Freitag, 19. Juni 2026

Rezension: Der Tag war schön und ich dachte an dich von Sofia Montrone

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Der Tag war schön und ich dachte an dich
Autorin: Sofia Montrone
Übersetzerin: Eva Bonné
Erscheinungsdatum: 19.06.2026
Verlag: Rowohlt (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783498007751

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„Der Tag war schön und ich dachte an dich“ ist das Debüt der in Kalifornien lebenden Autorin Sofia Montrone. Der Roman erzählt die Geschichte der in Manhattan lebenden Leo und ihrer Familie, die ihre Sommer im Norden Italiens verbringt. Dort, in der Lombardei, führt Nonna Tina, die Mutter von Leos Mutter, seit vielen Jahren ein Hotel.

Im Sommer des Jahres 2010 ist Leo zehn Jahren alt. Sie hilft ihrer betagten Großmutter tatkräftig beim Bettenmachen und Reinigen der Zimmer und unterstützt sie auch hier und da, wo es gerade nötig ist. Durch die Spuren jeder Art, die die Gäste im Hotel hinterlassen, beginnt sie darüber nachzudenken, welches Leben diese Menschen wohl in ihrer Heimat führen mögen. Währenddessen verbringt ihre chronisch erschöpfte Mutter die meiste Zeit im Bett. Mit Max ihrem ein Jahr jüngeren Bruder hat sie stets einen Spielgefährten zur Seite. Beide lauschen gerne dem Mythos der „Odyssee“, die ihr Vater, der gerne Trost im Alkohol sucht, ihnen stückweise erzählt. Leo sieht in der Figur des Odysseus Parallelen zu ihrem Vater, der auf der Suche nach Halt im Leben zu sein scheint und dabei seine Familie zurücklässt.

In einem zweiten Erzählabschnitt ist Leo achtzehn Jahre alt und verbringt den heißen Sommer erneut bei ihrer Großmutter im Hotel. Doch ein Unfall hat in den vergangenen Jahre ihre Familie verändert. Leo bandelt halbherzig mit einem Jungen im Dorf an. Als die fast gleichaltrige Amerikanerin Dolores, die eine nahegelegene Geigenbauschule besucht, eine Aushilfsstelle im Hotel annimmt, wirbelt sie Leos Gefühlswelt durcheinander. Für sie scheint nun die Zeit gekommen zu sein, sich mit ihrer nahen Zukunft auseinanderzusetzen. Dabei bleibt die Beschreibung der Beziehung eher im Hintergrund. Der Titel nimmt Anspielung auf Leos Überlegung, zukünftig alles Schöne, das sie sieht, mit Erinnerungen an ihre große Liebe zu verknüpfen.

Sofia Montrone erzählt diese ruhig fließende Geschichte in einem sprachgewandten, poetischen Stil. Bei den Handlungen von Leo schaut sie genau hin und lässt ihre Protagonistin im Verlauf der Handlung eine Vielzahl an Gefühle durchleben, von Ekel bis Wohlbehagen, von Wut bis Gelassenheit. Angst, Neugier, Liebe und Trauer begleiten die Romanhandlung. Die Spiele der Weltmeisterschaften reizen die Emotionen der Personen im Umfeld Leos, die in der Phase ihres Coming-of-Age versucht, ihre Erfahrungen einzuordnen und für sich verständlich zu machen. Die Autorin verwendet eine auktoriale Erzählperspektive, wodurch für mich allerdings eine gewisse Distanz zu Leo blieb.

In ihrem Debütroman „Der Tag war schön und ich dachte an dich“ verbindet Sofia Montrone abwechslungsreiche Stimmungsbilder und familiäre Konflikte mit einer feinfühlig erzählten Liebesgeschichte. Der sprachlich feine Schreibstil verleiht dem Roman eine besondere Atmosphäre und trägt auch über ruhigere Passagen hinweg.

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