Montag, 25. Mai 2026

Rezension: Tata oder das Geheimnis meiner Tante Colette von Valérie Perrin

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Tata oder das Geheimnis meiner Tante Colette
Autorin: Valérie Perrin
Übersetzerin aus dem Französischen: Hanne Reinhardt
Erscheinungsdatum: 30.04.2026
Verlag: Gutkind (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband

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Im Oktober 2010 erhält die in Paris lebende, achtunddreißigjährige Regisseurin Agnès Dugain einen Anruf von der Polizei aus der burgundischen Stadt Gueugnon. Im Telefonat wird sie über den Tod ihrer Tante Colette Septembre informiert, deren letzte Angehörige sie ist. Agnès ist fassungslos, denn ihre Tante, die sie früher liebevoll „Tata“ nannte, ist bereits vor drei Jahren verstorben. Sie ist Realistin und weiß, dass niemand „wiederstirbt“. Mit dieser ungewöhnlichen Situation schafft die Autorin Valérie Perrin eine spannende Ausgangslage für ihren Roman, der den Kosenamen der Tante von Agnès trägt und im Untertitel bereits auf das zu erwartende Geheimnis hinweist.

Im Folgenden entfaltet sich eine komplexe Geschichte, die tief in die Vergangenheit der Regisseurin führt. Agnès wuchs im Südosten Frankreichs auf. Ihre Eltern waren bekannte Musiker, die ihre Tochter in den Ferien zu Colette schickten, die in Gueugnon eine Schusterwerkstatt betrieb. Soweit Agnès weiß, blieb ihre Tata unverheiratet und kinderlos. Bis zu ihrer kürzlich erfolgten Scheidung lebte die Regisseurin mit ihrem Mann und ihrer Tochter in den Vereinigten Staaten. Daher war sie bei der Beerdigung vor drei Jahren nicht anwesend. Jetzt jedoch begibt sie sich ins Burgund, um das Geheimnis ihrer Tante aufzudecken. In Gueugnon trifft Agnès auf drei Freunde aus der Kindheit, die bei ihrer Suche behilflich sind.

„Tata“ verbindet Elemente eines historischen Romans, einer Liebesgeschichte und eines Kriminalfall. Valérie Perrin erzählt abwechslungsreich, unter anderem durch wechselnde Erzählperspektiven und unterschiedlichen stilistischen Ebenen. Neben den Lebensgeschichten der beiden Protagonistinnen Agnès und Colette schildert die Autorin uch die bewegte Vergangenheit von Agnés‘ Eltern, ihrer Freunde sowie einer besonderen Person, die Colette viel bedeutete. Dabei werden berührende Themen angeschnitten, die zeigen, dass das Schicksal vor niemandem und nichts zurückschreckt und Familie nicht nur durch Blutsbande entsteht. Ab etwa der Mitte kommt es durch die ausführlichen Nebenhandlungen allerdings zu einiger Länge. Der Schauplatz im Burgund mitsamt den Bewohnenden wirkt besonders authentisch, weil die Autorin dort beheimatet ist.

Mit „Tata oder das Geheimnis meiner Tante Colette“ gelingt es Valérie Perrin durch ihre außergewöhnliche Prämisse Neugier zu wecken und eine durchgehend hintergründige Spannung zu erzeugen. Facettenreiche Figuren und ein vielseitiger Schreibstil sorgen für eine ebenso lebendige wie tiefgründige Unterhaltung, die ich gerne weiterempfehle.

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