keine Rolle.

Immer wieder blickt die Autorin zurück auf die prägenden Jahre von Alice im Internat. Nach ihrer Schulzeit ist Alice Mutter pflegebedürftig und Alices Alltag besteht in deren Pflege und Versorgung. Es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden. Erst mit und mit findet Alice heraus, was ihr guttut, was sie sich selbst für ihr weiteres Leben wünscht und in welchem Rahmen sie es verbringen kann und möchte. Einen entscheidenden Aspekt bilden dabei die Farben der sie umgebenden Menschen. Sie können auch auf andere abfärben und darum versucht sie ihnen ständig auszuweichen versucht, denn sie hat Angst, dass negative Gefühle sich ihrer bemächtigen könnten.

Die Autorin beschreibt die Wahrnehmung von Alice meist sehr detailliert. So konnte ich mir gut die beschriebenen Probleme vorstellen, die dabei für sie entstehen. Oft fühlt Alice sich unverstanden, manchmal möchte sie die Öffentlichkeit meiden, später will sie ihr Leben unter Leuten genießen. Für sie ist es zuweilen eine Gratwanderung zwischen Erschöpfung und Tatendrang.  Doch eines Tages begegnet sie einem Mann, dessen Aura sie nicht sehen kann, und von dem sie sich magisch angezogen fühlt. Die Beziehung entwickelt sich für die beiden zu einer bezaubernden Liebesgeschichte.

Von der Idee her ist der Roman „Alle Farben meines Lebens“ einzigartig. Cecelia Ahern beschreibt einfühlsam und ausführlich die Gefühle ihrer Protagonistin Alice beim Betrachten der Auren anderer Menschen, was schonmal zu kleinen Längen führen kann. Ihrem bisherigen Schreibstil entsprechend, der in der Regel Höhen und Tiefen des Lebens verdeutlicht, lässt sie die Hauptfigur in einem Umfeld agieren, das einige Schicksale bietet, aber auch schöne Seiten zeigt. Gerne empfehle ich das Buch weiter.


Freitag, 20. Januar 2023

Rezension: Zimt- Zwischen den Welten geküsst (2. Buch der 2. Staffel) von Dagmar Bach

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Zimt - Zwischen den Welten geküsst
(2. Buch von 3 der 2. "Zimt"-Staffel)
Autorin: Dagmar Bach
Illustratorin: Inka Vigh
Erscheinungsdatum: 30.11.2022
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Farbschnitt
ISBN: 9783737342766
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Auch im zweiten Band der zweiten Staffel der Zimt-Reihe von Dagmar Bach durfte ich die Protagonistin Vicky King und ihren Freund Konstantin bei ihren Sprüngen in eine der unzähligen Parallel-Welten begleiten. Der Prolog lässt erahnen, dass die Probleme aus dem vorigen Teil, die ein Klassenkameraden von Vicky in einem parallelen Universum ausgelöst hat, immer noch nicht ganz beseitigt sind.

Zum ersten Mal findet Vicky bei ihren Sprüngen in ihrer Anderen-Welt-Familie eine Schwester vor. Schnell merkt sie, wie unerfahren sie im Umgang mit ihr ist. Turbulent wird es, als die Eifersucht sie packt und sie eine spontane Idee sofort in die Tat umsetzt, denn ihre Zeit in der anderen Welt ist jeweils begrenzt und nie weiß sie, ob und wann sie zurückkehren wird. Doch diesmal löst ihr Handeln eine Folge von Ereignissen aus, die das Leben ihres anderen Ichs auf den Kopf stellt. Die Schuldgefühle nimmt Vicky mit in die Realität, in der sie sich damit auseinandersetzen muss, dass ihre Mutter sich eventuell zu einer Bürgermeisterkandidatur entschließen muss.  

Der Alltag der 15-jährigen Vicky wird wieder mehrfach unterbrochen vom Zimtduft, der die Sprünge auslöst. Ihre Angst davor, dabei wieder in der Welt zu landen, die im letzten Serienteil im Fokus stand, ist immer noch begründet und jetzt kommt noch eine gewisse Furcht vor einer anstehenden örtlichen Veränderung in der neuen Parallelwelt hinzu. Ihre Beziehung zu Konstantin entwickelt sich aufgrund der gemeinsamen Erfahrung ihrer Abenteuer weiter und stellt diese auf eine neue Ebene.

Es ist immer wieder schön zu erleben, wie umsichtig Vicky ist und wie viele Gedanken sie sich über die Personen macht, die ihr am Herzen liegen. Das, was ihr wichtig ist, verteidigt sie mit all ihren Möglichkeiten und versucht gerecht und fair zu bleiben, auch wenn ihr das nicht immer gelingt. Ihre Handlungen reflektiert sie und versucht aus ihren Fehlern zu lernen. Das eigenwillige Tun der Großeltern von Vicky sorgt auch diesmal für Aufheiterung.

Der Autorin gelingt es immer wieder mit neuen Wendungen, die Spannung bis zum Schluss zu steigern. Am Ende eines Kapitels im letzten Drittel deutet die Autorin an, dass das weitere Geschehen sich nicht im Sinne von Vicky entwickelt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt setzte bei mir unweigerlich ein Lesesog ein.

Erneut konnte mich Dagmar Bach mit dem Geschehen in ihrem Roman „Zimt- Zwischen den Welten geküsst“ mit einer Mischung aus Liebe, feinsinnigem Humor, Spannung und dem mystischen Element des Weltensprungs fesseln. Ungeduldig warte ich nun auf den abschließenden dritten Band der zweiten Zimt-Staffel. Auch vom optischen her ist das Buch wieder mit den Illustrationen von Inka Vigh innen wie außen toll gestaltet. Sehr gerne empfehle ich das Buch an Jugendliche und ältere Leser weiter.


Mittwoch, 18. Januar 2023

Rezension: Feldpost von Mechtild Borrmann

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Feldpost
Autorin: Mechtild Borrmann
Erscheinungsdatum: 02.11.2022
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783426281802
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Kurz vor Weihnachten im Jahr 2000 sitzt die Anwältin Cara Russo in einem Café und schreibt Weihnachtsgrüße. Eine ihr unbekannte Frau bittet sie, auf einem unbesetzten Stuhl an ihrem Tisch Platz nehmen zu dürfen. Sie erzählt ihr ungefragt von einer verschollenen Bekannten. Wenig später vermutet Cara, dass die Frau das Café verlassen hat, aber ihre Einkaufstasche steht noch an ihrem Platz. Darin findet sie einen Koffer, der unter anderem Feldpostbriefe enthält. Auf ihnen basiert die Geschichte des Romans „Feldpost“ von Mechtild Borrmann.

Gerne möchte Cara die Tasche zurückgeben. In den Briefen liest sie von einer großen Liebe im Zweiten Weltkrieg. Einzig die Anschriften auf den Briefumschlägen bieten ihr einen Anhaltspunkt für die Suche nach der unbekannten Frau und auch, um vielleicht mehr über die Geschichte hinter den Briefen zu erfahren.

Immer wieder wechseln die Kapitel in die Vergangenheit in die 1930er und 1940er Jahre, in denen die Familien Kuhn und Martens im Fokus stehen. Nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder sind befreundet. Doch dann trennen sich ihre Wege als einer der Väter aufgrund von Sabotage verhaftet wird, während der andere längst den Nationalsozialisten beigetreten ist. Um die Flucht der Kuhns zu ermöglichen, treffen die beiden eine besondere Vereinbarung über deren Villa.

Mechtild Borrmann erzählt auf beiden Zeitebenen im Präsens, wodurch das Geschehen nah heranrückt. Mit ihrem profunden Wissen um die damalige Zeit gelingt es ihr, die Handlungen ihrer Figuren lebendig zu gestalten. Sie verdeutlicht, dass die rigide Auslegung der geltenden Gesetze und die damals herrschenden Ansichten viele Personen in Schwierigkeiten brachten und eine Gegenwehr kaum möglich war. Eine verbotene Liebe in dieser Zeit aufrecht zu erhalten, erforderte Einfallsreichtum und Organisation. Es ist bewegend davon zu lesen, dass dadurch eine andere Person in ihren Gefühlen gekränkt und schließlich wortbrüchig wurde.

Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, die die Autorin in einem Tagebucharchiv recherchiert hat. Mit diesem Wissen wirken die beschriebenen Ereignisse noch berührender. Mit und mit erfuhr ich immer mehr Details zu den offenen Fragen, die sich aus den gefundenen Briefen ergeben haben und bis zum Ende hin zu Antworten beitragen.

In ihrem Roman „Feldpost“ nimmt Mechthild Borrmann den Lesenden mit in die Vergangenheit zu einer ergreifenden Liebe, die nicht sein darf in den Wirren der Zeit des Nationalsozialismus. Hoffnung und Vertrauen stehen Schuld und Eifersucht gegenüber und vermischen sich zu einer tragischen Erzählung, die nachhallt. Daher empfehle ich das Buch gerne weiter.

 



Montag, 16. Januar 2023

Rezension: Die Liebe an miesen Tagen von Ewald Arenz


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Die Liebe an miesen Tagen
Autor: Ewald Arenz
Hardcover: 384 Seiten
Erschienen am 16. Januar 2023
Verlag: DuMont Buchverlag

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Elias arbeitet als Schauspieler am Theater und steckt in einer Beziehung mit Vera, bei der der sich allmählich einzugestehen beginnt, dass sie ihn liebt, er sie aber nicht. Als Vera ihn überredet, ohne echte Kaufabsicht ein Häuschen auf dem Land zu besichtigen, trifft er dort auf Clara. Diese ist ein paar Jahre älter als Elias und verwitwet, denn sie hat ihren Mann vor einiger Zeit an Krebs verloren. Nun ist sie endlich bereit, sich von dem Häuschen zu treffen, das sie zusammen renoviert haben, denn nach ihrer Kündigung als Fotographin bei einer Zeitung kann sie das Geld gut gebrauchen. Elias und Clara fühlen eine Anziehungskraft zueinander, die sie vor die Frage stellt, ob das mit ihnen funktionieren kann. Ein Schicksalsschlag lässt schließlich vieles in einem neuen Licht erscheinen.

Die Geschichte wechselt zwischen den Perspektiven von Elias und Clara hin und her und ließ mich die Charaktere kurz einzeln kennenlernen, bevor es auch schon zu der ersten Begegnung zwischen den beiden bei der Hausbesichtigung kommt. Die beiden liefern sich einen unterhaltsamen Schlagabtausch und schnell ist klar, dass sie eine gewisse Faszination füreinander haben. Eine erneute Begegnung lässt nicht lang auf sich warten und ich war gespannt, ob Elias für Clara seine Beziehung beenden wird und sich die beiden aufeinander einlassen können.

Während sich allmählich eine Liebesgeschichte entwickelt, erfuhr ich gleichzeitig mehr über das Alltagsleben der beiden. Clara hat gerade ihren Job verloren und muss gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Bruder über die Zukunft der Mutter entscheiden, die sich zunehmend in ihrer Demenz verliert. Elias steckt in einer Beziehung, die ihn nicht erfüllt, und flüchtet sich mehr Stunden als nötig in sein Theater. Außerdem versucht er, ein gutes Verhältnis zu seiner Teenager-Tochter Jule aufzubauen. Ewald Arenz hat einen einnehmenden, poetischen Schreibstil. Ich fühlte mich Elias und Clara nahe und war neugierig auf den Weg, der vor ihnen liegt. Gleichzeitig kommt die Handlung nur in kleinen Schritten voran und ich wartete darauf, dass etwas Wegweisendes geschieht.

Im letzten Drittel kommt dann eine dramatische Wendung, was für meinen Geschmack relativ spät war. Ein plötzlicher Schicksalsschlag zog mir beim Lesen geradezu den Boden unter den Füßen weg. Ich hoffte und bangte mit und konnte ab diesem Moment das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Beteiligten werden vor fundamentale Entscheidungen gestellt. Von da an ist es in erster Linie eine sehr emotionale Lektüre, eine Achterbahn der Gefühle, die mich trotz einiger trauriger Szenen das Buch mit einem guten Gefühl beenden ließ. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung.

Sonntag, 15. Januar 2023

Rezension: Die Süße von Wasser von Nathan Harris

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die Süße von Wasser
Autor: Nathan Harris
Übersetzer: Tobias Schnettler
Verlag: Eichborn (Link zur Buchseite des Verlags)
Erscheinungsdatum: 28.10.2022
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783847901211

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In seinem Debüt „Die Süße von Wasser“ schreibt Nathan Harris über die fiktiven Brüder Prentiss und Landry aus Georgia, die nach der ab 1863 für die amerikanischen Südstaaten geltenden Emanzipationserklärung, ihre Freiheit erhalten haben und sich auf Arbeitssuche begeben. Die Süße von Wasser nach einem anstrengenden Tag auf dem Feld war während ihrer Versklavung eine ihrer großen Freuden. Der kauzige Farmbesitzer George Walker gibt ihnen unweit der Plantage ihres bisherigen Besitzers Arbeit und Unterkunft.

Die Brüder begegnen ihrem zukünftigen Arbeitgeber beim Umherstreifen in den Wäldern. Nicht nur die beiden haben sich verlaufen, sondern auch George, der auf der Suche nach einem großen Tier ist, von dem er glaubt, es vor vielen Jahren einmal gesehen zu haben. Seither drängt es sich immer wieder beim Aufwachen in seine Gedanken. Als Caleb, der Sohn von George vom Kriegseinsatz heimkehrt, stellt er erstaunt fest, dass sein Vater ein Stück seines Farmlands angefangen hat zu bebauen. Caleb sehnt sich danach, eine frühere Liebesbeziehung wieder aufzunehmen, die aber nicht an die Öffentlichkeit dringen darf. Argwöhnisch beobachten die Einwohner des naheliegenden Orts die Bewohner der Farm und deren Tun und Lassen, das nicht der von ihnen gesetzten Norm entspricht.

Nathan Harris große Stärke ist die Gestaltung seiner Figuren. Durch zahlreiche Rückblicke erklärt er deren eigenwillige Verhaltensweisen. Er gewährt einen Einblick in den Alltag der beiden Brüder, während sie versklavt waren, welches erklärt, wodurch ihre zahlreichen körperlichen und psychischen Verletzungen herrühren. George hat eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber vielen Themen entwickelt. Er wurde durch die Ansichten seines Vaters geprägt, die er schon in jungen Jahren hinterfragt hat.

Caleb beginnt, hinter die Fassaden der Menschen zu blicken, die ihn für ihre Zwecke bisher instrumentalisierten. Ihm gelingt es immer besser, den Mut zu finden, für sich selbst einzustehen. Eine weitere wichtige Person im Figurengeflecht ist Isabelle, die Frau von George. Sie steht seit Jahren an der Seite ihres Mannes und respektiert seine Marotten. Sie hat einen Teil ihrer Ängste überwunden und weiß, wann sie resolut durchgreifen oder sich zu ihrem eigenen Schutz zurückziehen muss.  

Jede der Figuren ist auf ihre Art verletzlich und sucht sich auf eigene Weise einen geschützten Rückzugsort, was nicht nur räumlich gemeint ist. Ruhige Wälder und weite Felder geben dem Roman Atmosphäre ebenso wie machthungrige Bürger und beeinflussbare Gesetzeshüter.

Der Roman „Die Süße des Wassers“ von Nathan Harris ist eine wunderbar geschriebene, berührende Geschichte über Humanität und Leidenschaft, Mut und Selbstbehauptung, die nachhallt. Dem gegenüber steht die betrübende Seite einiger Farmbesitzer, die ihr Ansehen in der Gesellschaft in Gefahr sehen. Daher vergebe ich sehr gerne eine uneingeschränkte Leseempfehlung.


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