Rezension von Ingrid Eßer
In ihrem Debütroman „Pause“ erzählt Lena Kupke von der
36-jährigen Hanna, die in Berlin lebt und während einer beruflichen Präsentation
ihrer Arbeit für die Anwesenden völlig unerwartet das Bewusstsein verliert. Die
behandelnde Ärztin im Krankenhaus entscheidet, dass sie in den nächsten Stunden
nicht allein bleiben soll. Da weder ihr Lebenspartner Paul noch ihre Freundinnen
Zeit haben, bleibt ihr als letzte Lösung nur, dass ihre Eltern sie aus dem etwa
zweihundert Kilometer entfernten Lüneburg zu sich nach Hause holen.
Während Hannas Schwester Sara immer noch in der Heimat lebt,
hat Hanna das Elternhaus bereits vor mehreren Jahren verlassen. Der Alltag
ihrer Eltern folgt inzwischen einem routinierten Ablauf, der durch ihre
Rückkehr durcheinandergerät. Kaum hat Hanna wieder ihr Kinderzimmer bezogen, werden
viele Erinnerungen an die kleinen Marotten ihrer Mutter und ihres Vaters wach. Schon
bald empfindet Hanna ihre Anwesenheit im Elternhaus als belastend, nicht
zuletzt wegen mancher Bemerkungen ihrer Mutter. Dadurch, dass Hanna aus der
Ich-Perspektive heraus erzählt, konnte ich ihrer Gefühlswelt sehr gut nachvollziehen.
Ich empfand ihre Handlungen als authentisch, auch weil die Autorin darin
vermutlich eigene Erfahrungen hat einfließen lassen.
Es wird von Beginn an deutlich, dass Hanna in den
vergangenen Jahren einiges erlebt hat, dass ihr Angst macht und Panik auslöst.
Das Problem wird allerdings nie beim Namen genannt, ist aber zwischen den
Zeilen zu lesen, beispielsweise dann, wenn jemand über die Kinder von
Gleichaltrigen spricht und sie sich am liebsten abwenden möchte. Es zeigt sich
mit der Zeit, dass dieses Thema auch ihre Beziehung zu Paul belastet und zu
Spannungen zwischen ihnen geführt hat.
In Hannas Familie ist seit jeher vieles unausgesprochen
geblieben: man streitet sich und wenn man sich wenig später wieder trifft, ist
alles wieder gut. Hanna hat inzwischen jedoch erkannt, dass ihr offenes Reden
und Diskutieren über Sorgen und Ängste helfen würde. Es fehlt ihr aber der Mut,
ihre eigenen Bedürfnisse klar zu formulieren und für sich einzustehen. Die
Geschichte endet für sie mit einem wohlgemeinten Schluss.
Lena Kupke erzählt in ihrem bewegenden Roman „Pause“ feinfühlig mit Tiefgang über schwierige Themen im frischen und zeitweile amüsanten Sprachstil. Sie verdeutlicht, wie wichtig es manchmal sein kann, innezuhalten, um sich darüber klarzuwerden, ob eine neue Ausrichtung des Lebenswegs sinnvoll ist. Gerne empfehle ich den Roman weiter.
