Donnerstag, 23. Februar 2023

Rezension: Als Großmutter im Regen tanzte von Trude Teige

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Als Großmutter im Regen tanzte
Autorin: Trude Teige
Übersetzer: Günther Frauenlob
Erscheinungsdatum: 22.02.2023
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783949465123
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Die Norwegerin Tekla macht es glücklich und frei, im Regen zu tanzen und abschließend verbeugt sie sich, als ob sie dafür Applaus empfangen würde. Sie ist eine der beiden Protagonistinnen und Titelfigur des nach ihrer besonderen Eigenart benannten Romans „Als Großmutter im Regen tanzte“ von Trude Feige. Er spielt auf zwei Handlungsebenen und führt von der Gegenwart auf einer norwegischen Insel zurück in die Vergangenheit nach Deutschland ins Jahr 1946.

Teklas Enkelin Juni, von Beruf Krankenschwester und auf dem Festland lebend, ist die zweite Hauptfigur. Sie hat Beziehungsprobleme. Juni sieht das Haus ihrer verstorbenen Großeltern auf der Insel aktuell als Zufluchtsort. Ihre erst vor kurzem verschiedene Mutter hat dort vorher gewohnt. Während ihres Aufenthalts stöbert Juni in allen Ecken und findet Hinweise auf eine bewegte Vergangenheit ihrer Großmutter nach dem Zweiten Weltkrieg. Georg, der seine Doktorarbeit in Geschichte auf der Insel beenden möchte, ist ihr behilflich, mehr über die damaligen Ereignisse zu erfahren. Dabei deckt sie nicht nur einige Geheimnisse ihrer Großmutter auf, sondern findet auch zu ihren eigenen Wurzeln.    

Die Geschichte ist auf zwei Zeitebenen geschrieben. Um diese nicht nur anhand der Charaktere zu unterscheiden, sind sie in unterschiedlichen Schriftarten verfasst. Trude Teige schreibt über die Freundschaften einheimischer Frauen in Norwegen zu deutschen Soldaten während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg, die ihren Geliebten später in die Heimat folgten. In der Literatur ist die Episode weitgehend unerzählt geblieben. Mit der Darstellung, das Hier und Jetzt mit einer Spurensuche in der Vergangenheit zu verbinden, führt sie dem Lesenden vor Augen, wie wichtig es ist, die Vergangenheit nicht schweigen zu lassen. Außerdem zeigt sie, dass es auch für die Nachkommen wertvoll ist, ihre Wurzeln zu kennen, egal in welchem Alter sie sind.

Juni, die auf der Insel Abstand zum Alltag gewinnen will, deckt Stück für Stück auf, was über drei Generationen hinweg verschwiegen wurde. Die Autorin vermittelt die Gefühlswelt von Juni dem Lesenden, indem sie sie selbst erzählen lässt. Teclas Erlebnisse spiegeln das Schicksal vieler norwegischer Frauen wieder. Dank der sehr guten Recherche der Autorin werden bestürzende Geschehnisse lebendig. Die Not der Bevölkerung in der Nachkriegszeit und die Furcht der deutschen Frauen vor den sowjetischen Besatzern im Osten Deutschlands werden deutlich. Während dieser Zeit ist Tecla eine junge Frau, die darüber erschrocken ist, dass Norwegen ihr aufgrund ihrer Liebe und der damit verbundenen Ausreise die Staatsbürgerschaft nimmt. Dadurch sensibilisiert, hinterfragt sie auch in Deutschland die damals üblichen Stigmatisierungen.

Der Roman „Als Großmutter im Regen tanzte“ von Trude Teige behandelt einen wenig beschriebenen Fakt der Weltgeschichte. Aber neben den ergreifenden Begebenheiten in den Nachkriegstagen fasst sie auch die Sorgen und Probleme einer jungen Frau in der Gegenwart auf, die in einer gestörten Beziehung lebt. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für diese authentisch geschriebene, berührende Geschichte. 



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