Mittwoch, 13. Oktober 2021

Rezension: Montags bei Monica von Clare Pooley

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Montags bei Monica
Autorin: Clare Pooley
Übersetzerin: Stefanie Retterbush
Erscheinungsdatum: 30.08.2021
Verlag: Goldmann (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783442206285
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Der Roman „Montags bei Monica“ ist das Debüt der Engländerin Clare Pooley. Sie schildert darin die ungewöhnliche Verwendung eines Notizbuchs. Es wird von dem betagten Künstler Julian im Café der 37-jährigen Monica bewusst zurückgelassen. Auf die Außenseite des lindgrünen Hefts hat Julian die Worte „Projekt Aufrichtigkeit“ geschrieben, die erste Seite enthält dazu eine kurze Erläuterung. Der Künstler weist darauf hin, dass man meistens nicht die Wahrheit über die Personen erfährt, denen man im Alltag begegnet. Der Eindruck wird verzerrt, Erfahrungen und Wünsche des Gegenübers bleiben verborgen. Die Geschichten im Notizbuch sollen aufrichtig sein. Julian nimmt einen ersten Eintrag zum Thema vor und hinterlässt dazu das Resümee über sich selbst, dass er sich einsam fühlt.

Monica hat gesehen, dass Julian das Notizbuch liegen gelassen hat. Sie selbst hat nach Jahren als Unternehmensanwältin die Selbständigkeit gesucht, kämpft aber damit, das Café profitabel zu gestalten. Ihr kommt eine Idee, wie sie Julian eine Beschäftigung bieten kann, die sie direkt in die Tat umsetzt. Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß ist, dass „Montags bei Monica“ ein regelmäßiger Treffpunkt von Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften zu einem bestimmten Zweck wird. Monica schreibt ebenfalls einen Eintrag ins Heft und hinterlässt es in der Weinbar gegenüber ihrem Kaffeehaus. Von hieraus tritt es seine Reise zu weiteren vier Findern an.

Clare Pooley schaut nicht nur auf die positiven Eigenschaften ihrer handelnden Personen, sondern zeigt sie auch von einer weniger angenehmen Seite mit wechselhaften Stimmungen. Die Eintragungen im Buch sollen die Finder so abbilden, wie sie sich selbst realistisch sehen und nicht so, wie sie ihr Bild in der Öffentlichkeit hinterlassen. Die Sozialen Medien erhalten dabei eine besondere Rolle. Die Autorin verdeutlicht, was vor einigen Jahrzehnten und heute das Ansehen einer Person ausmacht. Allerdings bringen die Geschichten es mit sich, dass sie Momentaufnahmen sind und die Figuren sich im Leben weiterentwickeln. Beachtenswert ist auch die subjektive Betrachtungsweise des einzelnen beim Abfassen des eigenen Eintrags. Daraus ergeben sich gewisse Konflikte, die neben der gutgemeinten, aber nicht immer geschätzten Unterstützung durch die anderen Finder des Notizbuchs für die Leser*innen berührend sind oder auch amüsant.

Geschickt verknüpft die Autorin das Leben von sechs Personen miteinander. Ihre eigenen Erfahrungen, beispielsweise als Bloggerin, bringt sie in ihre Erzählung ein und gestaltet sie dadurch authentisch. Sie lenkt den Blick auf Probleme, denen man im Alltag begegnet. Neben Einsamkeit finden sich zum Beispiel Alkoholismus, Geldnöte und die Überforderung als Mutter. In die Geschichte ist auch eine Spur vom gesellschaftlichen Wandel zu spüren. Im mittleren Teil kommt es zu einer kleinen Länge. Das Finale kann nochmal mit einer unerwarteten Wendung überraschen.

Die letztlich miteinander verbundenen und verschiedenartig beschriebenen Figuren erleben im Roman „Montags bei Monica“ von Clare Pooley nicht nur gute Zeiten erleben. Und dennoch ist es eine Erzählung zum Wohlfühlen, weil zwischen den Zeilen immer die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt der handelnden Personen zu spüren ist. Gerne empfehle ich den Roman daher weiter.




Sonntag, 10. Oktober 2021

Rezension: Auf Basidis Dach von Mona Ameziane

 

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Auf Basidis Dach
Autorin: Mona Ameziane
Paperback: 224 Seiten
Erschienen am 7. Oktober 2021
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

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Mona Ameziane hat einen marokkanischen Vater und eine deutsche Mutter. Sie selbst ist in Deutschland aufgewachsen, war aber schon ungefähr 40 Mal in Marokko. In diesem Buch erzählt sie von den Erlebnissen während ihrer Besuche und teilt ihre Überlegungen zu den kulturellen Unterscheiden der beiden Länder und was das für sie bedeutet mit den Lesern.

Die Rahmenhandlung bildet eine Reise nach Marokko, die sie gemeinsam mit ihrem Vater unternommen hat. Diese führt die beiden unter anderem in die alte Medina in Fès und ins Atlasgebirge. Die atmosphärischen Beschreibungen versetzten mich mitten hinein in den Trubel der verwinkelten Altstadt und das einfache Leben in den Bergen. Andere Rezensenten haben geschrieben, dass sie Fotos im Buch vermissen: Wer Mona Ameziane auf Instagram folgt, kann in ihren Story-Hightlights Videos dieser Reise finden.

Außerdem gibt es einen zentralen Ort, an den sie immer wieder zurückkehrt: Die Dachterrasse ihres Großvaters, der wie fast alle Großväter in Marokko „Basidi“ genannt wird. Hier kann sie ihren Blick über die Dächer von Fès schweifen lassen und sich aufwärmen, wenn die Klimaanlage wieder alles gibt. Aber auch die Erinnerung an eine blutige religiöse Zeremonie ist untrennbar mit dieser Dachterrasse verbunden.

Mona schildert ganz verschiedenste Situationen ihrer Marokko-Besuche in Fès und ihrem Jahr als Austauschstudentin in Agadir, die ihr besonders im Gedächtnis geblieben sind und die mir einen vielfältigen Eindruck dieses faszinierenden Landes vermittelten. Auch ihre Auseinandersetzung mit den kulturellen Unterschieden zwischen Marokko und Deutschland, zum Beispiel im Alltag, im Hinblick auf die Rolle der Frau oder auch Religion und Rituale, fand ich sehr interessant.

Die Kapitel sind kurzweilig geschrieben. Es gibt einige nachdenkliche Passagen, zum Beispiel wenn es um Heimat und Deutschsein geht oder die Frage, wie verzerrt das Bild Marokkos ist, dass ihr als Besucherin vermittelt wird. Meist ist der Ton jedoch locker. Mona hat einen unterhaltsamen, oftmals selbstironischen Stil, mit dem sie ihre ganz persönliche Sicht auf die Dinge wiedergibt. Ein wirklich gelungenes Buch, für das ich eine ganz große Leseempfehlung vergebe!

Samstag, 9. Oktober 2021

Rezension: Mitte von Volker Kutscher, illustriert von Kat Menschik

 

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Mitte
Autor: Volker Kutscher
illustriert und herausgegeben von Kat Menschik
Hardcover: 128 Seiten
Erschienen am 7. Oktober 2021
Verlag: Galiani Berlin

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Die Reihe „Illustrierte Lieblingsbücher“ von Kat Menschik erscheint seit fünf Jahren im Galiani Verlag und kann mich immer wieder mit gelungenen Illustrationen und einer ganz besodneren Aufmachung begeistern. Inhaltlich sind die Bücher der Reihe sehr unterschiedlich und ich habe hier schon einige Texte gelesen, die ohne meine Begeisterung für die Reihe an sich wohl nie in meinen Händen gelandet wären.

Volker Kutscher ist in der Lieblingsbücher-Reihe ein alter Bekannter, denn auch der vierte Band „Moabit“ wurde von ihm geschrieben. Damals handelte es sich um die Vorgeschichte zur Reihe rund um Gereon Rath, nach der ich interessiert auch den ersten Band der Reihe las. Weiter bin ich bislang jedoch nie gekommen, und genau hier liegt das Problem.

Ich bin davon ausgegangen, dass sich dieser 11. Band der Reihe wieder ohne Vorkenntnisse lesen lässt, doch das gestaltet sich schwierig. Nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass das Buch kurz nach dem 8. Band der Gereon Rath Reihe spielt. Wer diese Bände alle gelesen hat, der ist vermutlich mehr als gespannt, wie es Friedrich ergeht, der hier in Form von Briefen zu Wort kommt, die er an Charly und Hannah schickt.

Für mich ergab sich beim Lesen ein ungefähres Bild der bisherigen Ereignisse, mir fehlte jedoch der Bezug zu den Charakteren. Erst auf der Hälfte kommt es zu einem dramatischen Vorfall, der für Spannung sorgte und dafür, dass ich die 120 Seiten zu Ende lesen wollte. Dieses fühlte sich jedoch nicht richtig abgeschlossen an, sondern soll wohl eher neugierig auf den 9. Band von Volker Kutscher machen.

Die Illustrationen von Kat Menschik haben mir wieder sehr gefallen. Diesmal sind sie in orange, gelb und lila gehalten und zeigen Briefe, Skizzen des Senders und der Empfängerinnen sowie Orte und Dinge, die in den Briefen erwähnt werden. Von der Aufmachung her passt es mit seinem Leineneinband und dem orangen Buchschnitt zu „Moabit“, dass dieselben Eigenschaften aufweist. Da sich die beiden weiteren Farben unterscheiden (hellblau/dunkelblau vs. gelb/lila) sehen sich die Bücher trotzdem nicht zu ähnlich und fügen sich gut in die bunte Reihe ein.

Optisch ist das Buch also wieder ein Highlight, dennoch bin ich diesmal enttäuscht, dass man die Geschichte nur in vollen Zügen genießen kann, wenn man die gesamte Reihe rund um Gereon Rath kennt. Vielleicht hätte man das Buch besser außerhalb der Reihe veröffentlicht, sowie der Verlag es schon mit einigen anderen von Kat Menschik illustrierten Texten getan hat. Ich hoffe, dass man das nächste illustrierte Lieblingsbuch wieder ohne Vorkenntnisse lesen kann.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Rezension: Auf Basidis Dach von Mona Ameziane

 


Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Auf Basidis Dach - Über Herkunft, Marokko und meine halbe Familie
Autorin: Mona Ameziane
Erscheinungsdatum: 07.10.2021
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783462000993
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Mona Ameziane schreibt in ihrem Buch „Auf Basidis Dach“ wie es im Untertitel heißt „über Herkunft, Marokko und meine halbe Familie“. Es ist Fakt, dass ihr Vater in Marokko geboren und aufgewachsen ist und daher ein großer Teil der Familie der Autorin immer noch in und um Fès lebt. Mona Ameziane setzt sich in ihrer Erzählung mit ihrer Zugehörigkeit zu zwei Staaten, mit ihren beiden Heimaten im Westen Deutschlands und Nordosten Marokkos auseinander und wählt dazu eine offene und ehrliche Sprache.

Ihren inzwischen verstorbenen Großvater hat die Autorin Basidis gerufen so wie alle Großväter in Marokko genannt werden. Auf dem Dach seines Hauses steht sie gerne und lässt ihre Blicke über die Häuserdächer der Nachbarschaft schweifen, hier treffen sich Mitglieder der Familie und hier werden aber auch während des jährlichen Aid el Kebir Schafe geopfert.

Mona Ameziane zieht Vergleiche zwischen den beiden Kulturen. Ein- oder mehrfach im Jahr verbringt sie ihren Urlaub in Marokko, als Jugendliche hat sie ein Schuljahr dort verbracht. Sie zeigt die Unterschiede im Umgang der Menschen miteinander auf und schaut auf die gesetzlichen Regelungen sowie Konventionen des afrikanischen Lands und Deutschlands. Ihr großer Wunsch ist es, den Geburtsort ihrer Großmutter aufzusuchen. Für diese Spurensuche wendet sie sich an ihren Vater, der sie auf eine gemeinsame Reise nach Nordafrika begleitet. Auf ihrem abenteuerlichen Weg konnte ich beim Lesen die beiden begleiten.

Als Journalistin kommt die Autorin immer wieder mit kritischen Themen in Berührung und auch in ihrer eigenen Auseinandersetzung mit Herkunft und Kultur wählt sie Worte der eigenen Zu- oder Abneigung mit Respekt aus. In Rückblicken schildert sie Selbsterlebtes aus beiden Ländern, ihre Beobachtungen würzt sie gerne mit einer Prise Humor.

Mona Ameziane brachte mir in ihrem Buch „Auf Basidis Dach“ aus einer ganz persönlichen ehrlichen Sicht mit ebenso privaten Einsichten das Land Marokko, seine Bewohner und seine Traditionen näher. Ihr Bericht stimmte mich nachdenklich und wird mir in Erinnerung bleiben. Definitiv ein Buch, das ich gerne weiterempfehle.


Mittwoch, 6. Oktober 2021

Rezension: Auf und mehr davon - Lisa Keil

 

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Auf und mehr davon
Autorin: Lisa Keil
Taschenbuch: 432 Seiten
Erschienen am 29. September 2021
Verlag: FISCHER Taschenbuch

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Millie studiert Tiermedizin und darf im kommenden Semester in einer Rinderklinik mitarbeiten. Für die Zeit erhält sie eine kleine Wohnung direkt in der Klinik, die sie mit der französischen Austauschstudentin Zoé teilen soll. Der überraschende Besuch ihrer Mutter Cordula kommt ihr eher ungelegen. Diese ist Dozentin für chemische Biologie in einer anderen Stadt und ihr Verhältnis war nie sonderlich eng. Doch Cordula wurde von ihrer Chefin eine Auszeit angeraten, die sie spontan als Gaststudentin an Millies Uni verbringen will. Plötzlich wohnt Cordula in Millies vorübergehend leerstehendem WG-Zimmer und Millies Mitbewohner stellt sich als Noé heraus. Ein aufregendes Semester ist damit vorprogrammiert.

Ich habe mich sehr gefreut, nach fast anderthalb Jahren Pause ein drittes Mal nach Neuberg zurückzukehren. Hier spielt diesmal jedoch nur ein Teil der Handlung, denn seit dem ersten Band sind einige Jahre vergangen und aus der Schülerin Millie, in deren Lehrer sich ihre Tante Kaya verliebt, ist eine Studentin geworden, die ihr Physikum bereits in der Tasche hat. Ich mochte Millie als Nebencharakter in den vorherigen Bänden sehr und habe mich gefreut, dass sie diesmal im Mittelpunkt der Handlung steht.

Dort steht sie jedoch nicht allein, sondern zusammen mit ihrer Mutter Cordula. Die Kapitel sind abwechselnd aus ihren Perspektiven geschrieben. Millie erlebt eine große Überraschung, als sich herausstellt, dass ihr Mitbewohner entgegen der Ankündigung männlich ist. Es fuchst sie, dass ihr neuer Chef ihm eine Sonderbehandlung zukommen lässt, während er sie nur herumkommandiert. Der erste Eindruck von Noé ist der eines reichen und verwöhnten Sohnes, doch bald stellt Millie fest, dass sie ihn eigentlich ziemlich sympathisch findet.

In der Zwischenzeit zieht Cordula in Millies WG-Zimmer. Ihre Motivation, nach Jahren der Distanz nun die Nähe zu Millie zu suchen, wurde nachvollziehbar geschildert. Warum sie sich als promovierte Wissenschaftlerin als Auszeit in ein Gaststudium stürzt habe ich hingegen weniger verstanden. Dieses spielt aber kaum eine Rolle und dient vor allem als Grund, in der WG zu leben und neue Kontakte zu knüpfen.

Neben zwei sehr unterschiedlichen Liebesgeschichten bietet der Roman einige Einblicke in die Arbeit in der Klinik, die ich interessant fand. Die Autorin hat ihr erneut ihre Kenntnisse als Tierärztin einfließen lassen. Sie ließ mich nicht nur an der Behandlung von Rindern, sondern anderen Tieren wie Ziegen und einem Alpaka teilhaben.

Auch die Wiedersehen mit den Charakteren der ersten beiden Bände fand ich schön. Vor allem Kaya spielt als Cordulas Schwester eine wichtige Rolle, aber auch Lasse, Rob, Anabel und die Tiere Mitternacht und Achterbahn sind wieder mit dabei. Der Roman lässt sich auch ohne Vorkenntnisse der vorherigen Bände lesen, wer diese kennt kann sich aber noch mehr über die Entwicklungen freuen. Der Titel sagt hier eigentlich schon alles: Mehr davon!

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