Sonntag, 18. Oktober 2026

Rezension: Wolkenberührpunkt von Christoph Kramer

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Wolkenberührpunkt
Autor: Christoph Kramer
Erscheinungsdatum: 01.10.2026
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783462055177

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Auch in seinem zweiten Roman „Wolkenberührpunkt“ schaut Christoph Kramer auf die Zeit des Erwachsenenwerdens, in der sein Protagonist Roman auf der Suche nach einem eigenen Platz im Leben ist. Die fiktive Geschichte beruht auf einer Erzählung, von der der Autor angibt, sie von einem vermeintlichen Käufer seines ersten Buchs gehört zu haben. Auf einer zweiten Handlungsebene berichtet Christoph Kramer von eigenen Erfahrungen aus der Zeit, als er ungefähr so alt war wie sein Protagonist.

Die Handlung beginnt am Neujahrstag der Jahrhundertwende, an dem Roman zwölf Jahre alt ist. Dieser Tag verändert sein Leben grundlegend. Kurz nach Mitternacht eröffnet ihm der Mann, den er bisher für seinen Vater gehalten hat, auf wenig sensible Weise, dass er adoptiert wurde. Wenig später erhält Roman von ihm ein in Leder gebundenes Buch. Darin findet er ein Foto seiner leiblichen Eltern und eine Erklärung dafür, warum sie ihn zurückließen, als sie damals in ihre Heimat Jugoslawien zurückkehrten. Es ist nicht leicht für ihn, sich mit dieser Tatsache abzufinden. Besonders beschäftigt ihn jedoch die Handschrift in dem Buch, von der ihm vor allem ein geschwungener Buchstabe merkwürdig vertraut vorkommt und dessen Geheimnis er lüften will.

Christoph Kramer beschäftigt sich in den Einschüben zwischen den Kapiteln mit dem Glück, dass er in seiner Jugend erfahren durfte und davon, dass dieses keineswegs jedem in gleichem Maße zuteilwird. Dabei gewährt er Einblicke in seine Gefühle in dieser Zeit und zeigt sowohl Gemeinsamkeiten zwischen ihm und seiner Romanfigur als auch Unterschiede. Seine Erinnerungen kreisen um Liebe und Liebeskummer, aber auch um die plötzliche Aufmerksamkeit, die er mit seiner stetig wachsenden Bekanntheit erhielt.

Zum Glück für Roman hat er einen besten Freund an seiner Seite. Stevie wächst im örtlichen Waisenhaus auf und zeigt Roman einen stillgelegten Telefonmast, der ihn den Wolken und seinen Wünschen näherbringen kann: den Wolkenberührpunkt, der dem Buch den Titel gibt. Roman glaubt, in seiner Adoptivfamilie mehr Wärme und Aufmerksamkeit erhalten zu haben als Stevie. Im Laufe der Zeit zeigt sich jedoch, dass nicht allein die Herkunft, sondern auch ein förderndes Umfeld sowie eigene Ambitionen dazu beitragen, seine Zukunft so zu gestalten, dass sich persönliche Wünsche und Lebensziele verwirklichen lassen.

Darüber hinaus lässt der Autor eine einfühlsam erzählte Liebesgeschichte in seinen Roman einfließen. Mira lebt gegenüber von Roman und ist ein Jahr jünger als er. Feinfühlig schildert Christoph Kramer die ersten Annäherungsversuche, die Eifersucht seines Protagonisten und zugleich dessen Scheu, einen weiteren Schritt zu wagen. Im weiteren Verlauf nimmt die Beziehung einige unerwartete Wendungen, die Roman vor neue Herausforderungen stellen. Im Hinblick auf seine Adoption hätte ich mir für ihn gewünscht, dass er Wege findet bereits früher, mehr über seine Herkunft zu erfahren.

„Wolkenberührpunkt“ von Christoph Kramer ist ein Coming-Of-Age-Roman, die erste Liebe und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Ausgehend von seinen eigenen Erinnerungen regt er dazu an, darüber nachzudenken, welche Menschen uns prägen und welche Möglichkeiten sich uns öffnen, unser Leben zu gestalten. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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