Samstag, 9. Februar 2013

[Rezension Hanna] Petra Schier - Die Stadt der Heiligen






Serie: Aachen-Trilogie

Band 1: Die Stadt der Heiligen
Band 2: Der gläserne Schrein
Band 3: Das silberne Zeichen












 ~ Inhalt ~


Im Juli 1412 wird Aachen erneut Schauplatz eines großen Ereignisses: Wie alle sieben Jahre findet die Heiltumsweisung statt, bei der unter anderem die Windeln Jesu und ein Kleid Marias gezeigt werden. Tausende Pilger zieht es nach Aachen, unter ihnen auch den Mönch und Ablasshändler Christophorus. Dieser ist jedoch nicht nur nach Aachen gekommen, um die Reliquien zu sehen, sondern auch um Marysa, der Frau des Schreinermeisters Reinold, die Nachricht vom Tod ihres Bruders zu überbringen und seine Unterstützung anzubieten. Marysa schlägt das Angebot zunächst aus. Kurz darauf wird jedoch Reinolds Geselle erschlagen im Dom aufgefunden, und es bricht eine schwere Zeit für ihre Familie an. Christophorus beginnt mit Nachforschungen, um Marysa zu helfen. Bald stößt er auf ein undurchsichtiges Netz aus Lügen und Intrigen…

~ Meinung ~


Dank Petra Schiers lebendigem und anschaulichen Schreistil war ich innerhalb weniger Seiten mitten in der Geschichte gefangen. Dabei wurde mir Marysa sofort sympathisch, denn ich konnte ihre Einstellungen und ihr Verhalten gut nachvollziehen. Nach dem Tod ihres Vaters, der sie für die damaligen Verhältnisse recht liberal erzogen hat, musste sie heiraten, damit die Schreinerei nicht ihrem Vetter zufällt. Ihr Mann Reinold weiß ihren klugen Kopf nicht zu schätzen, weist ihre Ratschläge ab und möchte sie lediglich als brave Hausfrau sehen. Auch wenn das für die damaligen Verhältnisse nicht unüblich war, konnte ich nicht umhin, Reinold durch und durch unsympathisch zu finden. Der Charakter des Mönchs Christophorus hingegen wirft zahlreiche Fragen auf: Wie lernten er und Marysas Bruder sich kennen, wenn dieser Ablasshändler eigentlich verabscheute? Was verbirgt er vor Marysa und den anderen Mönchen in der Stadt? Christophorus lädt zu Spekulationen und Mutmaßungen ein. Mit seiner charmanten und hilfsbereiten Art konnte ich ihn aber trotz vieler Fragezeichen liebgewinnen.

Im Vordergrund dieses Romans stehen die Themen Reliquienhandel und Reliquienfälschungen. Die Drahtzieher schrecken dabei auch nicht vor Gewalt und Intrigen zurück, weshalb die Geschichte eine Kriminalhandlung enthält. Wer dieses Buch lesen möchte, sollte sich allerdings bewusst sein, dass es sich um einen Historischen Roman mit Aspekten einer Kriminalhandlung handelt und nicht um einen Krimi vor historischer Kulisse, ansonsten könnte man in seinen Erwartungen enttäuscht werden. Petra Schier lässt die Suche nach den Reliquienfälschern vor einer historischen Kulisse spielen, die ich mir dank der bildhaften Beschreibungen und zahlreicher in die Geschichte eingeflochtener historischer Informationen gut vorstellen konnte. Da ich selbst in Aachen wohne, war es für mich besonders spannend, einen Einblick in die Stadt im 15. Jahrhundert zu erhalten – in dieser Hinsicht hat sich die Lektüre definitiv gelohnt!

Am Ende bleiben noch einige Fragen offen, welche aber hoffentlich in den beiden Folgebänden „Der gläserne Schrein“ und „Das silberne Zeichen“ geklärt werden. Der Auftakt der Trilogie konnte mich mit facettenreichen Charakteren, einer bildhaften Sprache und einer spannenden und unterhaltsamen Handlung überzeugen. Gerne empfehle ich „Die Stadt der Heiligen“ weiter.



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Taschenbuch: 352 Seiten
Erscheinungsdatum: März 2009
Verlag: rororo
Link zur Buchseite des Verlags


Donnerstag, 7. Februar 2013

Rezension zu Eowyn Ivey - Das Schneemädchen


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Ttitel: Das Schneemädchen
Autorin: Eowyn Ivey

(übersetzt von Claudia Arlinghaus, Margarethe Längsfeld und Martina Tichy)
Erscheinugndatum: 21.09.2012
Verlag: Kindler Verlag
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783463406213
                                        Preis: 19,95 Euro


„Das Schneemädchen“ von Eowyn Ivey ist als Hardcover mit Schutzumschlag bei Kindler erschienen, einem Imprint des Rowohlt Verlags und umfasst in drei Teilen insgesamt 54 Kapitel und einen Epilog auf 456 Seiten. Das Hardcover ist in hellblau gehalten. Der Schutzumschlag wurde in kräftigem Blau gestaltet mit weiß abgesetztem Bild einer stilisierten verschneiten Baumgruppe zwischen der ein Mädchen in Begleitung eines Fuchses läuft. Die Farbgebung nimmt Anlehnung an die Kleidung des Schneemädchens, von dem diese Erzählung handelt.


Mabel und Jack sind schon rund 50 Jahre alt und aus Enttäuschung über den Tod ihres einzigen Kindes gleich bei der Geburt haben sie sich in die Wälder Alaskas zurückgezogen, um sich dort fernab der Zivilisation ein Leben zu zweit aufzubauen. Nachdem sie sich ein Holzhaus gebaut und Land gerodet haben, fällt der erste Schnee aus dem sie vor ihrem Haus ein Schneemädchen bauen. Sie verzieren die Figur mit kleinen Accessoires und am nächsten Tag fehlen Schal und Fäustlinge. Doch zunächst sehen sie nicht mehr wie einen Schatten, der durch die Umgebung schweift. Ganz behutsam findet eine Annäherung zwischen den beiden und dem Mädchen statt. Doch es bleibt der Eindruck, als ob es tatsächlich aus dem Schnee entstanden wäre. 


In einer wunderschönen Sprache lässt Eowyn Ivey nicht nur die Figuren, sondern auch die Landschaft Alaskas vor dem Auge des Lesers entstehen, gerade so, als ob er die Gegend sehen und, riechen und die Kälte spüren könnte. Er lernt die Verzweiflung Mabels kennen, als sie Parallelen zum Märchen aus ihrer Kindheit vom Schneemädchen zu ihrer momentanen Situation zu  erkennen glaubt, aber den Ausgang nicht akzeptieren möchte. Gleichzeitig nimmt man teil an den großartigen Zusammentreffen mit der burschikosen, aber herzlichen Nachbarin, die lange Zeit das Mädchen nicht kennenlernen wird und Mabels Verhalten daher zeitweise skeptisch betrachtet. Und ständig bangt der Leser mit Mabel und Jack darum, ob das Schneemädchen wieder zu ihnen zurückkommen wird, denn nach jedem Besuch taucht es abends wieder in die Weite Alaskas ein. Das Buch beschreibt große Gefühle mit leisen Worten und ist für mich eine absolute Leseempfehlung.


[Rezension Hanna] Carina Bartsch - Türkisgrüner Winter





Serie: Emely & Elyas

Band 1: Kirschroter Sommer (Rezension)
Band 2: Türkisgrüner Winter












Nach einem fiesen Cliffhanger am Ende des ersten Teils schließt beginnt die Handlung dieses Buches nur eine Woche später. Um „Türkisgrüner Winter“ zu lesen, muss man einfach den ersten Teil gelesen haben, und wer „Kirschroter Sommer“ gelesen hat, kann es kaum erwarten, sofort mit diesem Buch fortzufahren! Auf eine Inhaltsangabe werde ich daher verzichten. Wer wissen will, worum es überhaupt geht, liest am Besten meine Rezension zu „Kirschroter Sommer“.

Mein einziger Kritikpunkt am ersten Buch war, dass die Handlung nicht die großen Entwicklungen macht, die ich mir gewünscht hätte. Offenbar wurde mein Wunsch erhört – das zweite Buch startet mit einer tollen Szene, die mich begeistern konnte. Einfach typisch Emely und Elyas! Schon nach wenigen Seiten wusste ich, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, nach dem ersten Teil nahtlos weiterzulesen.

Im Vergleich zu „Kirschroter Sommer“ findet man in diesem Buch weniger gegenseitige Kabbeleien von Emely und Elyas, welche aber wieder herrlich amüsant sind. Insgesamt hat die Atmosphäre sich jedoch verändert. Dieses Buch ist nachdenklicher, ernster und gefühlsbetonter als sein Vorgänger. Es wird stärker durch Schlüsselszenen geprägt, welche entscheidend für den weiteren Geschichtenverlauf sind.

Immer stärker entwickelt sich „Türkisgrüner Winter“ zu einem Auf und Ab der Gefühle. Wie sein Vorgänger ist auch dieses Buch gänzlich aus Emelys Sicht geschrieben, weshalb ich ihre Einstellungen nachvollziehen konnte und mit ihr mitgehofft aber auch -gebangt habe. Gelegentlich wollte man ihr aber auch einen Tritt geben, denn nicht immer waren ihre Entscheidungen die, die ich in ihrer Situation getroffen hätte.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Elyas mehr über sich preisgibt. Durch diese Einblicke erfährt man mehr darüber, was er überhaupt empfindet und wie er denkt. Das hat ihn mir gegenüber noch einmal deutlich sympathischer hat werden lassen. Auch die meisten der in Band 1 liebgewonnenen Nebencharaktere tauchen in diesem Buch wieder auf. Alex und Sebastian beweisen, dass sie wahre Freunde sind. Und auch Eva und Nicolas sowie Elyas‘ Clique sind wieder mit von der Partie und sorgen für humorvolle und ernte Szenen.

Insgesamt hat mir „Türkisgrüner Winter“ besser gefallen als sein Vorgänger. Es liegen mehr knisternde Gefühle in der Luft, die mich haben mitfiebern lassen. Die Charaktere haben sich weiterentwickelt, und auch die Handlung ist von entscheidenderen Szenen geprägt. Wer auf der Suche nach einem romantischen, humorvollen und gefühlsbetonten Liebesroman ist, dem empfehle ich die Bücher „Kirschroter Sommer“ (unbedingt zuerst lesen!) und „Türkisgrüner Winter“ gerne weiter!



*Werbung* Weitere Informationen zum Buch


Taschenbuch: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: Januar 2013
Verlag: rororo
Link zur Buchseite des Verlags


Montag, 4. Februar 2013

Autoreninterview mit: Bettina Szrama



Hallo Bettina,

vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten. Ich möchte dich zunächst meinen Lesern kurz vorstellen: 



Bettina Szrama wurde 1952 in Meißen geboren. Sie studierte Agrarwissenschaft und war nach ihrem Diplom auch zunächst in der Landwirtschaft tätig, vor allem im pferdesportlichen Bereich. Ihre Kreativität zeigte sich jedoch bereits in der Schule und schließlich ging sie 1991 mit einem Literaturstudium an der Axel Andersson Akademie in Hamburg ihrem Wunsch nach, das Schreiben professionell zu erlernen. Zunächst war sie journalistisch tätig, seit 1994 widmet sie sich der Belletristik. Ihr erster Roman, die Geschichte über ihren Boxerhund Max, erschien 1995. Es folgten ein phantastischer Krimi, eine Kurzgeschichtensammlung mystischer Art, ein Krimi und schließlich nochmals ein Roman über einen ihrer Boxer. Seit Ende 2003 ist sie als Autorin selbständig tätig. Seitdem hat sie erfolgreich fünf historische Kriminalromane geschrieben,  die darauf basieren, dass deren Protagonisten tatsächlich gelebt haben. Der zuletzt erschienene Romane im Oktober 2012 ist „Das Mirakel von Köln“.
Zu den historischen Kriminalromanane von Bettina Szrama finden sich folgende  Rezensionen auf unserem Blog:




Rezension "Das Mirakel von Köln" (volle Bewertungs-Punktzahl!)








Rezension "Die Hure und der Meisterdieb" (4 von 5 Punkten)


 






Bist du neben dem Romanschreiben nebenher weiterhin journalistisch tätig?



Im Moment nicht, da ich mich mit einem sehr umfangreichen Projekt beschäftige. Aber ich gedenke wieder ein wenig journalistisch zu arbeiten. Vielleicht bei meiner Tageszeitung.  Es ist mir wichtig auch unter Menschen zu gehen, um mir neue Anregungen für meine Geschichten zu holen.



Als selbständige Autorin hättest du eigentlich den ganzen Tag Zeit zum Schreiben. Hilft es dir, deinen Tag zu strukturieren oder schreibst du je nach Schreiblust, Einfällen und Abgabeterminen? 



Ich habe eine feste Strukturierung. Schreiben ist eine anspruchsvolle Arbeit. Deshalb erledige ich bis ca. 12.00 Uhr meine E-Mails, Werbung, Büroarbeit und meine Hausarbeit.  Dann habe ich den Kopf frei und schreibe bis 16.00 Uhr. Im Anschluss mache ich eine Pause, esse etwas und gehe ausgiebig mit meinen Hunden spazieren.  Nach dem Abendbrot, schreibe ich meistens noch 2 bis 3 Stunden. Während eines Lektorates allerdings kann sich die Schreibarbeit auch schon mal bis in die tiefen Nachtstunden hinziehen.



Was machst du, wenn du nicht schreibst? Welche Interessen und Hobbys hast du?



Oh, ich habe viele Hobbys und würde sie gern ausleben. Aber ein Schriftsteller lebt eigentlich jede Stunde und jede Minute seinen Beruf. Zum Schlafengehen ziehe ich mich gern mit meinem Kindle ins Bett zurück. Ich lese für mein Leben gern, richte mich aber auch hier nach Literatur, von der ich noch lernen kann. Als Ausgleich zum Schreiben, treibe ich Sport, jogge, fahre Rad und reite.  Zu mehr reicht die Zeit nicht. Ein Schriftsteller lebt in seiner selbstgewählten Einsamkeit.



Du bist seit 2003 Mitglied im Verband Deutscher Schriftseller und seit 2012 im Freien Deutschen Autorenverband, Schutzverband Deutscher Schriftsteller e.V. und im SYNDIKAT e.V. Verein zur Förderung deutschsprachiger Kriminalliteratur. Welche Bedeutung hat die Mitgliedschaft in diesen Verbänden für dich? Bringt sie Vorteile, gibt es Verpflichtungen, denen du dadurch unterworfen bist?



Bei diesen Organisationen hole ich mir Rat und Hilfe bei Fragen und Problemen, tausche mich mit Gleichgesinnten aus und hole mir positive Anregungen für das Schreiben. Zudem lerne ich nette Menschen kennen. 



Hast du ein Lieblingsbuch, also eins das du nicht selbst geschrieben hast? Und gibt es eins, das du überhaupt nicht gut findest?



Ich habe zwei absolute Lieblingsbücher „Souad“ Bei lebendigem Leib und  „Der eiserne Gustav“ von Hans Fallada. Ein absolut negatives fällt mir nicht ein, da habe ich schon zu viele gelesen.



Du wohnst im Norden Nordrhein-Westfalens, wie kommst du auf die Idee zu „Das Mirakel von Köln“, dessen Handlungsort hauptsächlich Köln ist.



Das ist Zufall. Ich suche ja ständig nach neuen Ideen, die mich auch selbst fesseln müssen. Dabei muss ich sofort eine Sympathie zu meinen Hauptfiguren aufbauen können. Man fragt sich natürlich, wie kann jemand zu einem Mörder, wie zum Beispiel, der Giftmischerin, Sympathie aufbauen. Aber auch diese Menschen haben ein eigenes, oft bewegtes, Schicksal. 

Auf Köln bin ich durch meinen Verlag gekommen. Sein Sitz ist in Köln und so dachte ich, siehst du dich mal hier nach einer Geschichte um. Und so bin ich über die berühmte Kölner Hexe Katharina Henot auf Christina Plum gestoßen. Die Geschichte dieser mutigen jungen Frau hatte mich sofort in den Bann gezogen und ließ mich nicht mehr los. Eine junge Frau, mit erst 24 Jahren, klagt sich der Hexerei an und bezieht die gesamte Kölner Obrigkeit, bis hinauf zum Erzbischof mit ein. Das war Spannung pur. Auf Grund des eingestürzten Archivs musste ich mir die Fakten allerdings sehr mühsam zusammentragen.



Gibt es in deinen Büchern eine Lieblingsstelle in diesem Buch die du z.B. immer wieder gerne für Lesungen aussuchst und vorliest?

Bettina Szrama im Nonnenkostüm der Klarissen, dem Orden, dem Sophia von Langenberg aus "Das Mirakel von Köln" angehörte.


Ja! Die Szene, als Christina ihrem vermeintlichen Vater, dem Domherrn beichtet:



»Das ist mir bekannt, Hochwürden, doch meine kommende Sünde wird so groß sein, dass sie kein Gold der Welt aufwiegen kann. Würdet Ihr mir trotzdem Euren Segen erteilen? Ich fürchte mich nicht vor dem Fegefeuer, meinen Glauben habe ich bereits vor langer Zeit verloren. Auch wünsche ich mir von Euch persönlich Vergebung für das, was ich Eurer Heiligkeit angetan habe. Denn mein Herz blutete dabei.«
                Plötzlich herrschte Stille im Betstuhl, die zur Zerreißprobe für Christinas Nerven wurde. Sie hörte den Domherren schwer atmen, doch nach einer Weile, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam, fragte er: »Wer bist du, Tochter ohne Glauben?«
                »Meine Mutter ist die heilige Klarissin Sophia von Langenberg, aber ich weiß nicht, wer ich bin, Ehrwürdiger Vater. Ich habe es herauszufinden versucht, aber es ist mir nicht gelungen. Der Wald, in dem ich mich verirrt hatte, war zu dunkel und tief und hat mich wieder als die ausgespuckt, die ich vorher war. Ich bin die Gemüse- und Blumenverkäuferin Christina Plum.«
                Wieder Stille. Dann wurde die Gardine zur Seite geschoben, und Christina blickte im Halbdunkel in die gütigsten blauen Augen, in die sie in ihrem jungen Leben je gesehen hatte. Trotz des vergitterten Trennfensters konnte sie das Gesicht des Domherren deutlich erkennen, seine hohe, von Sorgen zerfurchte Stirn und die von unzähligen Fältchen geprägten Züge mit der römischen Nase über dem bereits ergrauten Bart. Nichts davon entbehrte der Würde, die seinem Stand zukam. Er trug das Messgewand und hielt einen silbernen Rosenkranz zwischen den Fingern. Vor Ergriffenheit fehlten ihr die Worte. Jacob Voss' Blick lag auf ihr, wie sie es sich von einem Vater immer gewünscht hatte: gütig, mitfühlend und verständnisvoll. In ihm lag so viel Liebe, dass sie die Lider niederschlug. Und diesen Mann hatte sie der Hexerei bezichtigt!


Du schreibst derzeit an einem neuen Roman. Kannst du uns schon ein wenig davon erzählen? Wann wird er ungefähr veröffentlicht? (Verlinkung auf Leseprobe)



Das mache ich gern. Diesmal habe ich mich von der regionalen historischen Kriminalliteratur über die Grenzen hinaus gewagt. Schon seit längerem bin ich von der Geschichte der ungarischen Gräfin Elisabeth Bathory fasziniert. Deshalb habe ich mir auch schon über eine längere Zeit Material dazu zusammengetragen. Eigentlich habe ich alles was es zu dieser mörderischen Persönlichkeit gibt auf meinem Schreibtisch. Historische Bücher, Romane, Filme, Gerichtsprozesse und sogar das Gutachten eines namhaften Psychologen. Elisabeth Bathory-Nadasdy hat es mit ca. 600 Morden, an jungen Mädchen, ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. Dennoch beruhen ihre Geschichten fast ausschließlich auf einer Sage. Dementsprechend wurde ihr Leben als Vampir und bluttrinkende Lady vermarktet. Ich versuche das erste Mal, aus der Sicht einer Überlebenden, die historische Elisabeth und ihr Leben als Serienmörderin darzustellen.  „Die Magnatin“, so wie mein Arbeitstitel lautet, war eine geistesgestörte, traumatisierte  Mörderin, der es die Zeit (1600 Jhr.) und ihr Machtstatus erlaubten, zu quälen und zu töten. Da Elisabeth einen Neffen hatte, der wie viele ihrer Familienmitglieder ebenso durchgeknallt war und später ermordete wurde, kann ich jetzt schon verraten, dass es danach mit den Protagonisten des ersten Teils eine Fortsetzung geben wird.


Wann er veröffentlicht wird steht noch nicht fest. Denn für dieses Projekt befinde ich mich diesmal auf der Suche nach einem entsprechenden Großverlag.



Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Interview und wünsche dir für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Das Interviewfragen stellte "Girdie" von "Zwei Sichten auf Bücher" (jetzt Buchsichten)


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