Mittwoch, 11. September 2013

[Rezension Hanna] Phobia von Wulf Dorn



☆ Inhalt ☆


Sarah Bridgewater und ihr Sohn Harvey sind allein zu Hause. Ihr Mann Stephen ist für einige Tage auf Geschäftsreise. Doch mitten in der Nacht hält ein Wagen vor ihrem Haus. Es ist Stephens Wagen, und mit Stephens Schlüssel betritt ein Mann mit Stephens Kleidung das Haus und beharrt auf seiner Identität. Sarah kann fliehen, fühlt sich jedoch in ihrem Haus nicht mehr sicher. Was will der narbengesichtige Mann bezwecken, der sich als ihr Ehemann ausgibt? Und was hat er mit Stephen gemacht? Gemeinsam mit Mark, ihrem Freund aus Jugendtagen, begibt sich Sarah auf die Suche.

☆ Meinung ☆


Wulf Dorn ist in seinem Buch ein hochspannender Einstieg gelungen. Gleich im ersten Kapitel wird man Zeuge eines Mordes, ohne jedoch über die Zusammenhänge aufgeklärt zu werden. Anschließend wird das folgenschwere Aufeinandertreffen Sarahs und des falschen Stephen beschrieben, das Gänsehaut verursache. Ich erwartete, dass die aussichtslose Situation einige Zeit aufrechterhalten wird, doch Sarah gelingt recht schnell die Flucht und dem Leser wird die Gelegenheit zum Luftholen gegeben.

Was dann folgt, ist anders, als mich der dramatische Bucheinstieg hat vermuten lassen. Sarah ist durch die Situation psychisch sehr belastet und möchte die Identität des Unbekannten und den Verbleib ihres Ehemannes aufklären. Das Psychospiel wird von dem Unbekannten ein wenig vorangetrieben, im Vordergrund steht jedoch Sarahs Suche nach ihm. Die Spannung bleibt so auf einem konstanten Niveau und der Leser erhält durch zahlreiche Andeutungen die Möglichkeit, über die Motive des Unbekannten zu spekulieren. Stück für Stück erfährt man ein wenig mehr über den Unbekannten, was die Dramatik der Situation aufrechterhält.

In ihrer Suche unterstützt wird Sarah von Mark Behrendt, der einigen Lesern vielleicht aus Wulf Dorns Debüt „Trigger“ ein Begriff ist – das Buch kann jedoch problemlos ohne Vorwissen gelesen werden und verrät auch nichts über die Handlung in „Trigger“. In dramatischen Rückblenden erfährt man, was Mark seither widerfahren ist und mit welchen Fragen er sich seither auseinandersetzt. Etwas enttäuscht hat mich, dass er der Aufklärung dieser Fragen kein bisschen näher kommt. Ich hatte den Eindruck, dass dieser Erzählstrang nur ein Vorspann auf das nächste Buch ist. Abgesehen von seinem persönlichen dramatischen Schicksal also, das nichts mit dem Rest der Geschichte zu tun hat, bleibt Marks Charakter recht blass – genauso gut hätte ein anderer Bekannter Sarah bei der Suche helfen können.

Das Ende der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Wulf Dorn beendet die Handlung nicht mit einer entscheidenden Szene, sondern mit vielen kleinen Schock-, Überraschungs- und Aha-Momenten. Mehrmals dachte ich „Ist’s etwa schon vorbei?“ und wurde eines besseren belehrt. Abgesehen von Marks Geschichte blieben bei mir keine Fragen offen – auch über die Bedeutung des Buchcovers wird man schließlich noch aufgeklärt.

„Phobia“ startet hochspannend und fokussiert sich dann lange auf die Suche nach dem unbekannten Eindringling in Sarahs Leben. Der Charakter der Sarah hat mir gut gefallen, während ich von einem Wiedersehen mit Mark mehr erwartet hätte. Die ungewöhnliche Form der Auflösung fand ich überzeugend. Insgesamt empfehle ich das Buch gerne weiter.



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Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 9. September 2013
Verlag: Heyne Verlag
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Samstag, 7. September 2013

[Rezension] Jussi Adler-Olsen - Verachtung


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Titel: Verachtung (Der vierte Fall für Carl Morck vom Sonderdezernats Q)
Autor: Jussi Adler-Olsen
Übersetzer: Hannes Thiess
Erscheinungsdatum: 24.08.2012
Verlag: Deutscher Taschenbuchverlag (dtv)
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783423280020
    Preis: 19,90 Euro



„Verachtung“ von Jussi Adler-Olsen ist bereits der vierte Fall für Kommissar Carl Morck vom Sonderdezernat Q der Kopenhagener Kriminalpolizei. Wie bereits in den ersten Bänden verbindet der Autor mehrere Erzählstränge geschickt miteinander. Mittelpunkt der Ermittlungen im Sonderdezernat sind mehrere Vermisstenfälle aus dem Jahr 1987. Auffällig ist hierbei, dass sechs Personen innerhalb weniger Tage unauffindbar blieben. Währenddessen wendet sich der frühere Kollege Bak an Carl Morck. Seine Schwester, die einen Begleitservice betreibt, ist von einem Unbekannten überfallen worden, den Bak aber zu kennen glaubt. Um Morcks Mithilfe zu bekommen, versucht er ihn mit einer alten Familienstory zu erpressen. Dann drängt auch noch Curts Noch-Ehefrau auf ihre Abfindung.  Bei ihren Ermittlungen zu den Vermisstenfällen geraten die Mitarbeiter des Dezernats Q an den Arzt und Politiker Curt Wad, der mit der Partei „Klare Grenzen“ Plätze im dänischen Parlament zu gewinnen sucht. Doch die Geschichte der Partei reicht weit in die Vergangenheit und damit auch in die Vergangenheit Dänemarks und führt eine Insel für ausgestoßene Frauen, die es so tatsächlich gegeben hat. Einige der Ansichtspunkte der Partei sind sehr fragwürdig. Aufgrund der unkonventionellen Ermittlungsarbeit des Dezernats stehen die Ermittler den Ambitionen von „Klare Grenzen“ auf einmal im Weg.
In ständig wechselnden Perspektiven laufen die verschiedenen Erzählebenen nebeneinander ab. Der Rückblick schildert die tragische  Kindheit und Jugend der Nete Rosen. Kann man die Geschehnisse aus dem Jahr 1987 zunächst noch nicht einordnen, ergibt sich doch recht schnell eine erste Vorstellung, die dann mit einer Überraschung endet. Die eigentliche Ermittlungsarbeit in der Gegenwart tritt gegenüber den Nebenschauplätzen etwas in den Hintergrund. Wieder erfährt der Leser im Laufe des Romans interessante Details zum Leben der beiden Helfer im Dezernat, doch es bleibt noch genügend Spielraum, der in weiteren Büchern zu füllen ist. Im vierten Band der Krimiserie schafft Jussi Adler-Olsen eine überschaubare Anzahl neuer Personen, zu denen man auf Abstand geht, obwohl der Autor jeweils versucht die Beweggründe der Charaktere zu erläutern. Curt Wad stellt sich von Beginn an als Bösewicht heraus und schnell ist der Zusammenhang von Nete Rosen zu den Vermisstenfällen erkannt, so dass die gesamte Spannung dadurch leicht eingeschränkt wird. Die Figur der Nete konnte mich nicht vollständig überzeugen, zu naiv sind stellenweise ihre Handlungen, obwohl man das jugendliche Alter bedenken muss, zu dem der Hauptteil ihrer Erzählung spielt. Dennoch ist das Buch gerade im Hinblick auf die Weiterentwicklung im privaten Bereich der Ermittler ein Muss für die Fans des Autors. Von mir erhält dieser Krimi 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunde. 

Mittwoch, 4. September 2013

[Rezension] Die Erben der alten Zeit - Das Amulett von Marita Sydow Hamann

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Titel: Die Erben der Alten Zeit - Das Amulett (Band 1 von 3)
Autorin: Marita Sydow Hamann
Erscheinungsdatum: 29.05.2013 (als gebundes Buch)
Verlag: Grassroots Edition
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783200030831
Preis: 19,80 Euro




„Die Erben der alten Zeit - Das Amulett“ von Marita Sydow Hamann ist zunächst als ebook und jetzt als Hardcover mit Schutzumschlag bei Grassroots Edition erschienen als erster Teil einer Trilogie. Es handelt sich hierbei um eine HighFantasygeschichte mit Science Fiction-Elementen in einem der Erzählstränge. Insgesamt umfasst die Geschichte 601 Seiten. Auf den ersten Seiten des Buchs findet sich eine Übersichtskarte über den Planeten Godheim zu dem auch der Ort Vanaheim gehört. Dort spielt der Hauptteil der Handlung in diesem Band der Saga. Im Anhang des Buchs sind eine Übersicht verschiedener Runen und eine Danksagung der Autorin zu finden. Im Hintergrund des Covers ist ein nebliger Wald, im Vordergrund drei Stücke eines entzwei gebrochenen weißen Steins, zwei davon mit Runen verziert, zu sehen. Beide Bildelemente stehen im Zusammenhang mit dem Roman.


Charlotta Johansson, genannt Charlie, lebt als 14-jährige im Kinderheim und hat alles für ihre Flucht vorbereitet hat. Ihr Weg in die Freiheit führt sie aber zunächst zum Sozialamt, wo sie ihre Akte stiehlt um das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Den Unterlagen liegt ein Umschlag bei, der einen Quarzstein an einem Lederband enthält: ein Amulett, das jedoch Bruchkanten aufweist. Schnell findet sie heraus, dass der Stein Wärme ausstrahlt, wenn sie Körperkontakt mit ihm hat. In einem Waldstück wird sie plötzlich von Nebel umhüllt und nachdem sie weiter gegangen ist steht sie auf einer sonnenbeschienen Wiese. Doch die Bäume und die Waldtiere kommen ihr verändert vor. Dann begreift sie, dass sie nicht mehr an ihrem Heimatort ist! Charlotta lernt im Folgenden die für sie wundersame Welt von Vanaheim kennen und findet mit Biarn, Tora und Kunar gute Freunde. Leider ist diese sagenhafte Welt rückschrittlich und auch frauenfeindlich, so dass sie sich als Jungen ausgibt. Ein Magier namens Oden hat die Gewaltherrschaft über Godheim. Er scheint die Anwesenheit des Amuletts in seinem Land zu spüren. Doch wieso ist Charlie hier? Sie fühlt ungeahnte Kräfte in sich erwachen. Welche Aufgabe kommt ihr zu und welche Bedeutung spielt das zerbrochene Amulett? In einem weiteren Erzählstrang, der jedoch nicht ganz so ausführlich behandelt wird, begegnet der Leser der jungen Frau Sora, die ebenfalls ein Amulettstück besitzt. Sora kommt aus einer mittelalterlichen Zeit. Es scheint, als ob sie aus einem über 14.000 jährigen Schlaf erwacht ist und sich nun in einer Euripides genannten Welt wiederfindet. Hier hat im Vergleich zu ihrer eigenen Zeit die Technik riesige Fortschritte gemacht. Die Einigkeit der Menschen wird durch ein Gesellschaftssystem gelenkt, das auf Gerechtigkeit beruht. Auch sie hat Freunde gefunden. Aber sie stellt sich die gleichen Fragen wie Charlotta. 


Die Geschichte funkelt vor ganz vielen frischen Einfällen der Autorin. Die Basis ihrer Fabulierkunst basiert auf griechischer und nordischer Mythologie, die sie für ihre Zwecke nach Belieben abändert und zu der sie mit Fantasie sehr viel Neues hinzuerfindet. Dabei erklärt sie die verschiedensten Dinge so, dass es einfach zu verstehen ist wie beispielsweise die Zeitumrechnung zwischen der Erde und Godheim. Daher ist das Buch auch bereits für jugendlichere Leser bestens geeignet. Nach einer eher ruhigen Einführung in die fremde Welt von Vanaheim  bei der man als Leser bereits ins Staunen gerät, wird die Geschichte dann richtig spannend und bleibt es dank zahlreichen mysteriöser Elemente, aber auch durch neue Wendungen bis zum Schluss. Die Autorin hat mit Charlotta und Sora unterschiedliche Charaktere geschaffen, die ich beide sehr sympathisch fand. Bei den Freunden der beiden war ich mir zunächst nicht sicher, ob man ihnen wirklich vertrauen kann. Auf beiden Erzählebenen fehlt es auch nicht an einem bösen Gegenspieler. Die Erzählung wird immer wieder durch kursiv gesetzte Abschnitte unterbrochen in denen Frau Hamann die Gedanken und damit auch Erinnerungen der Protagonistinnen mitteilt, wodurch man sich als Leser besser in diese Personen hineinversetzen kann. 


„Die Erben der Alten Zeit – Das Amulett „ist eine Geschichte zwischen dem hier und jetzt, einer Fantasyzeit und einer technisierten Welt von morgen. Zum Ende des Buches bleiben noch sehr viele Dinge offen die Lust darauf machen, auf jeden Fall die Fortsetzung(en) zu lesen! Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und daher empfehle ich es gerne weiter. 

Sonntag, 25. August 2013

[Rezension Hanna] Vollendet: Der Aufstand von Neal Shusterman





☆ Inhalt ☆


Eine Weile ist vergangen, seit Conner, Risa und Lev das Happy Jack Ernte-Camp entkommen sind. Durch die Ereignisse konnte umgesetzt werden, dass die zulässige Altersgrenze für die Umwandlung um ein Jahr heruntergesetzt wurde, doch weiterhin können Jugendliche zwischen dreizehn und siebzehn Jahren umgewandelt werden. Connor und Risa leben wieder auf dem Flugzeugfriedhof und kümmern sich um die flüchtigen Wandler. Doch ist ihr Versteck sicher? Und welche Pläne hat Starkey, der Neuling, der schnell an Einfluss gewinnt? Lev steht währenddessen unter strenger Bewachung. Was kann man bewirken als Klatscher, der nicht geklatscht hat?

☆ Meinung ☆


Das erste Buch der Trilogie, „Vollendet“, war in sich sehr abgeschlossen, sodass ich gar nicht mit einer Fortsetzung gerechnet hatte. Ich war daher sehr gespannt, welche neuen Geschichten rund um die Umwandlung sich Neal Shusterman in „Vollendet: Der Aufstand“ ausgedacht hat. Der Klappentext kündigt bereits an, dass der Leser erneut Connor, Risa und Lev begegnen wird. Doch die Geschichte beginnt gleich anders als erwartet: Zunächst werden die neuen Charaktere Starkey, Miracolina und Cam eingeführt.

Mit den drei neuen Charakteren kommt frischer Wind in die Handlung. Starkey ist ein problematischer Jugendlicher, der als Kind gestorcht wurde, nun von seinen Eltern zur Umwandlung hergegeben wurde und fliehen kann. Er ist jedoch ein Meister der Intrige, sodass mir gleich Böses schwante – was hat er vor? Miracolina hingegen ist ein Zehntopfer und überzeugt von ihrer Bestimmung, im geteilten Zustand weiterzuleben. Sie möchte nicht vor der Umwandlung fliehen, sondern vor den Rebellen, die sie entführt haben. Schließlich ist Cam der Charakter, der mich am meisten faszinierte. Welches Geheimnis umgibt seine Identität?

Die Geschichten der drei neuen Charaktere werden nach und nach mit denen von Connor, Risa und Lev verknüpft. Das Buch gliedert sich in verschiedene Handlungsstränge auf. In jedem Kapitel wechselt die Perspektive. Das Buch ist in Abschnitte gegliedert, sodass verschiedene Thematiken nacheinander behandelt werden. Zur Wahrung der Übersicht über die Ereignisse fand ich das sehr angenehm, die Abschnitte endeten aber meist mit vielen offenen Fragen, sodass der Leser für bis zu 100 Seiten auf die Folter gespannt wird, bevor die Handlung zum entsprechenden Schauplatz zurückwechselt.

Mit seinem Buch ist es Neal Shusterman erneut gelungen, mich nach wenigen Seiten völlig in den Bann der Geschichte zu schlagen. Das Buch liest sich zügig, hat ein hohes Tempo, kann immer wieder überraschen und schockieren. Die Spannung ist immer da, steigt aber zum Ende hin nochmals stark an und bietet einen befriedigenden Abschluss des zweiten Bandes, der große Lust auf die Fortsetzung macht.

„Vollendet: Der Aufstand“ bringt mit drei neuen Charakteren frischen Wind in die Handlung, während gleichzeitig die Geschichten der bereits bekannten Protagonisten weitererzählt werden. Mit seinem hohen Tempo, spannenden Szenen und einigen Überraschungen konnte mich das Buch überzeugen. Für Dystopienfans ist die Serie ein absolutes Muss!


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Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Erscheinungsdatum: 22. August 2013
Verlag: FISCHER Sauerländer
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Mittwoch, 14. August 2013

[Rezension Hanna] Joelle Charonneau - Die Auslese: Nur die Besten überleben

☆ Inhalt ☆


Durch einen großen Krieg wurde die Welt von den Menschen zerstört. Anschließend schlug die Natur zurück. Nur wenige Menschen überlebten und mussten sich der Aufgabe stellen, das Land wieder fruchtbar zu machen und eine neue Gesellschaft aufzubauen. Seither werden jedes Jahr die besten Köpfe des Landes für die Universität ausgewählt. Um einen Platz zu erhalten, müssen sie die Auslese überstehen.

Die sechzehnjährige Malencia Vale, Cia genannt, lebt in der Five Lakes Kolonie. Es ist der Tag ihrer Schulabschlussfeier gekommen. Sie erhofft sich, für die Auslese ausgewählt zu werden, um wie einst ihr Vater studieren zu dürfen. Als während der Zeremonie keine solche Meldung verlesen wird, ist ihre Enttäuschung groß. Verspätet trifft aber schließlich doch ein Offizieller aus Tosu-Stadt ein: Cia und drei Mitschüler sind Teil der Auslese. Cias anfängliche Freude ist groß. Bald jedoch muss sie erkennen, dass sich hinter der Auslese ein Kampf auf Leben und Tod verbirgt…


☆ Meinung ☆


Dieses Buch hat mich absolut begeistern können! Bereits nach wenigen Seiten war ich mitten in Cias Welt gefangen, aus der ich erst wieder auftauchen konnte, als die letzte Seite gelesen war. Schnell konnte ich mich in der dystopischen Gesellschaftsstruktur zurechtfinden und bangte mit Cia dem Beginn der Auslese entgegen.

Die Auslese war fesselnd gestaltet. Sie ist in verschiedene, höchst unterschiedliche Stufen aufgegliedert, die Abwechslung in die Geschichte bringen. Sie alle müssen durchlaufen werden, und die Prüflingsanzahl wird auf jeder Stufe reduziert. Einige Prüflinge kommen dabei auf schockierende Weise ums Leben, was mich sprachlos machte und mir Schauer über den Rücken laufen ließ. Immer wieder musste ich darum bangen, ob die mir sympathischen Charaktere die nächste Runde überstehen – manchmal leider vergeblich. Ich als Leserin stellte mir die Frage, wie weit politische Führer gehen, um die Zukunft ihres Landes zu sichern. Und wie weit würde man selbst als Prüfling gehen, um an der Universität angenommen zu werden?

Mit der Protagonistin Cia kommte ich mich voll identifizieren. Ihr Verhalten war für mich immer nachvollziehbar, und auch ihre emotionalen Reaktionen auf die Ereignisse erschienen mit authentisch. Sehr bald muss sie sich die Frage stellen, wer Freund und wer Feind ist. Wem kann sie vertrauen? Der Autorin gelingt hier ein geschicktes Verwirrspiel, das Cia und auch mich höchst unsicher werden ließ, wer vertrauenswürdig ist und wer nicht.

Während der Geschichte tauchen zahlreiche Nebencharaktere auf. Die meisten von ihnen sind Prüflinge, und jeder von ihnen scheint etwas zu verbergen zu haben. Oder scheint dies nur so im Angesicht der bevorstehenden Prüfungen? Auch eine Liebesgeschichte baut sich während der Geschichte auf, ohne jedoch zu sehr in den Vordergrund zu rücken. Sie begleitet den Leser über die ganze Geschichte hinweg und sorgt für romantische, aber auch dramatische Szenen.

Da fast jeder Dystopienfan inzwischen „Die Tribute von Panem“ gelesen hat, fallen die Ähnlichkeiten mit der Geschichte natürlich sofort ins Auge. Sicherlich ist das Buch für Panem-Fans, die nach etwas ähnlichem, aber keinem Abklatsch der Geschichte suchen, bestens geeignet. Denn trotz vieler Abschnitte im Buch, die an Panem erinnerten, ist die Geschichte rund um diese Abschnitte eine völlig andere. Für alle Interessierten eine kurze Auflistung der Hauptunterschiede: Es geht nicht darum, die Kolonien Opfer bringen zu lassen, sondern man sucht die besten Köpfe des Landes, um aus ihnen die zukünftigen Führungskräfte auszuwählen. Mit 20 aus 109 ist die Erfolgschance deutlich besser als 1 aus 24, man darf also auch auf das Überleben einiger Nebencharaktere hoffen. Das Töten steht eigentlich nicht im Vordergrund der Auslese, es handelt sich in den Augen der Regierung eher um Kollateralschäden und in den Augen gewaltbereiter Prüflinge um eine Chance, seine Erfolgschancen zu verbessern. Das hat mich am Buch am meisten schockiert: Die Prüflinge dürfen frei wählen, wie sie sich verhalten, und nicht jeder wählt den kooperativen Weg. Was geht in diesen Personen bloß vor?

Dieser Serienauftakt ist in sich relativ abgeschlossen. Trotzdem geben die letzten Seiten einen kleinen Wink in Richtung Zukunft und zeigen, in welche Richtung der zweite Teil gehen wird. Potenzial für den Band zwei ist reichlich vorhanden, weshalb ich mich schon jetzt sehr auf die Fortsetzung freue.

„Die Auslese: Nur die Besten überleben“ ist eine der besten Dystopien, die ich bis dato gelesen habe! Die Geschichte hält ein höchstspannendes Wechselbad der Gefühle bereit, durch das ich das Buch keinen Moment zur Seite legen konnte. Dieses Buch müsst ihr einfach gelesen haben!



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Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Erscheinungsdatum: 26. August 2013
Verlag: Penhaligon Verlag
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