Autorin: Leonie Swann
Erscheinungsdatum: 14.04.2026
Verlag: Dumont (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783755801061
Viele Jahre nach ihren Romanen „Glennkill“ und „Garou“ legt
Leonie Swann mit „Widdersehen“ eine Fortsetzung ihrer beliebten Schafkrimis
vor. Das Wortspiel des Titels versteht sich also im doppelten übertragenen
Sinn. In der Welt der Schäferin Rebecca und ihrer Herde ist seit den letzten
Ereignissen wenig Zeit vergangen. Doch nun ist etwas geschehen, dass die
Schäferin veranlasst, ihre in Frankreich grasenden Schafe wieder zurück in die
Heimat nach Irland zu bringen.
Die aus den früheren Büchern bekannten Schafe Miss Marple,
Mopple, Othello und Ritchfield sowie noch einige weitere Tiere der Herde können
zunächst kaum glauben, dass es wirklich ihre frühere Weide in Glennkill ist,
auf der sie wieder grasen dürfen. Aber sie sind irritiert, weil sich darauf ein
paar fremde Schafe befinden. Als Rebecca kurz darauf verschwindet, wagen sich
die mutigsten Tiere in den Schäferwagen. Dort finden sie einen blutigen Finger.
Wem mag das Körperteil gehören? Aus welchem Grund wurde es abgetrennt? Neben
der Suche nach dem Verbleib von Rebecca, gilt es nun auch, das Rätsel um den
Finger zu lösen.
Für die Schafe ist Rebecca die wichtigste Bezugsperson. Sie
sitzt oft auf den Stufen ihres Wagens, liest der Herde vor oder lässt ihre
Gedanken laut schweifen. Umso größer ist die Verunsicherung über ihr
plötzliches Verschwinden.
Es sind nicht nur Schafe, die bereits aus den früheren
Bänden bekannt sind, sondern auch menschliche Figuren wie beispielsweise der
Metzger. Nicht alle sind der Herde wohlgesonnen, aber für die Tiere ist es
schwierig, das herauszufinden. Die einzelnen Schafe unterscheiden sich durch
ihren Charakter. In einer Auflistung zu Beginn des Buchs erhält man darüber eine
schnelle Übersicht. Es ist durchgehend amüsant, wie Leonie Swann die Sprache
ihrer tierischen Protagonisten gestaltet und den Schafkosmos mit zahlreichen
Wortspielen lebendig werden lässt, wenn es hier „mäht“ und dort „wollt“. Zugleich
regen die manchmal philosophisch anmutenden Gedanken der Herdentiere immer
wieder zum Nachdenken an.
Eine besondere Rolle spielt die Ziege Madouc, die probeweise
ein Schaf sein möchte. Mit Störrigkeit und Übermut setzt sie sich für die
gemeinsamen Ziele ein. Ihr fehlen sowohl die früheren schlechten Erfahrungen in
Glennkill als auch die schönen Erlebnisse, die vor allem darin bestanden, dass
Rebecca und deren verstorbener Vater George als Vorbesitzer, der Herde regelmäßig
vorgelesen haben. Das Auftreten von Rebeccas Bruder als neuem Protagonistin macht
schnell deutlich, worin ein möglicher Grund für das Verschwinden der Schäferin
liegen könnte.
Mit dem Krimi „Widdersehen“ gelingt Leonie Swan ein unterhaltsamer
und vergnüglicher Roman um ein Verbrechen, an dessen Aufklärung eine Herde
Schafe mit ihren Aktivitäten einen großen Anteil hat. Die Geschichte lebt von
dem eigenwilligen Blick der Tiere auf die Welt. Sehr gerne empfehle ich das
Buch weiter.
