Rezension von Ingrid Eßer
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Ellie Hajek ist die Protagonistin des Romans „Im Licht des
neuen Tages“ von Jarka Kubsova. Wie die Autorin selbst kam sie als Kind auf der
Flucht aus der Tschechoslowakei nach Deutschland. Neben ihren Habseligkeiten ließ
Ellies Familie auch Verwandte und enge Freunde zurück.
Nach einer journalistischen Ausbildung wurde Ellie Autorin.
Sie hat eine erwachsene Tochter und ist in einer festen Beziehung, die nicht
immer harmonisch verläuft. Um eine Schreibblockade zu überwinden, mietet sie ein
Haus im Wald. Dort kommt ihr Viktorka in den Sinn, eine Figur aus einem
berühmten Roman, der tschechischen Schriftstellerin Božena Nĕmcová. Die
Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. Ellie lässt der Gedanke nicht los,
herauszufinden, was in diesem Roman Wahrheit und was Fiktion ist.
Spontan fährt sie nach vielen Jahren wieder in ihre frühere Heimat.
Dort begibt sie sich auf Spurensuche nach Božena und Viktorka, zwei Frauen, die
den Mut hatten, sich den Konventionen ihrer Zeit entgegenzustellen. Auf dieser
Erzählebene lässt die Autorin Elemente des magischen Realismus einfließen:
einerseits in märchenhafter Form, andererseits durch mysteriöse Ereignisse, die
Ellie widerfahren und die ich im Kontext befremdlich fand. Die entsprechenden Schilderungen
sind zwar atmosphärisch eindrucksvoll, führen meiner Meinung nach, allerdings
auch zu einiger Länge.
Während ich anfangs Ellies Wunsch nach einer örtlichen
Veränderung gut nachvollziehen konnte, blieb sie mir im weiteren Verlauf aufgrund
ihrer Entscheidungen und Handlungen gefühlsmäßig eher fern. Dennoch führt die
Spurensuche dazu, dass sie sich zunehmend mit ihrer eigenen Identität und der
Frage auseinandersetzt, wer sie heute ist und wie sie ihre Zukunft gestalten
möchte. Dabei bewertet sie auch die Republikflucht ihrer Eltern neu und auch
die lebenslang von ihr getragene Schuld daran.
Im Roman „Im Licht des neuen Tages“ verbindet Jarka Kubsova Lebensgeschichten aus verschiedenen Zeitaltern. Ungebundenheit, das Überwinden von Ungerechtigkeiten, die Suche nach der eigenen Identität und die Liebe zur Natur sind zentrale Themen des Romans, der von einer Spur Mystik durchzogen ist. Trotz kleiner Schwächen habe ich das Buch gerne gelesen.
