Freitag, 31. Juli 2026

Rezension: Dabei waren wir uns immer so nah von Jette Kötschau


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Dabei waren wir uns immer so nah
Autorin: Jette Kötschau
Erscheinungsdatum: 17.07.2026
Verlag: Rowohlt Kindler (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783463000893

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In ihrem Debütroman „Dabei waren wir uns immer so nah“ beschäftigt sich Jette Koetschau mit der Frage, wie sich Freundschaften im Zeitverlauf verändern können. Die drei Protagonistinnen Henri, Merle und Katharina haben sich während ihres Studiums kennengelernt. Im Laufe der Jahre ist ihr Vertrauen zueinander gewachsen. Sie wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können und von den anderen mit all ihren Eigenarten und Stimmungen, frei von Vorwürfen, ernst genommen und akzeptiert zu werden. Doch nachdem sie die Dreißig überschritten haben, zeigt sich zunehmend, dass jede von ihnen einen anderen Lebensentwurf verfolgt. 

Merle ist inzwischen verheiratet und Mutter eines kleinen Kindes. Während ihr Mann neben seiner Arbeit den gemeinsamen Hausbau vorantreibt, bleibt die Verantwortung für die Kinderbetreuung überwiegend an ihr hängen. Der bevorstehende Umzug aus der Stadt aufs Land erfüllt sie nicht nur mit Vorfreude, sondern auch mit Unsicherheit, weil sie sich schon jetzt häufig alleingelassen fühlt.

Von Katharina wird Merle um ihr Familienglück beneidet, denn sie wünscht sich seit längerer Zeit ein Kind mit ihrem Partner. Für sie ist es immer wieder schmerzlich, wenn jemand aus ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis eine Schwangerschaft verkündet. Um mit ihrer Frustration umgehen zu können, hat sie sich ein bestimmtes Verhaltensmuster angeeignet.

Henri hingegen ist nicht bereit für längere Beziehungen. Sie ist die kontaktfreudigste der Freundinnen und immer bereit zuzuhören und gute Ratschläge zu geben. Gleichzeitig belastet sie das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter. Ihr Traum ist es, sich beruflich selbständig zu machen. Als ihre Großmutter schwer erkrankt, stellt sie sich der Herausforderung, sich mit ihrer Mutter gemeinsam um sie zu kümmern.

Jede der drei Frauen kämpft mit ihren persönlichen Herausforderungen. In ruhigen Momenten wird ihnen jedoch bewusst, wie sehr sie die gemeinsamen Treffen, den regelmäßigen Austausch über ihre Gedanken und Gefühle, aber auch die persönliche Nähe vermissen.

Die Autorin greift Themen auf, die viele Frauen unmittelbar betreffen. Die feinfühligen, ruhigen Beschreibungen des Alltags ihrer Protagonistinnen wirken authentisch, so dass man sich gut in die Lage der Frauen hineinversetzen kann. Es kommt zum Ausdruck, dass sich das Leben nicht detailliert planen lässt und unvorhergesehene Entwicklungen alles verändern können. Obwohl sich Merle, Katharina und Henri in einer Situation befinden, in der sie Zuspruch aus ihrem Umfeld bekommen, ist ihnen bewusst, dass sie an einem Punkt sind, an dem sie selbst eine Veränderung herbeiführen sollten.

In ihrem Roman „Dabei waren wir uns immer so nah“ erzählt Jette Kötschau mit Feingefühl von den Herausforderungen im Erwachsenenleben jenseits der Dreißig und davon, ob lange bestehende Freundschaften trotz persönlicher Veränderungen Bestand haben können. Lebensnahe Figurengestaltung mit realistischen Gefühlen in emotionalen Situationen zeichnen die Geschichte aus, die ich gerne weiterempfehle.

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