Mittwoch, 16. März 2016

[Blogtour] Nur ein Tag - Und ein ganzes Jahr | Gayle Forman | Tag 6: Städtereisen


*Dieser Post enthält Werbung für die Bücher von Gayle Forman*

Hallo liebe Leser,

heute macht die Blogtour zu den beiden Büchern "Nur ein Tag" - "Und ein ganzes Jahr" von Gayle Forman auf buchsichten.de Halt. Nachdem es vorgestern um die Stadt Paris und gestern um Mexiko und Indien ging, widmet sich mein Beitrag der Fazination von Städtereisen. Im Buch "Nur ein Tag" erhält Allyson von ihren Eltern eine Tour durch diverse europäische Großstädte als Geschenk und trifft in London zum ersten Mal auf Will, mit dem sie nach Paris reist. In "Und ein ganzes Jahr" zeigt Will dann, dass er ein echter Globetrotter ist - er zieht bei der Wahl seines nächsten Reiseziels die ganze Welt in Betracht und landet auch in weiter entfernten Großstädten.

Faszination Städtereise

Mich hat es schon immer fasziniert, große Städte zu erkunden. Die erste Städtereise, an die ich mich gut erinnern kann, ging zu Grundschulzeiten nach London. Ich war begeistert von den vielen Sehenswürdigkeiten und der Geschäftigkeit einer Großstadt. Besonders präsent ist für mich neu heute der Besuch der Tower Bridge und des Musicals Starlight Express - auch wenn ich kein Wort verstand, da ich noch keinen Englischunterricht hatte.

Aber was ist eigentlich so reizvoll an Städtereisen? Während die einen vor allem die Sehenswürdigkeiten erlebt haben wollen, sind die anderen eher auf der Suche nach kulinarischen Erlebnissen, wilden Partys oder wollen die wahre Atmosphäre der Stadt erleben. Alle verbindet aber letztendlich die Lust, eine neue oder schon bekannte und lieb gewonnene Großstadt zu bereisen.

Auch ich verlasse eine Großstadt nicht, ohne wenigstens DIE Sehenswürdigkeit der Stadt gesehen zu haben. Ganz anders ergeht es Allyson in Paris: Sie will nach den ganzen Touren, die sich nur auf Sehenswürdigkeiten beschränkten, endlich erleben, wie eine Stadt wie Paris sich wirklich anfühlt. Diesen Wunsch kann ich nachvollziehen, denn auch mir macht es Spaß, sich nach dem Standard-Touristen-Programm einfach mal treiben zu lassen und Ecken einer Stadt zu entdecken, in denen sich sonst so gut wie keine Touristen herumtreiben.

Besuchte Millionenstädte

Mich würde es im Rahmen dieses Post zur Faszination von Städtereisen sehr interessieren, welche Millionenstädte ihr schon besucht habt.

Ich habe den Anfang gemacht, durchgezählt und bin auf vierzehn Millionenstädte gekommen, die ich bereits besucht habe. Die beiden zuletzt besuchten sind:

Rom:
Sightseeing ...
... und im ruhigeren Trastevere
 Kairo:
Sightseeing ...
... und Streetlife weiter außerhalb
Außerdem war ich schon in: Paris, London, Prag, Barcelona, Wien, Brüssel, Sydney, Adelaide, Berlin, München, Hamburg und Köln.


Liebe Grüße
Hanna

Montag, 14. März 2016

[Rezension Ingrid] Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten von Susanne Mewe


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Titel: Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten
Autorin: Susanne Mewe
Erscheinungsdatum: 12.02.2016
Verlag: Aufbau Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur

Als ich zu dem Buch griff „Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten“ von Susanne Mewe erwartete ich eine Geschichte die zeigen würde, dass Geschwister über alle Schwierigkeiten hinweg zueinanderhalten und füreinander da sind. Um es gleich vorweg zu nehmen: ich wurde schon nach kurzer Zeit enttäuscht. Das Cover ist bunt und lustig gestaltet und obwohl es sicher für Mia alles andere als witzig ist, von ihrem Freund vor die Tür gesetzt worden zu sein, gibt der sarkastische-ironische Tonfall der Ich-Erzählerin Mia dem Roman eine heitere Note. 

Mia lebt in Berlin und ist freie Journalistin, hat aber schon seit längerer Zeit keine Aufträge mehr erhalten. Zuflucht sucht sie bei ihrer in einer unbenannten Kleinstadt wohnenden älteren Schwester Paula, die verheiratet ist, ein Kind hat und im eignen Haus wohnt. Mia erinnert sich zwischendurch immer wieder an ihre Kindheit und Jugend im Kreis der Familie. Während sie bei ihrer Schwester wohnt, trifft eine Einladung zum Klassentreffen ein, zu der Paula Mia drängt, dass sie hingeht. Bis hierhin ist das Buch locker-leicht lesbar, Mia sucht Trost bei Paula und Mia spürt das es Unstimmigkeiten in Paulas Eheleben gibt. Aber dann, geht das Ziel des Romans irgendwie verloren.

Die Inhaltsangabe des Buchs spricht vom Scheitern der Ehe von Paula. Doch davon ist noch lange nicht die Rede, ebenfalls nicht von der ernsthaften Erkrankung einer der Schwestern, die dort erwähnt ist. Die Erzählung verliert sich in Nebenhandlungen. Allerdings erfährt der Leser durch die Rückerinnerung Mias stückchenweise mehr über die Ehe ihrer Eltern und dem Verhältnis der Geschwister zu Vater und Mutter. Die Schwestern sind in alle Winde verstreut und halten nur losen Kontakt über Telefonate und E-Mail. Eigentlich kann keiner der vier Geschwister nachvollzien, welche Lebensweisen die anderen gewählt haben. Mia sucht hier und da auch nach Ansätzen zur Erklärung des Verhaltens der Familienangehörigen untereinander. Hier hätte ich mir weitere Auseinandersetzung gewünscht.

Und irgendwann reisen auch die beiden anderen Schwestern an. Das gegenwärtige Geschehen beschränkt sich fast ausschließlich auf kleine Auseinandersetzungen der Geschwister, die manchmal schon fast albern. Schließlich kommt es zu einer für mich unglaubwürdigen Idee der Ältesten, deren Ausführung aber verhindert werden kann. Nach einem zeitlichen Bruch findet das Buch denn doch einen versöhnlichen Abschluss.

Die Charaktere, die die Autorin dem Leser vorstellt, sind zweifellos interessante Figuren, deren Entwicklung sich aber keinesfalls aus der Familiengeschichte ergibt. Das Ganze wirkt irgendwie unpassend zueinander, mehr statisch statt harmonisch. Auch die Rollen der Eltern tragen zu meinem Gesamteindruck bei. Mir fehlten Schilderungen in den zahlreichen Erinnerungen Mias bei denen die Geschwister gegenüber Außenstehenden zueinanderhalten gehalten haben mit dem einzigen Ziel den anderen in Schutz zu nehmen.

Wie ich schon eingangs erwähnte, konnte mich der Roman nicht überzeugen. Aufgrund des guten Anfangs und Endes vergebe ich 3 von 5 Sternen.

Sonntag, 13. März 2016

[Lesungsbericht Ingrid] Die Verleihung des 7. Silberschweinpreises auf der lit.cologne

Update: ab 2017 heißt der Preis nicht mehr "Silberschweinpreis" sondern "Debütpreis der lit.cologne"

Die nominierten Werke


"When we say Silber, you say Schwein" so titelt in 2016 die lit.cologne zur 7. Verleihung des Silberschweinpreises. Eva Schuderer aus dem Programmteam der lit.cologne begrüßte die etwa 220 Personen im ausverkauften Depot 2 des Schauspiels in Köln-Mülheim. Sie kündigte an, dass der Abend „ein wenig mehr freestyle“ werden würde wie sonst. Hierzu hatte ich leider keine Vergleichsmöglichkeit, weil ich das erste Mal auf dieser Veranstaltung war.


Der Silberschweinpreis ist ein von der Rheinenergie gestifteter Preis, der mit 2.222,- Euro dotiert ist und in einem silbernen Schwein überreicht wird. Er wird an das beste Prosadebüt, das im Frühjahr des jeweiligen Jahres erscheint, verliehen. In diesem Jahr wurden aus 16 Debüts drei Autoren mit ihren Werken ausgewählt, d.h. die anwesenden Schriftsteller hatten eigentlich bereits schon gewonnen, weil sie mit ihren Romanen der Jury aus dieser Fülle der Debütromane ausgewählt wurden!


Mitbringsel der Veranstaltung
Durch den Abend führte zum fünften Mal die aus der Schweiz stammende Monika Schärer. Sie erklärte kurz den Ablauf des Abends. Jeder der drei Debütanten würde ca. zehn Minuten aus seinem Werk vorlesen. Im Anschluss daran beziehungsweise vorher wird sie ein Interview mit dem betreffenden Autor führen und abschließend folgt jeweils der sogenannte „Freundschaftsdienst“ bei dem ein Freund des Autors eine Laudatio auf den Autor und sein Werk hält.


Dann bat sie die Debütautoren auf die Bühne, die altersmäßig gesehen alle in den 1980ern geboren wurden: Nis-Momme Stockmann mit seinem Roman „Der Fuchs“, erschienen im Rowohlt Verlag, Sascha Macht mit dem im Dumontverlag erschienen Buch „Der Krieg im Garten des Königs der Toten“ und Kristina Schilke mit „Elefanten treffen“, erschienen im Piper Verlag. 

Die Startreihenfolge wurde ausgelost mit dem Ergebnis, dass Kristina Schilke beginnen sollte. Ihr Roman ist eine Sammlung von 13 Kurzgeschichten, die vom alltäglichen Leben im bayrischen Wald handeln, treffend, skurill und außergewöhnlich. Figuren tauchen gelegentlich in mehreren Erzählungen auf, so sind die Geschichten miteinander verbunden. Den „Freundschaftsdienst“ für sie leistete ihre Freundin Isabel, eine frühere Kommilitonin aus Leipzig, die in Wort und Bild davon erzählte wie Kristina sich ganz besonders für „versehrte“ Tiere einsetzt.
Isabel, Kristina Schilkes Freundin, beim "Freundscchafsdienst"

Nis-Momme Stockmann hatte die Startnummer 2 gezogen. Sein Roman „Der Fuchs“ ist ein sehr umfangreiches Werk mit über 700 Seiten. Es handelt von einer Flut, die ein Dorf überschwemmt und das Leben des jungen Protagonisten drastisch verändert. Für ihn leistete Tobias Philippen, ein Freund und der Verleger des Autors den „Freundschaftsdienst“. Er versuchte mit verschiedenen Mitteln das Publikum zu beeindrucken und für den Autor und sein Werk zu gewinnen. So konnte ich beispielsweise aus den mitgebrachten Büchern „Kein Schiff wird kommen“, ein Theaterschauspiel von Nis-Momme Stockmann, das als Geschenk an das Publikum verteilt wurde, eines ergattern. Abschließend brachte er eine moderne Vertonung des Titels am Keyboard.
Tobias Philippen beim "Freundsschaftsdienst" für Nis-Momme Stockmann

Der dritte im Bunde war Sascha Macht, dessen Roman von einem 17 jährigen handelt, der sich selbst mit Horrorfilmen erzieht und sich anschließend auf Reise begibt. Für ihn hielt sein Freund, der Dramatiker Wolfram Lotz, die Laudatio. Nach einem selbstgeschriebenen Witz, der zur Erheiterung der Zuhörer noch nicht beendet war, fasste er in einer leidenschaftlich vorgetragenen Rede den Roman des Autors in Substantiven zusammen. Es ist abenteuerlich, was alles in diesem Roman beinhaltet ist. Und selbst Kristina Schilke steht drin!!! (Wer's nicht glaubt: Buch kaufen, lesen! S. 271). 
Wolfram Lotz (re.) beim "Freundschaftsdienst" für Sascha Macht (li.)

Nachdem wir jeder unsere Stimme abgegeben hatten, gab es eine kurze Pause und dann folgte die Siegerverkündung. Doch zunächst wurden alle drei Debütautoren nochmals auf die Bühne gebeten. Jeder von ihnen erhielt als Dankeschön für den Vortrag eine Kladde zum Aufbewahren von Aufzeichnungen und ein Ladegerät für Smartphones. Überreicht wurden die Geschenke von Herrn Preuss als Vertreter von Rheinenergie.
von links nach rechts: Herr Preuss (Rheinenergie), die Debütautoren Nis-Momme Stockmann, Kristina Schilke und Sascha Macht, Moderatorin Monika Schärer

Nachdem die drei die Bühne wieder verlassen hatten, kam es zum spannenden Finale. Das Abstimmungsergebnis war nach Aussage der Moderatorin Monika Schärer noch nie so knapp wie in diesem Jahr, auf jeden der Autoren entfielen in etwa 1/3 der Stimmen.
Und der Sieger des Silberschweinpreises 2016 ist: Sascha Macht ! Herzlichen Glückwunsch!
Sascha Macht (Mitte) bei der Entgegennahme des Silberschweinpreises

Der Abend hat sehr viel Spaß gemacht und ich denke, es ist nicht die letzte Silberschweinpreisverleihung an der ich teilgenommen habe.

Eure Ingrid

Text und Fotos: Ingrid Eßer

PS: Die Bühne war hell ausgeleuchtet (natürlich, sonst hätten wir ja nichts gesehen ;), die Qualität der Bilder meines Smartphones dadurch leider nicht so gut, das Foto der Debütautoren bei der Übergabe der Geschenke von Rheinenergie habe ich mit meiner Canon aufgenommen (hätte ich besser bei den anderen auch gemacht).

Freitag, 11. März 2016

[Rezension Hanna] Drei mal wir - Laura Barnett


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Drei mal wir
Autorin: Laura Barnett
Übersetzerin: Judith Schwaab
Hardcover: 496 Seiten
Erschienen am 11. März 2016
Verlag: Kindler
Inhalt
Cambridge, 1958: Eva ist mit dem Fahrrad auf dem Weg zum College, als sie einem Hund ausweicht und Jim sie beobachtet. Was dann passiert, das wird in drei Versionen erzählt. Einmal fährt Eva über einen rostigen Nagel und kommt über ihren platten Reifen mit Jim ins Gespräch. Einmal gerät sie ins Straucheln, fährt aber nach einem kurzen Wortwechsel mit Jim gleich weiter. Und einmal stürzt sie und Jim eilt ihr zur Hilfe. Diese erste Begegnung in ihren Variationen bildet den Ausgangspunkt für drei Geschichten wie das Leben von Eva und Jim über die Jahre hinweg verläuft. Wird Eva als Schriftstellerin erfolgreich? Wird Jim in seiner Rolle als Anwalt aufgeben oder sich doch der Kunst zuwenden? Und vor allem: Wird der Weg der beiden ein gemeinsamer sein?

Meinung
Als ich zum ersten Mal von diesem Buch gehört habe, war mein Interesse gleich geweckt. Ein Buch mit gleich drei Versionen, mit drei Möglichkeiten, wie zwei Leben verlaufen werden, das klang für mich nach einem vielversprechenden Gedankenexperiment. Als ich das Buch dann in den Händen hielt, war ich überrascht, wie kurz die einzelnen Kapitel sind, nach denen jeweils ein Sprung in eine andere Version stattfindet. Im Nu hatte ich die drei sehr ähnlichen und doch verschiedenen Ausgangsszenarien gelesen und war gespannt darauf, welche Konsequenzen sie haben werden.

Auf die Ausgangssituation wird auch im Cover angespielt, doch dieses hätte mir noch besser gefallen, wenn die Situation richtig dargestellt worden wäre. Man sieht eine Frau mit Hund auf einen Mann mit Zeitung zugehen, doch Eva war auf dem Fahrrad unterwegs, musste einem unbekannten Mann mit Hund ausweichen und begegnete so Jim, der mit einem Buch unterwegs war. Lobend erwähnen muss allerdings ich die wirklich wunderschöne Gestaltung der Seiten. Auf jeder Seite findet man Blatt- und Blütenornamente, die abhängig von der Version, die gerade erzählt wird, in einer anderen Farbe abgedruckt sind.

Die einzelnen Kapitel sind wie gesagt relativ kurz, selten länger als zehn Seiten. Die Versionen werden immer in der gleichen Reihenfolge erzählt, nur gelegentlich wird eine Version ausgelassen. Sie spielen immer zur gleichen oder sehr ähnlichen Zeiten mit einem Zeitsprung nach jeder Runde. Dadurch hat das Buch durchweg ein sehr hohes Tempo. Bei mir hinterließ das den Eindruck eines Zeitraffers, der immer wieder für einige kurze Momente gestoppt wird, um sie in Echtzeit zu erzählen. Um drei Mal 56 Jahre auf knapp 500 Seiten abzubilden, ist dieses Vorgehen schlichtweg notwendig. Dabei hat die Autorin ihr erzählerisches Geschick unter Beweis gestellt. Dennoch fiel es mir nicht leicht, den Überblick zu wahren. Die Anzahl der Nebenfiguren ist groß, viele tauchen in einer, manche in beiden oder auch in allen drei Versionen auf. Außerdem passiert manchmal in zwei Versionen etwas sehr ähnliches. So musste ich immer wieder zurückblättern, um nachzuschauen, was in welcher Version passiert war und was nicht.

Eva und Jim durchleben – sowohl zusammen als auch getrennt – über die Jahre hinweg so manche Höhen und Tiefen. Mir fiel es leicht, mich in die einzelnen Situationen hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, was sie fühlen. Auch die Faszination der beiden füreinander konnte die Autorin für mich nachvollziehbar machen. Doch auch hier macht sich das hohe Tempo bemerkbar, das Buch bleibt emotional an der Oberfläche, auch für die dramatischsten Momente ist nur wenig Platz reserviert. So werden zum Beispiel einige Ereignisse nur angerissen und das nächste Kapitel der Version erzählt in der Retrospektive ganz kurz, was danach passiert ist und was die Konsequenzen waren.

Beim Spiel mit dem „Was wäre wenn“ stellt sich unweigerlich die Frage, wie stark sich das weitere Leben abhängig von einzelnen Entscheidungen unterscheiden kann. Die Autorin bietet mit diesem Buch ihre Gedanken dazu an. Sie hat verschiedene Fixpunkte gewählt, die in allen Versionen gleich sind. Evas Bruder feiert zum Beispiel in allen Versionen am gleichen Ort seinen 30. Geburtstag und hat die gleiche Partnerin. Mit den Ähnlichkeiten und Unterschieden in ihren Versionen hat sie mich zum Nachdenken bringen können. Insgesamt haben die drei Geschichten mich bis zum rührenden Ende unterhalten können, welches das Gedankenspiel der Autorin in einer für mich absolut gelungenen Weise abschließt.

Fazit
„Drei mal wir“ bietet beste Unterhaltung mit drei Geschichten, drei Mal zwei Leben, die hätten sein können. Mit hohem Tempo nahm Laura Barnett mich mit auf eine Reise, in der drei Lebensversionen sich immer wieder aufeinander zu und voneinander weg bewegen. Auch ähnliche Situationen hat die Autorin abwechslungsreich beschrieben und mich an ihre Erzählung gefesselt. Es fiel mir allerdings nicht leicht, den Überblick zu wahren, und manchmal sprang ich schweren Herzens in der Zeit voran, obwohl ich bestimmte Momente gerne noch ausführlicher erlebt hätte. Ich kann Euch nur empfehlen, diese Reise ebenfalls anzutreten und Eva und Jim kennenzulernen!


Donnerstag, 10. März 2016

[Rezension Hanna] Die Seiten der Welt. Blutbuch - Kai Meyer


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Die Seiten der Welt: Blutbuch
Autor: Kai Meyer
Hardcover: 528 Seiten
Erschienen am 09. März 2016
Verlag: FISCHER FJB

Die Reihe

Band 1: Die Seiten der Welt (Rezension)
Band 2: Die Seiten der Welt. Nachtland (Rezension)
Band 3: Die Seiten der Welt. Blutbuch


Inhalt
Nach den verheerenden Ereignissen im Sanktuarium ist Furia von ihren Freunden getrennt. Die Ideen haben sie in den Nachrefugien freigegeben, wo sie Severin Rosenkreutz wiedertrifft und Bekanntschaft mit der legendären Phaedra Herculanea und ihren Tintlingen macht. Wird es Furia gelingen, sich dem Einfluss von Severin und Phaedra zu entziehen und das zu tun, was sie für richtig hält?
Unterdessen suchen Isis und Duncan nach Hinweisen auf Furias Aufenthaltsort und was hinter der Bedrohung durch die Ideen steckt. Cat möchte mit Finnians Unterstützung mit einer wichtigen Person aus ihrer Vergangenheit reden. Für die Freunde beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit – die Feinde sind ihnen dicht auf den Fersen, und die alles verschlingenden Ideen sind nicht aufzuhalten…

Meinung
Endlich ist er da: Der finale Teil der „Seiten der Welt“ - Trilogie! Nachdem die ersten beiden Bände mich begeistern konnten, brannte ich darauf, zu erfahren, wie die Geschichte rund um Furia, ihre Freunde und die Welt der Bibliomantik endet. Auf den ersten Seiten traf ich gleich zwei gut bekannte Charaktere wieder: Isis und Duncan jagen den Spuren Furias und der Ideen hinterher. Dabei erhalten sie Unterstützung durch ein neues, bibliomantisches Wunderwerk. Im Nu war ich wieder mitten in der Geschichte.

Auch Furia traf ich bald wieder und erkundete gemeinsam mit ihr die Nachtrefugien. Auf diese hatte mich schon der zweite Teil mehr als neugierig gemacht, und nun erfuhr ich endlich mehr über ihre Geschichte und ihre Bewohner. Furias Kapitel haben mir am besten gefallen, denn sie macht die erstaunlichsten Entdeckungen und muss mutige und wegweisende Entscheidungen treffen. Auch über ihr Wiedersehen mit Severin habe ich mich gefreut. Kai Meyer findet hier genau die richtigen Worte, um die komplizierte Beziehung der beiden zueinander begreiflich zu machen.

Mit Rachelle Himmel, dem neuen Oberhaupt der Akademie, und Jim Hawkins, einem Exlibri, gewinnen in diesen finalen Band noch einmal zwei neue Charaktere an Bedeutung. Auch eine bislang noch nicht bekannte bibliomantische Erfindung wird zunehmend wichtig. Das bringt Abwechslung in die Geschichte. Dennoch setzt der Autor stark auf Bekanntes und hält den Leser die meiste Zeit an der Seite von Isis und Duncan, Cat und Finnian sowie natürlich Furia. Die Geschichte rund um Isis und Duncan nahm mir leider zu viel Platz ein und bot dafür zu wenig. Zudem hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl, in sämtlichen Handlungssträngen gar nicht mehr aus Verfolgungsjagden herauszukommen, an denen ich deshalb zunehmend die Lust verlor.

Zum Ende hin wird zum Glück wieder mehr geredet als geschossen. Hier gab es viele Szenen, die mich berühren konnten. Während der ganzen Geschichte wurden immer wieder Erklärungen zu den Hintergründen der bibliomantischen Welt geliefert, und zum Ende hin werden auch die letzten Fakten offenbart. Trotzdem behalten einige Dinge einen Hauch Mysterium, denn mit den harten Fakten ist nicht alles erklärbar… das fand ich wirklich gut. Rund um das Geheimnis der Ideen fehlte es mir hingegen ein wenig an Raffinesse. Dennoch fügt sich auch dieses Element gelungen in den Gesamtkontext ein. Das Ende war ganz anders, als ich es erwartet hätte, was mich abschließend noch einmal absolut positiv überrascht hat.

Fazit
„Die Seiten der Welt: Blutbuch“ bietet zum Abschluss der Trilogie noch einmal einen Wettlauf gegen die Zeit, viel Action, aber auch berührende Szenen. Trotz kleinerer Kritikpunkte sind die Ereignisse eine gelungene Fortsetzung der ersten beiden Bände, welche die Handlung zu einem tollen Ende bringen, mit dem so sicherlich niemand rechnen wird. Die „Seiten der Welt“-Trilogie sollte jeder, der Bücher liebt, gelesen haben!

Dienstag, 8. März 2016

[Rezension Ingrid] Mein Herz wird dich finden von Jessi Kirby


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Titel: Mein Herz wird dich finden
Autorin: Jessi Kirby
Übersetzerin: Anne Brauner
Erscheinungsdatum: 25.02.2016
Verlag: Sauerländer Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag

Mia hat ihren Freund Jacob durch einen Verkehrsunfall verloren. Noch heute, 400 Tage später, erinnert sie sich nur mit Grauen an diesen Tag zurück. So beginnt der Roman „Mein Herz wird dich finden“ von Jessi Kirby. Auf dem Cover des Buchs ist ein verschlungenes Herz in rot-goldener Farbe das im Licht glänzt. Nichts weist auf eine bedrückende Geschichte hin und so hellt sich nach einem beklemmend wirkenden Beginn das Geschehen auf und nimmt den Leser mit hinein in eine der bewegensten Liebesgeschichten, die ich kenne.

Jacob fehlt Mia sehr. Die beiden hatten gemeinsame Pläne für ihre Zukunft. Zum Glück gibt ihre Familie ihr Zeit über den Verlust hinweg zu finden. Eines Tages macht sie sich auf die Suche nach einer bestimmten Person. Bei der Fahrt ans naheliegende Meer lernt sie Noah kennen. Beide fühlen sich gleich auf einer Wellenlänge. Und doch ist es so, dass Mia Noah gar nicht hätte kennenlernen dürfen. Sie sehnt eine Aussprache mit Noah herbei, aber der geeignete Moment will zunächst einfach nicht kommen. Und dann ist es beinahe zu spät, um auf Verständnis zu hoffen …

Gerade einen jungen Menschen zu verlieren, egal ob als Familienmitglied oder Freund, ist furchtbar. Alles bricht ab. Begegnungen, gemeinsame Träume und Worte sind nicht mehr möglich. Die Lebenden sind gefangen im hier und jetzt. Keiner weiß wo der Geist und die Seele des Verstorbenen nun sind. Unser Verstand kommt an seine Grenze.

Vielleicht ist die Geschichte, die die Autorin hier erzählt, auch so mitnehmend weil sie sich mit einem der großen Themen unserer heutigen Zeit beschäftigt, der Organspende. Auf eine ganz besondere Weise verarbeitet sie in ihrer Erzählung einige Aspekte, keine ausführende Diskussion, jedoch ausreichend für die vorliegende Liebesgeschichte, um das Für und Wider des Spenders zu erkennen. Sie zeigt außerdem auf, dass es auch für den Empfänger eine Herausforderung sowohl physisch wie auch psychisch ist, mit dem fremden Organ zu leben.

Für Mia kommen zu den sehr emotionalen Geschehnissen noch das Wissen um den Gesundheitszustand ihres Vaters hinzu. Ihre Eltern bieten ihr Rückhalt und stärken sie bei ihren Handlungen. Doch der berufliche Stress macht ihrem Vater zu schaffen. Die Besorgnis ihrer Mutter um ihren Mann bedrückt auch Mia. Vor dem Hintergrund eines Sommers am Meer mit seiner Leichtigkeit, dem Vergnügen und Spaß wird der Protagonisten bewusst, dass immer wieder in einem geregelten, erfüllten Alltagsleben plötzliche Gefahren lauern, die der Gesundheit abträglich sind.
Mia ist eine liebenswerte Person, ebenso wie Noah. Beide sind rücksichtsvoll und doch haben sie auch ihre Ecken und Kanten. Ohne zu wissen warum, vertraut Mia ihrem neuen Freund, obwohl ihr manche Situation in die er sie bringt riskant erscheint.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr gefühlsbetont. Sie schafft es mit ihren Worten die Wärme des Sommers einzufangen. Ich konnte mir  die einzigartige Landschaft und die Naturphänomene, die Noah Mia zeigt, sehr gut vorstellen. Die Story wird von Mia in der Ich-Form erzählt, so dass ich an den Gedanken und inneren Auseinandersetzungen der Protagonistin teilhaben konnte. Vor jedem Kapitel hat Jessi Kirby eine Tatsache oder einen Spruch über das Herz gestellt, der im Laufe des Buchs Wissen vermittelt, aber auch den Leser zwischen den teils atemlos stimmenden Kapiteln kurz aufatmen lässt. Denn über der romantischen Geschichte liegt stets die Angst von Mia, dass eine Aussprache mit Noah kein Verständnis von ihm bringt und ihre noch junge Liebe einer solchen Probe nicht standhalten wird.

Mich hat dieses Buch tief berührt und ich habe mich sehr über den versöhnlich stimmenden Abschluss gefreut. „Mein Herz wird dich finden“ ist definitiv ein Buch das ich sehr gerne weiterempfehle, nicht nur an Jugendliche ab 14 Jahren sondern auch an junge Erwachsene und interessierte ältere Leser.

Freitag, 4. März 2016

[Rezension Ingrid] Eine Therapie für Aristoteles von Melanie Sumner



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Titel: Eine Therapie für Aristoteles
Autorin: Melanie Sumner
Übersetzerin: Eva Kemper
Erscheinungsdatum: 16.02.2016
Verlag: Dumont Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Der Titel des Buchs „Eine Therapie für Aristoteles“ von Melanie Sumner ließ mich zunächst daran denken, dass die namensgebende Person eine zu heilende Verhaltensauffälligkeit hat und der Roman diesen Prozess beschreibt. Aber das wäre viel zu naheliegend, ist allerdings dennoch ein wenig wahr. Erst das Blatt auf dem Cover, das sich aus der Schreibmaschine rauswindet, führt den Leser in Kombination mit dem Titel zum Inhalt.

Die 12 ½ jährige Aristoteles Thibodeau, kurz Aris genannt, hat von ihrer Mutter Diane, einer Dozentin für Anglistik, das Buch „Romane schreiben in 30 Tagen!“ erhalten. Diane ist neben ihrem Beruf mit der Erziehung von Aris und dem vier Jahre jüngeren Max manches Mal überfordert. Ihr Mann starb, als Max noch nicht geboren war. Aris‘ Bruder ist wegen seiner hohen Sensibilität in therapeutischer Behandlung und eigentlich wäre für Aris eine solche auch angebracht. Weil ihre Mutter aber immer wieder vergisst, einen Termin für sie zu vereinbaren, nimmt sie das geschenkte Buch als Ersatz. Kapitelweise arbeitet sie sich voran, inklusive Schreibübungen. Der vorliegende Roman ist bereits das Ergebnis des Schreibprozesses und so begleitet der Leser Aris bei der Entstehung ihres Erstwerks.

Getreu ihrem Schreiblernbuch beginnt sie mit einem Vorwort, das eigentlich keines ist. In der nachfolgenden Einleitung lässt die Autorin ihre Protagonistin den Leser um Verständnis bitten, dass ihre Schreibweise gelegentlich nicht ihrem Alter entspricht. Obwohl Aris eine große Selbständigkeit von ihrer Mutter zugewiesen wird, ist sie von ihrer Einsicht in Sinnzusammenhänge und im Erkennen von Gefühlslagen her Gleichaltrigen weit voraus. Melanie Sumner nutzt jedoch die Naivität um immer wieder Leichtigkeit in die doch so ernste familiäre Situation zu bringen. Denn die Familie hat es nicht leicht, Diane weiß oft kaum wie sie das Schulgeld für Aris und Max aufbringen soll. Aris wünscht sich daher, schnell einen Bestseller zu schreiben. Das Buch gibt den Zeitrahmen vor, aber so einfach gestaltet sich das Schreiben nicht. Es gilt, bestimmte Kriterien zu beachten, die vorhanden sein sollten.

Aris Erfahrungswerte beschränken sich auf ihre eigene Vergangenheit und die ihrer Familie. Doch was sich eher langweilig anhört, wird im Roman zu einem Spiel der Realität mit Tiefgang. Nicht nur Aris Auseinandersetzung mit dem Tod ihres Vaters, sondern auch mit Themen wie Religionszugehörigkeit und Rassismus machen diesen Roman aus. Und so ganz nebenbei versucht Aris sich auch darin, einen neuen Vater für sich und Ehemann für Diane zu finden.

„Eine Therapie für Aristoteles“ ist ein Buch, dem man das US-amerikanische Setting anmerkt, das aber auch in Europa spielen könnte. Neben der amüsanten und doch nachdenklich stimmenden Lektüre lernt der Leser gleich noch etwas über das Schreiben von Romanen. Das Aris ihr Projekt beenden wird, steht nie in Zweifel, schließlich liegt es in den Händen des Lesers. Ein ungewöhnliches Buch mit einer frischen Idee, das ich gerne weiterempfehle.

Dienstag, 1. März 2016

[Rezension Hanna] Silent Scream - Angela Marsons


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Silent Scream
Autorin: Angela Marsons
Übersetzerin: Elvira Willems
Klappenbroschur: 464 Seiten
Erschienen am 1. März 2016
Verlag: Piper

Inhalt
Kim Stone ist DI im Black Country, liebt Motorräder und Ehrlichkeit und verabscheut politisches Feingefühl. Als die Leiche von Teresa Wytt gefunden wird, die in ihrer eigenen Badewanne ertränkt wurde, werden Kim und ihr Team mit den Ermittlungen betraut. Erste Befragungen ergeben, dass Teresa keine offensichtlichen Feinde hatte und sich in der letzten Zeit nicht ungewöhnlich verhalten hat. Nur ein einziges ihrer letzten Telefonate fällt aus der Reihe: Ihr Gesprächspartner kämpft seit Jahren um eine Grabungserlaubnis auf dem Grundstück eines ehemaligen Kinderheims. Und nun wird er vermisst...

Meinung
„Silent Scream“ ist der Auftakt einer neuen Krimireihe rund um DI Kim Stone, welche in Großbritannien bereits große Erfolge feierte. Entsprechend neugierig war ich auf diese neue Reihe, welche im Black Country in der Nähe von Birmingham spielt. Gleich auf der ersten Seite erfährt man, dass mehrere Personen eine Leiche vergraben haben. Wer sind sie, und warum haben sie das getan? Mit dieser Frage im Kopf startete ich in die Geschichte und wurde gleich Zeugin des Mordes an Teresa Wyatt.

Schnell war ich mittendrin in den Ereignissen und begab mich an der Seite von Kim Stone auf die Suche nach Antworten. Das Tempo ist von Beginn an hoch dank kurzer Kapitel, häufiger Ortswechsel und immer neuer Ereignisse, welche zum Teil Fragen beantworten und zum Teil neue aufwerfen. Für Kim und ihr Team gibt es so gut wie keine Verschnaufpause, und ebenso erging es mir als Leserin, die sich von der fieberhaften Suche nach der Wahrheit mitreißen ließ.

Kim Stone als Protagonistin hat mir sehr gut gefallen. Für sie ist es letztendlich entscheidend, den Fall zu lösen und den Opfern Gerechtigkeit zu verschaffen. Ihre Ecken und Kanten wurden für mich dank der Einblicke in ihre Gedanken nachvollziehbar. Auch kurze Einblicke in ihre Vergangenheit haben mich besser verstehen lassen, warum der Fall sie persönlich betroffen macht. Ihre drei Mitarbeiter lernt man erst einmal nur oberflächlich kennen. Hier freue ich mich darauf, in Folgebänden noch mehr zu erfahren.

Die Handlung rast stringent und mit einer überschaubaren Zahl an Charakteren voran. Dadurch bleibt kein allzu großer Raum für wilde Spekulationen, dennoch machen einige Verstrickungen die Lage undurchschaubar. Bald merkt man, dass Kims Ermittlungen ein Lauf gegen die Zeit sind, wodurch die Suche nach Antworten noch mal eine ganz neue Dringlichkeit erhielt. Kann Kim die Puzzlestücke zusammensetzen, bevor es zu spät ist? Viel zu schnell fand ich mich in einem spannenden Showdown wieder, erhielt zufriedenstellende Antworten auf all meine Fragen und erlebte eine letzte große Überraschung. Das Buch hat mir große Lust auf einen weiteren Fall für DI Kim Stone gemacht – zwei weitere Bände sind in Großbritannien bereits erschienen.

Fazit
Mit „Silent Scream“ ist der Autorin Angela Marsons ein temporeiches Debüt gelungen. Stück für Stück zerrt die charakterstarke Ermittlerin die Wahrheit ans Licht und ich fieberte mit, ob es nicht schon zu spät sein wird, wenn alle Puzzlestücke endlich an ihren Platz fallen. Mich hat das Buch bestens unterhalten, weshalb ich diesen thrilligen Krimi sehr gerne weiterempfehle. 


Montag, 29. Februar 2016

[Rezension Ingrid] Das Seehaus von Kate Morton



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Titel: Das Seehaus
Autorin: Kate Morton
Übersetzerin: Charlotte Breuer und Norbert Möllemann
Erscheinungsdatum: 29.02.2016
Verlag: Diana Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Loeanneth, ein verwunschen gelegenes Haus am See in Cornwall im Sommer 1933: bei Alice  Edevane, 16 Jahre, kreisen die Gedanken um ein Geheimnis. Die Gelegenheit zu einem Geständnis hat sie verstreichen lassen. Jetzt eilt sie durch das anliegende Wäldchen und vergräbt den Beweis für ihre Schuld. So spannend beginnt das Buch „Das Seehaus“ von Kate Morton. Auch bei ihrem neuen Buch schafft sie es, den Leser in ihren Bann zu ziehen.

Im Jahr 2003 hat sich Sadie Sparrow, Detective in London, während der Ermittlungen an einem aktuellen Fall mit Interna an einen Journalisten gewendet. Um sich einem Verweis durch ihren Vorgesetzten zu entziehen nimmt sie Urlaub, den sie bei ihrem Großvater in Cornwall verbringt. Beim Joggen entdeckt sie ein im Wald gelegenes Haus, das im Verfall begriffen scheint. Eine Freundin ihres Opas kennt nicht nur das Haus, bei dem es sich um Loeanneth handelt, sondern auch die Geschichte der Familie der das Haus gehört. Sie erfährt, dass die Familie Edevane alljährlich ein Mittsommerfest veranstaltete. In den 1930ern ist in dieser Nacht ein kleiner Junge verschwunden. Die Erzählung der Bekannten spricht in Sadie die Ermittlerin an. Es interessiert sie, was damals genau geschehen ist und warum die Familie mit drei älteren Töchtern und unmittelbar nach der großen Suchaktion der Polizei das Haus aufgegeben und nach London gezogen ist. Immer tiefer taucht sie und damit auch der Leser ein in die Vergangenheit der Familie Edevane und den damit verbundenen Geheimnissen.

Nach einem kurzen, spannenden Beginn geht die Geschichte zunächst etwas ruhiger weiter. Die Autorin macht den Leser mit den wichtigsten Figuren auf den beiden ungefähr 70 Jahre auseinanderliegenden (Haupt-)Zeitebenen auf denen der Roman spielt bekannt. 1933 bereitet die Familie Edevane sich auf das Mittsommerfest vor. Die Erzählung fokussiert hier auf Alice, der angehenden Schriftstellerin und frisch Verliebten. Beim Lesen dieser Kapitel kam mir ständig die oben erwähnte Anfangsszene mit der Schuldfrage ins Bewusstsein. Im ständigen Wechsel springt die Autorin immer wieder in das Jahr 2003. Der Leser wartet schon neugierig darauf, ob Sadie sich Zugang zu Loeanneth verschaffen kann und neue Erkenntnisse über das vor so langer Zeit bereits verschwundene Kind finden wird. Außerdem möchte man mehr über den aktuellen Fall erfahren an dem Sadie ermittelt hat. Was ist vorgefallen, das sie dazu geführt hat, einen langen Urlaub zu nehmen?

Kate Morton hat mit „Das Seehaus“ einen geschickt gesponnenen Roman geschrieben, der seine Geheimnisse erst nach und nach preisgibt. Sie legt immer wieder falsche Fährten aus, durch die der Leser und natürlich Sadie sich kurz vor der Lösung glauben, um dann doch in eine andere Richtung abzuschwenken. Meist geschieht dies durch geschickt gesetzte kleine Auslassungen bei Dingen, über die ihre Figuren nachdenken. Durch detailreiche Landschaftsbeschreibungen kann man sich gut die Umgebung von Loeanneth vorstellen und spürt das Besondere, das von diesem Ort ausgeht.

Abwechslungsreich gestaltet sind die Charaktere, die die Autorin vorstellt. Neben den Protagonisten Alice und Sadie nehmen weitere Figuren einen breiteren Raum ein, wie beispielsweise die Eltern von Alice und ihre Schwestern sowie ihre Großmutter, ein im damaligen Fall ermittelnder Polizist und Sadies Opa. Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser stückchenweise mehr über deren Vergangenheit und ihren Motiven zum Handeln in bestimmte Situationen. Es geschieht immer wieder, dass bei einer Person, nachdem man sie näher kennengelernt hat, eine frühere Verletzung des Gemüts zum Vorschein kommt.

Durch alle Zeitebenen und in Haupt- sowie Nebenerzählungen thematisiert das Buch Kinder, für die das Beste außerhalb ihres Elternhauses gewollt wird. Der Spannungsbogen hält durch die vielschichtige Gestaltung des Romans bis zum Ende hin an. Die Geheimnisse im Roman werden getragen von Liebe, Hass, Schuld, Verständnis füreinander, gegebenen Versprechungen, Lügen, Vergebung und unausgesprochenen manifestierten Vermutungen. So lässt sich der Roman genremäßig auch nicht fest zuordnen.

Mich hat das Buch überzeugt. Ein Must-Read für jeden Kate Morton Fan und darüber hinaus eine Leseempfehlung für alle, die Familienromane mit Geheimnis mögen sowie für Krimileser.

[Rezension Hanna] Über uns der Himmel, unter uns das Meer - Jojo Moyes


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Über uns der Himmel, unter uns das Meer
Autorin: Jojo Moyes
Übersetzerin: Katharina Naumann
Klappenbroschur: 512 Seiten
Erschienen am 26. Februar 2016
Verlag: Rowohlt

Inhalt
Im Jahr 1946 ist der Krieg vorbei, und ein Großteil der Soldaten ist in die Heimat zurückgekehrt. In Australien wartet so manche Kriegsbraut darauf, ihren Ehemann wiederzusehen. Rund 600 von ihnen sollen von Sydney aus mit einem Flugzeugträger nach England in die Heimat ihrer Ehemänner gebracht werden. Eine Fracht, die dem Kapitän Sorge macht – kann die Sittsamkeit an Bord gewahrt werden? Auch viele der Frauen hatten sich eine weitaus luxuriösere Überfahrt vorgestellt, zum Beispiel Avice, Tochter aus reichem Hause, die ihren Ian gegen den Willen ihrer Eltern geheiratet hat und die Sache nun durchziehen will. Die hochschwangere Margaret will ihren Joe einfach nur schnellstmöglich wiedersehen. Die beiden teilen sich auf der Reise eine Kabine mit der aufgedrehten Jean und der verschlossenen Frances. Werden die vier Frauen am Ende der Reise das finden, was sie sich erhoffen?

Meinung
Nachdem Jojo Moyes mich zuletzt mit „Ein ganz neues Leben“ bestens unterhalten konnte, habe ich mich sehr auf die nächste deutsche Veröffentlichung von ihr gefreut. „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ ist eins der ersten Bücher von Jojo Moyes, das im Original bereits 2005 erschien. Ich war neugierig, wie mir dieses Buch im Vergleich zu Moyes‘ neueren Romanen gefallen wird. Auch die Vorbemerkung der Autorin, dass sie hier von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert wurde und ihre Großmutter einst tatsächlich als Kriegsbraut auf der HMS Victorious nach England reise, weckte mein Interesse.

Die Geschichte beginnt mit einer Reise ins Jahr 2002, in welcher eine alte Frau gemeinsam mit ihrer Enkelin in Indien unterwegs ist, eher zufällig auf einen Schiffsverschrottungshafen gerät und dort eine Entdeckung macht, die sie völlig unvorbereitet trifft. Ohne dass die Situation aufgelöst wird springt die Handlung ins Jahr 1946 und in die Zeit kurz vor der Abfahrt der HMS Victorious in Richtung England. Hier lernt der Leser die vier Frauen kennen, die er auf ihrer Reise begleiten wird. Die Autorin hat hier ganz unterschiedliche Charaktere ausgewählt und mir so gut verdeutlichen können, welche unterschiedlichen Schicksale hinter der Entscheidung, die Reise anzutreten, stehen.

Mein Lieblingscharakter war von Beginn an Margaret. Sie ist bereits von ihrem Mann schwanger. Auch wenn es ihr schwer fällt, ihren Vater und ihre Brüder allein zurückzulassen, ist für sie klar, dass sie zum Vater ihres Kindes muss. Sie ist bodenständig und hat eine pragmatische und unkomplizierte Art, die mir gefiel. Die hochnäsige Avice und die vorlaute Jean waren da schon anstrengendere Zeitgenossinnen. Bei ihnen war ich vor allem neugierig darauf, wie die Reise sie verändern wird. Bei der verschlossenen Frances wusste ich hingegen erst einmal nicht, was ich zu erwarten hatte und hoffte, dass sie mich bald hinter ihre Fassade blicken lässt und ihre Geheimnisse mit mir teilt.

Die Erlebnisse der vier Frauen haben mich verstehen lassen, wie so eine Reise auf dem Flugzeugträger damals wohl abgelaufen ist. Immer wieder kommen Zweifel auf und die Frage, ob sie am Ziel wirklich das erwartet, worauf sie hoffen. Gleichzeitig kämpfen sie aber auch mit praktischenu praktischen Problemen – Sturm, Hitze, Wasserknappheit. Und trotz offizieller Geschlechtertrennung lernen sich einige Bräute und Männer der Besatzung besser kennen – nur auf freundschaftlicher Basis? Das Buch berichtet vom Alltag an Bord und wirkte dabei authentisch. Doch so eine Reise von Australien nach England dauert einige Wochen, und so zog sich das Buch für mich vor allem im Mittelteil etwas in die Länge. Zwar gibt es so manchen unerwarteten Zwischenfall, doch mich interessierten vor allem die Geheimnisse der vier Frauen. Über diese erfährt der Leser aber erst gegen Ende des Buches mehr. Hier wurde es dafür aber noch einmal richtig spannend und aufregend und die letzten Seiten waren wirklich rührend. Auch der rätselhafte Prolog wird erklärt und beantwortet die letzten offenen Fragen.

Fazit
„Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ berichtet authentisch von vier Kriegsbräuten, die gemeinsam mit rund 600 weiteren Bräuten und mehr als 1100 Mann Besatzung auf einem Flugzeugträger von Australien nach England zu ihren Ehemännern reisen. Die vier gänzlich unterschiedlichen Schicksale fand interessant und ich fieberte den Frauen mit, ob sich ihre Hoffnungen erfüllen werden. Ich empfehle diesen Roman mit vielen schönen, aber auch einigen traurigen Momenten gerne weiter.

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