Donnerstag, 31. März 2016

[Rezension Ingrid] Killgame von Andreas Winkelmann


*Werbung*
Titel: Killgame
Autor: Andreas Winkelmann
Erscheinungsdatum: 11.03.2016
Verlag: Wunderlich Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur

Der Thriller „Killgame“ von Andreas Winkelmann handelt von einem perfiden Spiel in den Wäldern Kanadas das Touristen zum Höchstpreis zu einem ganz besonderen Kick verhilft. Das Cover zeigt die Sicht einer durch den Wald eilenden Person, die durch die Schnelligkeit verzerrt ist mit der sie sich bewegt. Der im Foto sichtbare Pfeil weist nicht etwa den Weg, sondern ist der Grund für die Hetze durch den Wald. Titel und Titelbild führen den Leser zum Inhalt des Buchs.

Der 36jährige Dries Torwellen hat vor 11 Jahren seine Zwillingsschwester verloren und sein bisheriges Leben hinter sich gelassen, denn seit dem reist er als privater Ermittler durch die ganze Welt. Nun aber ist er zurück in seiner Heimat. Seine 18jährige Nichte Niamh, genannt Nia, wird vermisst. Sie lebt bei ihrem Vater, fühlt sich aber von ihm vernachlässigt. Während Dries sich auf die Suche nach seiner Nichte begibt, blendet die Geschichte zu Nia die sich auf der Flucht vor ihrem bisherigen Leben befindet und nun alles daran setzt nach Kanada auszuwandern. Verstört nimmt sie wahr, dass sie vor Erreichen ihres Ziels eine blutige Spur hinterlässt.

Die Erzählung wechselt immer wieder mal zu einer jungen Frau, die in einem Erdloch an einem unbenannten Ort gefangen gehalten wird. Mehrfach darf sie das Loch verlassen, wird dann aber von anderen Personen im Rahmen eines besonderen Events grob misshandelt. Als es schließlich für sie so aussieht, als ob ihr die Freiheit geschenkt würde, stellt sie schnell fest, dass stattdessen die Jagd auf sie eröffnet wurde …

„Killgame“ besteht zu Beginn aus drei Handlungssträngen, wie oben geschildert, die schließlich ineinander laufen. Der Leser ahnt sehr schnell, was mit Nia flacht ab. Dries gelingt es trotz der gegen ihn gerichteten Verdächtigungen viel zu schnell sich an die Spuren von Nia zu heften.

Der zweite Teil des Buchs spielt in Kanada. Bevor jedoch die dort erwartete Jagd als Event beginnt, werden Trainingseinheiten der Teilnehmer und Streitereien beschrieben. Immer wieder gibt es Hinweise auf die Gefahren, die in den Wäldern lauern. Die Wiederholung des Umstands trug für mich nicht zum Spannungsaufbau bei, genauso wenig wie die mystischen Anklänge, die der Autor in seine Geschichte eingebaut hat.

Nia wird von ihrem Vater nicht wie eine Volljährige behandelt. Sie verhält sich bei ihren Planungen für eine Flucht nach Kanada reichlich naiv. Dries Torwellen konnte mir zwar nicht sympathisch werden, doch seine Lebensgeschichte fand ich außergewöhnlich. Die Mitglieder des Softwareunternehmens, die am Killgame teilnehmen möchten, und ihre Beziehungen untereinander waren gut ausgearbeitet.

Nach einem Anfang, der mich noch neugierig machte, ob Dries eine Spur zu Nia finden und natürlich das Naheliegende verhindern kann, flachte die Spannungskurve ab. Zahlreiche detailliert ausgeführte Nebensächlichkeiten führten dazu, dass mich das Buch nicht mehr in seinem Bann halten konnte. Ein paar unerwartete Wendungen zum Schluss konnten mich dann doch noch überraschen. Daher vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Dienstag, 29. März 2016

[Rezension Hanna] Flugstunden - Matthew Quick


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Flugstunden
Autor: Matthew Quick
Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Klappenbroschur: 496 Seiten
Erschienen am 11. März 2016
Verlag: Kindler

Inhalt
Als Portia Kane ihren Mann Ken, einen erfolgreichen Pornoproduzenten, in flagranti mit einer anderen erwischt, beschließt sie, in ihre Heimat zurückzukehren. Aus ihrer luxuriösen Villa zieht sie fürs erste zurück ins Haus ihrer Messie-Mutter. Kurz nach ihrer Ankunft erfährt sie von Danielle, einer alten Bekannten, dass sich ihr ehemaliger Lieblingslehrer Mr. Vernon nach einem folgenschweren Zwischenfall zurückgezogen hat und nicht mehr unterrichtet. Portia fasst einen Plan: Sie wird Mr. Vernon retten. Doch wird dieser das zulassen? Und wie wird es für Portia selbst weitergehen: Wird sie sich den Traum eines eigenen Romans erfüllen können? Welche Rolle wird der sympathische Exjunkie Chuck darin spielen, der davon träumt, einen Job als Grundschullehrer zu erhalten? Eins ist klar: Portia wird sich so schnell nicht unterkriegen lassen.

Meinung
Das Buch startet bizarr: Der Leser lernt Portia Kane in ihrem eigenen Schrank hockend kennen, wo sie mit einer Pistole in der Hand auf ihren Mann und seine Liebhaberin wartet. Die Pistole kommt zum Glück doch nicht zum Einsatz und Portia befindet sich nach wenigen Seiten auf dem Weg in ihre alte Heimat. Ich war neugierig, was sie dort erwarten wird. Dass sie dort ein nicht einfaches Leben zurückgelassen hat, wird schnell klar. Ihre Mutter ist eine höchst labile Person und das Leben in South Jersey wirkt im Vergleich zu ihrer Luxusvilla geradezu hinterwäldlerisch. Portias Gedanken schweifen zunehmend in die Vergangenheit, was mir dabei half zu verstehen, wie aus einem Mädchen mit dem großen Traum, Schriftstellerin zu werden, die Frau eines Pornoproduzenten wurde.

Bald lernt man auch die beiden weiteren Protagonisten des Buches kennen. Da ist zum einen Portias ehemaliger Lieblingslehrer Mr. Vernon. Aus dem ambitionierten Lehrer, der seine Schüler Papierflugzeuge basteln ließ und „Offizielles Mitglied der Menschheit“-Karten verteilte, ist nach einem Zwischenfall ein desillusionierter Einsiedler geworden, der seinen Hund Albert Camus nennt und einen Selbstmordpakt mit ihm schließt. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt Chuck Bass. Auch er war zu Schulzeiten begeistert von Mr. Vernon. Seine Worte haben ihm beim Überwinden seiner Herionsucht geholfen. Jetzt ist er seit Jahren clean und will nach einem nachgeholten Studium endlich als Grundschullehrer arbeiten.

Das Buch lebt von den drei höchst speziellen Protagonisten und ihrem ungewöhnlichen Werdegang. Der Autor beweist erneut, wie meisterhaft er besondere Charaktere zum Leben erwecken und dem Leser ihre Gedankenwelt begreiflich machen kann. Diese Geschichte ist keineswegs geradlinig, sondern sie dreht so manche Schleife und hält Stolpersteine für die Protagonisten bereit. Nacheinander wird aus der Perspektive von Portia, Mr. Vernon und Chuck erzählt. Dadurch muss man als Leser gelegentlich eine Weile auf die Antwort warten, wie es bestimmten Personen ergangen ist. Das ließ mich neugierig weiterlesen.

Trotz der Perspektivensprünge ging der rote Faden nicht verloren, und die Erlebnisse der Erzähler konnten mich begeistern. Das Buch zeigt, wie das Leben spielen kann und dass es immer wieder Höhen und Tiefen gibt. Die Protagonisten habe ich mit all ihren Ecken und Kanten schnell liebgewonnen und mit ihnen gehofft, dass sie ihre Träume verwirklichen können bzw. endlich wieder ins Leben zurückfinden. Die letzten Seiten haben mich dann noch einmal ganz besonders gerührt. Sie waren einfach perfekt und ließ alle Fäden zusammenlaufen.

Fazit
„Flugstunden“ erzählt die Geschichte dreier Menschen, die bislang kein einfaches Leben geführt haben. Zwei von ihnen haben die Hoffnung dennoch nicht aufgegeben; der Dritte schon. Ob er gerettet werden kann? Matthew Quick hat mit diesem Buch erneut sein außergewöhnliches Talent für besondere Charaktere unter Beweis gestellt. Ich konnte mich ganz auf seine Geschichte einlassen und ließ mich von der gelungenen Mischung als alltäglichen Höhen und Tiefen mit ausgefallenen Zwischenfällen begeistern. Dieses Buch ist für alle Träumer und Zweifler, für alle, die die Hoffnung nicht aufgeben. Schnallt euch an und macht euch bereit für eine Flugstunde der besonderen Art!

Freitag, 25. März 2016

[Rezension Ingrid] Elefanten treffen von Kristina Schilke


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Titel: Elefanten treffen
Autorin: Kristina Schilke
Erscheinungsdatum: 01.03.2016
Verlag: Piper Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Elefanten treffen war nominiert für den Silberschweinpreis der lit.cologne. Das Buch hat den Titel nur knapp verpasst. Den Bericht zu diesem Event findet ihr hier: KLICK!


Kristina Schilkes Erzählungen „Elefanten treffen“ führen den Leser in den kleinen niederbayrischen Kurort Waldesreuth. Die aus Russland stammende Autorin zog im Alter von 8 Jahren mit ihren Eltern in den Bayrischen Wald. Bis zum Beginn ihres Studiums blieb sie dort wohnen. In ihren sehr unterschiedlichen Geschichten spiegeln sich die Erfahrungen aus diese Zeit wieder. Das Cover des Buchs reduziert sich auf die Elemente Schrift, Häuser und Bäume vor einem hellen Hintergrund. So wird mit wenig Aufwand ein ganzes Dorf vor den Augen des Lesers geschaffen. Das Buch nimmt ihn in den insgesamt 13 Erzählungen mit in den Süden Deutschlands. Titelgebend war eine kurze Begebenheit in der ersten Geschichte bei der die Protagonistin an einem Treffen für Motorradfahrer im Bayrischen Wald, dem sogenannten Elefantentreffen, teilnimmt, dem mehr als nur eine regionale Bedeutung zukommt.

Typischerweise kennt „man“ sich in dem fiktiven bayrischen Dorf. So trifft der Leser im Laufe der Geschichten immer wieder auf bereits bekannte Figuren, die letztlich die Klammer zwischen den Erzählungen bilden. Jede Schilderung fokussiert auf eine Person ganz unterschiedlichen Alters, männlich oder weiblich, jede erzählt aus der Ich-Perspektive. Zeitlich gesehen sind die Geschichten nicht in einer Reihenfolge. Aus den Überschriften lassen sich keine Rückschlüsse auf den Inhalt des jeweiligen Themas schließen, erst beim Lesen lässt sich ein Zusammenhang erkennen.

Die Charaktere, die Kristina Schilke schafft sind bunt und schillernd. Rund um sie baut sie eine unvergleichbare Geschichte auf. Sie ist eine gute Beobachterin die gerne genauer hinsieht, sozusagen näher heranzoomt und detailliert schildert, aber sich vor der Auseinandersetzung ihrer Figuren mit dem Skurrilen und Ungewöhnlichen scheut. Das ist auch gar nicht nötig, denn allein mit ihrem Hinschauen legt sie den Finger in die Wunde und zerrt das Außerordentliche ans Tageslicht. Sprachlich spinnt sie die Storys in alltäglichen Kleinigkeiten bis zum äußersten aus. Ihre Geschichten sind zum Ende hin offen und lassen genug Spielraum für die eigene Fantasie. Mühelos gelingt ihr der Wechsel zwischen einer männlichen und weiblichen Perspektive.

Abwechslungsreich und vielfältig sind die Erzählungen gestaltet. Sie bilden die kleine Welt der Autorin in ihrer Jugend ab, zeigen wie unterschiedlich sich für die Dorfbewohner Alltag darstellen kann und wie kleine Ereignisse große Veränderungen hervorrufen können. Insgesamt gesehen ein gelungenes Debüt.

Mittwoch, 23. März 2016

[Rezension Ingrid] Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance von Estelle Laure


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Titel: Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance
Autorin: Estelle Laure
Übersetzerin: Sophie Zeitz
Erscheinungstermin: 10.03.2016
Verlag: KJB 
rezensierte Buchausgabe: Leseexemplar

Lucille hat es nicht leicht im Leben. Doch bei den diversen Schicksalsschlägen von denen sie betroffen ist, hat das Glück auch noch ein Wörtchen mitzureden. Auf dem Cover des Buchs „Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ von Estelle Laure ist zu sehen, wie das Glück mit seinen hellen kräftigen Farben das Schicksal überstrahlt. Synonym steht diese Aufmachung für den Inhalt des Buches. Wer den Roman zur Hand nimmt, wird erfahren „Alles wird gut“.

Die 17 jährige Lucille, auch Lu genannt, ist im letzten Jahr der Highschool. Doch ein angestrebtes Studium rückt für sie in weite Ferne als ihre Mutter sie und ihre 9jährige Schwester Wren verlässt kurz nachdem Lucilles Vater in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Weil ihre Mutter nicht zurückkehrt, wird schnell das Geld knapp mit dem beide ihren Lebensunterhalt bestreiten. Doch Lucille ist noch nicht alt genug, um offiziell für Wren sorgen zu können. So beschließt sie, niemandem von ihrer Situation zu erzählen, mit Ausnahme ihrer langjährigen, allerbesten Freundin Eden. Die Lage spitzt sich im Laufe der Tage und Wochen zu und Eden kann nicht immer wie versprochen auf Wren aufpassen, wenn Lu ihrem Aushilfsjob nachgeht. Aber da ist auch Digby, der Zwillingsbruder von Eden, den sie ebenso lange kennt wie ihre Freundin. Er ist ebenfalls für sie da und hilft wo er kann. Und ausgerechnet jetzt, verliebt Lucille sich in ihn. Aber Digby hat seit langem eine feste Freundin …

Das Buch beginnt mit der Kapitelüberschrift „Tag 14“. Zwei Wochen ist es her, seit Lucilles Mutter sich eine Auszeit genommen und einfach gegangen ist. Mit der Aussicht auf Wiederkehr hat Lucille nicht gezögert und einfach die Tätigkeiten übernommen die nötig waren, um den Alltag von sich und Wren zu gestalten. Im Vordergrund steht für sie, dass sie nicht von ihrer Schwester getrennt werden möchte. Es ist jedoch gar nicht so leicht, über ihre Situation zu schweigen. Schließlich beginnen die Personen, mit denen die beiden in Kontakt stehen, im Verhalten der beiden Veränderungen wahrzunehmen. Schweigen ist also nicht immer die beste Lösung.

Die Kapitel zählen im Folgenden die Tage weiter, die Lu und Wren allein sind, mit wenigen Ausnahmen, in denen kurze Rückblicke auf wichtige Ereignisse in Lucilles Leben beschrieben werden. Die Fortführung der laufenden weiteren Tage endet abrupt als das Schicksal in Lus Leben erneut zuschlägt. Doch bereits vorher hat sie das Glück ungeahnter und unbekannter Hilfe erfahren. Bei allem Leid erhält Lucille auf diese Weise Anerkennung. Auch wenn es nicht Liebe ist, so empfindet sie doch die Fürsorge der Menschen in ihrem Umkreis als angenehm und stärkend für ihr eigenes Engagement. Estelle Laure findet die richtigen Worte für eine einfühlsame und berührende Erzählung die auch nach dem Lesen noch nachklingt. Die geschilderten Erlebnisse halte ich für durchaus realistisch.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Lucille erzählt, so dass der Leser die Gedankengänge von ihr verfolgen kann. Mit teils kurzen prägnanten Sätzen schildert die Autorin Situationen die Lu besonders nahegehen. Der Roman lässt sich einfach und flüssig lesen. Die im Laufe der Geschichte aufgebaute Spannung bleibt lange erhalten. Erst nahezu am Ende des Buchs erfährt der Leser, ob Lucille es schafft, bis zu ihrer Volljährigkeit mit ihrer Schwester zusammenzubleiben und ob ihre Liebe zu Digby eine Zukunft haben wird. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Ich empfehle ihn gerne nicht nur für Jugendliche ab 14 Jahren, sondern auch an junge Erwachsen sowie ältere interessierte Leser weiter.

[Rezension Hanna] Und ein ganzes Jahr - Gayle Forman


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Und ein ganzes Jahr
Autorin: Gayle Forman
Übersetzerin: Stefanie Schäfer
Klappenbroschur: 368 Seiten
Erschienen am 22. März
Verlag: FISCHER FJB

Die Reihe

Band 1: Nur ein Tag (Rezension)
Band 2: Und ein ganzes Jahr
Band 3: Und noch eine Nacht (E-Book only)

Inhalt
Nachdem Will einen unvergesslichen Tag gemeinsam mit Lulu in Paris verbracht hat, wollte er am nächsten Morgen eigentlich nur Frühstück holen. Doch er kehrte nicht zurück. Nun erfährt man endlich, warum. Als Will sich auf die Suche nach Lulu machen kann, ist diese längst abgereist. Ihm fehlt jeglicher Anhaltspunkt, um sie wiederzufinden. Doch während Will im folgenden Jahr sein ruheloses, abenteuerliches Leben weiterlebt, geht Lulu ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Wie soll er weitermachen? Und hat er doch noch eine Chance, Lulu wiederzufinden?

Meinung
„Und ein Jahr“ ist die Fortsetzung von „Nur ein Tag“ und sollte unbedingt im Anschluss gelesen werden. Der erste Band ist aus der Perspektive von Allyson alias Lulu geschrieben. In diesem begleitete der Leser Allyson und Will bei ihrem Tag in Paris, erlebt, wie Allyson zurückgelassen wird und ist im darauf folgenden Jahr an ihrer Seite. Doch was damals wirklich geschehen war, warum Will nicht zurückgekommen ist, das bleibt im Dunkeln. An der Seite von Will kehrt der Leser nun genau zu jenem Moment zurück und erfährt, wie es Will ergangen ist.

Nach der Lektüre von „Nur ein Tag“ musste ich schnellstmöglich weiterlesen, denn ich wollte unbedingt Wills Sicht der Dinge kennenlernen. Die drängendste Frage wird gleich zu Beginn beantwortet und ließ mich die Situation, die letztendlich eine Verkettung wirklich unglücklicher Umstände ist, besser verstehen. Als Will klar wird, dass er keine Chance hat, Lulu in Paris wiederzufinden, kehrt er erst einmal in seine Heimat zurück. Hier erfährt man mehr über seine Wurzeln und seine Familie. So lernte ich den Will, den ich ein Buch lang durch die Augen Allysons gesehen hatte, allmählich besser kennen.

Wills ganzes Handeln wird von Unruhe getrieben, gleichzeitig ist er unsicher, was genau er als nächstes tun soll. Zu gerne lässt er deshalb den Zufall über seine nächsten Schritte bestimmen. Ein abgelaufener Reisepass zwingt ihn jedoch dazu, zumindest für eine Weile in den Niederlanden zu bleiben und Zeit mit seinen alten Freunden zu verbringen. Unentschlossen ist er ebenfalls in Bezug auf die Frage, ob er sich auf die Suche nach Lulu begeben soll. Zwar verstand ich, dass Wills Erfahrungen in der Vergangenheit ihn geprägt haben und dazu führen, dass er vieles so gern dem Schicksal überlässt, doch zu gerne hätte ich ihm zugerufen: Werd aktiv! Gib nicht so leicht auf!

Schließlich unternimmt Will doch endlich Anstrengungen, Lulu zu suchen. Allerdings konnte ich nur schwer nachvollziehen, dass er im einen Moment total motiviert ist und sich beharrlich zeigt, im nächsten aber wieder in seine Passivität zurückfällt und auf Zufall setzt. Mit Allysons Erlebnissen im Kopf ärgerte ich mich umso mehr über seine Stimmungsschwankungen und die verpassten Chancen. Ab einem gewissen Punkt reichte mir Wills Vergangenheit als Erklärung einfach nicht mehr aus und ließ mich frustriert zurück.

Unter welchen Umständen es schließlich zum Wiedersehen kommt, weiß man dank „Nur ein Tag“ schon. Bis es soweit ist, erlebt man an Wills Seite so manche Reise an interessante Orte. Zwischen Wills abenteuerlustigen Ausflügen rückt die Beziehung zu seiner Mutter immer stärker in den Mittelpunkt. Schaffen die beiden es, ihr angeschlagenes Verhältnis zu kitten? Auch die Schauspielerei wird für Will immer wichtiger, bedeutsamer. Mit jeder Seite lernte man den Menschen Will noch ein bisschen besser kennen. Doch gleichzeitig konnte ich den Moment des Wiedersehens mit Allyson kaum erwarten. Schließlich war es so weit und ich erfuhr, was beide an jenem Tag wieder an einen gemeinsamen Ort geführt hat.

Fazit
In „Und ein Jahr“ erfährt der Leser Wills Sicht der Dinge und was er im Jahr nach dem Tag in Paris erlebt hat. Fragen, die sich nach „Ein ganzer Tag“ aufdrängten, werden nach und nach beantwortet. Gleichzeitig lernt man Will immer besser kennen, dessen wechselhafte Entscheidungen für mich aber unverständlich blieben. Die Themen Familie und Schauspielerei füllen die Seiten, während man auf das große Wiedersehen wartet. Insgesamt hat das Buch meine Neugier befriedigen können, mich aber leider bei weitem nicht so fesseln können wie „Nur ein Tag“, in dem ich mit Allyson hoffte und bangte. Dennoch ist „Und ein Jahr“ Pflicht, wenn man den ersten Band gelesen hat, um beide Seiten der Geschichte kennenzulernen und Antworten auf Allysons Fragen zu finden.

Dienstag, 22. März 2016

[Rezension Hanna] Nur ein Tag - Gayle Forman


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Nur ein Tag
Autorin: Gayle Forman
Übersetzerin: Stefanie Schäfer
Klappenbroschur: 432 Seiten
Erschienen am 22. März
Verlag: FISCHER FJB


Die Reihe

Band 1: Nur ein Tag
Band 2: Und ein ganzes Jahr (Rezension)
Band 3: Und noch eine Nacht (E-Book only)


Inhalt
Allyson hat zum Collegeabschluss von ihren Eltern eine Europarundreise geschenkt bekommen. Gemeinsam mit ihrer Freundin Mel hat sie Rom, Prag, Wien und viele weitere europäische Städte im Rahmen einer organisierten Tour erkundet. Der letzte Halt der Tour ist Stratford-upon-Avon, wo ein Schauspieler ihr Interesse weckt, der mit einer Gruppe unter freiem Himmel Shakespeare aufführt. Zufällig trifft sie ihn am nächsten Tag auf der Fahrt nach London wieder. Als Allyson ihm erzählt, dass sie noch nicht in Paris war, macht er ihr einen völlig verrückten Vorschlag: Statt bis zum Heimflug mit Mel in London zu bleiben soll sie mit ihm einen Tag in Paris verbringen. Allyson springt über ihren Schatten und sagt zu. Für sie beginnt ein unvergesslicher Tag, der sie verändern wird…

Meinung
Die Protagonistin Allyson lernt der Leser am letzten Tag ihrer Europa-Rundreise kennen, an der sie gemeinsam mit Mel teilnimmt. Schnell merkt man, dass sie diese Zeit, so abenteuerlich sie auch war, nicht richtig genießen konnte. Die aus Filmen bekannte Atmosphäre suchte sie in diversen Großstädten vergeblich, und auf abendliche Touren mit Mel und den anderen Teilnehmern hatte sie keine Lust. Erst die Begegnung mit dem attraktiven Schauspieler und ihr anschließendes Wiedersehen im Zug rüttelt Allyson wach. Will sprüht geradezu vor Abenteuerlust und schafft es in kürzester Zeit, Allyson zu begeistern und faszinieren. Gut konnte ich verstehen, was sie dazu bewegt, nach all der Zurückhaltung endlich über ihren Schatten zu springen.

Im weiteren Verlauf konnte mich die Handlung immer stärker in ihren Bann ziehen. Allysons und Wills Tag in Paris folgt keinem klassischen Leitfaden für Touristenbesuche. Vielmehr erkunden sie die Stadt jenseits der touristischen Attraktionen, und machen viele schöne, aber auch einige unangenehme Entdeckungen. Für Allyson bedeuten diese Erlebnisse ein auf und ab der Emotionen. Gleichzeitig findet sie, wonach sie all die Wochen gesucht hat: Wie sich die eine Großstadt wie Paris wirklich anfühlt.

Während des Tages in Paris fühlt sich Allyson immer stärker zu Will hingezogen. Zwischen den beiden knistert es gewaltig und schnell merkt man, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt. Doch Will bleibt ein Buch mit sieben Siegeln. Das Buch ist gänzlich aus Allysons Perspektive geschrieben, weshalb man gemeinsam mit ihr rätselt, welche Geheimnisse Will verbirgt. Was für ein Typ ist er wirklich? Mein er es ernst oder ist die Parisreise mit Allyson für ihn nur ein weiteres seiner zahlreichen Abenteuer?

Ein solch hochemotionaler Tag kann einfach nicht ohne Konsequenzen bleiben. Deshalb beschäftigt sich die zweite Buchhälfte mit Allysons Leben nach diesem Tag. Hier möchte ich gar nicht zu viel verraten. Es bleibt emotional und ich konnte gut nachvollziehen, wie Allyson sich fühlt und was dieser Tag mit ihr gemacht hat. Viele Fragen sind offen, weshalb ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, um möglichst bald die Antworten zu erfahren. Allyson macht eine Entwicklung durch, die mir sehr gut gefallen hat und trifft Entscheidungen, in denen ich sie voll unterstützt habe. Nachdem das Buch zum Ende hin noch einmal besonders emotional-dramatisch wird, endet es in einem wirklich fiesen Cliffhanger, weshalb ich unbedingt so schnell wie möglich den zweiten Teil, „Und ein Jahr“, lesen musste.

Fazit
„Nur ein Tag“ erzählt von einem aufregenden Tag in Paris, den Allyson mit dem ihr bis dato unbekannten Will verbringt. Während Allyson ein Paris abseits des touristischen Standardprogramms kennenlernt, fühlt sie sich immer stärker zu Will hingezogen. Doch die beiden wollen nur einen Tag zusammen verbringen – wie wird es danach weitergehen? Wenn ihr wissen wollt, was Allyson in Paris erlebt und wie es danach für sie weitergeht, dann dürft ihr euch dieses Buch nicht entgehen lassen!

[Rezension Hanna] Für immer Hollyhill - Alexandra Pilz



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Für immer Hollyhill
Autorin: Alexandra Pilz
Hardcover: 384 Seiten
Erschienen am 29. Februar 2016
Verlag: Heyne fliegt


Die Reihe

Band 1: Zurück nach Hollyhill (Rezension)
Band 2: Verliebt in Hollyhill (Rezension)
Band 3: Für immer Hollyhill


Inhalt
Schweren Herzens hat Emily Hollyhill hinter sich gelassen und ist zu ihrer Großmutter nach München zurückgekehrt, um dort ein normales Leben zu führen. Doch ihre beste Freundin Fee ist wie von Erdboden verschluckt. Und obwohl sie das Armband, mit dem sie in die Zukunft träumen kann, zurückgelassen hat, träumt sie jede Nacht denselben Traum: Sie ist wieder in Hollyhill und muss mit ansehen, wie Matt erschossen wird. Plötzlich stehen Joe und Silly vor ihrer Tür in München: Fee ist nicht verschwunden, sondern mit Hollyhill ins Jahr 1927 eizeitsprungei gereist. Die beiden bitten Emily, doch noch einmal nach Hollyhill zu reisen und Fee nach Hause zu bringen. Zurück in Hollyhill erlebt Emily so manche Überraschung: Fee fühlt sich pudelwohl in den 1920ern, Matt ist verschwunden und das Leben in Hollyhill scheint aus den Fugen geraten zu sein…

Meinung
Die beiden ersten Hollyhill-Abenteuer von Emily haben mir großen Spaß gemacht, weshalb ich mich sehr gefreut habe, dass nach zwei Jahren des Wartens mit „Für immer Hollyhill“ endlich der finale Teil der Trilogie erschienen ist. Vor dem Lesen dachte ich, dass der Buchtitel das Ende der Geschichte ja offensichtlich vorwegnimmt – dennoch war ich gespannt darauf, was Emily im Jahr 1927 erleben wird.

Trotz der zweijährigen Pause war ich im Nu wieder mitten in der Handlung, denn die wichtigsten Dinge werden kurz wiederholt und schon nach wenigen Seiten ging es von München zurück nach Hollyhill. Ich freute mich über die rasche Rückkehr, doch ohne Matt fehlte in Hollyhill einfach etwas. Dafür fand ich es toll, dass Emilys beste Freundin Fee endlich eine größere Rolle spielt, denn sie hat sich einfach nach Hollyhill aufgemacht und das verzauberte Dort überraschenderweise sogar gefunden. Verrückterweise schwärmt sie ausgerechnet für Cullum – ein Thema, das die Freundschaft der beiden auf die Probe stellt.

Es gilt herauszufinden, was das Dorf überhaupt ins Jahr 1927 geführt hat. Haben vielleicht die fünf illustren Gäste, die im Dorf abgestiegen sind, etwas damit zu tun? Die wundersame Maschine, die sonst immer Hinweise gab, spuckt nur noch unverständliche Zeilen aus. Was hat das zu bedeuten? Hier dauert es leider sehr lange, bis man der Lösung endlich näher kommt. Doch immer wieder passieren rätselhafte Dinge, welche die Lage verschärfen und durch die es nicht langweilig wurde. Gleichzeitig gibt es auch viele schöne Momente, die einfach zeigen, was für ein besonderes Dorf Hollyhill ist. Auch die Atmosphäre der 1920er Jahre wurde toll eingefangen.

Zum Ende des Buches hin wird es noch einmal spannend: Die Zukunft von Hollyhill steht auf dem Spiel und es geht um Leben und Tod. Leider verhält sich Matt hier so naiv, dass ich es unglaubwürdig fand. Außerdem hätte man aus der Idee rund um das Rätsel meiner Meinung nach noch mehr herausholen können. Hier lässt die Geschichte einige Fäden fallen, ohne sie wieder aufzugreifen. Auf den letzten Seiten geht es um etwas ganz anderes. Auch wenn es nicht das war, was ich erwartet habe, wurde die Trilogie schön abgeschlossen.

Fazit
In „Für immer Hollyhill“ erlebt Emily ihr drittes Abenteuer in dem wundersamen Dorf, das durch die Zeit reist. Mir hat es sehr gefallen, dass Fee diesmal mit von der Partie war und dass aufgrund der rätselhaften Ereignisse im Dorf durchgängig eine leichte Spannung erhalten wurde. Schade fand ich, dass am Ende plötzlich alles so schnell ging und gar nicht mehr so richtig auf das Rätsel und einige damit verbundenen Ereignisse eingegangen wurde. Insgesamt habe ich mit dem Buch schöne Lesestunden verbracht und empfehle Hollyhill-Trilogie gerne weiter!

Montag, 21. März 2016

[Rezension Ingrid] Die Liebesgeschichtenerzählerin von Friedrich Christian Delius


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Titel: Die Liebesgeschichtenerzählerin
Autor: Friedrich Christian Delius
Erscheinungsdatum: 11.03.2016
Verlag: Rowohlt Berlin Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Mit einem Gedicht des Autors aus dem Jahr 1979 beginnt das Buch „Die Liebesgeschichtenerzählerin“ von Friedrich Christian Delius. Inhalte der Lyrik finden sich im Roman wieder. Die 50 jährige Marie von Schabow, in Frankfurt wohnend, verbringt im Jahr 1969 ohne ihre Familie einige Tage an der niederländischen Nordsee. Die raue See auf dem Cover trifft nicht nur den aufgewühlten Gemütszustand der Protagonistin, sondern führt den Leser auch zu einer der Geschichten, die Marie demnächst niederschreiben möchte.

Die Erzählung begleitet sie von der Nordsee aus auf ihrer Zugfahrt nach Hause über Amsterdam und Emmerich mit einem kurzen Aufenthalt in Leverkusen bei der Familie ihres Bruders. Sie ist auf den Spuren ihrer Familie unterwegs. Erst seit kurzem ist es ihr möglich sich neben Haushalt und Kindererziehung dem Schreiben zu widmen. Dabei schwirren ihr drei Geschichten im Kopf herum: die eines königlichen Vorfahr Anfang des 19. Jahrhunderts, die ihrer Eltern und die eigene. Mehr und mehr gelangen Gedankenfetzen zum bald 80 jährigen Vater in ihren Sinn. Gewürzt wird die Erzählung mit einer Unstimmigkeit in der Ehe von Marie, die sich aus ihrer Abwesenheit ergeben hat Sie wird bis zum Schluss zu einer Herzensangelegenheit und fesselt so auch den Leser.

Für Marie ist die Reise der Beginn einer neuen Lebensphase. Mit der Zeit wird nicht nur ihr deutlich, wie sehr die einzelnen Ereignisse voneinander abhängen. Der Roman besteht aus den komplexen Gedankengängen der Protagonistin. Ihre Gedanken huschen durch die Geschichte und reißen Szenen in der Vergangenheit der Familie an, die Marie aus Erzählungen und Aufzeichnungen kennt. Blockweise hält der Autor die fliegenden  Gedanken fest, die immer aus einem Satz bestehen und sehr gut die innere Unruhe von Marie wiederspiegeln. Mühelos füllt der Leser die Zeiten zwischen den einzelnen Szenen mit seiner eigenen Fantasie. So entstand für mich eine Familiengeschichte über fast 200 Jahre.

Der Autor schreckt nicht davor zurück sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen wie beispielsweise mit der Schuld am Tod als Kämpfer für das Vaterland. Aus Maries eigener Lebensgeschichte ergibt sich ein klarer Geist, der sich früh mit Recht und Unrecht auseinandergesetzt hat, die aber auch die ihr zugedachte Rolle als Frau an der Seite eines angehenden Gutsbesitzers und auch später als Mutter angenommen hat. Insoweit wirken ihre Gedankengänge überaus realistisch. Marie zeigt aber auch, dass sie in der Gegenwart Ende der 1960er Jahre angekommen ist. Ein erster literarischer Erfolg hat ihr Selbstbewusstsein gestärkt und gibt ihr den Mut für weitere Projekte. 

Erstaunlicherweise brauchte der Autor sich die bewegenden Ereignisse und abwechslungsreich gestalteten Charaktere nicht auszudenken, denn sein Roman basiert auf der Vergangenheit seiner eigenen Familie. Mit leisen Worten und schlichter Sprache hat mich der Inhalt des Buchs sehr angesprochen. Dabei ist es nicht immer einfach, den Einfällen zu folgen und eine gewisse Muße beim Lesen unerlässlich. Gerne vergebe ich hierfür eine Leseempfehlung.

Sonntag, 20. März 2016

[Lesungsbericht Hanna] Weiterlesen! Die große WDR2 Preview auf der lit.cologne

Hallo liebe Leser,

"Weiterlesen!" hieß gestern am letzten Tag der lit.cologne. Gemeinsam mit Ingrid habe ich die WDR2 Previewveranstaltung besucht, bei der drei Autoren aus ihren noch nicht veröffentlichten Büchern gelesen haben.

Um 18 Uhr ging es in den ausverkauften Balloni-Hallen in Köln-Ehrenfeld los: Die drei Autoren Katja Lange-Müller, Tilman Rammstedt und Jörg Maurer betraten gemeinsam mit der Moderatorin, Gisela Steinhauer, die Bühne.

Los ging es mit Katja Lange-Müller, die aktuell an ihrem Roman "Drehtür" arbeitet. Die Protagonistin Asta war als Krankenschwester jahrelang für "Ärzte ohne Grenzen" im Einsatz. Nachdem ihre Kollegen für ein One-Way Ticket zusammengelegt haben, das nur bis München und nicht bis in ihre Heimat Berlin reichte, steht sie nun am Münchener Flughafen rauchend neben einer Drehtür und denkt an die vergangenen Jahre zurück.

Katja Lange-Müller berichtete, dass die Protagonistin Asta entstanden ist, weil sie sich fragte, was sie gemacht hätte, wenn sie in ihrem gelernten Beruf als Krankenschwester geblieben wäre. Der Roman dreht sich um das Helfen und darum, wie das Helfen in vielen Fällen misslingt. Die Autorin las eine bislang noch nie vorgetragene Stelle aus der Mitte des Buches vor, in der Asta sich an einen Aufenthalt in Tunesien erinnert.





















Als nächstes war Tilman Rammstedt an der Reihe. Er hat sich auf ein ungewöhnliches Schreibprojekt eingelassen: Seit dem 11. Januar schreibt er jeden Tag ein Kapitel seines Buches "Morgen mehr". Am 8. April muss das Buch fertig sein, denn es erscheint am 9. Mai in gebundener Form bei Hanser. Auf die Frage der Moderatorin, ob ihm in den Sinn gekommen wäre, zu schummeln, antwortete der Autor ehrlich, dass ihm dieser Gedanke natürlich gekommen ist. Doch aus seiner Idee, das Buch vorher komplett zu konzipieren, wurde nichts - das habe aber auch bei seinen vorherigen Büchern nicht geklappt. Tatsächlich sei ihm die Grundidee des Buches erst zwei Tage vor Start des Projekts gekommen, und er wisse am Ende eines Tages und Kapitels meist nicht, wie es am nächsten morgen weitergeht.

Tilmann Rammstedt las uns die ersten Kapitel seines Romans vor, in denen man einen Ich-Erzähler kennen lernt, der noch nicht geboren ist. Damit es zu seiner Geburt und seinem Leben kommt, das er bereits vom Anfang bis zum Ende kennt, muss er erst einmal gezeugt werden. Einige Monate vor seiner Zeugung sieht es allerdings noch gar nicht danach aus, denn die Personen, die seine Mutter und sein Vater werden müssen, kennen sich noch nicht einmal. Tilmann Rammstedt erklärte, dass die Cliffhanger am Ende der Kapitel nicht in erster Linie für den Leser sind, sondern für ihn selber: Mit ihnen motiviert er sich jeden Morgen, weiterzuschreiben und schafft bewusst Probleme, auf die er eine Lösung finden muss.





















Den Abschluss machte Jörg Maurer. Sein neuer Alpenkrimi "Schwindelfrei ist nur der Tod" erscheint am 27.April im FISCHER Verlag und ist der achte Fall für seinen Kommissar Jennerwein. Der Autor berichtete, dass der Kommissar nun tatsächlich einen Schritt ins digitale Zeitalter macht, denn er besitzt im neuen Band ein Smartphone. Auf diesem hat ihm jeder Kollege eine App aufgespielt, die er unbedingt braucht, zum Beispiel einen Weißwurst-Finder.

Jörg Maurer las einzelne Szenen vor, die noch nicht zu viel über die Handlung verrieten. Wir lernten einen Dieb kennen, der scheinbar einen Verfolger hat, reisten in die Vergangenheit zu einem Banküberfall und wohnten schließlich noch einer Runde äußerst gerissener Verbrecher bei. Vom Autor erfuhren wir, dass er das Ziel verfolgt, Spannung und Kabarett zu verbinden, und das wurde beim Vorlesen mehr als deutlich. Gekonnt spielte er mit seiner Stimme und sorgte damit für große Erheiterung im Publikum.





















Der Abend in den Balloni-Hallen hat uns bestens unterhalten können. Besonders gut hat mir gefallen, dass man drei Autoren gefunden hatte, die sich in völlig anderen Genres bewegen und auch vom Typ und ihrer Arbeitsweise sehr verschieden waren. So war für jeden etwas dabei und der Abend war äußerst abwechslungsreich. Für mich war das sicherlich nicht der letzte Besuch der lit.cologne und ich freue mich schon auf das nächste Jahr!

Eure Hanna

Text: Hanna Eßer
Fotos: Ingrid und Josef Eßer

Mittwoch, 16. März 2016

[Blogtour] Nur ein Tag - Und ein ganzes Jahr | Gayle Forman | Tag 6: Städtereisen


*Dieser Post enthält Werbung für die Bücher von Gayle Forman*

Hallo liebe Leser,

heute macht die Blogtour zu den beiden Büchern "Nur ein Tag" - "Und ein ganzes Jahr" von Gayle Forman auf buchsichten.de Halt. Nachdem es vorgestern um die Stadt Paris und gestern um Mexiko und Indien ging, widmet sich mein Beitrag der Fazination von Städtereisen. Im Buch "Nur ein Tag" erhält Allyson von ihren Eltern eine Tour durch diverse europäische Großstädte als Geschenk und trifft in London zum ersten Mal auf Will, mit dem sie nach Paris reist. In "Und ein ganzes Jahr" zeigt Will dann, dass er ein echter Globetrotter ist - er zieht bei der Wahl seines nächsten Reiseziels die ganze Welt in Betracht und landet auch in weiter entfernten Großstädten.

Faszination Städtereise

Mich hat es schon immer fasziniert, große Städte zu erkunden. Die erste Städtereise, an die ich mich gut erinnern kann, ging zu Grundschulzeiten nach London. Ich war begeistert von den vielen Sehenswürdigkeiten und der Geschäftigkeit einer Großstadt. Besonders präsent ist für mich neu heute der Besuch der Tower Bridge und des Musicals Starlight Express - auch wenn ich kein Wort verstand, da ich noch keinen Englischunterricht hatte.

Aber was ist eigentlich so reizvoll an Städtereisen? Während die einen vor allem die Sehenswürdigkeiten erlebt haben wollen, sind die anderen eher auf der Suche nach kulinarischen Erlebnissen, wilden Partys oder wollen die wahre Atmosphäre der Stadt erleben. Alle verbindet aber letztendlich die Lust, eine neue oder schon bekannte und lieb gewonnene Großstadt zu bereisen.

Auch ich verlasse eine Großstadt nicht, ohne wenigstens DIE Sehenswürdigkeit der Stadt gesehen zu haben. Ganz anders ergeht es Allyson in Paris: Sie will nach den ganzen Touren, die sich nur auf Sehenswürdigkeiten beschränkten, endlich erleben, wie eine Stadt wie Paris sich wirklich anfühlt. Diesen Wunsch kann ich nachvollziehen, denn auch mir macht es Spaß, sich nach dem Standard-Touristen-Programm einfach mal treiben zu lassen und Ecken einer Stadt zu entdecken, in denen sich sonst so gut wie keine Touristen herumtreiben.

Besuchte Millionenstädte

Mich würde es im Rahmen dieses Post zur Faszination von Städtereisen sehr interessieren, welche Millionenstädte ihr schon besucht habt.

Ich habe den Anfang gemacht, durchgezählt und bin auf vierzehn Millionenstädte gekommen, die ich bereits besucht habe. Die beiden zuletzt besuchten sind:

Rom:
Sightseeing ...
... und im ruhigeren Trastevere
 Kairo:
Sightseeing ...
... und Streetlife weiter außerhalb
Außerdem war ich schon in: Paris, London, Prag, Barcelona, Wien, Brüssel, Sydney, Adelaide, Berlin, München, Hamburg und Köln.


Liebe Grüße
Hanna
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