Dienstag, 24. März 2026

Rezension: Freunde von Eva Kranenburg (Antikriegsroman ab etwa 14 Jahren)

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Freunde
Autorin: Eva Kranenburg
Erscheinungsdatum: 11.03.2026
Verlag: Fischer Sauerländer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783737374996
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In einem unbenannten Land, zu einer unbenannten Zeit, begegnen sich nach dem Ende eines Krieges vier Jugendliche. Dies ist die Prämisse des Romans „Freunde“ von Eva Kranenburg. Die Autorin hat zuvor mit Kindern von Geflüchteten aus unterschiedlichen Ländern gearbeitet. Die Jugendlichen im Buch stehen stellvertretend für alle jene, die nach einem Krieg mit dem Sieg des Gegners, der die Regierungsmacht vor Ort übernommen hat, zurechtfinden müssen. Viele haben ihre Eltern oder sogar alle nahen Verwandten verloren. Hatten sie bereits während Kriegszeiten Entbehrungen erlebt, so sind sie nun auf die Gunst der Sieger angewiesen, die über Nahrung und Schutz bestimmen. Obwohl Frieden herrscht, der eigentlich nur bedeutet, dass nun eine Zeit zwischen zwei Kriegen begonnen hat, bleiben ihre Ängste groß.

Die Geschichte wird von dem 15-jährigen Ren aus der Ich-Perspektive erzählt. Seine Freunde lernt er kennen, als er sich für ein letztes Aufgebot zum Kriegsdienst melden musste. Nata, die in seinem Alter ist, und Tuk, der kindlich Kind wirkt, sind die letzten, die sich am Versammlungsplatz einfinden. In dem kaum älteren Tarek findet die kleine Gruppe einen Kommandanten, der sie wenig später auf eigenen Befehl hin desertieren lässt und ihnen dabei aus dem Herzen spricht. Dadurch widersetzen sie sich aktiv und scheuen nicht die Bestrafung, die ihnen droht, wenn sie entdeckt werden. In einem Unterschlupf unterstützen sie einander beim Überleben.

Zu Beginn verbergen alle ein Geheimnis. Ren trägt eine schreckliche Erinnerung mit sich. Nata hat bisher in den Bergen gelebt, trägt eine tief gezogene Kapuze und versucht, ihr Hinken zu verbergen. Tareks auffälligstes Merkmal ist eine lange Narbe im Gesicht, die ihn an furchtbare Erlebnisse erinnert. Auch Tuk trägt Wunden am Körper, weswegen er seine Kleidung nicht ablegt, um seinen Rücken nicht zu zeigen. Sowohl die sichtbaren körperlichen als auch die psychischen Verletzungen der Jugendlichen zeugen von einer kaum fassbaren, leidvollen Zeit. Erst allmählich beginnen die Freunde einander zu vertrauen. Für den Lesenden entfaltet sich dadurch erst, welche Schrecken der Krieg verursacht. Und dennoch lässt dies nur erahnen, welches Leid kriegerische Konflikte mit sich bringen können.

Eva Kranenburg hat mit großem Feingefühl ihre Erfahrungen mit Geflüchteten in die Geschichte einfließen lassen und zeigt, welche Möglichkeiten helfen können, den Kummer der Kinder zu lindern. Die Methode des Kreiserzählens wirkt unterstützend dabei, erfahrene Unmenschlichkeiten zu verarbeiten. Ren, Nata, Tuk und Tarek spielen Schule, nicht nur, um Wissensrückstände aufzuholen, sondern ebenfalls, um ihre individuellen Stärken zu entdecken und zu erfahren, wie einzigartig und wertvoll sie sind. Die Autorin macht zudem deutlich, dass manchmal auch Ironie helfen kann, schwierige Situationen leichter zu nehmen, jedoch ohne einen gewissen Respekt für andere Ansichten nicht abzulegen.

Der Roman „Freunde“ von Eva Kranenburg ist begeisternder und sehr berührender Roman für Jugendliche ab etwa vierzehn Jahren über die Schrecken eines Krieges und die starke Kraft der Freundschaft und des Zusammenhalts, bietet facettenreiche Figuren und eine fordernde sowie zugleich fesselnde Handlung. Sehr gerne empfehle ich das Buch uneingeschränkt weiter.

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