Samstag, 15. März 2025

Rezension: Der Einfluss der Fasane von Antje Rávik Strubel

 

Der Einfluss der Fasane
Autorin: Antje Rávik Strubel
Hardcover: 240 Seiten
Erschienen am 12. März 2025
Verlag: S. FISCHER
Link zur Buchseite des Verlags

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Hella Karl arbeitet seit zwölf Jahren in Berlin für die Abendpost, davon sieben als Leiterin des Feuilletons. Als sie die Nachricht erreicht, dass sich der Theaterintendant Kai Hochwerth in Sydney während eines Opernauftritts seiner Frau hinter den Kulissen das Leben genommen hat, ist sie nicht sonderlich erschüttert, fand sie ihn doch alles andere als sympathisch. Sie verfasst einen Nachruf und betrachtet das Thema als journalistisch verarbeitet. Doch dann werden Stimmen laut, die behaupten, dass Hella eine Mitschuld an seinem Tod trägt: Sie ist es, die vor einiger Zeit den Artikel „Intendant treibt Schauspielerin zur Abtreibung“ verfasst hat, was dazu geführt hat, dass Hochwerth zur Kündigung gedrängt wurde. In einem auf den Suizid folgenden Interview macht Hella keine gute Figur. Während sie versucht, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und nicht glaubt, etwas falsches getan zu haben, muss sie feststellen, dass nun sie es ist, die gecancelt werden soll.

Zu Beginn des Romans erfährt Hella vom Suizid Hochwerths in Sydney. Sie rekapituliert die erste unangenehme Begegnung mit ihm bei einer Theaterpremiere kurz nach ihrem Amtsantritt als Feuilletonchefin. Die berufliche Beziehung der beiden hatte ihre Höhen und Tiefen, doch sonderlich sympathisch ist er Hella nie geworden. Dabei sagt sie in der Selbstreflektion, dass sie sich oft Männern näher fühlt als Frauen. Im Rahmen der #MeToo-Debatte hat sie Männern eine Plattform zur Gegendarstellung gegeben und sich in Funk und Fernsehen gegen den Trend des Verurteilens und Cancelns ausgesprochen. Nun soll ihr ausgerechnet ein Artikel, in dem sie Hochwerth Machtmissbrauch vorwirft, weil er zu einer Schauspielerin „Sieh zu, dass du das wegmachen lässt“ gesagt hat, zum Verhängnis werden.

Der Roman ist gänzlich aus der Perspektive von Hella geschrieben. Sie gibt sich nüchtern und distanziert, nichts scheint sie aus der Ruhe bringen zu können. Erst als der Sturm, der sich allmählich zusammenbraut, nicht nachlässt, und auch ihr Privatleben aus dem Takt gerät, beginnt sie, ihre Entscheidungen stärker zu reflektieren. War es richtig, sich bei den Vorwürfen gegen Hochwerth auf die Seite der Schauspielerin zu stellen und die Anschuldigungen als Erste mit solch einem reißerischen Artikel zu veröffentlichen? Oder ist sie tatsächlich zu weit gegangen? Darüber geriet auch ich als Leserin ins Grübeln. Auf den letzten Seiten gibt es schließlich überraschende Entwicklungen, welche mir nochmals neuen Stoff zum Nachdenken gaben und die Lektüre nachhallen lassen. Für mich ist „Der Einfluss der Fasane“ ein gelungener Roman zur Cancel Culture und ihren Konsequenzen, bei dem die Anklägerin zur Angeklagten wird.

Freitag, 14. März 2025

Rezension: True Crime in Nature- Kriminelle Machenschaften unter Tieren und Pflanzen von Farina Grassmann

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: True Crime in Nature
Autorin: Farina Grassmann
Illustrationen: Cornelis Jettke
Farbfotos: Farina Grassmann
Erscheinungsdatum: 17.02.2025
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
ISBN: 9783440180235

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Die Autorin, Naturfotografin und Referentin für Naturschutzthemen Farina Grassmann wirft im ihrem Buch „True Crime in Nature“ einen besonderen Blick auf Fauna und Flora. Sie deckt Betrug, Diebstahl und Mord in unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt auf. In beiden Welten steht das Prinzip der Fortpflanzung im Vordergrund. Für dieses Ziel sind die Organismen bereit, erstaunliche kriminelle Energien freizusetzen. Sie kapern zum Beispiel fremde Nester oder Vorratskammern, leben im Körper von anderen, manipulieren und bauen raffinierte Fallen. Dabei kann man ihnen keine Hinterlist nachsagen, sondern der Trieb dazu ist in der Regel angeboren. Für den Menschen bleibt diese Naturgeschehen oft unbemerkt und ist meistens ungefährlich.

Den größten Teil der Beschreibungen nehmen Insekten ein, aber auch Vögel, Frösche, Fuchs und Wal sowie Bäume und Pflanzen sorgen für staunenswerte Erkenntnisse. Vielfach begegnet der Lesende im Buch einer parasitären Lebensform. Die Autorin weist auf deren Bedeutung hin, denn sie sorgen dafür, dass Ökosysteme im Gleichgewicht bleiben.

Farina Grassmann schreibt informativ und unterhaltsam. Sie beschränkt sich nicht nur auf reine Fakten, sondern arbeitet gezielt die erstaunlichsten Aspekte heraus. Manchmal greift sie auf Ironie zurück, um besondere Leistungen zu betonen oder gängige Meinungen zu widerlegen. Fauna und Flora verändern sich ständig, wodurch Tiere und Pflanzen einem steten Wandel unterliegen. Die Wissenschaft steht immer wieder vor neuen Rätseln und längst sind nicht alle Fragen geklärt.

Die Ausführungen werden begleitet mit humorvollen Illustrationen von Cornelis Jettke, die den unerfreulichen Tatsachen erheiternd entgegenwirken. Ebenso finden sich fünfzehn Farbfotografien der „Verbrecher“, die von der Autorin aufgenommen wurden. Hiervon hätte ich mir noch mehr gewünscht.

In ihrem Buch „True Crime in Nature“ zeigt Farina Grassmann eindrucksvoll, dass die Natur nicht immer so friedfertig ist, wie wir sie meist wahrnehmen. Es ist nicht nur eine Darstellung, welche Tricks einige Tiere und Pflanzen aufwenden, um ihr Überleben und ihre Fortpflanzung zu sichern, sondern auch ein Plädoyer dafür, genauer hinzusehen, um die Feinheiten der Flora und Fauna bewusster wahrzunehmen.

Donnerstag, 13. März 2025

Rezension: The Last Bookstore on Earth von Lily Braun-Arnold

 

The Last Bookstore on Earth
Autorin: Lily Braun-Arnold
Übersetzerin: Mareike Weber
Paperback: 320 Seiten
Erschienen am 12. März 2025
Verlag: Rotfuchs
Link zur Buchseite des Verlags

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Die 17-jährige Liz gehört zu den wenigen Menschen, welche den „Sturm“ und seine Nachwirkungen überlebt haben. Sie lebt in einer Wohnung über der Buchhandlung, in der sie in ihrem alten Leben gearbeitet hat, bevor sie ans College gehen wollte. Zwischen Exemplaren von „Anna Karenina“ und „Hüter der Erinnerung“ lebt sie von Tag zu Tag und wartet auf gelegentliche Besucher, die mit ihr Bücher gegen allerhand Nützliches tauschen und Briefe für andere Überlebende bei ihr hinterlegen. Eines Nachts erwischt sie ein Mädchen bei einem Einbruch in die Buchhandlung. Da Maeve behauptet, nur nach einem Platz für die Nacht gesucht zu haben, lässt Liz sie bleiben. Nach anfänglicher Skepsis verstehen sich die beiden immer besser und fühlen sich zueinander hingezogen. Doch Maeve hat Geheimnisse, und es braut sich ein neuer „Sturm“ zusammen, für den Liz ihre Vorbereitungen noch längst nicht abgeschlossen hat.

Cover und Titel des Romans vermitteln einen guten Eindruck davon, was Leser:innen zwsichen den Buchdeckeln erwartet: Eine dystopische Welt mit wenigen Überlebenden, die sich mit Nahrung und Wasser versorgen und auf den nächsten „Sturm“ vorbereiten müssen. Liz‘ Buchhandlung ist in diesem düsteren Szenario ein sicherer Hafen für sie, den sie nicht verlässt. Stattdessen lässt sie Besucher zu sich kommen und kommt mit ihrem Tauschhandel über die Runden. Gedanken daran, wie es außerhalb der Buchhandlung zugeht, schiebt sie von sich. Erst mit Maeves Eintreffen und der wachsenden Not nach mehr Vorräten und Materialien für dringende Instandhaltungsarbeiten vor dem „Sturm“ setzt sie sich mehr damit auseinander.

Auch sonst ist Liz gut im Verdrängen: Erst nach und nach erfährt der Leser mehr über ihr Leben vor dem „Sturm“, was es mit diesem überhaupt auf sich hatte und was mit ihrer Familie passiert ist. Gemeinsam mit Maeve wagt sie sich schließlich nach draußen und macht sogleich schockierende Erfahrungen. Mit dem nahenden Sturm und einer neuen menschlichen Bedrohung nahm die Spannung allmählich zu und ich fragte mich, ob es ihr gelingen wird, über sich hinauszuwachsen.

Neben dem Kampf ums Überleben legt der Roman seinen Fokus auf die Beziehung zwischen Liz und Maeve. Die beiden sind charakterlich sehr verschieden. Liz ist vorsichtig und zurückhaltend, während Maeve unerschrocken vorprescht. Doch auch sie hat eine verletzliche Seite. Allmählich merken die beiden, dass sie sich damit sehr gut ergänzen. Ich fand es schön zu sehen, wie sie allmählich Gefühle füreinander entwickeln. Doch diese werden in Anbetracht der nahenden Ereignisse auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Ich erlebte mit den beiden eine Achterbahn der Gefühle, während die Lage immer dramatischer wird und in einem hochspannenden Finale gipfelte, in dem alles auf dem Spiel steht. Ein lesenswertes Buch für alle, die einen Weltuntergang wie Liz am liebsten in einer Buchhandlung aussitzen würden!

Mittwoch, 12. März 2025

Rezension: Wie wir so schön wurden - Eine Biografie des Gesichts von Rabea Weihser

Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Wie wir so schön wurden - Eine Biografie des Gesichts
Autorin: Rabea Weihser
Erscheinungsdatum: 26.02.2025
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783257073362

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In ihrem Buch „Wie wir schön wurden“ setzt sich Rabea Weihser mit der Geschichte der Schönheit auseinander und fokussiert sich dabei entsprechend des Titelzusatzes auf unser Antlitz. „Eine Biografie des Gesichts“ nennt sie ihr Buch, denn sie versucht die Veränderungen über die Jahrhunderte hinweg nachzuvollziehen. Den Sozialen Netzwerken und Videokonferenzprogrammen ist in den letzten Jahren immer mehr Bedeutung zugekommen. Bei Nutzung digitalen Medien erhält unser Gesicht besondere Aufmerksamkeit, denn häufig ist es der einzige sichtbare Teil unseres Körpers.

Die Autorin ergründet, welche Schönheitsvorstellungen uns leiten, wenn wir uns für andere zurechtmachen. Während einige Natürlichkeit in den Vordergrund stellen, greifen andere nach Hilfsmitteln, durch die sie sich auf künstliche Art ihrem Ideal anpassen. Entsprechend widmet sich das erste Kapitel den „Masken“ und verwendet als zentrales Beispiel den „Glass Skin“, einen hyperreflektierenden Look der Starvisagistin Pat McGrath, der im Jahr 2024 boomte und Gesichter makellos und porzellanartig aussehen lässt.

Ein weiterer Abschnitt schaut auf unser Profil, bei der die Nase wesentlich zur Form der Seitenansicht beiträgt, gefolgt von detaillierten Betrachtungen zu Augen, Brauen und Lippen werden. Die letzten drei Kapitel schauen auf die Makel unseres Gesichts, das Alter und den Idealen an denen wir unsere Maßstäbe ausrichten.

Ein 26-seitiges Quellenverzeichnis und eine fünfseitige Auflistung der verwendeten Literatur bezeugen die umfassende Recherche der Autorin. Sie verwendet durchgehend einen Trendjargon, in dem sie fundiertes Wissen vermittelt. Als Leserin brachte sie mich auf den neuesten Stand aller Schönheitsströmungen, über die Jahrzehnte hinweg. Ergänzend zum Buch bietet ihre Webseite neun Bilderdossiers zu den Kapiteln, die das Geschriebene veranschaulichen.

Als erfahrene Journalistin versteht Rabea Weihser es, mit jedem Thema spannende Aspekte zu verknüpfen. Elemente aus der Soziologie, Anthropologie und Psychologie finden Eingang in ihre Betrachtungen genauso wie Faktoren aus der Kunstgeschichte. Schönheit ist sowohl von biologischen Mustern als auch kulturellen Moden abhängig und steht unter dem Einfluss von politischen Ansichten, ökonomischen Absichten und technischen Entwicklungen.

Die Autorin lockert ihre Erkenntnisse durch amüsante Einwürfe auf, so dass das Buch „Wie wir so schön wurden“ nicht nur ein faktenreiches Lesevergnügen ist. Besonders begeistert hat mich Rabea Weihser mit ihrer Fähigkeit, überraschende Querverbindungen zu ziehen, die manchmal unvermutet sind. Gerne vergebe ich eine Empfehlung an alle, die mehr über die Schönheit des menschlichen Gesichts erfahren möchten.

Rezension: Der Einfluss der Fasane von Antje Rávik Strobel

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Der Einfluss der Fasane
Autorin: Antje Rávik Strubel
Erscheinungsdatum: 12.03.2025
Verlag: S. Fischer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783103971712
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Zu Beginn des Romans „Der Einfluss der Fasane“ von Antje Rávik Strubel erfährt die etwa 50-jährige Protagonistin Hella Karl aus der Tageszeitung vom Tod des ihr bekannten deutschen Intendanten Hochwerth. Er hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Seine Frau hat ihn nach ihrem Auftritt als Opernsängerin an der Sydney Opera in ihrer Garderobe tot aufgefunden.

Hella ist überrascht, dass sie als langjährige Leiterin des Feuilletons einer Zeitung darüber nicht informiert wurde. Sie fährt in die Redaktion, um selbst einen Nachruf zu verfassen. Die Anzeichen mehren sich, dass einige in ihrem Umfeld der Ansicht sind, sie hätte mit einem ihrer Artikel dazu beigetragen, dass der Intendant gekündigt habe und als weitere Konsequenz aus dem Leben geschieden sei.

Antje Rávik Strubel beschäftigt sich in ihrem Roman damit, was Massenmedien bewegen können und wirft dabei eine Menge Fragen. Wie wirken sich Medienberichte auf die öffentliche Wahrnehmung aus? Wem kann ich persönlich gewonnene Informationen anvertrauen, ohne dass diese ungefragt weitergegeben werden? Gleichzeitig regt die Geschichte dazu an, über die Zuverlässigkeit von erhaltenen Informationen und die Dynamik von Fake News nachzudenken, die sich oft unkontrolliert verbreiten.

Bei Hella ist es das Wissen um das Spiel mit der Macht des Intendanten, dass sie dazu veranlasst hat, ihn zu beschuldigen. Sie fühlte sich verpflichtet, über die Missstände öffentlich zu schreiben. Obwohl sie stets um Objektivität bemüht ist, kommt sie über eigene, in der Vergangenheit geäußerte Meinungen ins Grübeln.

Es sind vor allem die sensationellen Meldungen, die hohe Aufmerksamkeit erhalten und sich schnell verbreiten. Uns allen muss bewusst sein, dass es Entscheidungen gibt, die nicht immer umkehrbar sind. Was sollte die Öffentlichkeit über eine Person erfahren und was sollte demgegenüber nicht öffentlich verhandelt werden?

Die Autorin kreiert für ihre Protagonistin eine interessante Partnerbeziehung, die Hella bisher auf gewisse Weise Halt gegeben hat. Doch Hella ist unermüdlich in ihre Arbeit vertieft, dass sie die schleichenden Veränderungen in ihrem persönlichen Umfeld kaum wahrnimmt. Das Ende der Geschichte bietet eine unerwartete Wendung, die zeigt, wie tief man sich in jemandem täuschen kann, dem man sein Vertrauen geschenkt hat.

„Der Einfluss der Romane“ von Antje Rávik Strubel ist ein tiefgründiger Roman, der eindrucksvoll veranschaulicht, wie Medien das Ansehen einer Person in der Öffentlichkeit beeinflussen können. Die manchmal ins satirische gehende Darstellung lockert das schwerwiegende Thema stellenweise auf. Die Geschichte bietet Denkanstöße und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Gerne empfehle ich sie weiter.


Freitag, 7. März 2025

Rezension: Mörderfinder - Das Muster des Bösen von Arno Strobel

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Das Muster des Bösen,
Band 5 der Serie Mörderfinder
Autor: Arno Strobel
Erscheinungsdatum: 26.02.2025
rezensierte Buchausgabe: Broschur mit gestalteten Klappen
ISBN: 9783596711482
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Im fünften Fall der Reihe „Mörderfinder“ von Arno Strobel stehen der titelgebende Fallanalytiker Max Bischoff und der Psychologen Dr. Marvin Wagner kurz vor der Eröffnung ihrer gemeinsamen Detektei „WaBi Investigations“ in Düsseldorf. Während sie die Einweihungsfeier planen, werden sie aufgesucht und gebeten, in einem Fall von Kindesentführung tätig zu werden.

Der Täter aus Trier sitzt zwar in Untersuchungshaft, fürchtet jedoch, dass er eine Mitschuld an der vor zwei Tagen geschehenen Entführung eines Jungen aus Düsseldorf haben könnte. Anlass dazu ist eine ominöse Mail, die er vor kurzem erhalten hat. In ihr wird angekündigt, dass der Schreiber ihm zeigen wird, wie eine Geiselnahme erfolgreich ist. Wenig später wird der Junge tot aufgefunden. Alles deutet auf einen Rachefeldzug hin und Max, Marvin und der Kriminalpolizei bleibt nur wenig Zeit, bevor der Täter ein weiteres Opfer finden wird.

Normalerweise kann Max bei seinen Ermittlungen auf Hinweisen zu ehemaligen Kollegen bei der Kripo zählen. Auch Marvin hat ihm stets hilfreich zur Seite gestanden. Doch diesmal erhalten die beiden unfreiwillige Unterstützung, und das gleich doppelt. Da ihre Recherchen ins Stocken geraten, nehmen sie die Hilfe schließlich gerne an. Die Spur führt ins Darknet, wo sich Informationen rasant verbreiten, jedoch nicht immer der Wahrheit entsprechen. Dabei geraten sowohl Max als auch Marvin in Schwierigkeiten. Selbst als sie entsprechend des Untertitels „Das Muster des Bösen“ das Vorgehen des Täters entschlüsseln, bleibt es schwierig, potenzielle Opfer zu schützen, denn die Zahl ist schlicht zu groß.

Arno Strobel stellt in seinem Thriller mehrere Verdächtige vor, so dass es bis zum Ende in auch für den Lesenden spannend bleibt. Erneut erfuhr ich in kursiv gesetzten Kapiteln von der Gefühlslage des Täters vor und während seiner Verbrechen. Die Beschreibungen der Gewalttaten sind nicht für Feinfühlige geeignet. Aufgrund des Zeitdrucks und der hohen Arbeitsbelastung hat Max kaum Gelegenheit, sich wie gewohnt, in die Gedankenwelt des Mörders hineinzuversetzen. Das Thema Selbstjustiz als Hintergrund der Verbrechen stimmt nachdenklich. Der Schluss sorgt noch einmal für zunehmende Spannung und endet überraschend schnell.

Erneut ist Arno Strobel in seiner Serie „Mörderfinder“ mit dem fünften Band „Das Muster des Bösen“ ein Thriller gelungen, der durch einige unerwartete Wendungen für fesselnde Unterhaltung sorgt, falsche Fährten legt und den Lesenden miträtseln lässt. Für Fans der Reihe ist es erneut ein „Must-Have“, aber auch für Neueinsteiger eine Leseempfehlung, die ohne die Kenntnis der Vorgängerbände auskommt.


Donnerstag, 6. März 2025

Rezension: Zehn Bilder einer Liebe von Hannes Köhler

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Zehn Bilder einer Liebe
Autor: Hannes Köhler
Erscheinungsdatum: 27.02.2025
Verlag: FVA (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783637003265

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In seinem Roman „Zehn Bilder einer Liebe“ lässt Hannes Köhler den Lesenden an einer Liebesbeziehung teilhaben, die sowohl gute wie auch schlechte Zeiten durchlebt. Die Kapitel sind unterteilt und wechseln jeweils vom Protagonisten David zur Hauptfigur Luisa oder umgekehrt. Beginnend im April 2023 handeln vier der neun folgenden Kapitel in den kommenden Monaten des gleichen Jahrs in chronologischer Reihenfolge. Die übrigen fünf werfen Rückblicke bis ins Jahr 2012, als die Hauptfiguren sich kennenlernten. Das Cover; das ein tanzendes Paar zeigt, spiegelt bildhaft wider, dass David und Luisa sich auf unterschiedliche Weise in ihre Partnerschaft einbringen.

Vier Jahre nachdem der inzwischen dreißigjährige David Hausfeld und die etwa zehn Jahre ältere Luisa Schindejahn ein Paar wurden, wünschen sie sich ein gemeinsames Kind. Aus ihrer ersten Ehe hat Luisa bereits eine zehnjährige Tochter. Doch David, der als Einzelkind aufgewachsen ist und sich in der Vaterrolle wohlfühlt, träumt von einer eigenen größeren Familie. Mittlerweile beherrscht der unerfüllte Kinderwunsch den Alltag und belastet die Beziehung: Spannungen entstehen und Momente der Sprachlosigkeit über das Verhalten des Partners beziehungsweise der Partnerin. Als Leserin verfolgte ich, ob der Wunsch in den kommenden Monaten zur Wirklichkeit wird, aber auch, wie die Liebe der beiden Hauptfiguren sich in der Vergangenheit zu einer tiefen Verbundenheit entwickelt hat.

Hannes Köhler beschreibt eine Liebesgeschichte, wie sie sich im realen Leben abspielen könnte. Er zeigt auf, wie bedeutsam nicht nur Liebe und Zuneigung, sondern auch gemeinsame Zukunftsvorstellungen für eine Beziehung sind. Schwierig beim Elternsein ist oft die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung. Für Luisa als Köchin mit eigenem Restaurant erfordert das ständige Abstimmungsarbeit. Sie überlegt, ob ihr Unternehmen finanziell abgesichert genug ist, eine zweite Schwangerschaft zuzulassen. Unterdessen fragt David sich, ob er als Vater für Luisas Tochter austauschbar ist. Der Autor bildet feinfühlig den Kinderwunsch aus weiblicher und männlicher Perspektive ab mit allen damit verbundenen Hoffnungen, Ängsten und Enttäuschungen.

In seinem einfühlsam geschriebenen Roman „Zehn Bilder einer Liebe“ zeichnet Hannes Köhler ein nachvollziehbares Bild einer Liebesbeziehung in der heutigen Zeit. Er gewährt einen Blick auf die Gefühle seiner Hauptfiguren David und Luisa über Höhen und Tiefen des Liebesverhältnisses hinweg, was ihm durch wechselnde Perspektiven authentisch gelingt. Eine berührende Geschichte, der ich gerne meine Leseempfehlung gebe.

Mittwoch, 26. Februar 2025

Rezension: Für Polina von Takis Würger

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Für Polina
Autor: Takis Würger
Erscheinungsdatum: 26.02.2025
Verlag: Diogenes (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Leseexemplar
ISBN der Hardcover-Ausgabe: 9783257073355
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Im Fokus des Romans „Für Polina“ von Takis Würger steht Hannes Prager, der gemeinsam mit dem titelgebenden Mädchen aufwächst. Bereits in jungen Jahren verbindet ihn eine Freundschaft mit Polina, die durch Gegensätzlichkeit der Charaktere lebt. Als er vierzehn Jahre alt ist, verändert sich etwas in ihrer Beziehung. Dem wortkargen Hannes gelingt es nicht, Polina seine tiefen Gefühle zu bekennen. Stattdessen komponiert der musikalisch begabte Junge ein Lied, das nicht nur die Persönlichkeit der geliebten Person, sondern auch seine eigene Sehnsucht und Liebe widerspiegelt. Wenig später geschieht ein tragischer Unfall, der die Lebenswege von Polina und Hannes auseinanderführt.

Der Autor kreiert für seinen Protagonisten einen vielschichtigen familiären Hintergrund. Fritzi, die Mutter von Hannes, wird unerwartet schwanger und gibt ihre beruflichen Träume von einer Karriere als Juristin auf. Sie zieht als Untermieterin mit ihrem Sohn in eine verfallende Villa in einem Naturschutzgebiet zu einem zunächst abweisenden alten Herrn. Polina ist die Tochter einer Freundin von Fritzi, die gerne zu Besuch kommt.

Sowohl der Protagonist wie auch die Titelfigur sind facettenreich gestaltet. Hannes ist blondgelockt und eher von schmaler Statur. Von Geburt an fällt seine Introvertiertheit auf, die andere als wundersam empfinden. Für Musik entwickelt er ein außergewöhnlich ausgeprägtes Gehör. Das Klavierspielen bringt er sich mehr oder weniger autodidaktisch bei. Polina hingegen ist dunkelhaarig und lebhaft. Sie erzählt gerne und erklärt ihrem Freund die Welt. Als sie ins Teenageralter kommt, nehmen äußere Einflüsse einen immer breiteren Raum ein. Während Hannes sich in seiner Musik verliert, findet Polina Gefallen an anderen gleichaltrigen Jungen.

Einfühlsam und mit Zärtlichkeit zeichnet Takis Würger die Beziehung zwischen Hannes und Polina nach. Die Musik, die sein Protagonist erschafft, berührt die Zuhörer, so dass sie sich der darin enthaltenen Magie nicht entziehen können. Als Lesende glaubt man, die Melodie für Polina hören zu können. Obwohl Hannes nach dem Unfall seiner Mutter das Klavierspielen aufgibt, bleibt er den Klavieren auf ungewöhnliche Weise verbunden. Der Roman vermittelt einige Informationen rund um das Tasteninstrument.

Neben dem Coming-of-Age von Hannes und Paulina bindet die Geschichte schmerzliche Verluste, tragische Missverständnisse und die Liebe ein, die im Verborgenen blüht und sich ihre eigenen Wege sucht, um sich zu offenbaren. Der Roman „Für Polina“ von Takis Würger hinterlässt eine Melodie, die lange nachklingt. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

Rezension: Dunkle Momente von Elisa Hoven

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Dunkle Momente
Autorin: Elisa Hoven
Erscheinungstermin: 26.02.2025
Verlag: S. Fischer (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783103976694

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Elisa Hoven verbindet in ihrem Roman „Dunkle Momente“ Straftaten, die an realen Fällen angelehnt sind, mit der fiktiven Geschichte der Protagonistin Eva Herbergen. Die Protagonistin ist seit über dreißig Jahren Strafverteidigerin, als die sie auch in jedem der im Buch vorgestellten neun Verbrechen fungiert. Mit Leidenschaft widmet sie sich der Verteidigung, um für ihre Mandantin oder ihren Mandanten einen Freispruch oder ein möglichst geringes Strafmaß zu erwirken. Dabei ist es nicht einfach, sich für jemanden einzusetzen, den nach eigener Meinung vermutlich schuldig ist.

Die Autorin ist Professorin für Strafrecht und Richterin an einem Verfassungsgerichtshof. Durch ihre genaue Kenntnis der auf die beschriebenen Straftaten angewendeten Gesetze wirken diese authentisch. Sie hat Fälle ausgewählt, die in besonderem Maße berührend sind oder von der Rechtsprechung her überraschen. Von einigen hat man eventuell in den Nachrichten gehört oder durch Social Media erfahren. Sie handeln von Kindersoldaten und Kannibalismus. Es geht aber auch um alltäglichere Vergehen, wenn beispielsweise eine Frau das Kind ihres Geliebten bestraft und ungeahnte Folgen sie zur Täterin machen oder ein Einbrecher selbst zum Opfer wird.

Eva Herbergen als Hauptfigur des Romans bleibt als Charakter recht blass. Ihre Rolle dient fast nur als Bindeglied zwischen den Fällen. Dennoch gelingt es der Autorin durch ihre Protagonistin Fragen der Moral aufzuwerfen und zu verdeutlichen, wie gering der Unterschied zwischen Verantwortung und Schuldlosigkeit vom Gesetz her ist. Sind Handeln auf Befehl und Unwissenheit strafmildernd? Kann ein unbescholtenes Leben mit vielen Wohltaten sich gegen ein einziges Verbrechen aufwiegen lassen? Gelingt es stets, hinter die Fassade zu schauen? Elisa Hoven lässt dem Lesenden die Möglichkeit, sich selbst mit dem Begriff der Gerechtigkeit auseinanderzusetzen. Manchmal ist ein einzelnes Wort des Gesetzestextes entscheidend für das Urteil.

Es zeigt sich jedoch auch immer wieder, dass Menschen Fehler machen. Die Protagonistin bedauert eine ihrer Entscheidungen, die zwar bereits jahrelang zurückliegt, deren Folgen sie aber nicht vergessen kann. Schon auf den ersten Seiten des Buchs nennt sie den Namen des damals Angeklagten. Auf die Vorstellung des Falls muss man bis zum Ende hin warten, was eine hintergründige Spannung aufkommen lässt. Ein dunkler Moment im Leben kann eines Menschen von seinem angedachten Weg abbringen.

Die von Elisa Hoven in ihrem Roman „Dunkle Momente“ beschriebenen Taten, die teils an den Rand des Erträglichen gehen, bringen den Lesenden zum Nachdenken, sie beunruhigen und hallen lange nach. Gerne empfehle ich den Roman weiter.


Dienstag, 25. Februar 2025

Rezension: Der Sternenstaubdieb von Chelsea Abdullah

 

Der Sternenstaubdieb
Autorin: Chelsea Abdullah
Übersetzer: Urban Hofstetter
Hardcover: 576 Seiten
Erschienen am 15. Februar 2025
Verlag: Klett-Cotta
Link zur Buchseite des Verlags

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Loulie al-Nazari ist den meisten Menschen nur als die Mitternachtshändlerin bekannt. Bei ihr kann man mit dem nötigen Kleingeld magische Relikte mit ganz unterschiedlichen Effekten erwerben. Niemand weiß, dass sie diese mithilfe eines Dschinns und eines magischen Kompasses aufspüren kann. Käme es ans Licht, wären die Konsequenzen fatal, denn Dschinn werden in ihrer Welt vom Sultan, seinem Sohn Omar und dessen vierzig Räubern gnadenlos gejagt. Während eines Aufenthalts in der Hauptstadt Madinne wird Loulie vom Sultan gezwungen, einen Auftrag von ihm anzunehmen: Sie soll eine magische Lampe finden, die angeblich einen Dschinnkönig enthält und die vor langer Zeit im westlichen Sandmeer vergraben wurde. Die Reise soll sie gemeinsam mit Omar und der Räuberin Aisha bint Louas antreten. Doch Omar hat andere Pläne. Er bringt seinen jüngeren Bruder Mazen, der den Palast eigentlich nicht verlassen darf, dazu, an seiner statt zu gehen. Auch Loulies Dschinn Qadir ist in Menschenform mit von der Partie. Die ungleiche Gruppe erwartet eine abenteuerliche Reise, die so manche Gefahren birgt.

Zu Beginn des Romans lernte ich die Protagonistin Layla kennen, die unter dem Namen Loulie al-Nazari als Mitternachtshändlerin bekannt ist. Sie lässt sich fürstlich dafür bezahlen, das Auge eines Händlers mit einer magischen Flüssigkeit zu heilen, wobei sie natürlich nicht verrät, dass es sich um das Blut des Dschinns Quadir handelt. Dieser ist immer an ihrer Seite, seit Loulies ganzer Stamm Jahre zuvor von Unbekannten ausgelöscht wurde und er sie gefunden hat. Ich war sofort mitten drin in der Erzählung. Diese erschafft von Beginn an eine Atmosphäre von tausendundeiner Nacht, greift viele Geschichten und Motive daraus auf und interpretiert sie auf interessante Weise neu.

Bevor die Suche nach der magischen Lampe beginnt, nimmt sich der Roman Zeit, die unterschiedlichen Charaktere ausführlich vorzustellen. Die Kapitel sind nicht nur aus der Sicht von Loulie geschrieben, sondern immer wieder auch aus der von Mazen oder Aisha. So erfuhr ich mehr über deren Motive und konnte mich gut in sie hineinversetzen. Schon vor dem Aufbruch kommt es in Madinne zu gefährlichen Situationen, denn eine Schattendschinn treibt ihr Unwesen und sinnt auf Rache. Auch nachdem die Gruppe die Stadt verlassen hat gibt es bald einen ersten Zwischenfall, in den eine Dschinn verwickelt ist.

Der Roman ist eine Art Roadtrip durch tausendundeine Nacht, bei dem auf der Suche nach der magischen Lampe zahlreiche Gefahren lauern, die bewältigt werden müssen. Jeder Charakter hat Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen und für unerwartete Wendungen sorgen. Die Gruppe erwarten Fallen, Hinterhalte und offene Angriffe, welche das Weiterkommen erschweren und immer wieder unmöglich erscheinen lassen. Die Art und Weise, auf welche die Figuren immer wieder in allerletzter Sekunde dem sicheren Tod entrinnen können, wirkte bisweilen unrealistisch. Insgesamt konnte mich „Der Sternenstaubdieb“ mit interessanten Charaktern, hohem Tempo, viel Spannung und seiner magischen Atmosphäre begeistern, sodass ich mich schon sehr auf die Fortsetzung freue!
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