Sonntag, 4. Oktober 2015

[Rezension Ingrid] Judith Kuckart - Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück

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Titel: Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück
Autorin: Judith Kuckart
Erscheinungsdatum: 26.08.2015
Verlag: Dumont Buchverlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag






In elf unterschiedlich langen Erzählungen führt Judith Kuckart den Leser nach Stuttgart, Berlin, Dresden, nach Sylt und ja, auch nach Belgien. Denn hier hat einer der Protagonisten sein Glück in der Kindheit gefunden, auf einem Kettenkarussel.  So wie er sich dort im Kreis gedreht hat, so drehen sich die Geschichten in diesem Buch, das Rad des Lebens dreht sich immer weiter. Dass es denn doch am Ende stehen bleibt, erfahren einige der Mitwirkenden selbst oder aber im Verlust einer bekannten, manchmal nahestehenden Person. Doch nicht nur der Tod ist Thema im Buch. „Jeder ist seines Glückes Schmid“ könnte auch für einige Charaktere gelten. Liebe, Schuld, Zufall und Absicht gehen Hand in Hand. 

Die Erzählungen stehen lose nebeneinander, scheinbar ohne Zusammenhang. Aber der achtsame Leser wird immer wieder auf bekannte Namen stoßen. Es sind Nachbarn, Verwandte, Freunde, Bekanntschaften, über die die handelnden Personen in den verschiedenen Schilderungen nachdenken, reden oder die sich begegnen. Die Geschichten sind chronologisch, überschneiden sich oder gehen in der Zeit einen Schritt zurück. Sie sind wie die Rauten auf dem Cover des Buchs und fordern die Aufmerksamkeit vom Leser, denn alle Verbindungen wollen gefunden werden, auch in kleinen Andeutungen und flüchtigen Gedanken.

Der Schreibstil der Autorin ist distanziert, ihre Charaktere zeichnet sie mit wenigen Strichen. Es sind Menschen wie jedermann, Mittelschichtbürger. Obwohl einige Mitwirkende noch nach ihrem Platz im Leben suchen, sind andere dort  bereits angekommen. Und immer wieder überrascht Judith Kuckart mit einem unerwarteten Ereignis. Sie schreibt beispielsweise über den gerade erst Studenten Leonhard, der morgens überraschenderweise eine schlafende Frau im Flur des Elternhauses vorfindet und nach diesem Erlebnis auszieht in seine eigene Wohnung. Eine nicht vorhergesehene Trennung im Urlaub, eine plötzliche schwere Krankheit und ein Unfall sind weitere Geschehnisse die den Protagonisten der Geschichten zustoßen. Heitere Momente erleben die Beschriebenen meist nur in Erinnerungen. 

Das Buch ist keine locker leichte Kost. Einige Szenen wirken verstörend. Dennoch hat es mir Freude gemacht, die einzelnen Erzählungen in Gedanken in eine Reihenfolge zu bringen und Querverbindungen zu ziehen, bis die lockeren Verknüpfungspunkte der elf Erzählungen gefunden waren.   

Samstag, 3. Oktober 2015

[Rezension Hanna] Kinder des Winters - Simon Montefiore


Inhalt
Moskau im Juni 1945: Mit einer Siegesparade feiert Stalin das Ende des Krieges. Kurz danach treffen sich einige Kinder einflussreicher russischer Familien, die gemeinsam auf die beste Schule in Moskau gehen. Sie möchten ein geheimnisvolles Spiel spielen. Doch plötzlich erklingen Schüsse, und zwei der Kinder liegen tot am Boden. Stalin erteilt die Anweisung, die Ermittlungen ohne Bevorzugung durchzuführen. Diese nehmen bald größere Ausmaße an, als die Kinder hätten ahnen können. Der Vorfall sowie einige wohl behütete Geheimnisse sollen für die Moskauer Elitefamilien bald zur Gefahr werden. Werden sie in den Abgrund stürzen oder können sie dies noch rechtzeitig abwenden?

Meinung
Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, fiel es mir schwer einzuschätzen, was mich in diesem Buch erwartet. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die romantische Winterkulisse des Covers für mich nicht wirklich zum Inhalt passen. Zum einen spielt das Buch größtenteils im Hochsommer. Lediglich die Pappelpollen, welche die beiden Toten wie Schnee bedecken, haben entfernt etwas mit Winter zu tun. Zum anderen sind die „Kinder“ fast alle 18 Jahre alt und stehen kurz vor dem Schulabschluss. Die Zielgruppe des Romans, der von Intrigen, politischem Kräftemessen und den Auswirkungen auf das private Leben der Moskauer Elite erzählt, sind in meinen Augen ganz klar Erwachsene.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, in dem die Siegesparade sowie die anschließenden Schüsse aus der Sicht von Serafima, Tochter eines Drehbuchautors und einer Schauspielerin, geschildert werden. Über die Hintergründe erfährt man als Leser aber noch nichts. Stattdessen springt die Handlung einige Wochen in die Vergangenheit und erzählt von Andreis erstem Schultag auf der renommierten Schule 801. Er stammt im Gegensatz zu den anderen Kindern nicht aus einer renommierten Familie, sondern hat eine befleckte Vergangenheit und durfte gerade erst mit seiner Mutter nach Moskau zurückkehren. Mit seinen Augen lernt man die anderen Schüler und ihre Familien besser kennen und erfährt, was es mit dem geheimnisvollen Spiel auf sich hat. Auch seine Erzählung endet wieder bei den Schüssen, und schnell merkt man, dass der Autor noch immer entscheidende Puzzlestücke zur Frage vorenthält, wie es dazu kommen konnte.

Im Weiteren Buchverlauf wechseln die Perspektiven immer wieder und man erfährt Stück für Stück mehr über die Hintergründe des Vorfalls. Zusätzlich taucht man immer tiefer in die Schicksale der einzelnen Familien ein. Dem Autor ist es gelungen, mir das politische Minenfeld aufzuzeigen, in dem die fiktiven Minister und Kommandeure rund um Stalin agieren und mich die Anspannung fühlen zu lassen, die das politische Geschehen auf das Privatleben der Familien hat. Weite Teile des Buches spielen in den Verhörräumen der Lubjanka, dem zentralen Gefängnis Moskaus. Hier bekommen die Charaktere die Grausamkeit und Willkür der ermittelnden Organe zu spüren und müssen erfahren, wie ihnen Worte in den Mund gelegt werden und sie erpresst werden. Durch den fiktiven Fall des Romans konnte ich mir gut vorstellen, wie es dort damals wirklich zugegangen ist.

Aufgrund von politischen Entwicklungen, Machtstreben und geheimer Liebe wird die Situation für die Familien zunehmend brisanter. In der Folge geraten die Schüsse zunehmend in den Hintergrund und der Autor zeigt dem Leser die größeren Zusammenhänge. Immer mehr Fragen werden beantwortet, doch dass der Autor vieles bewusst erst sehr spät aufdeckt führte bei mir stellenweise mehr zu Verwirrung als zu Verstehen. Zudem fehlten mir entscheidende Perspektiven von Charakteren, deren Motivation ich gerne besser verstanden hätte. Den Abschluss des Buches, in dem noch einmal viel aufgedeckt wird, fand ich schließlich gelungen.

Fazit
„Kinder des Winters“ erzählt von einem geheimnisvollen Spiel, das Töchtern und Söhnen der Elite Moskaus zum Verhängnis wird. Als zwei von ihnen durch Schüsse sterben, geraten die Kinder und ihre Familien in eine zunehmend bedrohliche Situation. Anhand dieser fiktiven Geschichte vermittelt der Autor dem Leser einen Einblick in das Leben in Moskau unter Stalin. Ich empfehle das Buch gerne an historisch interessierte Erwachsene weiter.

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Titel: Kinder des Winters
Autor: Simon Montefiore
Übersetzer: Ulrike Wasel & Klaus Timmermann
Taschenbuch: 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 24. September 2015
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Handlungszeit: 1945
Handlungsort: Moskau
Link zur Buchseite des Verlags

Montag, 28. September 2015

[Rezension Ingrid] Charlotte Link - Die Betrogene

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Titel: Die Betrogene
Autorin: Charlotte Link
Erscheinungsdatum: 02.09.2015
Verlag: Blanvalet Verlag 
rezensierte Ausgabe: Leseexemplar
(Haupt-)Handlungsort: Scalby/England
Handlungszeit: 2014


Im Buch „Die Betrogene“ von Charlotte Link ist dem Klappentext zufolge Kate Linville, Ende 30 und Beamtin der Metropolitan Police, die Titelfigur. Wie sich im Verlauf der Handlung herausstellt, ist sie jedoch nicht die einzige. Kate ist die Protagonistin des ersten Handlungsstrangs dieses Thrillers.  Das Cover des Buchs führt zu einer parallelen Handlung. Auf der Vorderseite ist ein abgelegenes Gehöft mit Haus und Scheune zu sehen. Dunkle Wolken am Himmel künden Unheil an. In eine solch abgelegene Gegend zieht sich der Drehbuchautor Jonas Crane mit seiner Familie zurück, um Abstand zu seinem stressigen Alltag zu gewinnen. Die Autorin verbindet beide Erzähllinien zu einer komplexen, anhaltend spannenden Story.

Kate Linvilles Vater, ein ehemaliger DCI, wurde auf grausame Weise ermordet. Einige Wochen später kommt Kate wieder nach Scalby um den Nachlass zu regeln. Der Täter wurde bisher nicht gefunden. Es besteht eine Vermutung jemand, den Kates Vater in früheren Zeiten des Mordes überführt hat, die Tat begangen hat. Wenig später wird die Sekretärin einer Grundschule im nahen Hull, ebenso grausam ermordet, von Kate aufgefunden kurz nachdem sie das Gespräch mit ihr gesucht hat. Kate kann es nicht glauben, aber ihr Vater hatte vor einigen Jahren eine Affäre mit ihr, während ihre Mutter eine schwere Zeit aufgrund ihrer Krebserkrankung hatte. Der zuständige Ermittler ordnet die sofortige öffentliche Fahndung nach dem Tatverdächtigen mit Veröffentlichung seines Fotos an. Dieser ist nach der Entlassung aus dem Gefängnis vor einigen Monaten untergetaucht. Doch nun befürchtet er von seiner Umgebung erkannt zu werden und sucht nach einem abgelegenen Versteck.

Die Autorin schafft in ihrem Thriller durchgehend interessante Charaktere, die eingewoben sind in eine von Beginn an spannende Handlung. Im Prolog geht es um eine fünfjährigen Jungen, der sich auf einer ins Weite laufenden Landstraße auf seinem neuen Fahrrad als Rennfahrer fühlt. Doch dann geschieht etwas. Diese Episode sollte der Leser nicht aus seinen Gedanken lassen, denn hierin liegt der Schlüssel für die Morde. Und dieser Schlüssel heißt Rache.

Die Charaktere, die die Autorin hier schafft, sind abwechslungsreich und interessant gestaltet. Kate Linville ist eher unauffällig, Single ohne Kinder, keine festen Freunde. Sie wundert sich selbst, warum sie es bis nach Scotland Yard geschafft hat. Sie fühlt sich vom Leben betrogen. Ihr Vater war ihr einziger Halt im Leben. Bei der Aufklärung seines Tods stellt sie ihr eigenes Anliegen vor jeden offiziellen Vorgang zur Ermittlung und handelt wiederholt auf eigene Faust. Sie muss sich ordentlich anstrengen, um den Leser von ihren Qualitäten zu überzeugen. Die im landläufigen Sinne Betrogene ist Kates Mutter. In ihrer Hintergrundstory verarbeitet die Autorin anscheinend den Krebstod ihrer Schwester.

DCI Caleb Hale aus Scalby, ehemaliger Alkoholiker, ist mit der Aufklärung des Mords an Kates Vater beauftragt. Mit ihm bangt der Leser um einen Rückfall in die Abhängigkeit, weil die Fallermittlungen nicht schnell genug zum gewünschten Ergebnis führen. Mit viel Engagement dabei ist DC Jane Scapin, die sich auch im Fall der verschwundenen Familie Crane hervortut. Allerdings ist ihre Arbeitszeit eingeschränkt, da sie geschieden ist und ein pflegebedürftiges Kind zu Hause auf sie wartet.

Parallel zu den Mordermittlungen erzählt Charlotte Link von der Familie Crane, die nach Jahren der Kinderlosigkeit einen Jungen zur Adoption erhalten hat. Fünf Jahre danach erscheint die leibliche Mutter bei ihnen, um ihr Kind zu sehen. Wird sie Ansprüche an das Ehepaar stellen und wären diese haltbar? Der geplante Urlaub auf dem einsam gelegenen Gehöft scheint eine gute Idee. Bis die Familie unerwünschten Besuch erhält, weil der Tatverdächtige im Mordfall Linville sich vor der Öffentlichkeit verbergen möchte.

An vielen Stellen in diesem Thriller bangt und hofft der Leser mit den Figuren der Geschichte. Obwohl es einige scheinbar brauchbare Ansatzpunkte und auch immer wieder frische Ideen gibt, laufen die Ermittlungen anfangs ins Leere. Der Schauplatz wechselt in unregelmäßiger Reihenfolge zwischen den beiden Handlungssträngen. Einige Kapitel enden mit einem Cliffhanger, der zum schnellen Weiterlesen bewegt. Die Autorin schafft es, den Spannungsbogen durchgehend hoch zu halten und sorgt am Ende für eine überraschende Lösung des Falls.

Das Buch ist feinste Meisterarbeit. Mich konnte es von Beginn an überzeugen. Ein Muss für Krimifans! Gerne vergebe ich hierzu eine Leseempfehlung. 

Samstag, 26. September 2015

[Rezension Hanna] Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt - Nicola Yoon


Inhalt
Seit ihrer Geburt leidet Madeline an der angeborenen Immunschwäche SCID, was einfach gesagt bedeutet, dass sie allergisch auf die Welt ist. Deshalb hat sie seit ihrer frühen Kindheit das Haus nicht mehr verlassen, welches sie durch eine Luftschleuse und Luftfilter vor der Außenwelt schützt. Regelmäßigen Kontakt hat sie nur zu ihrer Mutter und ihrer Krankenschwester Carla. Doch dann ziehen nebenan neue Nachbarn ein. Madeline ist sofort fasziniert von Olly. Aus Gestikulieren am Fenster wird schnell ein regelmäßiges Chatten. Allmählich beginnt Madeline, sich nach mehr zu sehnen, als sie haben kann…

Meinung
Das Buch wurde mir als neues Lieblingsbuch für Töchter und Mütter schmackhaft gemacht, weshalb ich nicht lange gezögert habe, mich zwischen die Seiten zu begeben. Madeline lernt man an ihrem 18. Geburtstag kennen, der mehr oder weniger genauso abläuft wie all die Geburtstage zuvor, die sie allein mit ihrer Mutter gefeiert hat, denn in Madelines Leben gibt es nicht viel Abwechslung.

Von Beginn an gefallen hat mir die kreative Schreibweise des Buches. Kurze Kapitel, in denen Madeline von ihrem Alltag erzählt werden durchbrochen von noch kürzeren Kapiteln, die zum Beispiel aus Notizen, Mails, Zeichnungen, selbstgeschriebenen Definitionen oder einer Gedankenspirale bestehen. Maddie versteht, in ihrem monotonen Alltag auf eine besondere Weise zu erzählen, die mich fesseln konnte.

Nach Jahren, in denen sie das Haus nicht verlassen durfte, hat sich Madeline mit ihrer Situation arrangiert. Immer wieder erwähnt sie, wie schade sie es findet, dass sie all das verpasst, was normale Achtzehnjährige tun. Man merkt, wie sehr sie sich nach all diesen normalen Dingen sehnt, doch sie sucht nicht aktiv nach Möglichkeiten, das zu ändern. Wer im Internet einmal ein bisschen nach SCID sucht, sieht, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt – von Therapien bis hin zu Raumanzügen – doch damit setzt sie sich nicht auseinander, was ich nicht ganz nachvollziehen konnte.

Mit dem Einzug der neuen Familie nebenan kommt Bewegung in die Geschichte. Im Nu hat sich Madeline digital mit Olly angefreundet und sehnt sich nach seiner Nähe. Endlich beginnt sie, nachzudenken, wie sie handeln kann. Zu welcher Entscheidung wird sie gelangen? Madeline und Olly haben mir zusammen sehr gut gefallen, im Umgang miteinander waren die beiden richtig süß. Ich hoffte und litt mit ihnen und war bald gänzlich in der Geschichte versunken, deren Verlauf mich berühren konnte.

Dann aber kam das Ende, und an diesem habe ich noch immer zu knabbern. Es passiert etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe, was an sich ja erst mal etwas Gutes ist. Doch die Reaktion der verschiedenen Charaktere auf die Ereignisse haben mir ganz und gar nicht gefallen. Für mich wollen diese letzten Seiten einfach nicht zum Rest des Buches passen und waren für mich nicht logisch. Das hat mir das Lesevergnügen leider im Nachhinein verdorben, was ich sehr schade finde.

Fazit
„Du neben mir“ erzählt die Geschichte der achtzehnjährigen Madeline, die aufgrund einer seltenen Krankheit das Haus seit ihrem ersten Lebensjahr nicht mehr verlassen hat. Trotz dieser Umstände hält das Buch eine süße Liebesgeschichte unter komplizierten Bedingungen bereit. Auch wenn ich Madelines Verhalten nicht ganz nachvollziehen konnte, hat mich der Handlungsverlauf gefesselt, bevor ich von den letzten Seiten arg enttäuscht wurde. Unterm Strich vergebe ich für die Geschichte daher drei Sterne.

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Titel: Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt
Autor: Nicola Yoon
Übersetzerin: Simone Wiemken
Hardcover: 336 Seiten
Erscheinungsdatum: 17. September 2015

Donnerstag, 24. September 2015

[Rezension Ingrid] Katherine Webb - Italienische Nächte

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Titel: Italienische Nächte
Autorin: Katherine Webb
Übersetzerin: Katharina Volk
Erscheinungsdatum: 31.08.2015
Verlag: Diana Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
Handlungsort: Gioia del Colle/Apulien (Italien)
Handlungszeit: 1921


„Italienische Nächte“ von Katherine Webb führt den Leser zurück in das Jahr 1921. Das Cover wirkt einladend. Der Blick schweift von einem Balkon über die hügelige Landschaft Apuliens, der Blick fängt sich am kräftigen Rosa des Oleanders der die Aussicht umrahmt. Doch so heiter und friedvoll ist die Geschichte leider nicht, die den Leser in diesem Buch erwartet. Bereits im Prolog wird deutlich, dass sich gewisse Dinge für die Protagonistin Clare, die sich auf der Heimreise von Italien nach England befindet, geändert haben und sie selbst an den Ereignissen der zurückliegenden Wochen gereift zu sein scheint.

Gioia del Colle ist eine Kleinstadt in Apulien. Der englische Architekt Boyd Kingsley, Ende 30, wurde von dem italienischen Grundbesitzer Leandro Cardetta, den er vor einigen Jahren in New York kennengelernt hat, damit beauftragt, Pläne für die Renovierung seines Landguts zu machen. Die 29jährige Clare wird gegen ihren Willen in den Sommerferien zu ihm zitiert, begleitet von ihrem 15jährigen Stiefsohn Pip. In der Stadt kommt es immer wieder zu Aufständen der einfachen Arbeiter gegen die Landbesitzer. Clare fühlt sich hier gar nicht wohl und Cardetta bietet ihr an, dass sie, Pip und seine Frau die nächsten Wochen auf seinem nahen Landgut verbringen können.

Parallel zu diesem Handlungsablauf lernt der Leser mit dem Arbeiter Ettore einen weiteren Protagonisten kennen. Ettore wohnt gemeinsam mit seinem kranken Vater und seiner Schwester, die ein kleines Kind hat, in Gioia del Colle in einer ärmlich eingerichteten Wohnung. Die Familie lebt hauptsächlich von seinen Einkünften als Tagelöhner. Seine Liebste ist vor ungefähr einem halben Jahr verstorben. Obwohl sein Onkel Leandro Cardetta der Arbeiterschicht entstammt, gehört er nun zur oberen Schicht und hat Ettore bereits mehrfach Arbeit angeboten, die dieser jedoch aus Stolz abgelehnt hat. Eines Tages wird Ettore schwer verletzt, ein Freund bringt ihn zum Landgut seines Onkels. Clare ist Ettore bereits in der Stadt begegnet, doch jetzt ist sie verwirrt ihn auf dem Gutshof zu sehen. Bei einem Blick in seine Augen verliebt sie sich in ihn. Doch werden ihre Gefühle überhaupt erwidert? Empfindet sie für ihren Ehemann keine Liebe mehr? Ein dunkler Schatten aus der Vergangenheit liegt seit Jahren auf ihrer Ehe. Im Laufe der Geschehnisse deckt Clare ein unfassbares Geheimnis auf.

Die Autorin hat für ihren historischen Roman die eher ungewöhnliche Zeitform des Präsens gewählt. Der Leser hat dadurch den Eindruck, die Ereignisse unmittelbar miterleben zu können. Im Stil eines allwissenden Erzählers befindet sich der Lesende nicht nur an der Seite der Handelnden, sondern erfährt auch deren Gefühle und hält mit ihnen Rückblick auf vergangene Erlebnisse.

Während Ettore immer in ärmlichen Verhältnissen gelebt hat, ist Clare als Einzelkind schon älterer Eltern wohlbehütet und umsorgt aufgewachsen. Mit 19 Jahren wurde sie die Frau von Boyd, der nach dem Tod seiner ersten Frau eine Mutter für seinen Sohn suchte und sich in sie verliebte. Clare glaubte damals, seine Liebe zu erwidern. Aber Boyd ist anscheinend nie über den Verlust seiner ersten Frau wirklich hinweg gekommen, was die Beziehung belastet. Den Wunsch nach einem eigenen Kind hat ihr Ehemann ihr bisher verweigert.

Der Leser ahnt bereits von Beginn an, dass es ein Geheimnis im Leben von Boyd gibt. Dieses Geheimnis hat mich weiterlesen lassen, weil es zumindest ein wenig Spannung in den Roman hineinbrachte. Katherine Webb hat für ihren Roman sehr gut recherchiert und die Arbeiteraufstände gegen die Landbesitzer realistisch in ihre Erzählung eingewoben. Allerdings nehmen die Kämpfe einen sehr breiten Raum in ihren Schilderungen ein.

Die spontane Liebe zwischen der biederen Mittelklassefrau Clare und dem trotzigen unbelehrbaren Ettore wirkte auf mich eher unglaubwürdig. Beide verschwenden keinen Gedanken an die möglichen Auswirkungen und handeln einzig triebgebunden, obwohl Clare mit jedem Tag die Mühen des Alltags der Landarbeiter beobachten kann und von den Kämpfen sogar angewidert ist. Clare konnte mir im Laufe der Geschichte nicht sympathisch werden. Einerseits gewinnt sie an Selbstvertrauen, gehorcht aber den Befehlen ihres Mannes und Cardettas ohne auf einer ausführlichen Erklärung für deren Handeln zu bestehen. Auch die Agitationsweise von Ettore konnte ich nicht immer nachvollziehen. Sein Stolz bringt seine Familienangehörigen, für die er verantwortlich ist, in Gefahr und seine Rachegefühle für diverse Geschehnisse in der Vergangenheit stehen, ohne die Konsequenzen zu bedenken, an erster Stelle.

Leider konnte mich der Roman nicht begeistern. Für meinen Lesegeschmack war die zwar wirklichkeitsnahe Darstellung des Klassenkampfes zu langatmig und die Liebesgeschichte zwischen Clare und Ettore nicht überzeugend genug. Den Hintergrund des Geheimnisses das am Ende der Geschichte aufgedeckt wird fand ich jedoch überraschend. Daher gebe ich dem Buch 3 Sterne. Man kann das Buch lesen, muss es aber nicht.


Mittwoch, 23. September 2015

[Lesungsbericht Ingrid] Ursula Posznanski liest aus "Layers"



Am Freitag, 19.09.2015 sind Hanna und ich einer Einladung vom Jungen Literaturhaus Köln (JLK) zu einer Lesung mit Ursula Poznanski gefolgt. Nach ersten Schwierigkeiten im Nahverkehr bei der Anreise sind wir dennoch ganz kurz vor Lesungsbeginn im Literturhaus eingetroffen.

Ann-Beke Möllmann, die im JLK die Programm- und Pressearbeit macht, begrüßte die Zuschauer und stellte als Moderatorin der Lesung die freie Autorin Tanja Lieske vor sowie als speziellen Gast Ursula Poznanski, die nachfolgend aus ihrem Jugendbuchthriller "Layers" vorlesen würde. Doch zunächst stellte Tanja Lieske einige Fragen an Ursula Poznanski, die diese gerne und mit viel Vergnügen beantwortete.


von li. nach re.: Tanja Lieske, Ursula Poznanski und Ann-Beke Möllmann
Frau Lieske stellte zunächst fest, dass in den drei Romanen von Ursula Poznanski "Erebos, Saeculum und Layers“ jeweils ein nicht ganz fassbares Element enthalten ist. Von Frau Poznanski wollte sie dann wissen, wie sie dazu kam, mit dem Schreiben zu beginnen. Die Autorin hat parallel zu ihren ersten Texten für Kinder von sechs bis sieben Jahren die Idee zu einem Fantasyroman entwickelt, an dem sie ungefähr fünf Jahre geschrieben hat. Sie fand auch eine Agentur, die aber kein Interesse an dem  nur den angebotenen Fantasyroman zeigte. Daraufhin entwickelte sie eine neue Idee und schrieb "Erebos".

Auf Frau Lieskes Frage hin, ob ihr Alltag auch unheimlich wäre, antwortete Frau Poznanski, dass der höchste Thrill für sie hauptsächlich im Einhalten der Deadline zur Abgabe ihres jeweiligen Manuskripts besteht. Frau Lieske bewundert die offene und ehrliche Art der Autorin von "Layers", die auch öffentlich darüber spricht, wenn etwas bei ihrer Arbeit nicht klappt wie gewünscht.

Ursula Poznanski erzählt auf eine entsprechende Frage der Moderatorin hin, dass ihr die Idee zu "Layers" beim Lesen eines Artikels über den Zoo von (vermutlich) San Diego kam. Dort erhalten die Besucher eine Datenbrille mit einigen Raffinessen. Im Buch geht es um Kontrolle und Manipulation der Realität.
Für Frau Poznanski hängen beide zusammen und ergänzen sich, wie sie auf eine diesbezügliche Frage antwortet. Die Autorin ist weniger daran interessiert, wie Kontrolle ausgeübt wird, sondern eher, wie man ihr entgehen kann. Sie hält eine objektive Wahrheit nicht für herstellbar und empfiehlt den Anwesenden nicht alles zu glauben, was man sieht und hört.

Nach diesem sehr interessanten, informativen Teil beginnt Ursula Poznanski ihre Lesung aus "Layers". Als erstes stellt sie ihren Protagonisten Dorian vor, der auf den Obdachlosen Emil trifft. In der nächsten Szene findet sich Dorian in einer für ihn unglaublichen Lage wieder. Er sieht Emil in einer Blutlache liegend vor sich, auf dem Boden liegt sein eigenes blutverschmiertes Messer. In diese Situation tritt nun Nico, den Dorian für einen Sozialarbeiter hält. Er verspricht Dorian zur Villa Bornheim zu bringen, die obdachlose Jugendliche gegen gewisse Auflagen eine komfortable Unterkunft und Unterricht bietet. Dorian stimmt dem zu und übernimmt wie die anderen Mitbewohner zweimal wöchentlich die Verteilung von Flyern an öffentliche Plätzen in der Stadt. Auf seinen Wunsch hin wird ihm nach einiger Zeit eine neue Tätigkeit gegeben, die darin besteht, in einem Kästchen verpackte Werbegeschenke an ausgesuchte Kunden nach einem vorgesehenen Ritual zu überreichen. Nach einem solchen Besuch bei dem der Kunde das Geschenk rigoros abgelehnt hat, wird er nicht wieder abgeholt und zur Villa zurückgefahren. Ganz ohne Kommunikationsmittel und Geld überlegt er, was er nun tun soll. Schließlich öffnet er das Päckchen und findet "sie“. Mehr möchte ich hier nicht verraten und empfehle euch, das Buch zu lesen oder zu einer Lesung von „Layers“ zu gehen.



Ganz gebannt lauschten die Zuhörer auf den fast voll besetzten Plätzen der sehr gut verständlichen Stimme von Frau Poznanski, die mit ruhiger Stimme und einem kaum wahrzunehmenden, aber sehr charmanten österreichischen Dialekt aus ihrem Buch vorlas.

Im Anschluss an den Lesungsteil bedankte Tanja Lieske sich bei Frau Poznanski und stellte noch einige Fragen, beispielsweise ob die Autorin bewusst Manipulationen in ihre Texte einbaut. Darauf antwortete die Autorin, dass sie einen Teil davon plant, es sich manchmal aber auch aus dem Schreibprozess ergibt. Sie wies darauf hin, dass die Entwicklung der Auswertung von Daten, die Nutzer von Software durch deren Gebrauch zur Verfügung stellen, weiter gehen wird. Eines der neuesten Produkte in dieser Hinsicht ist die Apple Watch.

Auf eine diesbezügliche Frage hin bekannte Ursula Poznanski, dass sie sich selten eine Auszeit vom Internet nimmt, weil sie hier sehr viele Sozialkontakte pflegt. Ihr Arbeitsablauf sieht vor, gegen 6.30 Uhr aufzustehen, weil sie ein schulpflichtiges Kind hat. Im Anschluss daran, läuft sie eine Runde, danach macht sie sich Frühstück. Sie hat für sich selbst keine Vorgabe, wie viel Text sie jeden Tag schreiben sollte, aber 1.300 Worte sieht sie als optimal an. Dabei berücksichtigt sie, dass das Schreiben am Anfang eines Buchs langsamer voran geht, weil hier mehr Denkarbeit gefordert ist.

Nun stand das Mikrophon den anwesenden Besuchern für Fragen zur Verfügung. Eine Anwesende erkundigte sich nach Filmplänen für die veröffentlichten Bücher. In dieser Hinsicht gibt es einiges Angedachtes, aber nichts Konkretes. Die Autorin erklärte auf eine weitere Frage hin, dass sie wenig Ahnung von Technik hat und diese daher für sie etwas nahezu „Magisches“ besitzt. Sie sucht nicht bewusst in dieser Richtung nach Themen für ihre Bücher.

Auf die Frage, ob sie die Handlungsabläufe für ihre Bücher plant, bekannte Frau Posznanski, dass sie das macht, weil sie es für sinnvoll hält, vor allem bei einer Trilogie, damit jeder Teil einen gewissen Abschluss hat und sich dennoch ein Bogen um alle drei Bücher ziehen lässt. Eine weitere Frage bezieht sich auf die Auswahl der Protagonisten für ihre Bücher. Hier nimmt die Autorin es so wie es kommt. Das Geschlecht wählt sie beispielsweise nicht im Wechsel zu ihrem letzten Buch aus, sondern passend zu der anstehenden Geschichte. Weiter war zu erfahren, dass sie selbst kreuz und quer liest, vor allem sehr viel von Kollegen. Auf die Frage nach ihrem Lieblingsbuch merkte sie a , dass Bücher sehr schwer zu vergleichen sind. Zu ihren liebsten Geschichten gehören zum Beispiel die Bücher über Harry Potter, Fräulein Smillas Gespür für Schnee, Helmut Krausers Melodien oder auch Bücher von Patrick Rothfuss.

Tanja Lieske bedankte sich für das Gespräch und die gelungene Lesung. Mit einem herzlichen Applaus wurde die Veranstaltung beendet. Die Autorin stand noch zum Signieren der mitgebrachten Bücher zur Verfügung. Gerne gab sie aber auch eine unterzeichnete Autogrammkarte an die Interessierten. Wer wollte, konnte im Vorraum an einem Büchertisch Romane von Ursula Poznanski erwerben und sich diese ebenfalls gleich signieren lassen.
Ursula Poznanski mit Hanna beim Signieren
Mir hat es sehr gut gefallen und ich möchte mich an dieser Stelle bei dem Jungen Literaturhaus Köln für die Organisation bedanken, bei Tanja Lieske für die Moderation und natürlich bei Ursula Poznanski für die wunderbare Lesung und die geduldige Beantwortung jeder Frage.

Voraussichtlich werde ich Ursula Poznanski am 02.11.2015 in Geilenkirchen wiedersehen, wenn sie gemeinsam mit Arno Strobel aus dem Thriller „Fremd“ vorlesen wird. Ich freue mich darauf.

Eure Ingrid

(Text und Fotos: Ingrid Eßer)

Montag, 21. September 2015

[Rezension Ingrid] Dumont Reise-Taschenbuch Köln


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Titel: Dumont Reise-Taschenbuch Köln
Autoren: Detlev Arens, Marianne Bongartz und Stephanie Henseler
Verlag: DuMont Reiseverlag 
rezensierte Buchausgabe: 3., vollständig überarb. Auflage 2014




Weil ich nur ungefähr 60 km von Köln entfernt wohne, war ich schon einige Male in Köln, auch mit Freunden und Bekannten. Kölner Dom, römisch-germanisches Museum, Museum Ludwig und Deutzer Brücke sind dabei die von uns am häufigsten besuchten Orte in der Stadt. Und im Anschluss daran in der Altstadt ein Kölsch trinken ist ein schöner Abschluss jeden Besuchs. Mit dem Dumont Reise-Taschenbuch Köln wollte ich gern die Stadt noch etwas besser kennenlernen.

Das Buchcover zeigt die abendliche Kulisse von Dom und Deutzer Brücke von der „Schäl Sick“, also von der schielenden oder auch falschen Seite, in diesem Fall rechts vom Rhein, aus gesehen. Dieses Panorama ist mir gut von meinen Besuchen in Köln her bekannt. Auf der Innenseite der vorderen Klappe findet sich ein Übersichtsplan von Köln auf dem die 10 Highlights der Autoren aufgezeichnet sind. Alle drei Autoren leben seit ihrem Studium in der Stadt beziehungsweise im nahen Bonn. Auf den ersten Seiten gibt es eine übersichtliche Auflistung der verschiedenen Stadtteile mit Unterkapiteln und den Seiten, auf denen die ausführliche Beschreibung hierzu zu finden ist.

Die Autoren bieten auf fünf Seiten die Antworten zu den wichtigsten Fragen, die Kölnbesucher vermutlich haben wie beispielsweise wo man am besten shoppen kann, welche Museen es sich lohnt anzusehen und wo es das beste Kölsch der Stadt gibt. Hier kann man sich auf wenigen Seiten einen sehr guten Überblick verschaffen. Im Anschluss daran nennen die Autoren ihre acht Lieblingsorte in Köln. Davon kenne ich tatsächlich erst die Hälfte, darum habe ich mir vorgenommen, auch die anderen in der nächsten Zeit aufzusuchen, denn die Orte, die mir bereits davon bekannt sind finde ich persönlich auch sehr schön. Im Folgenden findet sich im Buch ein Schnellüberblick, wo welcher beschriebene Stadtteil auf einer Karte liegt. Die nächsten Seiten beschäftigen sich mit Informationen zu Themen wie zum Beispiel Wetter, Buchtipps, Verkehrsmittel, Hotels und Restaurants, Einkaufsgelegenheiten, Ausgehmöglichkeiten und Ausstellungen sowie Reisetipps, die jeder Tourist benötigt. Das Buch beschreibt auf den weiteren knapp 50 Seiten die Historie der Stadt und die rheinische Lebensart. 

Die Beschreibungen der jeweiligen Stadtteile werden eingeleitet von einem zweiseitigen übersichtlichen Blick auf „das Beste“ mit beigeordneten Seitenzahlen, so dass der interessierte Leser direkt zu einem bestimmten Ort das nachlesen kann, was ihn am Meisten interessiert. Die Ausführungen zu den Kapiteln werden immer wieder mit farblich unterlegten Infos, Tipps und Karten unterbrochen. Auch die Bilder zu den Beschreibungen wirken einladend. Etwas Besonderes gibt es zwischendurch noch mit der zweiseitigen „Entdeckungstour“, die zu einer oder mehreren Sehenswürdigkeiten führt.  Ein Register von A bis Z bildet den Abschluss des Buchs.

Mein Buch ist auf dem Stand von 2014. Damit ich mancherorts nicht vor verschlossenen Türen stehe, weil es die Lokalität längst nicht mehr gibt, hat der Verlag auf Seite 1 einen QR-Code eingefügt, der den Leser zu einer Seite mit Updates im Internet führt. Diese Seite wird ständig aktualisiert und ist nach den Seiten im Reiseführer sortiert, so dass eine schnelle Zuordnung möglich ist. Dazu gibt es weitere Tipps der Autoren zu Köln und Hinweise zu aktuellen Ausstellungen. Sollten darüber hinaus noch Fragen bestehen, erhält der Interessierte die Möglichkeit sich mittels E-Mail an den Verlag oder einen der Autoren zu wenden.

Orte, die ich bereits kenne, werden im Buch meiner Meinung nach korrekt beschrieben, oft um ein Foto ergänzt. Zu Sehenswürdigkeiten findet sich, wenn vorhanden, die Internetseite, Öffnungszeiten und eventuelle Eintrittspreise.

Sehr hilfreich war mir die beiliegende Karte zum Herausnehmen, die nicht nur einen Stadtplan mit Straßenverzeichnis bietet, sondern auf der Rückseite das Zentrum Kölns in einer größeren Perspektive, einen Übersichtsplan über den Großraum Köln sowie einen Plan vom Schienennetz Kölns. Die U-Bahn-Stationen sind ebenfalls auf den Stadtplänen eingezeichnet.

An einem leider nicht ganz so sonnigen Tag bin ich in die Westliche Neustadt gefahren. Der ununterbrochen anhaltende Regen hat dann meinen Besuch auch stark abgekürzt. Aber dennoch habe ich es mir nicht nehmen lassen, den Friedhof Melaten zu erkundigen, den ich vorher noch nie besucht hatte. Ein kleiner Plan im Buch zeigt einen Wegeplan, der Begleittext nennt einige Gräber bekannter Persönlichkeiten, die ich aufgrund dessen auch gefunden habe. Der Friedhof ist ein beschaulicher Ort und einen Spaziergang wert, wenn man sich mit der speziellen hier vorzufindenden Kultur auseinander setzen möchte.
Koln, Friedhof Melaten
Doch nicht nur für diesen Besuch konnte mir der Reiseführer weiterhelfen, sondern ich habe auch noch einige Tipps für zukünftige Ausflüge gefunden. Beispielsweise möchte ich bei gutem Wetter ein bestimmtes Strandbad besuchen oder auch einmal die „Goldene Kammer“.

Der Reiseführer wiegt kaum mehr als 400 Gramm und ist daher gut mitzuführen. Das Format von 11,8 cm x 18,5 cm x 1,7 cm passt in eine Handtasche. Die herausnehmbare Karte ist auch unterwegs leicht auszuklappen und stört auch in der U-Bahn beim Studieren nicht den Sitznachbarn.  Die Schrift auf dem Plan ist ziemlich klein, auf der Zentrumskarte aber etwas größer und daher besser lesbar.

Ich finde den Reiseführer sehr hilfreich und werde ihn sicher noch häufiger benutzen. Allen, die demnächst einen Besuch in die Domstadt machen werden, ob für längere Zeit oder zu einem Tagesausflug, kann ich diesen Reiseführer empfehlen. Er ist aber auch dazu geeignet, sich mit der Geschichte Kölns bekannt zu machen und lesend die Kultur der Stadt kennenzulernen.

Samstag, 19. September 2015

[Rezension Hanna] Spiel der Zeit. Die Clifton-Saga 1 - Jeffrey Archer


Inhalt
Bristol in den 1920er Jahren: Der junge Harry lebt in bescheidenen Verhältnissen. Er verbringt seine Zeit lieber bei den Hafendocks, wo er seinem Onkel bei der Arbeit zuschaut, als in der Schule lesen und schreiben zu lernen. Schließlich plant er sowieso, die Schule frühzeitig zu verlassen, um selbst am Hafen zu arbeiten. Doch dann kommt alles anders: Man wird auf seine außergewöhnliche Singstimme aufmerksam und fördert ihn, bis er als Chorstipendiat auf eine höchst angesehene Schule gehen darf. Dort muss er sich behaupten, findet bald aber auch echte Freunde. Doch so manche Geheimnisse warten darauf, gelüftet zu werden. Was verschweigen Harrys Mutter, sein Mentor Old Jack und der Vater seines besten Freundes? Und welche Entscheidungen wird Harry in Anbetracht des aufziehenden Krieges treffen?

Meinung
Auf der Suche nach einer spannenden Familiengeschichte voller Geheimnisse ist mir „Spiel der Zeit“ von Jeffrey Archer aufgefallen. Der Klappentext versprach Momente des Glücks und der Dramatik. Voller Neugier startete ich deshalb in den ersten Teil der Clifton-Saga, die einmal sechs Bände umfassen soll.

Gleich auf den allerersten Seiten wird der Leser in ein großes Geheimnis eingeweiht, von dem die wenigsten Charaktere etwas ahnen. Danach lernt man Harry Clifton kennen, welcher der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist. Dieser beginnt, in der Ich-Perspektive auf seine Kindheit zurückzublicken, wodurch ich mich ihm gleich nahe fühlte. Nach einem Kapitel wechselt die Perspektive allerdings hin zu einem allwissenden Erzähler, der über Harrys weiteren Weg berichtet.

Von Beginn an positiv aufgefallen ist mir das hohe Tempo, in dem der Autor die Geschichte erzählt. Er berichtet das Wichtigste, ohne sich in Details zu verlieren. Gleichzeitig lässt er den Leser aber auch tiefer in einzelne Momente hineintauchen, um ihm die Emotionen der Charaktere nahezubringen.

Nach 120 Seiten wusste ich daher, was Harry während einer Zeitspanne von 13 Jahren erlebt hatte. Umso irritierter war ich, dass auf den nächsten 100 Seiten fast die gleiche Zeitspanne mit dem Fokus auf Harrys Mutter erzählt wird, und danach noch zweimal mit dem Fokus auf weiteren Personen. Ich fragte mich, ob das klappt, ohne dass ich mich durch Dopplungen langweile.

Nach der Lektüre kann ich sagen: Ja, absolut! Denn genau hier liegt der Clou der Geschichte. Die Charaktere erzählen immer wenige Seiten aus ihrer Sicht, bevor der allwissende Erzähler wieder zu Wort kommt. Entscheidende Geheimnisse und Ereignisse verrät dieser aber immer nur dann, wenn die entsprechende Person im Fokus steht. Mit jeder Perspektive erfuhr ich daher wieder sehr viel Neues, während Bekanntes mit wenigen Sätzen erwähnt wurde, um die neuen Informationen zeitlich einordnen zu können. Diese Erzähltechnik hat mich begeistern können, und sehr gerne habe ich die verschiedenen Abschnitte gelesen, in denen neben Harry insgesamt fünf andere Personen in den Mittelpunkt rücken dürfen.

Die Geschichte hat meine Erwartungen erfüllt, indem sie genau das bot, was ich mir von dieser Familiengeschichte erhofft hatte. Die Charaktere erleben Höhenflüge und Tiefschläge. Mal scheint endlich alles genau so abzulaufen wie erhofft, bevor ein Rückschlag eingesteckt werden muss. Auch wenn einige dieser Rückschläge weitreichende Auswirkungen haben, wird die Geschichte nie allzu dramatisch und emotional, denn aufgrund des hohen Tempos brechen auch sehr schnell wieder bessere Zeiten an. Die etwas über 500 Seiten flogen und so vorbei und ich freue mich schon jetzt sehr darauf, im November in „Das Vermächtnis des Vaters“ weiterzulesen!

Fazit
„Spiel der Zeit“ ist der überzeugende Auftakt der Clifton-Saga, die sechs Bände umfassen soll. Besonders gelungen fand ich, dass Zeitspannen aus der Sicht verschiedener Personen erzählt werden und ich so nach und nach in verschiedene Geheimnisse eingeweiht wurde. Wenn ihr Familiengeschichten voller Höhen und Tiefen mögt, dann solltet ihr unbedingt zu „Spiel der Zeit“ greifen!

*Werbung* Weitere Informationen zum Buch

Titel: Spiel der Zeit: Die Clifton-Saga 1
Autor: Jeffrey Archer
Übersetzer: Martin Ruf
Taschenbuch: 560 Seiten
Erscheinungsdatum: 13. Juli 2015
Verlag: Heyne Verlag
Link zur Buchseite des Verlags

Mittwoch, 16. September 2015

[Bastei Lübbe Bloggeraktion] Ein Tag in Hamburg mit Petra Hülsmann

*Dieser Post beinhaltet Werbung für die Bücher von Petra Hülsmann*

Hallo liebe Leser,

vor einigen Wochen hat mich eine ganz besondere Einladung des Bastei Lübbe Verlags erreicht: Der Verlag und Petra Hülsmann haben mich eingeladen, nach Hamburg zu fahren und dort einen Tag lang mit der Autorin durch die Stadt zu streifen und einige Schauplätze der Bücher „Hummeln im Herzen“ sowie „Wenn SchmetterlingeLoopings fliegen“ zu besuchen! Wochenlang habe ich mich auf diesen Tag gefreut, bis es letzten Samstag endlich so weit war.

Das sind Petras Bücher: "Hummeln im Herzen" ...
... und "Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen"!
 Am Freitagabend kam die liebe Marie von Wortmalerei zu mir, damit wir uns am nächsten Morgen gemeinsam auf den Weg machen konnten. Nachdem wir den ganzen Abend durchgequatscht hatten, ging es für uns zeitig ins Bett, denn wir mussten am Samstagmorgen schon um halb 7 aus dem Haus. Natürlich konnte ich vor Aufregung kaum schlafen. ;-) Was vielleicht eine Erklärung dafür ist, dass ich unsere Zugtickets am Morgen gleich mal zu Hause vergessen habe, nachdem ich kurz zuvor noch verkündet habe „Wäre echt doof wenn wir die vergessen.“ Im Reisezentrum am Düsseldorfer Hbf waren wir zum Glück gerade noch rechtzeitig an der Reihe, um uns die Tickets neu ausdrucken zu lassen.

Nach dem morgendlichen Chaos konnte der Tag endlich losgehen! Ganz pünktlich kamen wir um kurz vor 12 am Hamburger Hauptbahnhof an. Weil das Event erst um 14 Uhr startete, haben wir mit Lotta von Lottas Bücher und Joyce von Joyful Moments zuerst einen Abstecher in die Europa Passage gemacht. 

Erst mal shoppen!
Leider hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Demonstrationen rund um den Hauptbahnhof so große Ausmaße annehmen. Der Bahnhof wurde zeitweise komplett gesperrt, weshalb wir Sabrina von den Bookwives am Hotel abholten und dann gleich zum „barca an der Alster“ weiterzogen. Hier wurde die Bloggerrunde dann durch Becky von Beckys World of Books komplettiert, bevor das Programm mit dem Eintreffen von Petra Hülsmann sowie Rebecca von Bastei Lübbe losgehen konnte!

Unser Treffpunkt, das "barca an der Alster"

Das Wetter spielte mit, und konnten wir es uns an der Alster gemütlich machen, ganz stilecht – na klar – Alster trinken und erste Fragen an Petra stellen. Diese verriet uns ein wenig über ihr neues Buch, das im nächsten Jahr erscheinen wird und erklärte, dass sie selbst am liebsten in ihrem eigenen Genre liest. 

Erstes Kennenlernen bei einem Alster

Danach ging es für uns auf zwei Tretbooten raus auf die Alster. Auf „Nixe“ und „Blitz“ - auf letzterem fahren auch Patrick und Karo in „Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen“ eine Runde - traten wir ordentlich in die Pedale und absolvierten das Sportprogramm des Tages. Nach einer Stärkung ging es für uns dann weiter zum nächsten Schauplatz.

Die Besatzung von "Blitz"...

... und von Nixe ...

... genießt den tollen Ausblick!















Mit der U-Bahn fuhren wir zu den Landungsbrücken, wo es aufgrund der Cruise Days ebenfalls sehr voll war. Bei großem Gedränge schafften wir es erst nach einigem Minuten Wartezeit auf die Bootsverbindung 62, die zum öffentlichen Nahverkehr gehört. Vom Boot aus hatten wir einen tollen Blick auf den Hafen und die Hafenkrane.

Andrang vor der Bootslinie 42

Blick auf die Hafenkrane
Am Elbstrand ging es für uns wieder auf festen Boden, und gemeinsam schlenderten wir eine Weile am Ufer entlang, bis wir uns für eine Pause in den Sand fallen ließen. Hier erzählte uns Petra, wie es überhaupt dazu kam, dass sie ein Buch veröffentlicht hat und wie sie bei der Planung einer neuen Geschichte vorgeht. Die komplette Buchidee ist nicht von Anfang an da, sondern zu ihrer anfänglichen Idee kommen immer mehr hinzu, bis daraus schließlich eine komplette Geschichte entsteht. Außerdem kommt es bei ihr auch vor, dass sie zum Kürzen des Buches Charaktere komplett aus der Handlung streicht.
Entspannen am Elbstrand
Weil für 19 Uhr ein Tisch für uns reserviert war, machten wir uns bald wieder auf den Weg zur nächsten Bushaltestation. Auf dem Weg kamen wir noch am Le Canard vorbei, wo Ben gemeinsam mit Lena in „Hummeln im Herzen“ eine Silberhochzeit besucht.

Blick auf das Le Canard
Mit dem Bus ging es dann für uns nach Ottensen, dem Stadtteil, in dem Lena wohnt. Im Bolero ließen wir den Tag bei mexikanischem Essen und sehr leckeren Cocktails ausklingen. Die Stimmung war den ganzen Tag über klasse, und wir alle hatten so viel zu erzählen, dass die Zeit im Nu verflog. Doch die letzte kurze Nacht machte sich langsam bemerkbar, und so ging es allmählich zurück zum Hotel „Europäischer Hof“. Dort hielt Petra eine mitternächtliche Signierstunde ab und signierte all unsere Bücher, die wir mitgebracht hatten.

Mitternächtliche Signierstunde
Auch der beste Tag geht irgendwann zu Ende, und so verabschiedeten wir uns von Petra, Joyce und Becky, während der Rest in die Betten des Hotels fiel. Bei einem gemeinsamen Frühstück ließen wir dann das Abenteuer Hamburg ausklingen, bevor uns der Zug in Richtung Heimat brachte.

Ein riesengroßes Dankeschön von mir an Petra Hülsmann für die Einblicke in „dein“ Hamburg. Es hat richtig viel Spaß gemacht, dich kennenzulernen und mehr über deine Arbeit als Autorin und dich als Person zu erfahren! Ein genauso großes Dankeschön außerdem an Rebecca vom Bastei Lübbe Verlag für deine Einladung und die Organisation. Toll, dass du den ganzen Tag dabei warst und gemeinsam mit uns Spaß hattest. Marie, Sabrina, Lotta, Becky und Joyce – ohne euch wäre der Tag nur halb so schön geworden. Bis zum nächsten Mal! :-)

The one and only Gruppenfoto! v.l.n.r.: Joyce, Rebecca, Lotta, Petra, Sabrina, Marie, Becky & ich

Dienstag, 15. September 2015

[Rezension Ingrid] Ursula Poznanski - Layers

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Titel: Layers
Autorin: Ursula Poznanski
Erscheinungsdatum: 17.08.2015
Verlag: Löwe Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur mit Stanzung und Relieflack
Handlungsort: eine Stadt in Deutschland oder Österreich
Handlungszeit: nahe Zukunft



Das Cover des Buchs „Layers“ von Ursula Poznanski zieht den Blick des Betrachters auf sich, vor allem der Ausschnitt in der Mitte ist es wert, dort näher hinzuschauen. Dadurch, dass die Broschur zweimal ausgeklappt werden kann entsteht ein mehrschichtiges Titelbild. Synonym steht es für die Geschichte im Buch, bei der der 17jährige Dorian auf der Suche nach der Wahrheit ist. Denn von Beginn an kann er nicht glauben, dass er Emil, der zwar älter aber genauso obdachlos ist wie er, in einer Nische einer Unterführung der U-Bahn erstochen haben soll. Genau das aber behauptet Nico, der plötzlich nach der Tat vor ihm steht. Dorian aber erinnert sich an nichts mehr und hat nun selbstverständlich vor einer Verhaftung Angst. Soll er Nico glauben? Emil liegt in einer Blutlache vor ihm. Das bestätigt doch Nicos Worte. Aber jemanden zu töten würde ihm nicht im Traum einfallen, oder doch? Die Wahrheit ist vielschichtig, Schein oder Realität wird in diesem Roman zum Thema. Kann ich wirklich immer glauben, was ich sehe?

Nico bietet Dorian in der Folge eine Unterkunft an. Sein Arbeitgeber Bornheim unterhält eine Villa in der er obdachlosen Jugendlichen nicht nur ein Zimmer, sondern auch Unterricht anbietet. Als Gegenleistung bittet er nur darum, Werbeflyer an günstigen Stehpunkten in der Stadt zu verteilen. Dorian ist darin sehr geschickt und hält sich an speziell dafür erstellte Regeln, so dass ihm bald schon eine anspruchsvollere Aufgabe zugeteilt wird. Er soll Werbegeschenke an ganz bestimmte, von Bornheim ausgesuchte Menschen verteilen. Dabei soll die Übergabe nach einem bestimmten Ablauf erfolgen. Eines Tages verweigert der Empfänger die Annahme und Dorian wird nicht wieder abgeholt und zur Villa zurückgebracht. Er weiß weder wo genau die Villa liegt noch hat er eine Möglichkeit zur Kommunikation. Nach einigem Hadern mit sich und seinem Gewissen entscheidet er sich dafür, das Geschenk zu öffnen. Und plötzlich wird er zum Gejagten. Doch aus der Stadt flüchten kommt für ihn nicht in Frage, denn da ist einerseits Stella, in die er sich verliebt hat, und andererseits möchte er wissen, welchen Sinn die Werbegeschenke haben.

Das Thema ist nicht mehr ganz neu, aber überaus aktuell, denn es geht darum, welche Auswirkungen es hat, wenn Daten über uns benutzt werden. Denn nicht immer dienen sie rein informatorischen Zwecken. Werden sie ausgewertet und für die Erreichung eigener Ziele eingesetzt, können sie auch manipulatorisch wirken, selbst wenn sie die Wahrheit wiedergeben. Ursula Poznanski spielt in diesem Buch mit Zukunftsvisionen. Das macht sie ganz geschickt, reizt ihre Fantasie nach meinem Geschmack aber zu sehr aus. Dadurch zieht sich die Geschichte in die Länge. Ich bin kein großer Freund von Verfolgungsjagden und darum gefiel es mir nicht so gut, dass Dorian sich lange auf der Flucht befindet. Glücklicherweise gibt es eine Art Countdown, der ein Ende in Aussicht stellt und mich dazu bewegte schnell weiterzulesen. Zum Ende hin kommt es dann zu einem furiosen Finale.  

Die Erzählung bleibt stets an der Seite von Dorian. Er ist ein Protagonist, der dem Leser schnell sympathisch wird. Mit ihm hofft er darauf, dass das spezielle Angebot für obdachlose Jugendliche von Bornheim ihm eine Zukunftsperspektive bieten kann. Aber Dorian wirkt an einigen Stellen auch etwas einfältig, vor allem wenn es um seine Liebe zu Stella geht. Natürlich bildet sie eine passende Begründung dafür, Dorian zu verschiedenen Aktivitäten zu verleiten. Einige Charaktere bleiben undurchsichtig, was die Spannung steigert, weil man gern wissen möchte, wem Dorian denn nun überhaupt noch vertrauen kann.

Die große Frage, wie weit man Mittel zum Zweck einsetzen darf, um dem Guten auf die Sprünge zu helfen, wird letztendlich nicht eindeutig beantwortet. Jedoch bietet sich hier ein Denkanstoß und Diskussionsbedarf. Inwieweit sich unsere Realität durch Manipulationen zukünftig ändern lassen wird, bleibt eine spannende Vorstellung. Gerne gebe ich für dieses Buch eine Leseempfehlung.
Zweite Meinung zum Buch? Hier findet ihr Hannas Rezension: KLICK!
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