Rezension von Ingrid Eßer
Titel: Unsichtbare
Musen – Frauen, die die Welt veränderten
Autorin: Elisa von Hof
Erscheinungsdatum: 12.09.2026
Verlag: Klett-Cotta (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783608967050
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In ihrem Buch „Unsichtbare Musen – Frauen, die die
Welt veränderten“ unternimmt Elisa von Hof eine Typisierung derjenigen
Personen, die einen Künstler kreativ beeinflussen. Dabei handelt es sich überwiegend
um Frauen, denn männliche Musen sind nur wenig bekannt. Von der ursprünglichen
Bedeutung her, waren Musen Schutzgöttinnen der Künste in der griechischen
Mythologie.
Auf den ersten Seiten gibt die Autorin eine Einführung in
die Geschichte der Muse, die untrennbar mit dem Künstler als Genie verbunden
ist. Der Muse werden dabei immer wieder ähnliche Funktionen zugeschrieben: Sie
soll inspirieren, trösten, unterstützen, sich kümmern und bewundern. Elisa von
Hof unterscheidet zwischen „guten“ Musen und den „egoistischen“ Musen, die im
Vergleich zu den erstgenannten stärker für ihre eigenen Interessen eintreten. Demgegenüber
wird das Schaffen der „emanzipierten“ Muse zunehmend geschätzt. Kritisch blickt
die Autorin Außerdem auch auf die rechtlichen und finanziellen Aspekte dieser
häufig ungleichen Partnerschaften.
Ein jeweils eigenes Kapiteln widmet sie den Musen als
Managerinnen, Ko-Produzentinnen, Supermodels, Therapeutinnen und als Benutzte.
Dazu greift sie beispielhaft einige bekannte Konstellationen aus der Literatur,
der Musik, der Kunst und der Mode auf. Beleuchtet werden unter anderem die
Beziehungen von Christiane und Johann Wolfgang von Goethe, Sofja Tolstaja und
Lew Tolstoi, Gala und Salvador Dali, Véra und Vladimir Nabokov sowie Lee Krasner
und Jackson Pollock. Auch die wechselnden Musen von Pablo Picasso, Alfred
Hitchcock, Ye West und Karl Lagerfeld finden Erwähnung.
Über diese Beziehungen zu berichten, erforderte eine umfangreiche
Recherche, die sich auch in einem fast fünfzigseitigen Anmerkungsverzeichnis am
Ende des Buches widerspiegelt. Entsprechend dem Titel des Werks zeigt die
Autorin das Können und Wissen der Musen und verhilft ihr dadurch zu mehr Sichtbarkeit.
Damit eine Frau oder einer der wenigen Männer jedoch zur Muse werden kann, braucht
es traditionell einen Künstler, auf den sich ihre Rolle bezieht. So erzählt das
Buch zwar zahlreiche Biografien bemerkenswerter Frauen, verknüpft diese jedoch
stets mit dem Leben und Schaffen einer männlichen Person.
Elisa von Hof hinterfragt mit „Unsichtbare Musen“ das
überlieferte Bild der Muse und rückt Frauen ins Licht, deren eigener Anteil am
künstlerischen Erfolg häufig in den Hintergrund trat. Die zahlreichen Beispiele
aus unterschiedlichen Epochen und Kunstbereichen machen deutlich, wie
vielfältig die Beziehungen zwischen Muse und Künstler sein können und wie schwierig
es oft ist, Inspiration, persönliche Nähe und eigene schöpferische Leistung
voneinander zu trennen.
