Rezension von Ingrid Eßer
Titel: Erzählen, was ist: Berichten am Limit
in einer Zeit der Kriege
Autorin: Katrin Eigendorf
Erscheinungsdatum: 26.01.2026
Verlag: S. Fischer
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783103976991
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Die aus Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen stammende und
heute in Berlin lebende Katrin Eigendorf gewährt in ihrem Buch „Erzählen, was
ist“ nicht nur Einblicke in ihre journalistische Arbeit, sondern auch teils in
ihr Privatleben, soweit dieses mit ihrem Beruf verbunden ist. Bereits der Untertitel
„Berichten am Limit in einer Zeit der Kriege“ spiegelt wider, worin die Berichterstattung
der Autorin hauptsächlich besteht: über die Brennpunkte der Welt zu berichten.
In neun Kapiteln nimmt die Autorin ihre Leserinnen und Leser
mit nach Afghanistan, Russland, Israel und in die Ukraine. Dabei beschreibt sie
nicht nur die Situation, die sie während ihrer Aufenthalte vor Ort erlebt,
sondern erzählt ebenso, wie es ihrer Meinung nach zum jeweiligen Konflikt
gekommen ist. Außerdem erläutert wie, welche fachlichen und persönlichen
Kompetenzen sie im Laufe der Jahre hinweg erworben hat, um Ereignisse sachlich
und wahrheitsgemäß darzustellen.
Karin Eigendorf hat sich mit der Zeit ein Netzwerk an
Kontakten aufgebaut, auf die sie vertrauen kann. Es ist ihr wichtig, dass diejenigen,
mit denen sie zusammenarbeitet verlässlich sind. Die Schilderungen mancher
Situation sind tief bewegend etwa, als sie das Schicksal der Frauen in
Afghanistan beschriebt. Zugleich macht das Buch immer wieder bewusst, welchen
erheblichen Gefahren Eigendorf, ihr Team und viele andere Journalistinnen und
Journalisten bei ihren Einsätzen ausgesetzt sind.
Für ihre Reportagen wurde die Autorin vielfach
ausgezeichnet, obwohl sie auch Kritik hinnehmen musste. In diesem Zusammenhang setzt
sie sich mit der Frage auseinander, wie sich Begebenheiten auf unterschiedliche
Weise darstellen lassen und wie schwierig es mitunter ist, Wahrheit von
gezielter Desinformation zu unterscheiden. Dem Titel ihres Buches folgend sieht
sie es als ihre journalistische Verpflichtung an, in Konflikten alle Seiten zu
Wort kommen zu lassen, was sich nicht immer leicht verwirklichen lässt. Mit
Einfühlungsvermögen und beruflicher Erfahrung gelingt es ihr, auch zu schwierigen
Gesprächspartnern Zugang zu finden. Darüber hinaus reflektiert sie, ob
Journalismus überhaupt neutral sein kann.
„Erzählen, was ist“ ist ein lesenswertes Buch für alle, die sich mit einer fundierten Berichterstattung nicht nur ein Bild der Konfliktregionen unserer Zeit machen möchten, sondern auch verstehen wollen, welche Entwicklungen zu den jeweiligen Konflikten geführt haben. Zugleich vermittelt Katrin Eigendorf einen eindrucksvollen Einblick in ihre verantwortungsvolle und viel zu oft gefährliche Arbeit als Reporterin in Krisengebieten
