Donnerstag, 22. November 2012

Rezension zu Sybil Volks - Torstraße 1



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Titel: Torstraße 1
Autorin: Sybil Volks
Erscheinungsdatum: 01.11.2012
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783423280044
Preis: 19,99 Euro


„Torstraße 1“ von Sybil Volks ist im dtv Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag erschienen. Das Cover zeigt auffällig  das rote Kleid einer jungen Frau, wie es in den 1950er Jahren getragen wurde. In der Mitte des Titelbilds findet sich ein Fotoapparat, den die junge Frau umgehängt hat und der Bezug auf den Roman nimmt. Die Autorin erzählt in diesem Buch die wechselhafte Geschichte des Hauses Torstraße 1 in Berlin, von dem der Leser ein Foto in der linken oberen Ecke auf dem Cover abgebildet sieht, wie es zur Eröffnung des Kaufhauses im Jahr 1929 ausgesehen hat. 

Verbunden mit der Chronik des Hauses Torstraße 1 ist jedoch auch das Leben zweier Personen, die am Tag der Eröffnung geboren werden und deren Familien. Elsa kommt unerwartet zu früh während der Feierlichkeiten in der Packstation zur Welt. Elsa's Vater ist der Junior des jüdischen Kaufhausbesitzers und eine öffentliche Beziehung, gar Heirat, mit der nichtjüdischen Mutter Vicky, scheinbar unmöglich. Vicky, die im Kaufhaus als Verkäuferin angestellt ist, steht bei der Geburt Wilhelm, ein Zimmermann, der beim Bau des Kaufhauses geholfen hat und nun als Gast zur Eröffnung gekommen ist, zur Seite.  Während Wilhelm in der Packstation bei der Geburt hilft, wird seine Frau zu Hause von einem Jungen, den sie Bernhard nennen, entbunden.  Mit den unterschiedlichen Lebenswegen der Menschen ist aber auch die Geschichte der Deutschen verbunden, die gerade in Berlin durch die Mauer eine schmerzhafte Trennung erfahren hat. Von der Trennung in Ost und West sind auch die Familien von Vicky und Wilhelm betroffen. 

Sybil Volks gelingt es auf besondere Weise die wahre Geschichte eines bekannten Berliner Hauses mit der fiktiven Erzählung über zwei Familien miteinander zu verknüpfen. Begleitet wird die Schilderung von politischen Entscheidungen in Deutschland und spiegelt deren Konsequenzen speziell in Berlin wieder. Mit dem Wandel des Hauses versteht die Autorin es, ihre Figuren so zu zeichnen, dass diese die verschiedenen politischen Ansichten der jeweiligen Zeit in ihrem Handeln wiederspiegeln. So entsteht ein differenziertes Bild der  Auffassungen der Bürger in Ost- und West-Berlin und deren gelebten Alltags. Einiges an Zeitgeschichte wird leider recht kurz angerissen. Das Geschehen wird aus unterschiedlichen Perspektiven der Familienmitglieder geschildert. Dabei wird aus einer familiären Situation heraus  immer wieder Rückblick gehalten auf die vergangenen Vorkommnisse. Zur besseren zeitlichen Einordnung hätte ich mir häufiger die Nennung einer Jahreszahl gewünscht. Sybil Volks schafft es durch liebevolle Details in Sachen wie Mode und Musik den jeweils typischen Zeitgeist einzufangen. Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und ich gebe gerne eine Leseempfehlung.
Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 20. November 2012

Rezension zu Bettina Szrama - Das Mirakel von Köln

Zunächst einmal möchte ich mich bei der Autorin dieses Buches bedanken, die alles dafür getan hat, damit ich in den Besitz des Buches kommen konnte!!! Ein Buch das der emons Verlag verschickt hat, ist tatsächlich auf dem Postweg verschwunden, so wie ein weiteres in dieser Zeit an mich versendetes Buch eines anderen Verlags auch :-(
Ganz herzlichen Dank für deine Mühe und das persönlich signierte Buch, Bettina!  



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Titel: Das Mirakel von Köln
Autorin: Bettina Szrama
Erscheinungsdatum: 30.10.2012
Buchausgabe: Taschenbuch
Verlag: emons Verlag
ISBN: 9783954510290
Preis: 11,90 Euro


 
Der historische Kriminalroman „Das Mirakel von Köln“ von Bettina Szrama ist im emons Verlag erschienen und umfasst inklusive Prolog und 22 Kapiteln 280 Seiten. Das Cover in düsteren Farben schaut aus wie der Ausschnitt aus einem historischen Gemälde und zeigt eine junge Frau auf dem Scheiterhaufen, von Flammen umzüngelt. Auffällig ist ihr Gesichtsausdruck, der nicht etwa wie zu erwarten wäre, schmerzverzerrt und gebrochen ist, sondern erlöst, entrückt und auf das Jenseits hoffend. Allein diese Szene wirft beim Betrachten des Buchs die Frage auf, wie es zu solch einem scheinbaren Widerspruch kommen kann.
Ostern 1622 wird im Kloster St. Klara in Köln die Äbtissin Benedikta im Todeskampf von der Nonne Sophia gefunden. Unterhalb ihres Herzens steckt ein Dolch. Selbstmord scheidet aus, da dieser zur Verdammnis in der katholischen Kirche führt. Sophia, die im Kloster für eine Heilige gehalten wird, kehrt in ihre Klosterzelle zurück und findet dort ihr Kruzifix vor, aus dessen Dornenkrone Blut fließt. Dieses Mirakel wird vom päpstlichen Nuntius für eine nähere Untersuchung beschlagnahmt. Einige Jahre später wird die junge, von Kind an fallsüchtige Christina Plum vom Generalvikar Bernard Fresenius auf seinem Weg zum Kloster dem auf sie einschlagenden Pöbel entrissen. Nicht nur wegen seiner Gutherzigkeit, sondern vor allem, weil ihm die Ähnlichkeit zu Sophia auffällt, nimmt er sie mit.  Bernard wurde vom Kurfürst mit der Untersuchung des Mirakels und der inzwischen an die Öffentlichkeit gedrungenen Gerüchte über das Vorkommen von Besessenheit mehrerer Klosterschwestern und der in St. Klara stattfindenden Teufelsaustreibungen beauftragt. Obwohl Christina nicht Nonne werden möchte, scheint es aufgrund der Umstände der beste Lebensweg für sie zu sein und es findet sich auch jemand, der ihre Ausbildung dort unterstützt.  Während ihres Aufenthalts im Kloster beobachtet sie voller Schrecken und Abscheu mysteriöse Vorfälle, die sich dort abspielen.  Sie versucht sich dem Klosterleben zu entziehen, gerät jedoch selbst in das Blickfeld der Verschwörer.
Die Untersuchung des Mirakels und die Zweifel an der Echtheit durch den päpstlichen Nuntius führten in der Realität in Köln zu Kompetenzgerangel mit dem Kurfürsten, der seinerseits verlangte das Kruzifix untersuchen zu dürften. Zur Wahrheitsfindung erhielt er die Zusage auch peinliche Befragungen anwenden zu dürfen. Auf diese Weise bezichtigten die der Tortur unterzogenen Personen  willkürlich andere der Hexerei. Doch diese Verhöre brachten in Köln einen Sumpf aus Verschwörungen und Ränkeleien zu Tage. Durch die Aussagen von Christina wurden die höchsten weltlichen und geistlichen Kreise der Stadt mit hineingezogen. Eine Übersicht der handelnden Personen vorne im Buch hilft dabei die Übersicht während des Lesens zu behalten.
Basierend auf dem Leben der historisch verbürgten Persönlichkeiten Sophia von Langenberg und Christina Plum baut Bettina Szrama eine spannende, fiktive Geschichte auf. Sie füllt mit ihrer Fantasie den Hintergrund der unbenannten, doch überlieferten Personen aus der Umgebung der beiden Protagonistinnen auf und verknüpft deren Schicksal miteinander. In glaubhafter Weise gelingt ihr die Darstellung des Gewissenskonflikts, den Christina durchlebt hat und der sie dazu brachte sich trotz mehrerer Möglichkeiten nicht der Flucht aus dem Kloster und der Stadt zu bedienen, sondern sich dem Vorwurf der Hexerei zu stellen und dadurch dem sicheren Tod entgegen zu gehen. Die Spannung erhält sich beim Lesen fortlaufend durch ständig weiter aufgedeckte Vorkommnisse im Kloster und der stets neuen Intrigen vieler Christina umgebenden Personen, die sich darum bemühten, sie selbst in diesen Sündenpfuhl hineinzuziehen.
Bettina Szrama hat die Sprache an die Historie leicht angepasst, was den Leser besser in die Lage versetzt, sich in das Geschehen hineinzuversetzen. Zum besseren Verständnis der Handlungsumgebung werden in einem Glossar auf den letzten Buchseiten einige wichtige Bezeichnungen und deren Bedeutung von Orten, Dingen und Titeln aufgeführt. Für mich stellt die Beschreibung der Ereignisse eine denkbare Art dar, wie sie sich damals tatsächlich zugetragen haben könnten. Daher empfehle ich diesen Krimi gerne weiter an alle, die spannende historisch begründete Romane mögen.



Freitag, 19. Oktober 2012

Kinostart "Das Kind" in Düsseldorf mit Signierstunde

Hallo, liebe LeserInnen,

gestern Abend war es so weit: Der Film „Das Kind“ nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek lief in den Kinos an. Es haben sich nur 33 Kinos deutschlandweit gefunden, die diesen Film zum Filmstart zeigen. Da liegt daran, dass anscheinend in Deutschland die Meinung, dass deutsche Psychothriller nicht gut beim Publikum ankommen. Daher erhielt der Film wohl auch keine öffentlichen Fördergelder. Aber trotzdem ist er fertig geworden! Und trotz allem wurde er mit hochkarätigen Schauspielern besetzt! Produziert wurde in englischer Sprache, was nicht an den ausländischen Schauspielern lag, die mitspielten, sondern daran, dass der Film so auch ohne weitere Bearbeitung im Ausland angeboten werden kann.
Das besondere an der Kinovorstellung gestern Abend in Düsseldorf war, dass Sebastian Fitzek und der Regisseur des Film Zsolt Bács nach dem Film auf die Kinobühne kamen und Fragen der Zuschauer zum Film beantworteten sowie hinterher im Foyer eine Signierstunde abhielten. Die beiden erwartete dort noch eine sehr lange Schlange Fans, die ihre eigenen Bücher mitgebracht haben (so wie ich "Das Kind" siehe Foto) oder auch dort im Foyer kaufen konnten. Herr Fitzek und Herr Bács nahmen sich auch noch die Zeit mit den Fans zu plaudern, was aber mit Rücksicht auf die Wartenden nur kurz möglich war.
Meine Wenigkeit mit dem Autor Sebastian Fitzek (links) und dem Regisseur Zsolt Bács (rechts) (mit Genehmigung zur Veröffentlichung durch die beiden)
Den Inhalt des Films möchte ich hier nicht wiedergeben, er auf dem Psychothriller „Das Kind“ von Sebastian Fitzek.
Ich habe nun schon einiges an Büchern und auch Spielen rezensiert, aber noch nie einen Film. Außerdem bin ich kein großer Kinogänger. Gestern war mein dritter Kinobesuch in diesem Jahr, vorher habe ich Snow White und Tribute von Panem geschaut und im Fernsehen sehe ich selten einen Krimi oder Psychothriller. Mir fehlen die Vergleiche. Hinzu kommt, dass ich das Buch „Das Kind“ bis jetzt nicht gelesen habe und daher auch die filmische Umsetzung nicht beurteilen kann. Wie also soll ich diesen Film rezensieren? Ich lasse es und sage euch einfach:
Dieser Film hat mir sehr gut gefallen!
Hierzu sei als Begründung noch gesagt, dass es für mich in keinem Moment langweilig war. Der Regisseur Zsolt Bács wollte einen Film drehen, bei dem alles intensiver erscheinen sollte wie man das im Fernsehen hätte darstellen können und das ist ihm auch durch entsprechende Kameraführung tatsächlich gelungen. Umgesetzt wurde ein Film, der das Thema Pädophilie nicht umgeht, sondern den Zuschauer daran nahezu tabulos heranführt und das einen noch breiteren Raum einnimmt wie das Thema der Reinkarnationsmöglichkeit mit dem der Autor spielt. Noch zu erwähnen bleibt, dass die Schauspieler dieser Klasse natürlich die Story hervorragend umgesetzt haben. Interessant dabei vor allem der Comedian Dieter Hallervorden in der diffusen Rolle des Herrn Stiemer.
Also, geht ins Kino, schaut euch den Film an! Über Kommentare würde ich mich freuen.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Besuch auf der Frankfurter Buchmesse 2012

Juchhu, wir fahren zur Buchmesse, hieß es am vergangenen Samstag. Nun hatte es doch noch für Nabura und mich geklappt. Zusammen mit unserem Anhang ging es auf Richtung Frankfurt. Als akkreditierte Blogger hatten wir freien Eintritt und auch kostenloses Parken. Es war voll, sehr voll auf der Messe! Ich war vor einigen Jahren bereits einmal Samstags dort, aber so hatte ich es nicht in Erinnerung. Vielleicht war ich damals in anderen Hallen unterwegs? Mein erster Termin war eine Signierstunde am Piperstand mit Markus Heitz. Diesen Autor hatte ich im Januar bereits bei einer Lesung kennengelernt. Am Piperstand erwartete und eine lange Schlange mit Fans. Heitz-Bücher konnte man zu dieser Gelegenheit dort kaufen, aber ich hatte zwei von zu Hause mitgebracht. Nach einer kurzen Plauderei mit den Pipermitarbeiterinnen kam ich auch schon an die Reihe, Zeit für ein Gespräch blieb aber nicht, da noch jede Menge Fans auf ihre Signatur warteten. Meinen Fotoapparat hatte ich zu Hause vergessen, obwohl ich ihn doch eigentlich bei den Büchern zum Mitnehmen gelegt hatte. Und wo lag er, als ich zu Hause nachgesehen habe? Auf dem Schreibtisch – so wie immer, hm.
Nach einem weiteren Bummel durch die vollen Gänge von Halle 3.0 stand das Treffen mit der Buchcommunity lovelybooks.de draußen zwischen den Hallen 3 und 4 an. Zum Glück hat es nicht geregnet, aber würde ich den Treffpunkt finden? Zielstrebig wie ich war, mit Nabura an meiner Seite, sind wir gleich vor dem übergroßen Reklameschild zum buch „Böser Wolf“ auf eine Gruppe gestoßen, von der wir vermuteten, dass es sich um Rezensentinnen von Büchern handeln könnte und es stimmte – angekommen! Es war sehr schön viele Gesichter zu den Aliassen im Internet zu sehen und ein wenig untereinander zu plaudern. Überrascht hat Nabura und mich, dass Rainer Maria Wacke, den ich beim Rausgehen mit einem kurzen Blick am emons-Stand gesehen habe, zu uns kam, weil er auf den an uns klebenden Schildern anhand unserer Bloggernamen zunächst Nabura (ihre Rezi war erst einen guten Monat alt) und dann auch mich (Rezi und Leserunde zu „Des Teufels Drucker“) erkannt hat. Wir hatten ein gutes Gespräch miteinander u.a. über die Fortsetzung seines Buches, das im Mai 2013 erscheinen wird. Noch mit einer weiteren Autorin habe ich mich in der LB-Gruppe unterhalten können. Brigitte Pons sagte mir vom Namen her zunächst nichts. Wir haben uns aber nett über einige Themen ausgetauscht. Dabei war zu erfahren, dass ihr nächster Krimi im Dezember dieses Jahres erscheinen wird. Seit Juli 2012 bin ich Testleserin bei m Sutton-Verlag, ihr erster Krimi ist dort Anfang des Jahres erschienen. So habe ich festgestellt, dass mir dieser Krimi mit dem Titel „Ich bin ein Mörder“ durchaus im Verlagsprogramm schon begegnet ist. Das Buch steht nun auf meiner Wunschliste.
Nach dem LB-Treffen sind wir rüber zum Signierzelt geschlendert, denn dort sollte Jussi Adler-Olsen sitzen und signieren. Nachdem wir die Schlange vor dem Zelt gesehen haben L, haben wir darauf verzichtet uns dort anzustellen. Ich bin dann mit meinem Mann durch die Halle 3.1 geschlendert, hin zum Sutton-Verlag, die mit weiteren Thüringer Verlagen einen Gemeinschaftsstand bildeten. Dort habe ich Frau Schrumpf persönlich kennenlernen können, die der Ansprechpartner für die Blogger ist und die ich bisher nur vom E-Mailen kannte. Mein letzter Termin war am Droemer Stand, an dem ich mir mein mitgebrachtes Exemplar von Jonas Winners „Der Architekt“ signieren lassen wollte. Es folgte zunächst aber ein Interview mit einem Droemer-Knaur-Mitarbeiter. Das Ende wollte ich denn nicht abwarten, weil der Heimweg schon „rief“. Ich habe sehr viele Eindrücke mit nach Hause genommen und werde gerne nochmal die Messe besuchen, aber voraussichtlich nicht mehr am Wochenende.

Rezension zu Carol Birch - Der Atem der Welt




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Titel: Der Atem der Welt
Autorin: Carol Birch
Erscheinungsdatum: 17.09.2012
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
Verlag: Insel Verlag
ISBN: 9783458175445
Preis: 19,99 Euro




Der Roman „Der Atem der Welt“ von Carol Birch ist im Insel Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag erschienen und umfasst auf 394 Seiten 17 Kapitel in drei Teilen unterschiedlicher Länge. Das Buch verfügt über ein orangefarbenes Lesebändchen. Der Schutzumschlag ist entsprechend der Erzählung gestaltet. Auf der Vorderseite sind die Docks des Wolken überschatteten Londons im Hintergrund zu sehen, hier beginnt die Geschichte. Ein Tiger wie er im Vordergrund des Covers abgebildet ist, bringt die Wende im Leben von Jaffy Brown, dem Protagonisten und Ich-Erzähler des Romans.
Auf der Flucht vor dem Liebhaber seiner Mutter ziehen die beidenin den 1850er Jahren in die Nähe der Londoner Docks. Der erst achtjährige Jaffy  hat oft kaum genug zu essen und die Gegend ist schäbig und voller Gestank. Für kleine Besorgungen, die er für Nachbarn erledigt, erhält er ein wenig Geld. Bei einem dieser Einkäufe begegnet er einem Tiger, dem er gerne die Schnauze streicheln möchte, doch er landet in dessen Maul. Der Besitzer und Tierimporteuer Jamrach greift ein und zeigt sich erleichtert darüber, dass Jaffy nichts weiter geschehen ist. Er bietet ihm an, bei ihm zu arbeiten. So lernt er Tim kennen, der auch dort arbeitet. Die beiden werden beste Freunde, obwohl Tim Jaffy oft ärgert. Als Jaff fünfzehn ist, bekommt Jamrach von einem Auftraggeber die Order einen legendären „Drachen“ zu besorgen. Dazu wird ein Walfängerschiff gechartert und Tim wird für die Crew und der anschließenden Pflege des Tiers verpflichtet. Jaffy heuert aufgrund seines  Wunschs, die Meere zu befahren, auf eigene Faust an. So beginnt die Weltumseglung der beiden Freunde, eine Fahrt ins Unbekannte und an den Rand des Erträglichen.
Dieses Buch erzählt über Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen mit allen nur erdenkbaren Höhen und Tiefen bis zum Äußersten und nahezu nicht begreifbar für den Leser. Carol Birch zeichnet in in ihrer Sprachgestaltung eine Welt für den Leser so, dass nicht nur ein Eindruck der äußeren Umgebung entsteht, sondern dass er förmlich die Gerüche und Geräusche die Jaffy begleiten, wahrzunehmen glaubt. Bei allen Widrigkeiten ergibt sich doch aus der Ich-Erzählung von Anfang an eine Wiederkehr vom Abenteuer für Jaff. Oftmals spricht der Ich-Erzähler den Leser auch direkt an und zieht ihn dadurch unmittelbar in die Geschichte mit ein. Es ist so, als ob er seine Erlebnisse einem guten Bekannten nach der Rückkehrs seiner Reise berichten würde. Die Autorin zeichnet mit dem Protagonisten einen selbstbewussten Charakter, der mit den Lesern seine Gedanken und Gefühle teilt. Die Mannschaft des Walfängers umfasst natürlich einige Mitglieder, die jedoch mit persönlichen Eigenschaften versehen und dadurch unterscheidbar sind.
„Der Atem der Welt“ ist, faszinierend und bewegend. Der Roman ist sicher nichts für zartbesaitete Leser, aber für alle die sich auf ein Abenteuer einlassen möchten und vor Gefahren und deren Konsequenzen nicht zurückschrecken.

Sonntag, 14. Oktober 2012

[Rezension Hanna] Nele Neuhaus - Wer Wind sät


Serie: Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein

Buch 1: Eine unbeliebte Frau
Buch 2: Mordsfreunde
Buch 3: Tiefe Wunden
Buch 4: Schneewittchen muss sterben
Buch 5: Wer Wind sät










~ Inhalt ~


Ein neuer Fall führt die Ermittler Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in den Konzern der WindPro, in welcher der Nachtwächter tot aufgefunden wurde. Die Firma steht in den Schlagzeilen, weil sie eine Windanlage im Taunus bauen will, gegen den sich eine Bürgerinitiative heftig wehrt. Angeblich sollen Gutachten gefälscht worden sein. Während das K11 ermittelt, ob es sich um einen Mord handelt, verhärten sich die Fronten zwischen Konzern und Bürgerinitiative, und auch in den eigenen Reihen herrscht Uneinigkeit. Als kurz darauf ein Mitglied der Bürgerinitiative tot aufgefunden wird, wurde dieser zweifelsohne ermordet – doch von wem?

~ Meinung ~


Seit ich den letzten Teil (Schneewittchen muss sterben) gelesen habe, ist einige Zeit vergangen, trotzdem habe ich schnell wieder in die Gegebenheiten des K11 hineingefunden. Auch über die zahlreichen Mitglieder der WindPro und der Bürgerinitiative konnte man gut den Überblick behalten und ihre Beziehungen zueinander nachvollziehen. Die wahren Motive dieser Charaktere sind neben der Suche nach dem Mörder die spannende Frage dieses Buches, denn sie werden nur nach und nach offenbar und laden den Leser zu Spekulationen ein.

Die Handlung des Buches ist vielschichtig, und das Buch im Vergleich zu anderen Bänden der Serie daher recht dick. Durch verschiedenste Perspektiven erfährt der Leser neben den Ermittlungen viel Persönliches über die Mitglieder des K11 sowie der Bürgerinitiative. Diese tieferen Einblicke sorgten gelegentlich aber auch für Längen im Buch, in denen die Ermittlungen selbst nicht voranschritten.

~ Fazit ~


„Wer Wind sät“ ist ein weiterer spannender Kriminalroman des Ermittlerteams Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, wenn auch nicht der stärkste der Reihe. Trotzdem fühlte ich mich gut unterhalten und fand auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Windenergie interessant. Ich kann das Buch daher weiterempfehlen, vor allem an Leser, die schon von Band 1-4 begeistert waren!



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Broschiert: 560 Seiten
Verlag: Ullstein
Link zur Buchseite des Verlags

Dienstag, 25. September 2012

[Rezension Hanna] Cynthia Hand - Unearthly. Heiliges Feuer



  Inhalt


Der zweite Teil der Unearthly-Trilogie setzt kurz nach den Ereignissen des ersten Bandes ein. Claras muss feststellen, dass sie die erste Vision im Zusammenhang mit ihrer Aufgabe als Engel missinterpretiert und nicht vollständig erfüllt hat. Doch während sie sich noch fragt, ob das nun alles war, taucht eine neue Vision auf: In wenigen Monaten wird sie sich auf einem Friedhof befinden. Doch wer stirbt? Und was ist Claras Rolle in dieser Situation? Gemeinsam mit ihren Freunden versucht sie, mehr über das Engeldasein und ihre Aufgabe herauszufinden.

Meinung


Das Cover des zweiten Teils ist wie auch schon das erste ein echter Hingucker. Dieses nahezu schwarz-weiße Cover gefällt mir sogar noch besser, da sich so die Haare des Mädchens auf dem Cover (das vermutlich Clara darstellen soll) auffallend vom Hintergrund abheben. Warum der zweite Teil „Heiliges Feuer“ heißt, ist mir jedoch nach wie vor unklar, ich habe im Buch kein Feuer gefunden. Oder soll das ein Synonym für den im Buch so oft erwähnten „Himmlischen Glanz“ sein?!

Dank des recht nahtlosen Anschlusses an die Ereignisse in Teil 1 habe ich schnell wieder in die Geschichte hineingefunden und mich an die verschiedenen Charaktere erinnert, die jedoch nur ganz kurz vorgestellt werden – man sollte den ersten Band unbedingt vorher gelesen haben! Der Haupterzählstrang berichtet vor allem von Claras Versuchen, mehr über ihre Aufgabe und die neue Vision in Erfahrung zu bringen. Von ihrem Engelfreunden erhält sie dabei tatkräftige Unterstützung. Der Alltag mit Schulbesuchen und Freundschaften zu Nicht-Engeln tritt dabei deutlich in den Hintergrund, ihre Treffen mit Tucker bleiben das einzige Erzählenswerte außerhalb der Engelwelt.

Claras Vision zeigt, wie auch schon im Klappentext angekündigt, dass bald jemand sterben wird. Allmählich fokussiert sich die Geschichte auf diesen Aspekt, nach und nach offenbaren sich mehr Details über Claras neue Vision. Ich möchte euch vorwarnen: Es wird ziemlich traurig, damit hatte ich in einem Buch dieser Art nicht gerechnet.  Die Bedeutung und Umstände der Vision werden jedoch plausibel erklärt, was meine Enttäuschung über die dramatischen Züge des Buches etwas mildern konnte.

Die Romantik kommt in diesem Buch trotz allem nicht zu kurz. Erneut findet Clara sich in einem Liebesdreieck zwischen Tucker und Christian wieder. Amüsante Verweise auf Liebesdreiecke in Filmen (insbesondere Twilight) zeigen dabei, dass die Autorin sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Claras Zwiespalt war jedoch nachvollziehbar – oft denke ich in Situationen dieser Art „Entscheid dich jetzt einfach, liebe Protagonistin!“, bei Clara ist das jedoch gar nicht so einfach. Der Leser kann sich in diesem Buch auf romantische Szenen freuen, die manchmal auch ein kleines bisschen kitschig werden, mir aber gefallen haben.

Fazit


Insgesamt hat der zweite Teil der Unearthly-Trilogie stark an den ersten angeschlossen. Sympathische Charaktere, Claras Suche nach der Bedeutung ihrer Visionen und amüsante sowie romantische Szenen konnten mich überzeugen. Lediglich die Entwicklung des Buches ins Dramatische anstatt ins Spannende habe ich nicht erwartet und war deshalb ein wenig enttäuscht. Trotzdem: Wer Teil 1 gelesen hat und begeistert war, der sollte unbedingt mit diesem Band fortfahren!



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Taschenbuch: 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2012


Sonntag, 23. September 2012

[Rezension Hanna] Jussi Adler-Olsen - Verachtung


Serie: Carl Mørck, Sonderdezernat Q

Buch 1: Erbarmen
Buch 2: Schändung
Buch 3: Erlösung
Buch 4: Verachtung











Inhalt 


1985: Nete Rosen, Frau eines angesehenen Direktors, trifft auf einem Empfang auf den Gynäkologen Curt Wad. In aller Öffentlichkeit verkündet er, dass Nete einst die Besserungsanstalt in Sprongø
 besuchte und mit zahlreichen Männern Geschlechtsverkehr hatte. Da Nete dies nicht leugnet, trennt sich ihr Ehemann kurz darauf von ihr. Erneut auf sich allein gestellt, schwört sie Rache an allen, die für das Unglück, das ihr wiederfahren ist, verantwortlich sind.
2010: Carl Mørck stößt im Sonderdezernat Q auf den Fall der 1987 als vermisst gemeldeten Rita Nielsen. Ein Selbstmord, mit dessen Begründung die Akte damals geschlossen wurde, kann schnell ausgeschlossen werden. Bald müssen die Mitarbeiter des Sonderdezernats feststellen, dass in besagten Zeitraum auffällig viele Menschen verschwunden sind…

  Meinung


Ich habe bereits die ersten drei Bände der Serie gelesen und wurde auch von diesem Buch nicht enttäuscht. Erneut wechseln sich Kapitel über Vergangenheit und Zukunft ab, deren Zusammenhänge dem Leser allmählich klar werden. In der Vergangenheit wird dabei Netes Geschichte erzählt, die mich berührt und schockiert hat. Ihre Kindheit zeigt beispielhaft, welches Schicksal viele von der Gesellschaft ausgestoßene Frauen in der Mitte des letzten Jahrhunderts in Dänemark erwartete, ihr Racheplan ist waghalsig und nervenaufreibend. In der Gegenwart begegnet der Leser erneut Mørck, Assad und Rose, die nichts von ihrem eigentümlichen Charme eingebüßt haben und erneut mit ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden hervorstechen. Zum Ende der Geschichte hin wurde das Buch ein echter Pageturner, den ich nicht mehr aus der Hand legen konnte.

  Fazit


Wie auch seine Vorgänger konnte mich der vierte Fall für Carl Mørck begeistern. Erneut verwebt Adler-Olsen Gegenwart und Vergangenheit zu einer spannenden Geschichte. Wer die ersten drei Bände gelesen hat, sollte unbedingt auch dieses Buch lesen!

  

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Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
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