Mittwoch, 29. Juli 2020

Rezension: After the Fire von Will Hill

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After the Fire
Autor: Will Hill
Übersetzer: Wolfram Ströle
Broschiert: 480 Seiten
Erschienen am 24. Juli 2020
Verlag: dtv Reihe Hanser

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Die siebzehnjährige Moonbeam hat fast ihr ganzes Leben im Lager der Heiligen Kirche der Legion Gottes verbracht. Nach einer bewaffneten Auseinandersetzung der Sektenmitglieder mit der Polizei findet sie sich in einer geschlossenen Abteilung wieder, in der ein Psychiater versucht, in täglichen Sitzungen zu ihr durchzudringen. Doch Father John hat ihr und den anderen immer wieder eingeschärft, dass alle Menschen außerhalb des Lagers Diener der Schlange sind, denen sie kein Wort sagen und kein Wort glauben darf. Was ist Wahrheit und was Lüge? Ist sie aus einer gefährlichen Situaton in eine sichere gekommen, oder ist es genau umgekehrt?

Das Buch beginnt mit einem rasanten Prolog, in dem die Protagonistin Todesängste durchleidet. Ihre Welt steht in Flammen, Schüsse peitschen und sie wird von dem Ziel angetrieben, Kinder aus den brennenden Baracken zu befreien. Wie kam es zu dieser Situation, und was sind ihre Konsequenzen? Genau um diese Aufarbeitung geht es in der nachfolgenden Geschichte.

Moonbeams Gedanken werden zu Beginn stark von den Sätzen geprägt, die ihr Sektenführer Father John über Jahre hinweg gepredigt hat. Alle Menschen außerhalb des Lagers wurden als Feinde angesehen, weshalb sie das Gelände in den letzten Jahren gar nicht mehr verlassen hat. Und nun soll alles, was er gesagt hat, eine Lüge gewesen sein? In Moonbeams Kopf tönt weiterhin Father Johns Stimme und sie hüllt sich überfordert von der Situation in Schweigen.

Diese fiktive Geschichte setzt sich gelungen damit auseinander, was in einer Jugendlichen vorgehen könnte, die ihr ganzes Leben isoliert in einer Sekte verbracht hat und nun mit dem Leben außerhalb konfrontiert wird. Allmählich teilt Moonbeam erste Erinnerungen mit dem Psychiater und damit auch dem Leser. Man ist in den täglichen Sitzungen an ihrer Seite und folgt ihr in die einzelnen Erinnerungen. Sie schildert den Sektenalltag und die Verbrechen, die sie erlebt, aber selbst nicht als solche eingeordnet hat. Gleichzeitig gibt es auch Erinnerungen an Freundschaft und Zusammenhalt, die verdeutlichen, warum ihr an manchen Personen nach wie vor viel liegt.

Moonbeam fragt früh in der Geschichte nach ihrer Mutter, von der sie vor einiger Zeit getrennt wurde. Außerdem plagen sie schwere Schuldgefühle, wobei sie die Erinnerung an deren Ursprung nicht zulässt. Diese Themen trugen dazu bei, dass ich mich bis zum Schluss neugierig durch die Einzel- und Gruppensitzungen und die damit verbundenen Erinnerungen las. Was mir thematisch fehlte war die Heranführung Moonbeams an ein Leben außerhalb der Sekte, denn sie ist nie zur Schule oder in den Supermarkt gegangen und viele Entscheidungen wurden für sie getroffen. Gerne hätte ich erlebt, wie sie mit dieser neugewonnenen Freiheit umzugehen lernt. Die Beantwortung der drängendsten Fragen hebt die Geschichte sich bis zum Schluss auf und tut dies schließlich in einem stimmigen Rahmen.

„After the fire“ ist ein Roman, der sich mit der Aufarbeitung einer umfassenden Gehirnwäsche durch eine fiktive Sekte auseinandersetzt. Der Leser begleitet die Protagonistin Moonbeam auf diesem schmerzhaften und gleichzeitig reinigenden Prozess, dessen Verlauf durch einige ungeklärte Fragen spannend bleibt. Gerne empfehle ich das Buch an psychologisch interessierte Leser weiter!

Freitag, 24. Juli 2020

Rezension: Das Gartenzimmer von Andreas Schäfer



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Das Gartenzimmer
Autor: Andreas Schäfer
Erscheinungsdatum: 21.07.2020
Verlag: Dumont Buchverlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783832183905
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„Das Gartenzimmer“ im gleichnamigen Roman von Andreas Schäfer liegt in der fiktiven Villa Rosen am Rande des Grunewalds. Es ist das erste Gebäude, das die in der Erzählung fiktive Figur des noch jungen, ländlich aufgewachsenen und später weltbekannten Architekten Max Taubert im Jahr 1909 entworfen hat. Das Ehepaar Rosen wünscht sich ein Landhaus zur dauerhaften Bewohnung, doch der Idee von Max folgend entsteht ein gegen den Trend der Zeit schnörkelloses Gebäude, das von der Hangseite aus gesehen an die Form eines Schiffs erinnert.

Max hat bereits als Junge in der Werkstatt des Vaters an Klötzen geschreinert, die er gerne vor seinem Auge in die Umgebung eingegliedert hat. Fast hundert Jahre nach seinen Bemühungen steht Luis Lekebusch, der Sohn der aktuellen Besitzer, als stiller unbemerkter Zuhörer vor dem Haus und lauscht auf die eindeutigen Geräusche seines Vaters mit einem anwesenden weiblichen Gast im Zimmer über ihm. Für die Familie Lekebusch wird der Tag von besonderer Bedeutung sein, weil er vieles im Leben der Familienmitglieder verändert. Doch im Innern des Hauses haben sich im Laufe der Zeit seit seiner Erbauung viele bemerkenswerte Geschehnisse mit weitreichenden Folgen ereignet. Und auch wenn es über einige Jahre leer gestanden hat und erst durch die Lekebuschs wiederentdeckt wurde, streckt sich mit unheimlicher Macht seine frühere Bedeutung bis in die Gegenwart. Das Gartenzimmer wird dabei zwischenzeitlich sogar zum Politikum.

Der Aufbau des Romans lässt sich ein wenig mit dem des Hauses vergleichen: Andreas Schäfer schreibt ruhig und klar auf zwei Zeitebenen, die er gegeneinander versetzt wie die beiden Ebenen des Gebäudes. Wie an Bord eines Schiffes lauern auf die Hauptfiguren so manche Gefahren. Seine Charaktere beschreibt der Autor detailliert, mit unterschiedlichen Ansichten über das Haus, die manchmal konträr zueinanderstehen und zu Konflikten führen. Durch die Nebenfiguren bindet der Autor die zur jeweiligen Zeit passenden aktuellen Themen mit ein und zeigt dadurch einen Wandel in Kunst, Politik und Konventionen. Er hat von Anfang verstanden, mich mit der Begeisterung des Architekten für sein Werk und der Bewunderung des Ehepaars Rosen für ihr Heim zu umgarnen, mich weiter mit der Zweckentfremdung des Gartenzimmers im Zweiten Weltkrieg zu verstören und mich schließlich mit der Renovierung durch das Ehepaar Lekebusch zu versöhnen.

Der Roman „Das Gartenzimmer“ von Andreas Schäfer ist thematisch ungewöhnlich und bietet bewegende und berührende Unterhaltung. Die geschilderten Ereignisse im und um das Haus und seiner Nutzer bleiben in Erinnerung. Gerne vergebe ich hierzu eine uneingeschränkte Leseempfehlung.


Mittwoch, 22. Juli 2020

Rezension: Abschiedsfarben von Bernhard Schlink



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Abschiedsfarben
Autor: Bernhard Schlink
Erscheinungsdatum: 22.07.2020
ISBN: 9783257071374
rezensierte Buchausgabe: Leseexemplar
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Im Buch „Abschiedsfarben“ von Bernhard Schlink vereinen sich neun Kurzgeschichten mit ganz unterschiedlichen Aspekten und dennoch bergen sie jede für sich eine Art des Abschiednehmens. Für mich ist der Begriff mit Traurigkeit verbunden, aber schon bald nach Beginn des Lesens bemerkte ich, wie geschickt der Autor seine Geschichten sprachlich führt und dabei Höhen und Tiefen erreicht. Er vermag es, jede Stimmungslage in Worte zu fassen und dem Leser zu vermitteln.

So schaut denn beispielsweise in der ersten Erzählung der Protagonist zurück auf die Beerdigung von ihm lieb gewesenen Verstorbenen bis seine Gedanken abschweifen zu einer Rechtfertigung vor sich selbst mit seinem schlechten Gewissen, hin zum Verrat des besten Freunds. Der Wandel ist überaus interessant und überraschend. Auch die zweite Story erstaunt mit einem Dreh, der schließlich eine Liebe offenbart, die nicht sein konnte. In den Geschichten geht es um Kränkung, ums Hinhalten in der Liebe, um das Ringen für Vergebung, um Raffinesse, Erwartungen und Enttäuschungen.

Den Erzählungen ist neben dem Abschied nehmen gemein, dass sie sich alle um die Liebe drehen, zum Partner, zum Bruder, zur Mutter oder auch zu jemandem, der einem unerreichbar erscheint. Bernhard Schlink ist ein guter Beobachter, der Menschen in den verschiedensten Lebenslagen und jeden Alters in seine Geschichten einbindet. Mit sehr viel Feingefühl findet er sich in seine Figuren ein und schildert deren Gedankengänge und Beweggründe. Die Erzählungen sind realistisch, abwechslungsreich und in einer klaren Sprache geschrieben. Mir hat das Lesen sehr viel Freude gemacht und gerne bin ich den Charakteren durch gute und schlechte Zeiten gefolgt. Ich fühlte mich bestens unterhalten und darum empfehle ich das Buch sehr gerne weiter.


Dienstag, 21. Juli 2020

Rezension: Schatten der Welt von Andreas Izquierdo


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Schatten der Welt
Autor: Andreas Izquierdo
Broschiert: 544 Seiten
Erschienen am 21. Juli 2020
Verlag: DuMont Buchverlag

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Im Jahr 1910 wohnt Carl als Schneiderssohn in Thorn in Westpreußen. Dem baldigen Ende der Schulzeit sieht er mit Bedauern entgegen - ganz im Gegensatz zu seinem besten Freund Artur, der bereits große Geschäftspläne schmiedet. Doch für diese braucht er die Unterstützung von Carl. Zusammen mit der furchlosen Isi verkaufen die beiden der Thorner Bevölkerung Schutzmasken gegen den vorbeiziehenden, völlig harmlosen Halleyschen Kometen. Die drei haben große Pläne und Träume, die sie verwirklichen wollen. Doch durch den Kriegsausbruch kommt alles anders.

Die Geschichte wird dem Leser von Carl erzählt. Er ist ein intelligenter Junge, dem eine weitere Schulbildung aufgrund der ärmlichen Verhältnisse seines Vaters verwehrt bleibt. Auch wenn man als Schneider nicht viel verdient rechnet Carl damit, ebenfalls diesen Beruf zu ergreifen. Sein Freund Artur muss zwar auch in der Wagnerei seines Vaters mithelfen, schmiedet aber bereits anderweitige große Pläne.

Die Dritte im Bunde ist Isi, die Artur in Sachen Gerissenheit noch überbieten kann. Carl lernt sie kennen, weil er von ihr gehörig übers Ohr gehauen wird. Aus einem Zweckbündnis entsteht mit der Zeit eine Freundschaft. Die drei fühlen sich geradezu unbesiegbar und der Erfolg scheint ihnen sicher. Doch es gibt Personen, die das aus ganz unterschiedlichen Gründen verhindern wollen.

Man begleitete die drei Protagonisten in diesem Buch über mehrere Jahre hinweg. Es werden einzelne Episoden beschrieben, in denen oft irgendeine Form der Ungerechtigkeit geschieht oder Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen. Die historischen Hintergründe sind sorgfältig recherchiert, das Erlebte ist aus dramaturgischen Gründen jedoch stets extremer als das eines Durchschnittsbürgers der Zeit.

Das Buch nimmt sich einer großen Bandbreite an Themen an wie der Macht der Großgrundbesitzer, dem sich verändernden Transportwesen und der in Mode kommenden Fotographie. Antagonisten werden früh in Stellung gebracht und tauchen immer wieder auf. Sie werden als durchweg böse dargestellt, die drei Freunde stehen auf der anderen Seite als Helden - mir persönlich war diese Darstellung zu stereotyp.

Auf der Hälfte des Buches bricht der Krieg aus und reißt die drei Charaktere auseinander. Die Grauen des Krieges und des damit verbundenen Massensterbens werden authentisch dargestellt, ohne das es allzu explizite Schilderungen des Tötens gibt. Die Schilderungen sind sehr bedrückend und als Leser hofft man, dass es wenigstens für die Protagonisten eine Zukunft gibt. Eine Fortsetzung ist bereits in Planung und insbesondere für Carl, dessen jüdische Herkunft häufig erwähnt wurde, schwant mir nichts Gutes.

„Schatten der Welt“ ist ein Reihenauftakt mit drei sympathischen Protagonisten, die man als Leser durch persönliche Höhen und Tiefen in einer dunklen Zeit begleitet. Gerne empfehle ich das Buch an historisch interessierte Leser weiter!

Montag, 20. Juli 2020

Rezension: Writers & Lovers von Lily King


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Writers & Lovers
Autorin: Lily King
Übersetzerin: Sabine Roth
Hardcover: 319 Seiten
Erschienen am 19. Juli 2020
Verlag: C.H.Beck

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Casey ist Schriftstellerin und arbeitet schon seit einer Weile an ihrem Roman, der inzwischen gut zweihundert Seiten umfasst. Mit Anfang 30 haben die meisten ihrer ehemaligen Schriftsteller-Freunde ihre Ambition zugunsten von Jobs mit festem Gehalt aufgegeben. Immer wieder wird sie gefragt, warum sie an diesem Leben festhält - mit hohen Studienschulden im Nacken, einem Kellnerjob und einem winzigen Zimmer in einem ehemaligen Gartenschuppen in Boston. Der Tod ihrer Mutter ist für sie ein einschneidendes Erlebnis, und während des kurz darauf stattfindenden Schreib-Stipendium verliebt sie sich und bringt nichts zu Papier. Aller Widrigkeiten zum Trotz will sie ihr Leben als Schriftstellerin nicht aufgeben und ihren Roman fertigstellen.

Meinem Leseexemplar ist ein Statement der Autorin vorangestellt, in dem sie berichtet, dass in den Roman zahlreiche ihrer eigenen Erfahrungen aus ihren frühen Jahren als Schriftstellerin eingeflossen sind. Das Unverständnis des Umfelds im Hinblick auf ihre Tätigkeit, permanente Schulden und häufige Selbstzweifel. Sie las Bücher über junge und später erfolgreiche Schriftsteller, die sich mit und ihrer Tätigkeit rangen, fand aber keine entsprechenden über Schriftstellerinnen. Mit diesem Roman hat die Autorin geschrieben, was ihr jüngeres Ich gerne gelesen hätte. Er ist im Jahr 1997 angesiedelt.

Die Protagonistin Casey macht emotional eine schwierige Zeit durch. Der rätselhafte Tod ihrer Mutter beschäftigt sie sehr, dazu kommt eine gerade beendete Romanze und ihr anstengender Kellnerinnen-Job, den sie braucht, um wenigstens ihre Miete, wenn schon nicht ihre Schulden zu bezahlen. Ihre Freunde sind in den letzten Jahren auf eine übersichtliche Zahl zusammengeschrumpft, da sie kein Geld hat, um sich auf ihren Hochzeiten blicken zu lassen. Doch für Casey steht aber außer Frage, dass sie weiterhin an ihrem Roman arbeitet.

Der Leser durchlebt an der Seite von Casey eine große Bandbreite an Gefühlen. Die Liebe zum Schreiben ist auf jeder Seite spürbar, gleichzeitig wird Caseys Ringen mit sich selbst nachvollziehbar beschrieben. Immer wieder holen sie Zweifel, Unsicherheit und Trauer ein. Der Roman setzt sich gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen damit auseinander, wie manche Männer mit Frauen umgehen und sich dabei gegenseitig Rückendeckung geben und spricht wichtige feministische Themen an.

In Caseys Leben kommt Bewegung, als Muriel, ihre einzige verbleibende Schriftsteller-Freundin, sie mit zur Buchpräsentation eines Autors nimmt. In der Folge lernt sie zwei Männer kennen, die in Sachen Selbstsicherheit, Lebenserfahrung und Erfolg nicht unterschiedlicher sein könnten. Doch wer von ihnen tut ihr wirklich gut? Während der Roman auf mich zunächst wie eine Bestandsaufnahme ihres Lebens wirkte, fokussiert er sich immer stärker auf die Arbeit am Roman und die Entscheidung zwischen den beiden Männern, was in Wechselwirkung zueinander steht.

„Writers & Lovers“ ist ein intensiver Roman übers Schreiben und Lieben mit all seinen Höhen und Tiefen, den ich sehr gerne weiterempfehle!

Samstag, 18. Juli 2020

Rezension: Wenn du zurückkehrst von Nicholas Sparks


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Wenn du zurückkehrst
Autor: Nicholas Sparks
Übersetzerin: Astrid Finke
Hardcover: 448 Seiten
Erschienen am 22. Juni 2020
Verlag: Heyne

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Trevor Benson ist erst zweiunddreißig Jahre alt, kann seinen Beruf als Orthopäde aber nicht mehr ausüben. Während seines Einsatzes in Afghanistan wurde er vier Jahre zuvor von einer Mörsergranate getroffen und schwer verletzt. Bis in ein paar Monaten seine neue Facharztausbildung als Psychiater beginnt, zieht er in das Haus seines kürzlich verstorbenen Großvaters in New Bern, North Carolina. Dort lernt er die Polizistin Natalie kennen, die auf seine Flirtversuche zunächst zurückhaltend reagiert, einem Date dann aber doch zustimmt. Sie scheint ein Geheimnis zu haben, ebenso wie die junge und wortkarge Callie, die in einer Wohnwagensiedlung in der Nähe wohnt und mit seinem Großvater befreundet war. Weiß sie vielleicht etwas darüber, wohin sein Großvater fahren wollte, als er in South Carolina einen tödlichen Schlaganfall erlitt?

Die Geschichte beginnt im Jahr 2019 mit einer Hochzeit, auf der Trevor zu Gast ist. Er denkt daran zurück, wie er die Braut fünf Jahre zuvor kennenlernte und nimmt den Leser mit auf diese Zeitreise. Sie führt nach North Carolina, wo Trevor sich gerade in dem Haus einlebt, das er von seinem Großvater geerbt hat. Seit seiner Verletzung vor vier Jahren hat er sich Schritt für Schritt zurück ins Leben gekämpft und seine Posttraumatische Belastungsstörung unter Kontrolle gebracht. Nun steht dem baldigen Beginn seiner neuen Facharztausbildung als Psychiater nichts mehr im Wege und er möchte die verbleibende Zeit nutzen, um sich um das Haus und die Honigbienen im Garten zu kümmern.

Schon bei ihrer ersten Begegnung flirtet Trevor offensiv mit Natalie, die jedoch abblockt. Ich fand ihn zu Beginn recht aufdringlich, mit der Zeit wurde er mir aber sympathischer. Natalie interessiert sich sehr für die Bienen, sodass sie schließlich einwilligt, sich diese von Trevor zeigen zu lassen. Seine Erklärungen sind ausführlich, sodass auch der Leser hier noch Neues über Bienen und Honig lernen kann.

Trevor versucht gleichzeitig, herauszufinden, was sein Großvater in South Carolina gemacht hat. Doch das wenige, das er in Erfahrung bringen kann, ist nicht sonderlich aufschlussreich. Die Geschichte schreitet in ruhigem Tempo voran und bietet schöne und nachdenklich stimmende Szenen, von denen für mich aber keine besonders herausstach.

Im letzten Drittel kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall, der die Lüftung der drei großen Geheimnisse des Buchs einläutet. Da es zuvor schon einige Hinweise gab, hatte ich mir das meiste bis dahin bereits zusammengereimt. Dennoch fand ich es interessant zu sehen, wie die Charaktere auf die Neuigkeiten reagieren. Es kommt zu emotionalen Szenen, bevor die Geschichte zur Anfangsszene zurückspringt und ziemlich rasch ein Ende findet.

„Wenn du zurückkehrst“ ist ein Buch für alle, die Bienen mögen und Lust auf einen romantischen und schicksalbehafteten, amerikanischen Roman haben!

Donnerstag, 16. Juli 2020

Rezension: Ein neuer Himmel von Margit Steinborn



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Ein neuer Himmel
Autorin: Margit Steinborn
Erscheinungsdatum: 09.06.2020
Verlag: Tinte & Feder 
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
ISBN: 9782496704358
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Die Geschichte „Ein neuer Himmel“ von Margit Steinborn nahm mich mit in die Vergangenheit. Es ist der erste Roman der Autorin. Er spielt in den Jahren 1933 bis 1952. Ich begegnete der Protagonistin Hannah zu Beginn des Romans mit ihrer dreijährigen Tochter Melina an der Hand, während sie auf dem Weg von Berlin zu dem kleinen fiktive Dorf Erlenthal in der Nähe von Würzburg ist. Die beiden sind sich innig zugetan, auf die gleiche Weise wie das Coverbild Mutter und Tochter im Umgang miteinander zeigt.

Es ist April 1939 als Hannah vor den sich mehrenden Judenverfolgungen in Berlin aufs Land flüchtet. Sie hat als Lehrerin für Deutsch und Musik gearbeitet, aber zuletzt ihre Anstellung verloren. Angehörige hat sie keine mehr und ist alleinerziehend. Auf dem Sandnerhof in Erlenthal, findet sie eine freundliche Familie, die ihr Kost und Logis gegen entsprechende Mithilfe bietet. Lässt sich ihre jüdische Herkunft weitestgehend im Umfeld verbergen, so treten doch die Gräueltaten, die die Regierung an den Juden in Deutschland verübt, immer mehr an die Öffentlichkeit. Hannahs Angst vor einer Deportation wird ständig größer. Unterdessen macht Peter Hagen, der Vater von Melina, der nicht von der Existenz seiner Tochter weiß, Karriere im Reichsministerium. Seine Liebe zu Hannah ist ungebrochen und seine Kenntnis vom Holocaust bringt sein Gewissen in Zwiespalt.

Margit Steinborn bleibt nah an ihren Figuren. Zwar fokussiert sie auf Hannah und Peter in ihren Beschreibungen, doch insgesamt bindet sie deren Geschichte in die historischen Ereignisse der damaligen Zeit ein, in die beide auf ihre Weise involviert sind. Anhand der beiden Figuren zeigt sie deutlich unterschiedliche Seiten eines Lebens während der Zeit des Nationalsozialmus. Hannah steht exemplarisch für alle Menschen, die sich, mit Ausnahme ihres Glaubens, nicht von ihren Mitbürgern unterschieden, über die aber unsägliches Leid aufgrund gesellschaftspolitischer Entscheidungen gekommen ist. Demgegenüber steigt Peter durch die Möglichkeiten, die sich ihm aufgrund der Linientreue zum Regime bieten, beständig auf der Karriereleiter nach oben.

Die idyllische Landschaft, in die der Sandnerhof gebettet ist und das harmonische Bild der Familie, in die Hannah und Melina aufgenommen werden, sowie deren Hilfe und Verständnis, lassen den Gegensatz zu den unruhigen Zeiten besonders stark hervortreten. Die Autorin zeichnet ihre Figuren liebevoll und ihre Handlungen sind nachvollziehbar begründet. Vor allem Hannah ist ein Sympathieträger, auch wenn ihr Verhalten nicht immer rational ist, so kämpft sie doch immer für das Wohl ihrer Tochter, das für sie im Vordergrund steht.

Die Geschichte des Zweiten Weltkrieg ist hinlänglich bekannt und dennoch sind die Schilderungen der Verbrechen in Zusammenhang mit der Judenverfolgung, auch wenn sie wie im vorliegenden Fall fiktiv sind, bedrückend und bewegend. Mit ihrem Roman „Ein neuer Himmel“ schaffte Margit Steinborn es, mich mit ihrer Erzählung zu berühren und für die Figuren auf ein gutes Ende zu hoffen. Gerne empfehle ich das Buch weiter.


Dienstag, 7. Juli 2020

Rezension: Time to Love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe von Beth O'Leary



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Time to Love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe
Autorin: Beth O'Leary
Übersetzerinnen aus dem Englischen: Pauline Kurbasik und Babette Schröder
Erscheinungsdatum: 09.06.2020
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch mit Klappen
ISBN: 9783453360365
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Der Roman „Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe“ der Engländerin Beth O’Leary basiert auf der Idee, dass eine auf dem Land lebende Großmutter mit ihrer Enkelin, die in London wohnt, für einige Wochen die Unterkunft tauscht. Damit verbunden ist auch die Übernahme der Aufgaben, die beide in ihrem Umfeld alltäglich erledigen.

Leena, eine Kurzform von Eileen, ist 29 Jahre alt und arbeitet als Senior Consultant in London. Seit dem Tod ihrer Schwester hat sie sich in ihre Arbeit vergraben. Dem Stress ist sie nicht gewachsen, ihre Erschöpfung tritt zutage, woraufhin ihr eine zweimonatige Auszeit vorgeschrieben wird. Ihre Großmutter Eileen sitzt derweil in einem kleinen Dorf mit nicht einmal zweihundert Einwohner und sehnt sich nach einem neuen Lebenspartner. Leena kommt auf die Idee, mit ihrer 79 Jahre alten Oma die Wohnungen zu tauschen, wodurch sie sich auf dem Land erholen kann, während Eileen in London mehr Möglichkeiten hat, einen Mann zu daten.

Beth O’Leary schaffte es in ihrem Roman, eine ganz besondere Erwartung bei mir zu schüren. Es ist ein ungewöhnlicher Tausch, den Leena und Eileen vornehmen und ich war gespannt, ob beide die vorgesehenen Wochen in ihrer neuen Rolle absolvieren werden. Der Beginn ist ungewohnt, doch mit viel Idealismus finden sie sich zurecht und entwickeln darüber hinaus neue Ideen, die sie nicht zögern mit viel Engagement in die Tat umzusetzen. Hilfe erhält Eileen dabei von Nachbarn und Freunden ihrer Oma, die für manche Ablenkung dankbar sind. Aber auch in London zeigt sich, dass Eileen durch ihre charmante Art bei den Mitbewohnern und Eileens Freunden einiges bewirken kann. Das ist herzerfrischend. Beide wachsen an ihren neuen Erfahrungen.

Immer wieder blitzt aber auch die Traurigkeit über den Tod ihrer Schwester bei Eileen durch, der auch zu Missverständnissen in der Familie geführt hat durch unterschiedliche Ansichten über ein würdiges Sterben. Die Autorin zeigt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, zu trauern. Und natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, und zwar sowohl bei Leena wie auch bei Eileen mit damit verbundenen Irrungen und Wirrungen. Die Charaktere sind eigenwillig, manchmal kauzig, manchmal forsch und immer wieder überraschend.

Insgesamt ist „Time to Love“ von Beth O’Leary eine abwechslungsreiche, durchgehend unterhaltsame Geschichte mit vielen amüsanten Szenen in die immer wieder einige tiefsinnigere eingestreut sind. Gerne vergebe ich hierfür eine Leseempfehlung.


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