Freitag, 5. September 2014

[Rezension Hanna] Prodigy von Marie Lu


Das Buch ist Teil der Legend-Trilogie:

Band 1: Legend (Rezension)
Band 2: Prodigy
Band 3: Champion

Inhalt
June und Day ist die Flucht aus Los Angeles gelungen. Während Day als tot gilt, wird June in der ganzen Republik gesucht. Nun sind sie ganz auf sich allein gestellt, und Day geht es immer schlechter. Verzweifelt wenden sie sich an die Patrioten, ihre einzige Möglichkeit, Hilfe zu erhalten. Doch deren Hilfe kommt mit einem Preis: Die beiden sollen dabei helfen, den neuen Elektor Anden zu töten, der nach dem Tod seines Vater die Regierung übernommen hat. Während Day mit den Patrioten aus dem Untergrund heraus agiert, muss sich June für den Plan zurück in die Höhle des Löwen begeben…

Meinung
Nach dem hochspannenden Finale von „Legend“ war ich sehr gespannt, welche Richtung die Handlung nun einschlagen wird. Die Entscheidung der beiden, sich den Patrioten anzuschließen, konnte ich gut nachvollziehen – diese scheinen die letzte Anlaufstation zu sein, um dringend benötigte Hilfe zu erhalten. Nachdem die beiden bei den Patrioten angekommen sind wird auch schnell klar, was das Hauptthema dieses zweiten Teils sein wird: Ein Attentat soll auf den neuen Elektor verübt werden.

Durch das spannende Thema und das zügige Tempo wurde es in diesem Trilogie-Mittelteil nicht langweilig. June und Day müssen sich für die Mission erneut trennen und müssen sich beide in Gefahr begeben. Eine ganz besondere Aufgabe kommt June zu, und gemeinsam mit ihr bangte ich darum, dass sie ihre Pläne umsetzen kann. Doch bald macht sie auch wieder überraschende Entdeckungen, die alles in Frage stellen.

Ein bisschen genervt hat mich, dass sich in dieser Geschichte Liebesdreiecke anbahnen, denn bisher war ich froh, dass dies nicht der Fall war. Die Liebe spielt im Buch aber die meiste Zeit über nur eine Nebenrolle, da die Gedanken aller hauptsächlich beim Krieg und dem geplanten Attentat sind.

Die Handlung nähert sich mit jeder Seite unaufhaltsam dem Höhepunkt, weshalb ich das Buch nur ungern aus der Hand gelegt habe. Wird alles nach Plan verlaufen? Immer wieder hat mich die Geschichte überraschen können, und schließlich überstürzen sich die Ereignisse. Dabei habe ich mich aber gewundert, dass einige Schlussfolgerungen genau im entscheidenden Moment gezogen werden, und eine sehr entscheidende Szene erschien mir einfach zu unglaublich und unmöglich. Dennoch hat mich die Geschichte vor allem auf den letzten Seiten noch einmal richtig mitreißen können und große Lust auf den dritten und letzten Teil gemacht.

Ich vergebe 4 Sterne und kann die Serie an alle Fans von Dystopien weiterempfehlen!

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Taschenbuch: 368 Seiten
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2013
Verlag: Penguin

Dienstag, 2. September 2014

[Rezension] Bernhard Schlink - Die Frau auf der Treppe

Titel: Die Frau auf der Treppe
Autor: Bernhard Schlink
Erscheinungsdatum: 23.09.2015
Verlag: Diogenes
rezensierte Buchausgabe: Arbeitsexemplar
Handlungsort: Sydney/Australien und Deutschland
Handlungszeit: Gegenwart und 1970er Jahre




Der Ich-Erzähler des Romans „Die Frau auf der Treppe“ von Bernhard Schlink ist Seniorpartner in einer deutschen Rechtsanwaltskanzlei, um die 60 Jahre alt, Witwer mit drei erwachsenen Kindern, und weilt nun im Rahmen eines Auftrags in Sydney/Australien. Bei einem Besuch der Art Gallery steht er plötzlich einem Bild gegenüber, das ihm aus jungen Jahren nur allzu bekannt ist und das er verschollen geglaubt hat. Auf dem Gemälde ist, grob gesagt, eine nackte Frau zu sehen, die eine Treppe hinabsteigt. Der Rechtsanwalt kennt die Frau auf dem Bild, denn für sie hat er das einzige Verbrechen seines Lebens begangen. Die Frau, Irene mit Namen, stand zu diesem Zeitpunkt vor 40 Jahren in einer Beziehung zu dem Maler des Gemäldes. Von ihrem Mann, der das Bild in Auftrag gab und in dessen Besitz es ist, hatte sie sich getrennt, nachdem sie den Künstler beim Portraitieren kennengelernt hatte. Maler wie Ehemann kämpften sowohl um das Bild wie auch um Irene und der Jurist sollte beiden zu ihrem Recht verhelfen. 

In der Gegenwart begibt sich der Erzähler der Geschichte auf die Suche nach Irene, die er in Australien wähnt. Und er wird nicht enttäuscht. Verbunden mit der Suche nach der Frau ist auch die Erfüllung seines damaligen Wunschs, der Person Irene näher zu kommen. Mit dem Verschwinden des Gemäldes und der Frau hatte der Wunsch ein jähes Ende gefunden.

Zum ersten Mal seit Jahren oder sogar Jahrzehnten nimmt er sich derzeit eine Auszeit. Seine Gedanken schweifen über sein Leben. Doch nicht nur die damaligen Geschehnisse lässt er Revue passieren, sondern er denkt auch an die Jahre zwischen den Ereignissen und der Gegenwart, die hauptsächlich angefüllt sind mit seiner Tätigkeit in der Kanzlei. Natürlich hat er eine vorzeigbare Frau gefunden, mit der er Kinder hat, um die sich aus seinem Selbstverständnis heraus seine Frau kümmert. Obwohl ihm Alkoholismus ein Begriff ist, hat er angeblich nie bemerkt, dass seine Frau dieser Sucht verfallen ist. Über diesen Punkt in seinem Leben nimmt er keine Kritik an. In Gesprächen mit Irene macht diese ihm bewusst, welche schönen Seiten des Lebens er durch seine Arbeitsbelastung und der dazugehörigen eigenen Einstellung verpasst hat. Er hat sich von jeher seine eigenen Pflichten gesetzt und war sich selbst der nächste. 

Nun, da sein Denken Freiraum gewinnt, kommt Reue ob der verpassten Chancen in seinem Leben auf. Gemeinsam mit Irene versucht er sich im Ausgleich eine Parallelwelt zu schaffen. Doch diese ist und bleibt Schein und kann nicht zum Ersatz werden. Der Schluss des Romans lässt darauf hoffen, dass der Ich-Erzähler den Empfehlungen von Irene nachkommen wird, denn kleine widersetzliche Gedankenfetzen sind da und könnten sich nach der Rückkehr im Alltag breitmachen.

Allgemein gesehen ist der Roman in einer leicht lesbaren Sprache geschrieben. Zu Beginn hatte ich allerdings ein paar Probleme mit der zeitlichen Zuordnung der erzählten Lebensabschnitte, die sich aber letztendlich im größeren Zusammenhang an ihren Platz einordnen ließen. Die Geschichte ist sicher nicht aus dem Leben gegriffen und gewöhnlich, dazu ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gemälde in dem beschriebenen Maßstab an einem so illustren Ort wie aus dem Nichts auftaucht, zu gering. Im Vergleich dazu die Lebensgeschichte des Juristen sicher überspitzt, aber alltäglicher. Der Ich-Erzähler steht in seiner Namenlosigkeit für manche über die Maßen in seine Arbeit involvierte Person. Der Charakter der Irene ist mit einem ungewöhnlichen Leben verknüpft, das ich für denkbar halte. Die Konsequenzen, die sie aus der Auseinandersetzung zwischen Maler und Ehemann gezogen hat sind nachvollziehbar und daraus resultieren auch ihre späteren Handlungen.

Für mich war der Roman kein großes Buch-Highlight, aber eine unterhaltsame Geschichte, die dazu anregt, bei Zeiten einen Blick auf sein momentanes Tun zu werfen und in Frage zu stellen. 

(Ingrid)



Dienstag, 26. August 2014

[Rezension Hanna] Legend von Marie Lu


Das Buch ist Teil der Legend-Trilogie:

Band 1: Legend
Band 2: Prodigy
Band 3: Champion

Inhalt
In der Zukunft ist Amerika gespalten: Die Republik im Westen kämpft unerbittlich gegen die Kolonien im Osten, und dies ist in allen Bereichen des Lebens spürbar. In der Republik muss sich jedes Kind mit zehn Jahren einem Test unterziehen, der über seine Zukunft entscheidet. June ist bislang die einzige, die ein perfektes Ergebnis von 1500 schaffte, eine Laufbahn im Militär ist ihr sicher und sie steht trotz ihrer fünfzehn Jahre nun schon kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung. Day hingegen ist dank einer spektakulärer Einbrüche und Überfälle der meistgesuchte Kriminelle der Republik. Er ist beim Test durchgefallen und nur knapp dem Tod entronnen. Als June ihn als Mörder ihres Bruders identifiziert, setzt sie alles daran, ihn gefangen zu nehmen.

Meinung
Das Buch hat mich von der ersten Seite an begeistern können, denn das Ausgangsszenario gefällt mir außerordentlich gut. Das Leben und die Überzeugungen von June und Day könnten unterschiedlicher nicht sein. Da beide die Geschichte abwechselnd erzählen, konnte ich mich auch in beide Charaktere gut hineinversetzen und ihre Beweggründe nachvollziehen.

Mit der Erkrankung von Days Bruder sowie der Ermordung des Bruders von June gewinnt die Geschichte rasend schnell an Spannung und ich war bald im Strudel der Ereignisse gefangen. Ich litt und hoffte mit beiden Protagonisten und wurde durch grausame Szenen erschüttern, die mich vor der Einstellung des Militärs zurückschrecken ließen.

Nach und nach erhält man immer mehr Hinweise auf Geheimnisse, die geradezu unglaublich scheinen. Sollten diese tatsächlich stimmen? Während Day zutiefst davon überzeugt ist, kann June dies gar nicht richtig glauben und ich brannte darauf, die Wahrheit herauszufinden. Bei einigen Geheimnissen war es mir aber etwas zu unglaublich, dass diese so lange geheim gehalten werden konnten.

Die Szenen, in denen Day und June aufeinander treffen, gehörten zu meinen liebsten. Gerade die Unterschiedlichkeit der beiden macht es so interessant, die beiden im Umgang miteinander zu erleben. Auch Gefühle sind im Spiel – verworrene, widerstreitende Gefühle – welche die ganze Situation zu einem einzigen Pulverfass machen. Zum Ende hin konnte ich das Buch nur noch schwer zur Seite legen und wurde atemlos zurückgelassen. Ich musste einfach gleich weiterlesen, und zum Glück lag der zweite Teil, „Prodigy“, schon bereit.

Fazit
„Legend“ überzeugte mich mit seinem Ausgangsszenario und zwei Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auch wenn einige Geheimnisse geradezu unglaublich waren, tauchte ich immer tiefer in die Geschichte ein und fieberte darum, dass June und Day die richtigen Entscheidungen treffen. Dystopienfans sollten sich die Geschichte auf keinen Fall entgehen lassen!

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Taschenbuch: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 2. Februar 2012
Verlag: Penguin

Montag, 25. August 2014

[Rezension] Fredrik Backman - Ein Mann namens Ove

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Titel: Ein Mann namens Ove
Autor: Fredrik Backman
Übersetzung aus dem Schwedischen: Stefanie Werner
Erscheinungstermin: 21.08.2014
Verlag: Fischer Verlag (Krüger)
rezensierte Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
Handlungsort: Siedlung in Schweden
Handlungszeit: Gegenwart



So wie auf dem Cover stellt man sich Ove vor: den achtsamen Blick auf „seine“ Wohnsiedlung gerichtet und Ausschau haltend, ob sich jeder entsprechend den Vorschriften des Eigentümervereins verhält. Schon früh morgens zieht der 59-Jährige seine Runde entlang der Häuser der Siedlung zu den Parkgaragen und schaut nach Auffälligkeiten. Er hat nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens gestanden, doch nachdem seine Frau vor einem halben Jahr verstorben und sein Arbeitgeber ihn just in den Ruhestand geschickt hat, hält er seine Lebensaufgaben für erledigt und sieht keinen weiteren Sinn in seinem Leben. Und darum bereitet er alles für seinen würdigen Abgang vor.

Doch Ove hat nicht mit den neuen Nachbarn gerechnet. Denn in das Nachbarhaus zieht eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Sie ist hochschwanger und er handwerklich überhaupt nicht begabt. Nicht genug, dass diese Familie seine Hilfe benötigt, es erscheint auch noch eine weitere Nachbarin mit der er eigentlich seine Freundschaft vor Jahren beendet hat und bittet ihn um einen Gefallen. Ove hat plötzlich alle Hände voll zu tun, doch den Plan, seiner Frau in die Ewigkeit zu folgen, gibt er nicht so schnell auf. 

Ove musste schon ab seinem 16. Lebensjahr ohne Eltern auskommen, nachdem beide verstorben waren. Lange Jahre war er vorher schon mit seinem Vater allein. Und weil er es nicht anders kennt und weil er denkt, dass es gut für ihn ist, übernimmt er die Maxime und Prinzipien seines Vaters. Vor allem hält er sich an Recht und Ordnung, mischt sich nicht in Streitigkeiten ein und schwärzt andere nicht an. Doch seine Gutmütigkeit wird ausgenutzt, solange bis seine unterdrückte Wut in Rache umschlägt, denn es gibt nichts das er weniger mag, als reingelegt zu werden. Aus einem schmächtigen Jungen wird durch die Arbeit die er verrichtet im Laufe der Zeit ein kräftiger Mann. Seine Frau ist ihm in all der Zeit ein Wegweiser, von der er als einzige Kritik annimmt. Sie gibt diesem manchmal raubeinigen, prinzipientreuen, hin und wieder nörgeligen Menschen Halt im Leben. Für sie hat er gelernt, sich mit Behörden auseinanderzusetzen und nicht aufzugeben. 

Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen. Zunächst ist die Geschichte so aufgebaut, dass Oves Vorbereitungen zum Selbstmord gut vorankommen. Zum Ende des siebten Kapitels stellte ich mit Schrecken fest, dass es nun soweit zu sein schien, dass Oves Vorhaben Erfolg hat. Die einzelnen Charaktere sind liebevoll gestaltet. Ove wurde mir sympathisch, nur sein Hang dazu, manchmal gewaltsam einzugreifen, mochte ich nicht. Das Zusammenspiel der Nachbarn war sehr realistisch dargestellt. Ove hat viele Tiefen in seinem Leben erfahren. Trotzdem ist der Roman nicht nur melancholisch, denn durch die Einmischung der Nachbarn, und auch einer Katze, in Oves Leben kommt es immer wieder zu heiteren Situationen die die ernste Stimmung mühelos überlagern. 

Die Story „Ein Mann namens Ove“ scheint mitten aus dem Leben gegriffen und ist doch ungewöhnlich. Es ist ein Buch, das in Erinnerung bleibt und auf jeden Fall eine Leseempfehlung wert.

Freitag, 22. August 2014

[Rezension] Markus Heitz - Exkarnation: Krieg der Alten Seelen

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Titel: Exkarnation - Krieg der Alten Seelen
Autor: Markus Heitz
Erscheinungsdatum: 01.08.2014
Verlag: Droemer Knaur Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur
Handlungsorte: Leipzig, Monte Carlo,Wien u.a.
Handlungszeit: (fantastische) Gegenwart




Das Buch „Exkarnation – Krieg der Alten Seelen“ von Markus Heitz ist ein Fantasythriller und der erste Band einer Dilogie. Auf dem Cover ruht eine Hand auf einem Totenschädelfragment. Dieses Bild lässt mich stutzen, um einen Zusammenhang zum Titel zu finden und wirft dadurch bei mir die Frage auf, ob in diesem Teil des Körpers die Seele verortet werden kann. Denn um Seelen, genauer gesagt Seelenwanderer geht es in diesem Buch. 

Claire besitzt seit über zehn Jahren ein kleines irisches Café in Halle. Eines Tages beobachtet sie vom Fenster aus, wie ihr heimkehrender Ehemann Finn überfallen wird. Sie ruft die Polizei, rennt hinaus und wird von einem Wagen überfahren. Ihre Gedanken bleiben bei Finn, dem sie zu Hilfe eilen möchte. Doch ihre Seele löst sich vom Körper, sie spürt eine weitere Existenz in ihrer Nähe und findet sich plötzlich in einem Rettungswagen liegend im Körper der Selbstmörderin Lene von Bechstein aus Leipzig wieder. Nicht nur dieser Umstand stellt ihr bisheriges Leben vollständig auf den Kopf. Von den Ärzten im Rettungswagen wird sie als „Anastasia“ angesprochen. Schnell wird klar, dass etwas schiefgegangen ist. Doch was ist geschehen? Claire macht sich nach einer ersten Phase der Verzweiflung auf den Weg herauszufinden, ob sie wieder in ihr altes Leben zurückkehren kann.

Unterdessen trifft die frühere Wer-Kreatur und Wandlerjäger Eric von Kastell, in dem ein Dämon schlummert, in der Spielbank Monte Carlo auf das Wandelwesen Nadeschda und ihre Tochter. Doch nicht nur er hat Interesse an der Beseitigung der Wandelwesen. Durch seine Aktion gelangt er in den Fokus von Unbekannten, genauso wie seine Partnerin Sia und deren Nichte Elena.
Auch wer noch keines der Bücher des Autors gelesen hat, wird in diesem Thriller der Handlung mühelos folgen können. Markus Heitz erklärt seine Figuren und ihre Fähigkeiten ausführlich und fantasievoll. Im Prolog schildert er die Vorbereitungen einer Operation nach neuestem Stand bei der die Seele des Auftraggebers in den Wunschkörper geleitet wird, wenn es denn so wie geplant funktioniert. Was der Leser bereits früh erfährt, wird für Claire erst im Laufe der Geschichte offensichtlich und dennoch bleiben zum Schluss einige Fragen offen. 

Doch zunächst geht Claire der Frage nach, warum ihr Ehemann sterben musste. Natürlich ist es ein Schock für sie, sich in einem fremden Körper wiederzufinden. Der Leser kann gut das Entsetzen nachempfinden und ihre Verzweiflung als sie merkt, dass ihre nächsten Angehörigen und Bekannten sie so nicht erkennen werden und sie daher ihr bisheriges Leben nicht einfach fortsetzen kann. Aber wem kann sie sich anvertrauen? Sie stellt fest, dass selbst diejenigen, die ihr angeblich helfen wollen, längst nicht nur gute Absichten verfolgen. Das macht diesen Thriller so spannend und abwechslungsreich. Auch im zweiten Handlungsstrang treffen Wesen aufeinander, von denen der Leser sich kein abschließendes Bild davon machen kann, ob die Ziele der Einzelnen oder der Gruppierungen dem Wohl der Menschheit oder nur dem eigenen Gelangen nach Macht gelten. Und selbst diese verschiedenen Handelnden beobachten sich gegenseitig, um zu ergründen, ob ihre Absichten die gleichen sind.

Nebenher spinnt Markus Heitz auf einfallsreiche Weise dann noch die Geschichte des Bernsteins weiter sowie noch andere mythische Überlieferungen. Mit jedem Wechsel einer Seele in einen weiteren Körper erwirbt diese eine neue Eigenschaft. Auch in dieser Hinsicht kann der Leser auf den Einfallsreichtum des Autors und seinen diesbezüglichen Ausführungen gespannt sein. Im Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass „Exkarnation“ kein Thriller für Feinfühlige ist. Das Buch wurde mit einigen Cliffhangern zum Ende geschrieben, so dass eine Fortsetzung unweigerlich zu folgen hat. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne an Fantasyfans weiter.

Donnerstag, 21. August 2014

[Rezension Hanna] Die Achse meiner Welt von Dani Atkins

 
Inhalt
Kurz bevor Rachel und ihre Freunde ihr Studium in verschiedenen Städten antreten, treffen sie sich ein letztes Mal im Restaurant ihres Heimatortes Bishopsford. Doch der Abend soll schrecklich enden: Ein außer Kontrolle geratenes Fahrzeug rast ins Restaurant. Rachel schafft es nur dank ihres besten Freundes Jimmy aus der Gefahrenzone, der dafür selbst sein Leben lassen muss.

Meinung
Fünf Jahre später kehrt Rachel für die Hochzeit ihrer Freundin Sarah nach Bishopsford zurück. Sie leidet körperlich und geistig noch immer unter den Konsequenzen jener fatalen Nacht und bricht schließlich mit starken Kopfschmerzen zusammen. Als sie aufwacht, muss sie erkennen, dass sie offensichtlich in einer perfekten Version ihres Lebens gelandet ist…

Der Klappentext und ebenso der Prolog machten mich neugierig auf Rachels Geschichte. Wie ist es wohl, in einer perfekten Version seines Lebens zu landen? Wie wird Rachel sich verhalten? Doch bevor der Leser dies herausfindet, wird er Zeuge des schrecklichen Unfalls, der Rachels Leben zerstört. Die ersten Kapitel haben mich emotional sehr berührt und gut konnte ich nachvollziehen, wie Rachels Leben durch den Unfall dauerhaft geprägt wird.

Nach dem Unfall springt das Buch fünf Jahre in die Zukunft. Rachel hat den Verlust Jimmys immer noch nicht verkraftet und alle Pläne, die sie damals hatte, über den Haufen geworden. Doch damit nicht genug: Ihr Vater ist an Krebs erkrankt, und sie selbst hat immer häufiger starke Kopfschmerzen, die auf ein neurologisches Problem hindeuten. Rachels ist wirklich nicht zu beneiden, und ihre Beschreibungen der Situation stimmten mich nachdenklich.

Als Rachel schließlich in einem anderen Leben erwacht, könnte der Kontrast nicht größer sein. Alles ist gut, nein, perfekt! Im Gegensatz zum Leser, der sich darauf dank des Prologs schon vorbereiten konnte, kann Rachel das alles gar nicht glauben. Sie geht mit der unglaublichen Veränderung auf ihre ganz eigene Weise um. Während ich Rachel auf ihrem Weg begleitete, nach Erklärungen zu suchen, habe ich mich auch selbst gefragt, wie ich in ihrer Situation wohl auf solch eine zweite Chance reagieren würde.

Das Buch wirft die Frage auf, inwiefern man sich an sein Leben gewöhnt und versucht, daran festzuhalten. Kann man loslassen und den Sprung ins Unbekannte, Verheißungsvolle wagen? Neben Rachels Suche nach Erklärungen nimmt auch die Liebesgeschichte einen großen Raum ein. Sie hat mir gut gefallen, auch wenn die Charaktere sich ziemlich stereotyp verhalten und ich mir noch etwas mehr Romantik gewünscht hätte. Nach dem traurigen Anfang und dem erleichternden Mittelteil voller Fragen und Veränderungen wartet schließlich ein Ende auf den Leser, das einfach perfekt zu dieser Geschichte passt.

Fazit
„Die Achse meiner Welt“ berichtet von einer geradezu unglaublichen zweiten Chance, die Rachel in ihrem Leben erhält. Doch wie reagiert sie auf eine so viel perfektere Version ihres Lebens? Das Buch spinnt die Idee auf interessante Weise weiter. Ich vergebe vier Sterne und kann diesen Roman über Verlust und Wiederfinden weiterempfehlen.

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Taschenbuch: 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. August 2014

Montag, 18. August 2014

[Rezension Hanna] Das Rachespiel von Arno Strobel



Inhalt
Der Softwareentwickler und Familienvater Frank erhält eines Tages einen mysteriösen Brief, der nichts weiter enthält als einen USB-Stick. Dieser enthält nicht mehr als eine mysteriöse Nachricht: Am nächstes Tag soll er um 12 Uhr eine bestimmte Webseite besuchen. Nach einigem Zögern folgt Frank dem Aufruf und erhält eine wahnwitzige Aufgabe mit der Drohung, dass bei Nichtausführung ein Mensch sterben wird. Frank hält all dies für einen schlechten Scherz, der sich jedoch schnell als bittere Realität herausstellt. Die nächste Aufforderung der Webseite befolgt er und fährt zu einer alten Bunkeranlage. Dort trifft er auf drei Freunde aus seiner Kindheit, die wie er ein Teil des perfiden Spiels sind. Wer steckt hinter der Sache? Und was hat das alles etwas mit dem Geheimnis zu tun, dass die vier seit Jahren teilen?

Meinung
Das Buch startet äußerst vielversprechend. Man lernt den Protagonisten Frank kennen, als dieser gerade den USB-Stick mit der rätselhaften Nachricht erhält. Schon der Countdown auf der Webseite weckte meine Neugier: Was erwartet Frank? Wer hat ihm diese Nachricht gesendet? Schon bald muss Frank feststellen, dass die Nachrichten mehr als nur leere Drohungen sind und weitere alte Freunde von ihm involviert sind. Die Bedrohlichkeit der Situation wurde so schnell spürbar.

Mir dem Aufbruch der vier alten Freunde zum Bunker spitzt sich die Situation bedeutend zu. Die Blauäugigkeit, mit der alle Charaktere zur Bunkeranlage fahren, ohne auch nur irgendwem Bescheid zu geben oder eine Nachricht zu hinterlassen, fand ich allerdings nicht nachvollziehbar und daher das Zustandekommen der folgenden Situation recht konstruiert.

Im Bunker beginnt das eigentliche Rachespiel, das alle Charaktere an ihre physischen und psychischen Grenzen treibt. Frank und die anderen drei Charaktere sind dabei recht einfach gestrickt und ihr Verhalten wurde daher schnell vorhersehbar. Dennoch bringt das System der Aufgaben, die man lösen muss, um sich selbst und seine Familie zu retten, Spannung ins Geschehen. Als Leser wurde man zum miträtseln animiert, was mit den kryptischen Nachrichten wohl gemeint sein könnte. Nachdem Ort und Spielregeln jedoch festgelegt sind, kommt nur noch geringfügig Neues ins Spiel und der Reiz der Situation ließ bei mir allmählich nach. Die Charaktere irren durch den Bunker und müssen sich Fragen, wer kooperieren wird und wer die anderen hintergeht. Interessant fand ich dabei, wie sich die Beziehungen zwischen den Charakteren unter dem Druck der Situation langsam veränderten.

Durch die Rückblicke in die Kindheit der Charaktere erfährt man nach und nach mehr über das Geheimnis, das die vier teilen. Dadurch konnte man als Leser auch spekulieren, wer wohl hinter dem Rachespiel steckt. Die Situation spitzt sich schließlich weiter zu und wie die Charaktere fieberte man als Leser dem entgegen, was am Ende der Nacht wartet. Leider fand ich die Auflösung nur wenig glaubhaft und den Abschluss recht abrupt, weshalb das Buch für mich nicht absolut rund war.

Fazit
„Das Rachespiel“ gewinnt seine Spannung vor allem durch die Aufgaben, welche die Charaktere in gruseligem Umfeld lösen müssen, um ihr Leben und das ihrer Familie zu retten. Dabei stellt man sich als Leser vor allem die Frage, wer hinter diesem Spiel steckt und wird zum miträtseln animiert. Trotz einiger Schwächen und einer mich nicht ganz zufriedenstellenden Erklärung hat mir das Buch im Großen und Ganzen Spaß gemacht. Es wird Fans des Psychothrillers sicherlich unterhalten können.

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Taschenbuch: 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 20. Januar 2014
Verlag: Fischer Taschenbuch
Link zur Buchseite des Verlags

Donnerstag, 14. August 2014

[Rezension Hanna] Das Lavendelzimmer von Nina George


Inhalt
Jean Perdu lebt in Paris und ist Inhaber der Literarischen Apotheke, eines Bücherschiffs. Eines Tages zieht in der Wohnung gegenüber die frisch geschiedene Catherine ein, die nicht einmal mehr Möbel besitzt. Die Besitzerin des Hauses bittet Perdu, Catherine doch wenigstens einen Tisch zur Verfügung zu stellen. Doch in seiner karg eingerichteten Wohnung steht nur ein Tisch, den er nicht braucht. Zum ersten Mal nach einundzwanzig Jahren betritt er das Lavendelzimmer seiner Wohnung, in dem so viele schmerzhafte Erinnerungen schlummern an eine Frau, die ihn ohne Abschiedswort verließ. Und ein Brief, den Perdu nie gelesen hat – bis jetzt. Er muss erkennen, dass er all die Jahre eine falsche Schlussfolgerung gezogen hat. Daher beschließt er, sich auf eine Reise zu begeben…

Meinung
Zu Beginn des Buches lernt man Perdu kennen, der eine ganz außergewöhnliche Buchhandlung betreibt. Mit seinem Bücherschiff, auf dem er Bücher als Medizin für und gegen alle erdenklichen Gemütszustände verkauft, ist er mir gleich sympathisch geworden. Er verfügt über eine außerordentliche Beobachtungs- und Einfühlungsgabe und sammelt in Gedanken ständig neue Einträge für seine „Große Enzyklopädie der kleinen Gefühle“.

Früh lernt man auch Perdus skurrile Nachbarn kennen, vor allem die Besitzerin des Hauses, in dem er lebt, hat im Blick, was alle Bewohner so treiben. Außerdem ist da Perdus neue Nachbariin Catherine. Sie ist frisch geschieden, und von Beginn an knistert es zwischen ihr und Perdu, doch nach 21 Jahren hat er immer noch nicht gänzlich mit seiner alten Liebe abgeschlossen, die ihn ohne Abschied verlassen hat. Der Brief, den Perdu dank Catherine findet, ändert dann seine Sicht auf die Dinge. Er erkennt, dass er nur durch eine Reise mit seiner Vergangenheit abschließen kann.

Völlig überraschend für den Leser, aber auch für Perdu selbst, verlässt er ohne große Vorbereitungen auf seinem Hausboot Paris. Was folgt ist eine Reise voller amüsanter Zwischenfälle. Gelegentlich wird aber auch ein nachdenklicher Ton angeschlagen. Perdu ist auf seiner Reise nicht allein, von Beginn an ist sein Nachbar Max bei ihm, ein Autor, der nach dem ersten großen Erfolg nun von einer Schreibblockade geplagt wird. Im Laufe der Reise kommen noch weitere Passagiere dazu, sodass sich eine Reisegesellschaft mit ganz unterschiedlichen Charakteren bildet, die ich nur zu gerne über die Flüsse begleitet habe. Alle haben ihre Ecken, Kanten und Geheimnisse, sodass es während der Reise zu so mancher interessanter Enthüllung kam. Lediglich Perdus ehemalige Liebe, die durch seine Erinnerungen und Auszüge aus ihrem Tagebuch stets präsent ist, ist mir nicht sonderlich sympathisch geworden.

Zum Ende hin wird das Buch noch einmal nachdenklicher. Wie viel Erinnerung an die Vergangenheit sollte sein und wie kann man mit dieser Vergangenheit abschließen? Wie kann man wieder nach vorne blicken und sich ins Leben stürzen? Die letzten Kapitel konnten mich sehr berühren, es war traurig und schön zugleich.

Fazit
„Das Lavendelzimmmer“ hat mich mit seiner bildhaften Sprache und seinen vielschichtigen Charakteren überzeugen können. Gemeinsam mit den Protagonisten denkt man über die Bedeutung der Erinnerung nach und wie wichtig es ist, auch nach vorne zu blicken. Dabei richtet das Buch seinen Blick auch auf die kleinen, schönen Dinge und Gefühle, die das Leben erst lebenswert machen. Ich empfehle das Buch an Leser weiter, die sich auf eine humorvolle und gleichzeitig nachdenklich stimmende Reise quer durch Frankreich begeben möchten.

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Taschenbuch: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. April 2014

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