Samstag, 20. Juni 2020

Rezension: Bretonische Spezialitäten - Jean-Luc Bannalec


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Bretonische Spezialitäten
Autor: Jean-Luc Bannalec
Paperback: 352 Seiten
Erschienen am 16. Juni 2020
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

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Ausgerechnet gemeinsam mit seinem Präfekten Locmariaquer wird Dupin die nächsten vier Tage auf einem Seminar an der Polizeischule in Saint-Malo verbringen. Dort sind die Präfekten der vier bretonischen Départmements mit jeweils einem ihrer Kommissare zusammengekommen, um über die Verbesserung der Zusammenarbeit zu sprechen. Die Mittagspause des ersten Tages nutzt Dupin, um den nahegelegenen Markt zu besuchen. In aller Öffentlichkeit wird dort vor seinen Augen eine Frau erstochen, der Täterin gelingt die Flucht. Die Präfekten entschließen sich kurzerhand, die theoretischen Besprechungen zugunsten der Praxis zu vertagen: Die drei anwesenden Kommissare sollen den Fall gemeinsam lösen.

Dupin muss in „Bretonische Spezialitäten“ erneut außerhalb des eigenen Départements ermitteln. Der Grund ist diesmal ein Seminar, dass er gemeinsam mit seinem Präfekten besucht und das ihn nach Saint-Malo führt. Schon der Titel macht deutlich, dass Speisen hier eine größere Rolle spielen und schon auf den ersten Seiten werden dem Kommissar und dadurch auch dem Leser die Vorzüge einiger Käsesorten angepriesen.

Nach wenigen Seiten kommt es zum eingangs erwähnten Mord und einer spektakulären Verfolgungsjagd, welche die Spannung ansteigen lässt. Die Täterin ist dennoch schnell identifiziert, sagt allerdings kein Wort. Dupin und seine beiden Kollegen aus dem Seminar werden mit der gemeinsamen Ermittlung beauftragt und machen sich an die Befragung des Umfelds von Opfer und Täterin. Beide haben sich in der Region mit ihren Restaurants einen Namen gemacht. Führen ihre Berufe zum Motiv, oder steckt eine ganz andere Geschichte dahinter?

Die Zahl der Menschen, die bei der Suche nach dem Mordmotiv helfen könnten, ist übersichtlich. Doch so recht kommen die Ermittler nicht voran, denn für alle möglichen Ansatzpunkte gibt es eine gute Erklärung, warum das eigentlich kein Motiv sein kann. Ein weiterer Mord im selben Umfeld wirft neue Fragen auf und setzt die Kommissare unter zeitlichen Druck: Wenn die Täterin des ersten Mordes bereits hinter Gittern sitzt, wer ist dann jetzt aktiv geworden?

Dupins Team aus Concarneau kann diesmal nur begrenzt mit einigen Online-Recherchen unterstützen. Die beiden neuen Kolleginnen Le Menn und Nevou, deren Auftauchen ich im letzten Band begrüßt habe, spielen diesmal leider gar keine Rolle. Kommissarin Huppert und Kommissar Nedellec, mit denen Dupin vor Ort ermittelt, lernt man nur oberflächlich kennen.

Die Bücher nehmen sich schon immer viel Zeit für die Beschreibung der Landschaften, Sehenswürdigkeiten und Restaurants. Wer das mag, kommt hier voll auf seine Kosten, denn dem wird hier bisweilen mehr Platz eingeräumt als den Ermittlungen. Ein Buch vor allem für Leser, die sich für die Region und seine Spezialitäten interessieren!

Freitag, 19. Juni 2020

Rezension: Zwei in einem Herzen von Josie Silver



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Zwei in einem Herzen
Autorin: Josie Silver
Übersetzerin aus dem Englischen: Babette Schröder
Erscheinungsdatum: 11.05.2020
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783453423558
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Lydia und Freddie sind verlobt und möchten im nächsten Jahr heiraten, die Planungen dazu sind bereits angelaufen. Doch am späten Nachmittag ihres Geburtstags im März 2018 steht die Zeit für Lydia still als sie vom Verkehrsunfall ihres Freunds erfährt, der an den Folgen seiner Verletzungen verstirbt. Seine letzten Worte an sie, so unwichtig und nebensächlich sie auch sind, bleiben ihr im Gedächtnis, sie sehnt sich nach seiner Nähe und will über Wochen und Monate nicht das Unabänderliche akzeptieren.

Im Roman „Zwei in einem Herzen“ schildert die britische Autorin Josie Silver wie Lydia sich ihre eigene Traumwelt schafft, in der Freddie lebendig ist und sie gemeinsam in die geplante Zukunft gehen. Fortan lebt Lydia im Schlaf in ihrer Fantasiewelt, in der sich die Handlungen unabhängig von der Realität, aber kontinuierlich weiterentwickeln. Allerdings stellt Lydia bald fest, dass sie die geträumte Welt nicht mit ihren Gedanken leiten kann und diese auch nicht frei ist von Kummer und Sorgen.

Die Autorin schreibt über eine besondere Form der Trauerbewältigung. Es verdeutlicht, dass jeder seinen eigenen Weg dazu finden muss, den erlittenen Verlust zu verarbeiten. Lydia klammert sich fest an ihrem bisherigen Leben an der Seite von Freddie. Gerade weil sie glaubt, alle Facetten von ihm zu kennen ist es umso schwieriger für sie, sich auf neue Freundschaften und Bekannte einzulassen und Vertrauen aufzubauen. Jonah, der gemeinsame Freund des Paars, der bei dem Unfall auf dem Beifahrersitz saß, verarbeitet den Verlust des Freunds auf eine andere Weise und streckt Lydia sinnbildlich eine hilfreiche Hand entgegen. Doch um bereit zu sein, Hilfe anzunehmen, muss sie gleichzeitig wieder bereit sein, sich auf die Realität einzulassen und zu lernen, dass es ohne Freddie Möglichkeiten für sie gibt, die sie an seiner Seite vermutlich nicht gehabt hätte.

Josie Silver räumt der Trauerphase in ihrem Roman einen breiten Raum ein, währenddessen die Romantik zurücksteht. Leider führte dieses Vorgehen zu leichten Längen. Die Autorin schreibt mit viel Gefühl, berührend und trotz der anhaltenden Melancholie der Protagonistin ist stellenweise ein heiterer Unterton vorhanden. Den Rückzug in eine Traumwelt fand ich eine freundliche Idee, doch ich halte es für mystisch, dass beim Träumen mit Unterbrechungen und der Wiederaufnahme an weiteren Tagen eine so wie beschrieben durchgehende Handlung möglich ist.

Im Roman „Zwei in einem Herzen“ beschreibt Josie Silver die besondere Form einer Trauerverarbeitung ihrer Protagonistin Lydia, die mit dem plötzlichen Tod ihres Verlobten konfrontiert ist. Wer nach einer emotional erzählten Geschichte über Liebe, Verlust und den Weg, sich auf neue Beziehungen einzulassen sucht, dem empfehle ich gerne das Buch.


Donnerstag, 18. Juni 2020

Rezension: Die Lilienbraut von Teresa Simon



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Die Lilienbraut
Autorin: Teresa Simon
Erscheinungsdatum: 11.05.2020
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch mit Klappen
ISBN: 9783453422445
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Die 23-jährige Kölnerin Nelly Voss ist „Die Lilienbraut“ für den von ihr geliebten Mann, denn nach dessen Meinung bringt sie einen Raum zum Leuchten sowie die entsprechenden Blumen. Ihr Problem im gleichnamigen Roman von Teresa Simon, der in der Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, ist die Aussichtslosigkeit, die ihre Liebe begleitet, denn es darf nicht sein, dass sie mit ihrem Geliebten zusammenlebt und ihre Liebe darf nicht öffentlich bekannt werden.

Das Cover ist entsprechend der Geschichte romantisch gestaltet, aber Nelly lebt nicht, wie die Aufmachung vermuten lässt, in herrschaftlichen Verhältnissen, sondern ihre Mutter ist Kneipenwirtin, ihr Vater längst verstorben. Sie selbst arbeitet im Büro der Parfümerie-Fabrik Mülhens. Aber auf der Handelsschule hat sie Greta Farina kennengelernt, die Tochter des berühmten Unternehmers, der das Eau de Cologne erfunden hat. Gegenseitig geben die beiden sich Halt in den schweren Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

Auf einer zweiten Zeitebene erzählt Teresa Simon die Geschichte der jungen Biologin Liv van Geeren, die in der Gegenwart spielt. Liv hat einen kleinen Sohn und ist frisch getrennt. Eine Erbschaft führt sie aus Maastricht nach Köln, wo sie in Ehrenfeld ein Geschäft für Düfte eröffnet. Durch Zufall trifft sie eine ältere Frau von der sie als „Nellie“ angesprochen und beschimpft wird. Hier ergab sich für mich schon ein Bezug zu der Geschichte der Nellie Voss. Doch bevor ich erfuhr, wie beide Erzählebenen ineinandergreifen musste ich noch viele Seiten lesen.

Eigenständig laufen beide Geschichten nebeneinander her und konnten mich auf ihre je eigene Art begeistern. Sie sind nicht nur über die besondere Nase ihrer jeweiligen Protagonistin für Düfte verbunden. Die Autorin fasst in ihre Erzählungen historische Fakten ein und umkleidet sie gekonnt mit Fiktion, die sich so liest, als ob die Ereignisse tatsächlich geschehen wären. Sie lässt Nellie in weiten Teilen die Begebenheiten in Tagebuchform erzählen und ich konnte mich auf diese Weise die tiefen Gefühle ihrer Protagonistin zu ihrem Liebsten nachvollziehen.

Es ist aufwühlend, vom Leben der Bevölkerung und den gegebenen Umständen im kriegszerstörten Köln zu lesen. In einem Nachwort greift die Autorin bestimmte Begriffe auf und erklärt sie im historischen Kontext. Zur weiteren Einbettung in das Kölner Umfeld gehört auch das zeitweilige Kölsche Platt bei Gesprächen beispielsweise in der Kneipe und der Verzehr typischer Speisen und Getränke. Eine treffende Auswahl dazu, die mir, als im Rheinland geborene, bekannt und empfehlenswert sind, findet sich im Anhang in Form von Rezepten zum Zubereiten wieder

Sowohl Nellie wie auch Sophie sind junge Frauen mit starkem Charakter, die ihre Ideale verfolgen, auch wenn sie gegen allgemein übliche Konventionen handeln und damit rechnen müssen, kritisiert zu werden. Auf beiden Erzählebenen hat Teresa Simon einige überraschende Wendungen eingefügt, die dem Roman eine hintergründige Spannung verleihen.

Die ansprechenden Geschichten, unterstützt durch den ständigen Perspektivenwechsel, sorgen für ein schnelles Lesen um zu erfahren, wie beide Erzählstränge zusammenfließen und verbunden sind. Der Roman „Die Lilienbraut“ von Teresa Simon hat mich bestens unterhalten und daher empfehle ich ihn gerne weiter.


Dienstag, 16. Juni 2020

Rezension: Wie uns die Liebe fand von Claire Stihlé



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Wie uns die Liebe fand
Autorin: Claire Stihlé
Erscheinungsdatum: 04.05.2020
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783426307403
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Im Roman „Wie uns die Liebe fand“ erzählt Marie-Anne Nanon, von allen Madame Nan gerufen und inzwischen 92 Jahre alt, aus ihrem bewegten Leben, vor allem von einer Zeit von vor etwa vierzig Jahren. Die Autorin des Romans, Claire Stihlé, ist im Elsass geboren, wo auch ihre Erzählung spielt, wohnt heute aber in Deutschland. Obwohl sie ihre Geschichte in deutscher Sprache verfasst hat, erinnerte mich der Schreibstil an Romane, die auf dem französischen Buchmarkt zu finden sind.

Madame Nan ist früh verwitwet und hat vier Töchter. Bis zur Geburt der ältesten Tochter Marie war sie als Pharmazeutisch-Technische Assistentin tätig, nach dem Tod ihres Ehemanns sind ihre Mittel knapp. Im Jahr 1979 kommt ihr der Zufall zu Hilfe in Form ihres Nachbarn Monsieur Boberschram, der ihr den seit langem in Familienhand befindlichen Lebensmittelladen schenkt, den er nach dem Tod seiner Frau nur nachlässig geführt hat. Marie erfindet gemeinsam mit ihrem Freund Manou Liebesbomben, die im Dorf für reichlich Verwirrung in Liebesbeziehungen sorgen.  Der Verkauf der Kugeln im inzwischen aufblühenden Geschäft der Nanons ist ein Erfolg und sichert die Familie finanziell ab. Zu gerne hätten Madame Nans Töchter, dass auch ihre Mutter einen neuen Partner findet, aber sie weigert sich die Kugeln für sich selbst einzusetzen.

Lange erscheint es unrealistisch, dass Monsieur Boberschram sein Geschäft einfach so verschenkt hat, obwohl die Autorin hierzu Erklärungen gibt. Um den wahren Grund zu erfahren dauert es jedoch bis fast zum Ende des Romans. Die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung und führt viele Jahre zurück in die Vergangenheit des Elsasses, einer Gegend die zeitweilig von Frankreich und Deutschland umkämpft war.

Die Töchter der Madame Nan haben je einen ganz eigenen Charakter, der zu einigen Auseinandersetzungen der jungen Frauen über verschiedene Themen führt. Die Drittgeborene Chloé beschäftigt sich mit ihren fünfzehn Jahren mit der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, was Ende der 1980er Jahre nicht alltäglich war. Ich habe mich in dieser Zeit wiedergefunden und konnte mir die Umstände gut vorstellen, weil ich in etwa zu dieser Zeit im Elsass zu Besuch war. Die Autorin flechtet immer wieder Informationen über Land und Leute in ihren Roman ein. Etwas befremdlich fand ich allerdings die Wirkungsweise der Liebeskugeln, die wohl eher mit Humor zu sehen sind und der Geschichte einen mystischen Touch verleihen.

Der Roman „Wie uns die Liebe fand“ von Claire Stihlé ist eine Geschichte, die die Protagonistin als Ich-Erzählerin im leichten Plauderstil schildert. Mit wenigen Längen im mittleren Teil führt die Erzählung zu einer berührenden Vergangenheit der Hauptfigur, die eng verbunden ist mit der Geschichte des Elsasses. Im Schlussteil des Buchs finden sich viele Seiten mit Rezepten aus dieser Gegend, die zum Nachkochen auffordern. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für diesen bewegenden Roman mit heiterem Unterton.


Montag, 15. Juni 2020

Rezension: Marta schläft von Romy Hausmann



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Marta schläft
Autorin: Romy Hausmann
Erscheinungstermin: 24.04.2020
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783423262507
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Im Thriller „Marta schläft“ von Romy Hausmann steht Nadja, die seit einigen Jahren in einer großen Anwaltskanzlei in Berlin arbeitet, im Mittelpunkt der Geschehnisse. Sie ist in einem Wohnblock in Polen ohne Vater aufgewachsen, ihre Mutter Marta verdiente gerade genug, damit sie die Miete bezahlen und genug zu essen für sich und ihre beiden Kinder kaufen konnte. Für Nadja brach ihre Welt an dem Tag zusammen, als sie glaubte, dass Marta schlafen würde, sie jedoch tatsächlich verstorben war. Inzwischen lebt sie zurückgezogen in Berlin. Als eine ihrer Freundinnen sie um ihre Mithilfe bittet, um eine Straftat zu vertuschen, erklärt sie sich dazu bereit.

Die Geschichte spielt auf zwei zeitlichen Ebenen, einerseits im heutigen Berlin und andererseits schwenkt sie zu Ereignissen, die sich vor sechs Jahren zugetragen haben, darin ist die junge Gastwirtstocher Nelly die Hauptfigur. Obwohl die Erzählungen zunächst nichts miteinander verbindet, verknüpfen sie sich später durch die handelnden Personen. Unterbrochen werden die Handlungsstränge von Briefen, deren Absender und Empfänger zunächst unbekannt bleiben.

Wie bereits bei ihrem Thriller-Debüt blickt Romy Hausmann auch diesmal wieder tief in die Abgründe der Psyche ihrer Figuren, die bisweilen unerwartet reagieren und die nach außen hin, anderen Personen gegenüber, ganz andere Eigenschaften zeigen, meist positiv besetzt. Die Autorin versieht ihre Figuren mit einer bewegten Vergangenheit durch die sie, vom Leben gezeichnet, Macken und Kanten aufweisen. Das ist überaus faszinierend, aber ich fand es diesmal nicht ganz so glaubhaft wie in „Liebes Kind“.

Von Beginn an ist es schwierig, zwischen Opfer und Schuldigen zu unterscheiden und das ist auch die Absicht der Autorin. Dadurch bleibt der Thriller immer auf einem spannenden Level, der auf neue Entwicklungen hoffen lässt und damit nicht enttäuscht.

Zurück bleibt die Frage, ob Strafe von Schuld befreien kann oder den Täter ein Leben lang begleiten wird. Der Thriller „Marta schläft“ von Romy Hausmann stimmt darüber nachdenklich und ist erschreckend aufgrund der geschilderten fiktiven Taten zu denen Menschen möglicherweise fähig sind. Gerne empfehle ich das Buch an alle Thrillerfans weiter.


Sonntag, 14. Juni 2020

Rezension: Mein Jahr im Café am Rande der Welt (Taschenkalender 2021)



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Mein Jahr im Café am Rande der Welt - 2021 Kalender
Autor: John Strelecky
Illustrationen: Root Leeb
Erscheinungstermin: 22.05.2020
rezensierte Buchausgabe: Taschenkalender
ISBN: 9783423282260
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Die erfolgreichen Bücher von John Strelecky wurden in 30 Sprachen übersetzt und sind dadurch in vielen Ländern der Welt bekannt. Für das Jahr 2021 gibt der dtv-Verlag jetzt einen Taschenkalender heraus, für den der Autor ein Vorwort und zu jedem Monat einen gedanklichen Anstoß geschrieben hat. Jeder Denkanstoß hat ein zur jeweiligen Zeit passendes Thema. Ergänzt wird das Ganze von den wunderschönen Illustrationen von Root Leeb, der auch die Bücher aus dem Bereich Lebenshilfe von John Strelecky gestaltet.

Jeder Woche sind vier Seiten gewidmet, zweiwöchentlich findet sich eine Aussage aus einem der Bücher des Autors. Im Anhang gibt es sowohl eine kalendarische Übersicht für 2021 wie auch für 2022, ergänzt durch einen Ferienkalender für 2021 für Deutschland, eine Feiertagsauflistung für Österreich und die Schweiz sowie auf mehreren Seiten die Möglichkeit für Notizen. Damit man die für sich selbst wichtigste Seite schnell aufblättern kann, verfügt der Kalender über ein Leseband.

Ich finde den Taschenkalender „Mein Jahr im Café am Rande der Welt“ dank seiner farbenfrohen Gestaltung, der beinhalteten Texte des Autors John Strelecky und mit einer Größe, die in eine normale Handtasche passt sehr gelungen und empfehle ihn gerne weiter.


Donnerstag, 11. Juni 2020

Rezension: Das Café am Rande der Welt von John Strelecky



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Das Café am Rande der Welt: Eine Erzählung über den Sinn des Lebens
Autor: John Strelecky
Illustrationen: Root Leeb
Übersetzerin: Bettina Lembke
Erscheinungsdatum: 01.07.2020, 49. Aufl. 2020
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
ISBN: 9783423209694

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Schon häufig sind mir die Bücher von John Strelecky im Buchhandel oder online begegnet, daher habe ich jetzt seinen Bestseller „Das Café am Rande der Welt“ gelesen. Der Autor schreibt seine Geschichte als Ich-Erzähler und nennt seine Figur nach sich selbst. Wie viel Autobiographisches von John Strelecky in seine Schilderung eingeflossen ist, bleibt aber unklar.

John ist orientierungslos, nicht nur in seinem Job als überlasteter Manager, der nicht mehr weiß, in welche Richtung ihn sein Leben führen und nach welchem Leitbild er sich richten soll. Sondern er findet sich eines Tages auf der Reise in den Urlaub auf einer Straße wieder, die in die endlose Weite zu führen scheint und sein Ziel rückt nicht näher. Plötzlich steht er vor dem titelgebenden Café und wird dort mit Freude bewirtet. Die Speisenkarte enthält nicht nur das Angebot, sondern auch drei Fragen, über die John sich im Laufe seines Aufenthalts mit den Besitzern und Gästen austauscht. Er bemerkt, dass es manchmal sehr nützlich sein kann, die Betrachtungsweise zu ändern.

John Streleckys Erzählung ist nicht belehrend, sondern Anstoß gebend, sich mit dem Sinn des Lebens auseinanderzusetzen, worauf auch der Untertitel hinweist. Seine Überlegungen führen nicht sinnbildlich über eine Einbahnstraße, sondern lassen für Wendemöglichkeiten Platz. Ihm ist bewusst, dass jede Person seine eigenen Lebenserfahrungen mit einbringt und unterschiedliches Wissen. Jeder Mensch ist als Individuum mit seinen je eigenen Ansichten zu sehen, von dem er ausgehend für sich das herausfinden sollte, was für ihn gut ist. Der Autor gibt für diesen Weg entsprechende Anregungen in der kompakten Form dieser kleinen Geschichte mit mehreren eingestreuten Parabeln.

Ich empfehle das humorvoll und leicht lesbare Buch gerne jedem, der mit seinem Leben unzufrieden ist und nach Denkanstößen sucht, die ihm dabei helfen können, sich persönlich weiterzuentwickeln.


Sonntag, 7. Juni 2020

Rezension: Arbeit von Thorsten Nagelschmidt



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Arbeit
Autor: Thorsten Nagleschmidt
Erscheinungsdatum: 29.04.2020
Verlag: S. Fischer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover
ISBN: 9783103974119
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Das Buch „Arbeit“ ist ein in Szenen erzählter Roman von Thorsten Nagelschmidt. Die einzelnen Geschichten der enthaltenen Kapitel spielen alle innerhalb weniger Stunden in Berlin, von Freitag bis zum Samstagmorgen. Sie handeln von unterschiedlichen Figuren, die ihren Berufen oder ihrer Berufung nachkommen und ließen mich als Leserin tief eintauchen in die quirlige lebhafte nächtliche Welt der Großstadt.

Hier begegnete ich Drogenhändlern und Türstehern, einer Fahrradkurierin, dem Nachtportier eines Hostels, der Inhaberin eines Spätkaufs, Sanitätern, Polizisten und weiteren arbeitsamen Personen. Jedes Kapitel wird von der Fortsetzung der Schilderung über die nächtlichen Ereignisse des Taxifahrers Bederitzky unterbrochen, der neben seinen üblichen Geldproblemen in den nächsten Stunden große Pläne für sich und seine Lebensgefährtin hat.

Von Kapitel zu Kapitel wechselt zeitweilig der Schreibstil, den der Autor entsprechend der Situation anpasst, um dadurch deren jeweilige Besonderheit herauszustellen und deren Wahrnehmung bei den Lesern zu intensivieren. Die Erzählungen ergänzen sich, verbinden sich und ergeben einen großartigen Roman über Begebenheiten in einer nächtlichen Gesellschaft.

Thorsten Nagelschmidt gestaltet seine Figuren eigenwillig und sehr realistisch, seine Beschreibungen ließen für mich die Lichter in einer dunklen Welt aufblitzen, die mir sonst verborgen bleibt. Dadurch, dass die einzelnen Storys nicht zu Ende erzählt sind bleibt immer die Hoffnung, die Charaktere später wiederzufinden, was meinen Lesefluss ständig steigerte. Auch die Fortsetzungsgeschichte sorgte für eine unterschwellige Spannung, denn ich wollte wissen, ob Bederitzky seine Pläne umsetzen konnte.

Es sind die Träume und Wünsche, aber auch die Sorgen und verpassten Chancen der Figuren, deren sie sich mehr oder weniger bewusst sind und denen sie in dieser einen Nacht nachhängen, die den Roman so berührend und bewegend machen. Die Darstellung der Arbeit der einzelnen Personen brachte mir unbekannte Einsichten dank der sehr guten Recherche und des Einfühlungsvermögens des Autors zum jeweiligen beruflichen Verhalten. Es ist vor allem die Gewöhnlichkeit mit denen die Figuren ihren Tätigkeiten nachkommen, die das Ganze eindringlich sein lässt und bewusst macht, dass diese eine Nacht sich immer wieder so oder so ähnlich abspielt.

Der Roman „Arbeit“ von Thorsten Nagelschmidt ist die überzeugende Schilderung einer Nacht in Berlin mit leuchtenden Figuren und überraschenden Wendungen in mal düsteren, mal glitzernden Settings, immer sehr nah an der Realität. Es hat mir große Freude bereitet das Buch zu lesen und daher vergebe ich gerne ein uneingeschränkte Leseempfehlung.



Freitag, 5. Juni 2020

Rezension: Das sternenlose Meer von Erin Morgenstern


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Das sternenlose Meer
Autorin: Erin Morgenstern
Übersetzerin: Karin Will
Hardcover: 640 Seiten
Erschienen am 25. Mai 2020
Verlag: Blessing

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Zachary Ezra Rawlins studiert Neue Medien mit Fokus auf Videospieldesign. Er liest jedoch auch gerne, und so fällt ihm eines Tages in der College-Bibliothek ein altes, in weinrotes Leinen gebundenes Buch auf, dessen Buchrücken und Vorderseite leer sind. Es gibt keinerlei Hinweis auf den Verfasser, nur einen Titel: „Süßes Leid“. Neugierig leiht Zachary das Buch aus und staunt nicht schlecht, als zwischen Geschichten über Piraten und Puppenhäuser ein Kapitel abgedruckt ist, das von ihm handelt. Es beschreibt haargenau, wie er vor Jahren eine aufgemalte Tür gefunden und keinen Versuch unternommen hat, sie zu öffnen. Laut Buch hätte sie ihn zum sternenlosen Meer geführt, einem faszinierenden Ort, der ihm auf den Buchseiten beschrieben wird. Wer hat „Süßes Leid“ verfasst? Zacharys einziger Anhaltspunkt sind drei Symbole: Biene, Schwert und Schlüssel. Er begibt sich auf die Suche und stürzt geradewegs in ein fantastisches und gefährliches Abenteuer hinein.

Die Autorin Erin Morgenstern hat mich vor einigen Jahren mit ihrem Debüt „Der Nachtzirkus“ begeistern können. Jetzt ist endlich ihr neuer Roman erschienen, ein rund 600 Seiten starker Einzelband, der zum Schmökern einlädt. Die ersten Kapitel sind Kurzgeschichten, die mit „Süßes Leid“ übertitelt sind und keinen Zusammenhang zu haben scheinen: Erst geht es um einen Piraten und ein Mädchen, dann um einen von drei Pfaden in einem Refugium der Geschichten und schließlich um den Sohn der Wahrsagerin, der eine Tür findet und nicht öffnet.

Den Protagonisten Zachary lernt man kennen, als er „Süßes Leid“ findet, also genau das Buch, aus dem man selbst gerade einige Seiten gelesen hat. Er erkennt sich im Kapitel über den Sohn der Wahrsagerin wieder und ist erstaunt, wie jemand diese Szene offensichtlich vor langer Zeit niederschreiben konnte. Wie ist das möglich, und was aus diesem Buch ist noch wahr? Sein einziger Anhaltspunkt führt ihn nach New York, wo ein Maskenball ganz anders verläuft als gedacht und er plötzlich mittendrin im Geschehen ist. Zachary ist ein sehr sympathischer Charakter, mit dem ich mich gerne ins Abenteuer stürzte.

Der Handlungsstrang rund um Zachary wird immer wieder unterbrochen. Zunächst sind weitere Kapitel aus „Süßes Leid“ abgedruckt und danach aus anderen Büchern, die Zachary liest. Zunächst kann man als Leser mit diesen Geschichten wenig anfangen. Hier ist Geduld gefragt, sie gewinnen erst später an Bedeutung. Wer aufmerksam gelesen hat, wird dann so manchen Aha-Effekt erleben. Mir hat dieser kluge Aufbau sehr gefallen und ich fand es toll, die Geheimnisse nach und nach zu entschlüsseln.

Zachary ist nicht auf sich allein gestellt, sondern erhält während seiner Suche die Unterstützung von alten und neuen Freunden. Die Zahl der handelnden Charaktere bleibt übersichtlich und seine neuen Bekanntschaften umgibt etwas Rätselhaftes, das meine Neugier weckte. Kann Zachary ihnen trauen, und warum geben sie sich so geheimnisvoll? Im Laufe der Geschichte müssen Loyalitäten unter Beweis gestellt werden, das Vertrauen wächst und es gibt mehrere geschickt eingeflochtene Liebesgeschichten, die ich sehr schön fand.

Was als bodenständige Geschichte mit mysteriösen Elementen beginnt, wird mit Fortschreiten der Handlung immer mehr zu einem kreativen Feuerwerk der Phantastik. Der Leser taucht ein in eine wunderbare Welt, in der hinter jeder Ecke eine neue Überraschung wartet. Die Gesetze von Raum und Zeit werden außer Kraft gesetzt und Unvorstellbares wird möglich. Ich habe es genossen, mich von der Geschichte verzaubern zu lassen. Dieses Buch ist eine Perle, die ich allen Fantasy-Lesern ans Herz legen möchte!

Donnerstag, 4. Juni 2020

Rezension: Fleishman steckt in Schwierigkeiten von Taffy Brodesser-Akner



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Fleishman steckt in Schwierigkeiten
Autorin: Taffy Brodesser-Akner
Übersetzerin aus dem amerikanischen Englisch: Britta Mümmler
Erscheinungsdatum: 24.04.2020
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783423282215
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Toby Fleishman ist 41 Jahre alt, Vater einer elfjährigen Tochter und eines neunjährigen Sohns und lebt gerade in Scheidung mit Rachel. Als angesehener Hepatologe arbeitet er an einer Klinik in New York. Er ist der Protagonist im Roman „Fleishman steckt in Schwierigkeiten“ der US-Amerikanerin Taffy Brodesser-Akner. Seit der Trennung nach 14 Jahren Ehe steht seine Welt mitten in der brodelnden Metropole redenswörtlich auf dem Kopf, was sich im Cover sehr gut ausdrückt.

Der Titel bezieht sich auf das unbestimmte, andersartige Gefühl Tobys, dass er jetzt im Vergleich zu den langen Jahren seiner Ehe empfindet. Aber dieses „irgendwas“, dieses „anders“ kann er nicht in Worten beschreiben. Zuletzt war es ein schleichender Prozess der zum Ende der Ehe führte. Toby fühlt sich immer noch unwohl bei dem Gedanken daran. Die Liebe zu seiner Noch-Ehefrau ist unbestritten, doch mehrere Punkte haben dazu geführt, dass Rachel und er keinen Konsens mehr für eine gemeinsame Zukunft gefunden haben. Die Trennung bringt in gewisser Weise Freiheiten für beide mit sich. Allerdings bleibt die Sorge um die beiden Kinder bestehen und damit auch die Notwendigkeit für konkrete Absprachen über die Betreuung der beiden.

Toby hat immer mehr die Organisation der Freizeit seiner Kinder arrangieren müssen, weil Rachel als selbständige Leiterin einer Künstleragentur zunehmend gefragt war. Er hofft darauf, endlich eine Beförderung in der Klinik zu erhalten. Als Rachel eines Nachts Tochter und Sohn unangekündigt in der neuen Wohnung von Toby absetzt stellt ihn das kurzfristig vor Probleme, die ihn wütend machen. Sein Zorn steigert sich umso mehr, je länger Rachel nicht erreichbar ist. Toby versucht für sich die Situation zu analysieren, doch das ist nur seine Ansicht. Als Leserin durfte ich schließlich auch die Meinung von Rachel erfahren. Der Roman ist eine Auseinandersetzung mit den Anforderungen, denen berufstätige Eltern heute ausgesetzt sind um den Spagat zwischen Beruf und Kindererziehung erfolgreich zu gestalten.

Ich war verwundert, dass nach einigen Seiten die Geschichte in eine Ich-Erzählung überging. Wie sich dann herausstellte, werden einige Teile von einer guten Bekannten Tobys geschildert. Elizabeth Epstein ist Journalistin, schreibt gerade an einem Coming-of-Age-Roman und hat den Protagonisten vor vielen Jahren in ihrem Auslandjahr in Tel Aviv kennengelernt. Sie ist lose in Kontakt mit ihm und Rachel geblieben. Teils erschien es so, als ob sie alle Geschehnisse schildert, jedoch spricht ihre Nichtanwesenheit und die Gedankengänge von Toby und Rachel dagegen.

Einen großen Raum im Roman nehmen die Versuche Tobys ein, mittels einer Dating-App mit einer Frau anzubandeln. Die Autorin geht bei ihren Beschreibungen sehr ins Detail, egal ob es um die im Rückblick geschilderten Szenen aus dem Eheleben geht, um die Freundschaft zwischen Elizabeth und Toby, das aktuelle Erfassen der Situation oder die Figurenbeschreibung und deren familiärer Hintergrund bis hin zu den von Toby gedateten Frauen. Leider wird dabei die Beziehung des Ehepaars Fleishman zu ihren Kindern zweitrangig. Ihre Stärke zeigt die Autorin im Analysieren von Beziehungen und schildert mit viel Empathie die heutigen Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme bei der Suche nach einem Geschlechtspartner.

„Fleishman steckt in Schwierigkeiten“ von Taffy Brodesser-Akner fehlt aufgrund deutlicher Längen durch detailverliebten Schilderungen nach einem gelungenen Anfang leider die Faszination für das weitere Geschehen. Die Figuren kamen mir mit ihren Sorgen auf hohem Niveau nicht wirklich nah. Die Grundidee des Romans hat mir dennoch gefallen und das letzte Kapitel fand ich versöhnlich, da es die Geschichte schließlich abgerundet hat.



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