Dienstag, 14. Oktober 2014

[Rezension] Lieblingsdesserts - Janneke Philippi

*Werbung*
Titel: Lieblingsdesserts
Autorin: Janneke Philippi
Übersetzerin: Barbara Buchwalter
Erscheinungsdatum: 01.10.2014
Verlag: Matthaeus Verlag 
rezensierte Ausgabe: Hardcover im Großformat (32,8 cm x 23,2 cm)


Bereits das Cover des Kochbuchs „Lieblingsdesserts“ von Janneke Philippi macht Appetit. Die eher schlichte Präsentation des zubereiteten Rezepts vor dunklem Hintergrund lenkt den Blick auf das Wesentliche. Die Nachspeisen, die sich in diesem Buch versammeln können sich sehen lassen, was auch durch die Größe des Buchs beeindruckend unterstützt wird. Auf den ersten Seiten findet sich ein Inhaltsverzeichnis mit einer sinnvollen Einteilung. Hierbei erhält man direkt den Verweis auf auch eher ungewöhnliche Bestandteile beziehungsweise Zubereitungsweisen der aufgeführten Rezepte mit beispielsweise altbackenem Brot und Kräutern oder Grillen.

Schlägt man die entsprechende Seite des Kapitels auf, erhält man informativ in einem hell unterlegten Kasten die aufgeführten Rezepte aufgelistet. Begleitet wird das doppelseitige Bild mit der Ansicht des fertig zubereiteten ersten Rezepts, das sich dann auf der Rückseite oder zwei Seiten weiter befindet. Überhaupt gibt es kein großes Suchen in diesem Buch, denn Foto und Arbeitsanleitung folgen unmittelbar aufeinander, allenfalls getrennt durch zwei Seiten. Neben den Arbeitsanweisungen sind links die Zutaten gelistet, über denen in Fettdruck steht für wie viele Personen das Dessert gedacht ist. So kann durch einfaches Umrechnen eine Anpassung an die gewünschte zu bewirtende Anzahl Mitessender erreicht werden. Unterhalb der Anleitung steht kurz in einem Absatz die geschätzte Zeit für die Zubereitung. Leider fehlt dort, wo ein Backofen benötigt wird, die Angabe ob die Temperatureinstellung Umluft- oder Ober-/Unterhitze gilt. 

Auf vielen Seiten beeindrucken nicht nur die Fotos, sondern auch viele Tipps ganz unterschiedlicher Art. Dabei kann es sich um Hinweise zum Produkt handeln, ich habe aber auch weitere Zubereitungsarten oder Kombinationen mit anderen Lebensmitteln gefunden. Auf mancher Seite finden sich zudem noch mehr kurze Rezepte, Dekoideen, Tipps zu Aufbewahrung und zu Variationen in Kästchen mit durchbrochener Strichelung als Umrahmung. Ganz am Ende des Buch verrät die Autorin dem Leser ihre ganz persönlichen Top 10 der Lieblingsdesserts.

Nachdem ich einige Rezepte ausprobiert habe, kann ich behaupten, dass das zubereitete fertige Dessert tatsächlich so aussieht wie es auf den Fotos gezeigt wird. Einen kleinen Nachteil haben die Rezepte dennoch: sie enthalten keine Nährwertangaben. Vielleicht ist es aber auch besser, dass man nicht weiß, wie viele Kalorien da so einige Gerichte enthalten, denn mit diesen Angaben im Kopf könnte der Genuss der Speisen eingeschränkt werden ;-)

Im Folgenden möchte ich euch nun einige Desserts aus dem Buch näher vorstellen:

1) Himbeer-Tiramisu mit weißer Schokolade

Dieses Dessert musste einfach als erstes her, weil ich so gerne Himbeeren mag :-) Das Rezept versprach eine Zubereitung von weniger als 20 Minuten - et voilá, es stimmte!

Die verwendeten Zutaten


Mascarponecreme, Espressomischung zum Tränken
und Himbeeren - los geht der Aufbau!

FERTIG! Ich finde, es sieht aus, wie auf dem Buch
 ABER: aufgegessen war das Tiramisu in Windeseile !!!

 
2) Französischer Schokoladenkuchen

Schokoladenkuchen ist eigentlich immer gut, oder? Dieser wird ganz ohne Mehlt gebacken, nur Schokolade, Zucker, Eier, Butter und eine Prise Salz = kaum Kalorien (wer's glauben will) ;-)

Die benötigten Zutaten (ohne die Prise Salz)
Schokoladenbutter mit Eier-Zucker-Mischung












Fertig! So herrlich fluffig von innen und ratzfatz aufgegessen


3) Estragon-Sahnepudding

Besonders gespannt war ich auf die Rezepte bei denen Kräuter verwendet wurden. Ich habe mir den folgenden Pudding zum Ausprobieren ausgesucht, weil ausreichend Estragon in unserem Garten wächst. 

Die benötigten Zutaten

Der Estragon zieht in der Sahne durch und
wird anschließend abgeseit



Diesmal nicht wie auf dem Buchfoto, sondern mit leckeren Himbeeren
garniert
Superlecker! Auch dieser Nachtisch war schneller aufgegessen als zubereitet!

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig Appetit machen. Bei uns wird es auch zukünftig immer wieder Desserts aus dem Buch "Lieblingsdesserts" von Janneke Philippi, übrigens eine Niederländerin, geben.

Sonntag, 12. Oktober 2014

[Messebericht] Unser Besuch der Frankfurter Buchmesse 2014

Hallo liebe Leser,

am Freitag und Samstag waren Ingrid und ich auf der Frankfurter Buchmesse und haben wieder so einiges gesehen und erlebt.

Freitag

Unsere Wecker klingelten freitags morgens um 6 Uhr, denn eine Stunde später wollten wir im Auto auf dem Weg nach Frankfurt sitzen. Naja, man kennt das ja - es wurde noch eine halbe Stunde später, bis unser Gepäck verstaut war (nur 1 kleiner Koffer!) und wir im Autor saßen.

Mit viel Vorfreude, ohne Staus, dafür aber mit vielen Baustellen näherten wir uns dem Ziel und waren um 10 Uhr endlich im Parkhaus Rebstock eingetroffen.

Nachdem wir auf der Messe unser Gepäck im Pressezentrum abgestellt hatten, war unsere erste Station das #blogntalk von RandomHouse. Es war ziemlich voll, und wir haben viele bekannte Gesichter (wieder)gesehen, auch wenn oft leider nur die Zeit für ein kurzes Hallo blieb. Zahlreiche Autoren waren am Stand, und so haben wir unser Signierbuch mit Unterschriften von Kyra Groh, Adnan Maral, Marc Elsberg, Eric Berg und Zoe Beck gemacht und Fotos geschossen.











Mit jedem Autor konnten wir ein paar Worte wechseln, mit Kyra Groh und Eric Berg alias Eric Walz haben wir uns länger unterhalten. Auch Iny Lorentz waren zufällig dort, mussten aber rasch weiter, weil sie mit einer lieben Autorenkollegin verabredet waren. Schließlich haben wir noch kurz mit einer Verlagsmitarbeiterin von DVA geplauscht, die für die Sachbuchsparte des Verlags zuständig war.

Als es allmählich leerer wurde, haben auch wir uns auf den Weg gemacht und in den Hallen 3.0 und 3.1 gestöbert. Bei Fischer hatte unsere Ansprechpartnerin zwischen zwei Terminen kurz Zeit für uns, legte uns aus dem aktuellen Verlagsprogramm „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ und „Wo ein bisschen Zeit ist“ ans Herz und gab eine Vorschau auf das kommende Frühjahrsprogramm.

Nach einer kurzen Stärkung ging es für uns zu einem Termin bei KiWi. Auch hier erhielten wir einen Einblick ins kommende Programm. Ganz besonders freuen wir uns auf eine Biographie über einen Inder, der in den 70er Jahren mit dem Fahrrad nach Schweden gefahren ist, um seine große Liebe wieder zu finden. Außerdem gibt es Nachschub von der Autorin Annelie Wendeberg, deren historischer Kriminalroman „Teufelsgrinsen“ in diesem Jahr veröffentlicht wurde. Im Frühjahrsprogramm 2015 kommt Band 2 und später im Jahr Band 3 und 4.

Bei einem kurzen Halt am Stand von Droemer Knaur konnten wir ganz aktuell die Gestaltung zum Buch "Ich bin Malala" in Augenschein neben. Die Autorin war am gleichen Morgen um 11 Uhr zur Friedensnobelpreisträgerin 2014 ernannt worden. Damit hatte der Verlag nicht gerechnet! Bis Sonntags waren dann auch entsprechende Plakate gedruckt und am Stand aufgehängt sowie weiterer Büchernachschub eingetroffen.

Anschließend schauten wir bei vorablesen vorbei, die in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit den E-Book-Labels „Midnight“ und „Forever“ einen kleinen Stand hatten. Über vorablesen.de sind Ingrid und ich überhaupt erst zum Rezensieren und Bloggen gekommen, und daher war es schön, endlich auch mal ein Gesicht hinter der Webseite kennen zu lernen. Danach war es auch schon kurz vor fünf, und die Messe hatte sich schon merklich geleert. Wir stöberten noch eine Weile bei Egmont und dtv, und bei Bastei Lübbe konnte Ingrid sich dank einer selbstgehäkelten Hummel ein Exemplar von „Hummeln im Herzen“ abholen.



Um kurz nach fünf war unser erster Messetag beendet und wir checkten in unser Hotel ein. Das große Einkaufszentrum „Skyline Plaza“ lag direkt gegenüber, sodass wir dort unser Abendessen holten und noch in der Osiander-Buchhandlung stöberten - wir tagsüber ja noch kaum Bücher gesehen ;-). Die Empfehlungen der Buchhandlung möchten wir euch nicht vorenthalten und geben sie gerne an euch weiter.













Spontan verabredeten wir uns noch mit Tabea und ihrer Freundin, die ganz in der Nähe waren, bevor wir schließlich in unsere Betten fielen.




Bei einem warmen Kaminfeuerchen ;-) ließen wir den Tag im Hotelzimmer ausklingen.


Samstag

Am Samstag klingelte der Wecker erst um 7.45, sodass wir einigermaßen ausgeschlafen und nach einem ausgiebigen Hotelfrühstück um 10 Uhr wieder auf der Messe waren. Um diese Zeit war es schon ziemlich voll, sodass es eine Weile dauerte, bis wir unser Gepäck wieder durch zwei Hallen zum Pressezentrum bugsiert hatten. Danach ging es für uns zu Knaur, wo wir Sebastian Fitzek und Tanja Kinkel aus der Ferne sahen und mit unserer Ansprechpartnerin plauderten.

Zurück in Halle 3.0 machte Ingrid eine Pause und ich traf beim dritten Versuch endlich Libba Bray am dtv-Stand an, deren Buch „The Diviners“ ich erst vor kurzem gelesen habe.

Sie ist eine total liebe und etwas aufgedrehte Persönlichkeit, die sich gerne die Zeit für ein Foto und ein Gespräch über ihr Buch und meinen Blog nahm. Anschließend ging es zu Magellan, wo mir eine Verlagsmitarbeiterin das aktuelle Programm für junge Erwachsene vorstellte und mich mit ihrer Begeisterung anstecken konnte. Die Cover sind einfach ein Traum, und die Geschichten klingen wahnsinnig toll! Ingrid ließ sich währenddessen von Büchern und der Stimmung in den Hallen inspirieren.










Nachdem Ingrid und ich uns im Gewühl wiedergefunden hatten, ging es nach der Mittagspause zum großen Lovelybooks-Treffen. Hier war es wieder extrem voll, so dass  kaum Zeit blieb, um alle bekannten Gesichter zu begrüßen. Es gab sehr leckere Cupcakes, und Teri Terry kam zum Signieren vorbei. Das absolute Highlight waren jedoch die Goodie-Bags. Diese waren mit viel Mühe zusammengestellt und randvoll mit tollen Überraschungen. Wir beide fanden in unseren Taschen fünf (!) Bücher, außerdem Notizbücher, Lesezeichen, ein Büchertagebuch und vieles mehr. Auch an dieser Stelle nochmal ein großes Danke ans Lovelybooks-Team für die Organisation und die gelungene Überraschung!












Um kurz vor drei mussten wir uns leider schon verabschieden, denn wir hatten einen Termin bei Carlsen. Dort lernten wir unsere neue Ansprechpartnerin kennen, die uns auch einige aktuelle Titel und bald erscheinende Titel vorstellte. Ganz besonders gespannt sind wir auf die Titel des neuen Labels „Königskinder“, die Ende Oktober erscheinen. Das Label bietet eher anspruchsvolle Jugendliteratur und die Cover, die vor allem in schwarz, weiß und gold gehalten sind, sind auf jeden Fall schon mal ein echter Hingucker.

Als letzte Station des Tages steuerten wir das Bloggertreffen von Bastei Lübbe an, wo Stefan Bonner sein Buch „Betamännchen“ vorstellte. Außerdem haben wir erfahren, dass Bastei Lübbe bald seine neues All-Age-Label „one“ startet. Zum Auftakt gibt es das Buch „Magisterium“, und danach sollen halbjährlich sechs Titel folgen. Um halb sechs machten wir uns schließlich auf dem Heimweg und kamen um neun Uhr wieder in der Heimat an. Unser Hotelzimmer für nächstes Jahr haben wir schon einmal vorsorglich gebucht, vielleicht klappt es ja wieder. Nach der Messe ist schließlich vor der Messe!

Mittwoch, 8. Oktober 2014

[Rezension] Das Küstengrab - Eric Berg

*Werbung*
Titel: Das Küstengrab
Autor: Eric Berg
Erscheinungdatum: 22.09.2014
Verlag: Limes Verlag 
rezensierte Ausgabe: Klappbroschur (Rezensionsexemplar)
Handlungsort: Ostseeinsel Poel
Handlungszeit: Sommer 1990, Mai u. September 2013




Im Jahr 1990 steht ein 18Jähriger auf der Ostdeutschen Insel Poel vor seinem großen Traum, die Welt zu bereisen. Schon seit einiger Zeit haben seine gleichaltrigen Freunde, die sich seit Jahren in einer alten Klosterruine treffen,  begonnen, sich aufgrund von Ausbildung und Studium in alle Winde zu verteilen. Doch der Traum wird nicht in Erfüllung gehen. 23 Jahre später kehrt seine frühere Freundin, die Fotografin Lea, und ebenfalls Cliquenmitglied auf die Insel zurück. Seit einem schweren Verkehrsunfall auf Poel vor vier Monaten bei dem ihre ältere Schwester Sabina getötet und sie selbst schwer verletzt wurde, leidet sie unter Amnesie. Sie kann sich nicht mehr an die Gründe für ihre Rückkehr nach Poel, ihren Aufenthalt dort und den Unfall erinnern. 1990 hatte sie mit dem Unfalltod ihrer Eltern einen scheren Verlust zu verkraften und sich fast vollständig abgekanzelt, bis sie ihren späteren Mann kennenlernte, ihn wenig später heiratete und noch im gleichen Jahr mit ihm nach Argentinien zog. Auf der Suche nach ihrer Erinnerung und dem Grund für den Verkehrsunfall trifft sie auf ihre Freunde, die noch alle auf Poel leben mit Ausnahme von Julian, der seit dem damaligen schicksalhaften Sommer vermisst wird. 

Lea trifft auf ihre früheren Freunde, die ihrem Alltagsleben auf der Insel nachgehen. Für die Freunde ist es eher ungewöhnlich, ihr nach vier Monaten erneut zu begegnen. Lea scheint sich charakterlich geändert zu haben, doch jeder knüpft unbeirrt an die alten Zeiten an. In all den Jahren hat sich niemand bemüht mit ihr Kontakt aufzunehmen, keiner von ihnen hat an ihrem weiteren Schicksal Interesse gehabt und umgekehrt. Natürlich hat Lea viele Fragen, doch je mehr sie Erkundigungen einholt, desto größer werden die Unsicherheiten der Cliquenmitglieder, deren Aussagen sich schließlich nicht immer gänzlich decken. Unterschwellig weiß Lea, dass ihr die für sie wichtigen Ereignisse und Erinnerungen bewusst verweigert werden. 

Anfangs hatte ich kurz Schwierigkeiten die Vor- und Zunamen der Freunde und ihrer Beziehungen zueinander richtig zuzuordnen. Eine Auflistung im Anhang wäre auch im weiteren Verlauf hilfreich gewesen. Ich erinnere mich selbst noch gut an das Jahr 1990 und finde die Darstellung der Ereignisse realistisch und die Charaktere der Dorfbewohner einschließlich der Freunde glaubhaft. Die Geschehnisse und die darin beinhaltete Problematik nach der Öffnung der Grenzen werden angerissen, aber nicht langweilend ausgeführt. Allerdings hat mir der Hintergrund von Sabina gefehlt, die doch sechs Jahre älter als die Freunde war und zu diesem Zeitpunkt längst ins Berufsleben eingetreten sein musste. Zweifeln lässt mich auch die Tatsache, dass das Elternhaus der beiden Schwestern so lange leer gestanden haben soll. 

Die Konstruktion der Geschichte finde ich gelungen, auch manches Detail hat seine Erklärung. Der Wechsel in die Ich-Erzählperspektive von Lea brachte mir den persönlichen Blick von ihr auf die Geschehnisse. Durch die Aufgliederung auf drei Zeitebenen wurden einige spannungssteigernde Cliffhanger erzeugt. Ich wollte unbedingt wissen, wie der Unfall passieren konnte und habe das Buch dank des leicht lesbaren Schreibstils schnell lesen können. Zum Ende hin gab es denn noch eine unerwartete Wendung und ganz zum Schluss eine unvermutete Erklärung des Unglücks. 

[Rezension Hanna] Der Ozean am Ende der Straße - Neil Gaiman


Inhalt
Aufgrund einer Beerdigung kehrt ein erwachsener Mann in seinen Heimatort zurück. Nach dem Gottesdienst soll er zu seiner Schwester fahren, doch stattdessen macht er sich aus einem Impuls heraus auf den Weg zum Gehöft der Hempstocks, wo früher seine Freundin Lettie wohnte. Auf dem Hof begegnet er einer alten Frau, die ihm den Weg zum Ententeich weist, an den er sich wieder erinnern kann. Doch kaum steht er vor diesem, kommt seine ganze Erinnerung zurück: An Lettie, ihren Ozean und die geradezu unglaublichen Ereignisse, die sich ereignet haben, als er sieben Jahre alt war.

Meinung
Zu Beginn des Buches hatte ich überhaupt keine Ahnung, welche Richtung die Geschichte einschlagen wird. Zunächst erfährt man nur, dass ein Mann in seinen Heimatort zurückkehrt und sich an seine Kindheit erinnert. Gleich zu Beginn fällt auf, dass auf Namen weitestgehend verzichtet wird. Man erfährt weder den Namen des Protagonisten, noch den seiner Schwester oder seiner Eltern, nicht den Ort der Handlung und auch nicht wer an jenem Tag beerdigt wurde. So bleibt die Geschichte geheimnisvoll, dieser Mann könnte fast jeder sein.

Nach einigen unverfänglichen Kindheitserinnerungen wird die Geschichte aufgrund eines Todesfalles interessant. Dieser führt nämlich dazu, dass der Protagonist Lettie Hempstock kennenlernt, die erste Person mit einem Namen in diesem Buch – warum das so ist, wird man mit der Zeit herausfinden. Lettie wirkt gleich sympathisch, macht jedoch einige mysteriöse Andeutungen, bei denen ich mich begann zu fragen, wie viel davon sie erfindet und was sie ernst meint. Sie wohnt mit zwei weiteren Hempstock-Frauen auf einer Farm, die wahrlich wunderlich ist. Und so nehmen langsam Dinge ihren Lauf, die nicht ganz natürlich sind.

Allmählich kristallisiert sich in der Geschichte ein roter Faden heraus. Mit der Anstellung des neuen Kindermädchens Ursula Monkton wird ein Spannungsbogen geschaffen. Diese ist nämlich nicht das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheint, und es kommt zu dramatischen Szenen. Der Autor lässt seiner Fantasie freien Lauf – wundert ich mich anfänglich noch über Letties rätselhafte Bemerkungen, wirken bald die unglaublichsten Dinge absolut plausibel. Erklärt wird dabei jedoch so gut wie nichts, hier ist eigene Kreativität gefragt. Das Ende lässt ebenfalls Raum, um die Geschichte weiterzuspinnen und erlaubt verschiedene Deutungen.

Fazit
„Der Ozean am Ende der Straße“ besticht durch seine leicht lesbare und dennoch poetisch wirkende Sprache. Mit dem Charakter des Kindermädchens Ursula Monkton kommt auch Spannung in die Geschichte. Gut gefallen haben außerdem mir die Illustrationen im Buch. Ich würde das Buch am ehesten als Märchen für Erwachsene bezeichnen, nicht nur aufgrund der Brutalität einiger Ereignisse (das kommt in Märchen ja schon mal häufiger vor), sondern vor allem aufgrund des großen Interpretationsspielraums, der dem Leser gegeben wird. Ich fand das Buch interessant, stellenweise hat es mich aber auch verwirrt und nur bedingt fesseln können. Ich vergebe daher knappe 4 Sterne.

*Werbung* Weitere Informationen zum Buch

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Erscheinungsdatum: 8. Oktober 2014
Verlag: Eichborn Verlag
Link zur Buchseite des Verlags

Montag, 6. Oktober 2014

[Rezension Hanna] Adnan für Anfänger - Adnan Maral


Inhalt
Adnan Maral ist den meisten wohl als Metin aus „Türkisch für Anfänger“ bekannt. In seiner Autobiographie erzählt der Schauspieler, wie er als Kind nach Deutschland kam, Schulerfahrungen und Türkeireisen, dem Umgang mit Vorurteilen und mit seinen ostanatolischen Zwergbergziegen, die immer dann herbeistürmen, wenn er wütend wird. Und wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass er Schauspieler wurde und außerdem den Außenminister Steinmeier mehrfach in die Türkei begleitete? Neben privaten Einblicken stellt er auch seine Meinung zu Themen wie Integration, doppelte Staatsbürgerschaft und Kopftuchtragen dar.

Meinung
Das Buch beginnt gleich amüsant mit einem Arztbesuch Marals, bei dem zahlreiche Vorurteile aufeinanderprallen. Die Arzthelferin hält Maral für einen Einwanderer ohne Deutschkenntnisse, doch auch er hat sich während seiner Minuten im Wartezimmer längst eine Geschichte zu allen Wartenden und der Arzthelferin ausgedacht. Gut gefallen hat mir gleich von Beginn an die lockere Erzählweise und der Humor, denn Maral weist auf viele eingefahrenen Vorurteile und Denkweisen mit einem Augenzwinkern hin.

Maral betont in seinem Buch wiederholt, dass er nur für sich und nicht für andere sprechen kann. Ich fand es jedoch sehr interessant, seine persönliche Meinung zu Themen wie der doppelten Staatsbürgerschaft oder der Frage zu hören, warum man häufiger als Türke statt als Deutscher gesehen wird, wenn man doch schon als kleiner Junge nach Deutschland kam. Seine Statements haben mich dazu gebracht, zu überlegen, wie ich selbst eigentlich zu diversen Fragen stehe, und ich habe seine Argumente gut nachvollziehen können.

Daneben erzählt Maral auch viele Anekdoten aus seinem Leben. Sie geben Einblicke in seine Kindheit, seine Anfänge als Schauspieler und auch in die Zeit am Set von „Türkisch für Anfänger“. Das meiste ist sehr humorvoll geschrieben, doch zwischenzeitlich schlägt Maral auch einen ernsteren Ton an und berichtet von traurigen Momenten in seinem Leben. Ich fand diesen Blick hinter die Kulissen des Schauspiellebens und der Privatperson Adnan Maral interessant. Maral das das Buch allerdings eher nach Themen als chronologisch geordnet, berichtet mal aus seiner Kindheit, mal aus seinem Schauspielleben, mal aus seiner Schulzeit und kommt so an einigen Stellen auf schon früher Erzähltes zurück. Das fand ich gelegentlich verwirrend.

Fazit
„Adnan für Anfänger“ ist eine humorvolle Autobiographie voller persönlicher Anekdoten. Gleichzeitig erklärt Adnan Maral aber auch, wie er zu diversen gesellschaftlichen und politischen Themen steht. Mir haben diese Einblicke gefallen und mich auch zum Nachdenken über meine eigene Meinung gebracht. Das Buch ist sicherlich interessant für all jene, die den Schauspieler kennen und mehr über seine persönliche Geschichte und seine Meinung zu diversen Themen erfahren wollen.

*Werbung* Weitere Informationen zum Buch

Broschiert: 256 Seiten
Erscheinungsdatum: 22. September 2014
Verlag: Blanvalet Verlag
Link zur Buchseite des Verlags 

Sonntag, 5. Oktober 2014

[Rezension] Das fremde Mädchen - Katherine Webb

*Werbung*
Titel: Das fremde Mädchen
Autorin: Kathrine Webb
Übersetzerin: Katharina Volk
Erscheinungstermin: 22.09.2014
Verlag: Diana Verlag
rezensierte Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
(Haupt-)Handlungsort: Bath/England
Handlungszeit: 1803-1823


Im Roman „Das fremde Mädchen“ nimmt Katherine Webb den Leser mit in eine Zeit von vor ungefähr zweihundert Jahren. Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen in dieser Vergangenheit. Die Erzählung beginnt im Jahr 1803. Vor einem Bauernhaus, in dem die junge Alice mit ihrer Dienerin Bridget vor den Toren der Stadt Bath lebt, findet sich ein verwahrlostes Mädchen ein. Alice nennt sie Starling und sorgt dafür, dass ihr Wohltäter Lord Faukes damit einverstanden ist, dass diese bleiben darf. Gemeinsam ist den beiden die dubiose Herkunft. Jonathan Faukes kommt mit seinem Vater gelegentlich bei den Frauen zu Besuch und über die Jahre entwickelt sich aus der Freundschaft zwischen Alice und ihm Liebe. Doch diese darf nicht sein!

18 Jahre später trifft der Leser auf Rachel, die im Begriff ist ihre Stellung als Gouvernante aufzugeben um den Weinhändler Richard Weekes aus Bath zu heiraten. Getreu den Worten ihrer Mutter glaubt sie daran, dass Liebe mit der Zeit entstehen und wachsen kann, denn es war für sie keine Liebe auf den ersten Blick. Aber bei ihrer ersten Begegnung glaubt sie ein besonderes Gefühl bei Richard ausgelöst zu haben. Erst sehr viel später erkennt sie die wahre Bedeutung. Richard verkehrt im Herrenhaus der Faukes am Lansdown Crescent. Seit Jahren trauert Jonathan, der unter der Fürsorge seiner Mutter steht, über den Verlust seiner großen Liebe und wird geplagt von grausamen Erinnerungen an seine Zeit als Mayor im Krieg auf der iberischen Halbinsel. Verwicklungen führen Rachel in dieses Haus und ein furchtbares Kapitel ihrer Kindheit, das sie verdrängt zu haben glaubte gerät dadurch in ihr Bewusstsein. Im Laufe weniger Wochen beginnt sie zu begreifen, welche Intrigen in der Vergangenheit im Hause Faukes gesponnen wurden und dass auch ihre eigene, neue Familie darin verwickelt ist.

Der Weg auf dem Cover führt den Leser in die Welt von Rachel und Jonathan zu einer Reihe von Herrenhäusern, die ähnlich zu dem sind, in der Familie Faukes in Bath wohnt. Leider wurde für das Titelbild nicht die Häuserreihe am Lansdown (und nicht Landsdown wie irrtümlich im Klappentext erwähnt) Crescent, sondern eine Fotografie der Häuser am Royal Crescent verwendet. Nichtsdestotrotz residierten zu der Zeit in der der Roman spielt in diesen viergeschossigen Häusern mit einem Souterrain für die Dienerschaft die bessergestellten Persönlichkeiten der örtlichen Gesellschaft. Von diesen Häusern aus hatte man einen herrlichen Blick über den Kurort Bath. 

In ihrem Roman entwickelt die Autorin nicht unbedingt eine komplizierte, aber eine reichlich verwickelte Geschichte, die auf zwei Erzählebenen spielt und weitere Erinnerungsrückblicke einzelner Charaktere beinhaltet. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen schildert sie die unterschiedlichen Gemütszustände ihrer Protagonisten. Von allen Seiten betrachtet sie deren Handlungsweisen, die ich überaus glaubhaft dargestellt empfunden habe, und erklärt diese manches Mal mit Schilderungen aus der Vergangenheit. Rachel ist eine Frau Ende 20, ursprünglich aus gutsituiertem Haus, die schon nicht mehr daran geglaubt hat einen passenden Ehemann zu finden. Von Richard Verhalten fühlt sie sich geschmeichelt und willigt zügig in seinen Heiratsantrag ein, ohne sein Umfeld näher kennen gelernt zu haben, soweit dies zur damaligen Zeit überhaupt vor einer Heirat schicklich war. Neben Alice ist sie Sympathieträgerin dieses Buchs, wobei Alice eher naiv wirkt und auf den Boden der Tatsachen fällt nachdem sie das Geheimnis ihrer Herkunft erfährt. Im Vergleich zu diesen beiden ist das Findelmädchen Starling ein vielschichtiger Charakter. Ihre oft unerwarteten Handlungen werden geleitet von Freude, Angst, Hass, Eifersucht. Sie scheint nicht den Überblick über die Folgen ihrer Offenheit zu haben, was wahrscheinlich ihrem zunächst jugendlichen Alter geschuldet ist. 

Obwohl die differenzierten Beschreibungen der Gefühlswelten dazu beitragen, dass der Leser die Handlungsweisen der einzelnen Personen versteht, fand ich diese im Mittelteil leicht ermüdend, eine Straffung hätte hier sicher der Spannung gut getan. Des Weiteren wurden die Kriegserlebnisse von Jonathan Faukes zwar beeindruckend detailliert und realistisch geschildert, meiner Meinung nach hätte eine kürzere Beschreibung aber ausreichend seine anhaltende Desillusionierung erklärt. Und wieder einmal über das Grauen von Kriegen nachzudenken, gab die Erzählung allemal. Gerade zum Ende hin zieht das Tempo des Romans wieder an und es fallen noch ein paar Puzzlesteine an seinen Platz, damit sich eine runde Geschichte ergibt. Mir hat das Buch gut gefallen. Ein Muss für alle Katherine Webb-Fans und eine Leseempfehlung an die Freunde historischer Romane!


Donnerstag, 2. Oktober 2014

[Rezension Hanna] Wie Sterne so golden - Marissa Meyer



Inhalt
Cress ist die beste Programmiererin von ganz Luna. Seit Jahren versteckt sie die lunarischen Raumschiffe vor den Radaren der Erde und installiert Spionagesysteme für Königin Levana. Doch sie ist eine Hülle, verfügt also nicht über die Macht der Lunarier, andere zu manipulieren. Deshalb wird sie seit sieben Jahren von der Thaumaturgin Sybil in einem Satelliten gefangen gehalten. In dieser Zeit hat sie beschlossen, die Erde so gut es geht vor Levana zu schützen. Sie hat dafür gesorgt, dass Cinder Kai vor der Bedrohung durch Luna warnt. Und natürlich weiß sie, wo sich das Raumschiff befindet, auf der Cinder und ihre Freunde sich gerade verstecken – sie selbst sorgt dafür, dass es unentdeckt bleibt. Als Cinder erneut Kontakt mit Cress aufnimmt, ist für diese die Chance gekommen, ihrem Satelliten endlich zu entkommen.

Meinung
Einen kleinen Vorgeschmack auf Cress gab es schon im ersten Teil der Luna-Chroniken, und seither habe ich mich sehr auf diesen Teil gefreut, in dem sie im Mittelpunkt der Geschichte steht. Nachdem mich Cinder und Scarlet schon begeistern konnten, ist mir auch Cress im Nu ans Herz gewachsen. Im Programmieren macht ihr niemand etwas vor, doch gleichzeitig wirkt sie scheu, gutgläubig und strahlt in vielen Situationen eine so kindliche Freude aus, dass ich sie am liebsten in den Arm nehmen wollte.

Sehr bald wird ihre Geschichte enger mit der von Cinder und ihren Freunden verknüpft, die gerade planen, wie sie Kais Hochzeit mit Levana verhindern können. Leider geht bald so einiges schief und die Charaktere finden sich in verschiedenen brenzligen Situationen wieder. Während Cress im Mittelpunkt steht, wechselt die Perspektive regelmäßig zu den anderen, bereits bekannten Charakteren. Daraus ergibt sich ein komplexes Handlungsgeflecht, dank dessen die Bücher der Reihe auch immer dicker werden. Hut ab für Marissa Meyer, die dabei einen kühlen Kopf bewahrt und dafür gesorgt hat, dass auch ich als Leserin mühelos den Überblick behalten konnte!

Auch Rapunzel, ähm Cress natürlich, bekommt natürlich einen „Prinzen“, denn wir befinden uns zwar in der Zukunft zwischen Cyborgs, Androiden und Lunariern, aber irgendwie ist es ja immer noch eine Adaptation von inzwischen drei Märchen. Cress‘ Erwählter ist allerdings doch ein bisschen anders, als sie sich ihn vorgestellt hat. Die beiden fand ich zusammen unglaublich süß – meine Güte, in dieser Reihe wimmelt es langsam vor Traumpaaren! – und auch wenn ihre Liebesgeschichte vielleicht ein klitzekleines bisschen weniger spektakulär ist als die von Scarlet und Wolf, hat sie mir gefallen.

Zum Ende des Buches hin machen sich die Charaktere an ihren bislang wohl gewagtesten Plan, und so stieg die Spannung kontinuierlich an. An verschiedenen Schauplätzen kommt es zu Szenen, die mich den Atem anhalten ließen. Wird alles gut gehen? Das ist doch absolut unmöglich! Schließlich gab es noch ein kurzes Kennenlernen mit der Protagonistin des vierten und damit letzten Bandes, und ich habe die starke Vermutung, dass man auch ihren Prinzen schon kennt. Auch wenn mich ihr erster Auftritt vor allem irritiert hat, freue ich mich nun riesig auf den Abschluss der Geschichte – wenn doch nur schon Herbst 2015 wäre!


Fazit
„Wie Sterne so golden“ konnte meine hohen Erwartungen absolut erfüllen. Die neue Protagonistin Cress ist mir gleich ans Herz gewachsen und ist mit ihrem Charakter und ihren Fähigkeiten eine tolle Ergänzung für das bisherige Team. Gefährliche Missionen warten auf die Charaktere, und so mancher muss bald ums Überleben kämpfen. Für tolle Charaktere und die spannungsgeladene und vielschichte Handlung kann ich nur 5 Sterne vergeben. Ich liebe diese Buchreihe!


*Werbung* Weitere Informationen zum Buch

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Erscheinungsdatum: September 2014
Verlag: Carlsen Verlag
Link zur Buchseite des Verlags

-->