Lydia ist die jüngste der fünf Bennet-Schwestern. Wobei das eigentlich nicht ganz stimmt. Die vierte Schwester, Kitty, ist nämlich gar kein Mädchen, sondern die Hauskatze, welche Lydia in ihrer Sehnsucht nach einer Spielkameradin verzaubert hat. Das war Lydias erster mächtiger Zauber: Sie ist eine Hexe und mit einem überdurchschnittlichen Talent ausgestattet. Unterricht erhält sie von ihrer Tante Philips, die als einzige in der Familie ebenfalls eine Hexe ist. Doch Lydias Macht zieht bald die Aufmerksamkeit des Dämons Wormenheart auf sich. Um Kittys Leben zu retten, muss sie ein mysteriöses Juwel ausfindig machen. Unterstützung erhält sie vom Sohn des Dämons, der Besitz von George Wickhams Körper ergriffen hat. Doch die Dinge laufen anders als geplant, denn alle verfolgen ihre eigenen Ziele.
Mir hat die Idee sehr gut gefallen, eine magische Geschichte im Jane Austen-Kosmos anzusiedeln. Zu Beginn des Buches wurde ich als Leserin von Lydia angesprochen, die in ärmlichen Verhältnissen mit Wickham zusammenlebt und niederschreibt, wie sie in diese Situation gekommen ist. Dazu springt sie einige Jahre zurück und erzählt zunächst, wie sie ihre Kräfte entdeckt hat. Von dort aus wird die Geschichte chronologisch weitererzählt, immer wieder unterbrochen von kurzen Passagen aus der Gegenwart der schreibenden Lydia, die einen Weg aus ihrer elendigen Situation sucht und Bekanntschaft mit Mr. Darcys Schwester Georgiana macht.
Die aus den Romanen von Jane Austen bekannten Ereignisse werden am Rande erwähnt, sind abgesehen von Lydias Heirat mit George Wickham aber nebensächlich. Schon früh wird deutlich gemacht, dass alles etwas anders abgelaufen ist, als der Rest der Familie denkt. Ich war schnell mittendrin in einem unterhaltsamen magischen Abenteuer, in dem so manch einer auf den eigenen Vorteil bedacht ist und Lydia immer wieder in brenzlige Situationen gerät.
Warum man in den Büchern von Jane Austen nichts von alldem mitbekommt wird hinreichend erklärt. Mein Lieblingscharakter war Wickham, den ich als Scheusal kennenlernte, der im Laufe der Geschichte aber immer wieder für eine Überraschung gut war. Einige Stationen auf Lydias Weg werden sehr ausführlich erzählt, hier verliert die Geschichte deutlich an Schwung. Am Ende ging es mir hingegen zu schnell. Ich hätte mir ein ausgewogeneres Tempo gewünscht. Insgesamt habe ich mit dem Buch unterhaltsame magische Lesestunden verbracht und empfehle es gern an alle Austen-Fans weiter, die Lust auf eine originelle Adaption voller Hexerei haben.
