Sonntag, 6. Januar 2013

Rezension zu Petra Schier - Das Haus in der Löwengasse

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Titel: Das Haus in der Löwengasse
Autorin: Petra Schier
Erscheinungsdatum: 01.09.2012
Verlag: Rowohlt Verlag
Buchausgabe: Taschenbuch
ISBN: 9783499259012
Preis: 8,99 Euro


„Das Haus in der Löwengasse“ von Petra Schier ist als Taschenbuch im Rowohlt Verlag erschienen und umfasst 350 Seiten mit 30 Kapiteln. Der Titel wurde passend zum hauptsächlichen Handlungsort des Romans gewählt. Das Cover zeigt den oberen Teil eines schmiedeeisernen Doppeltors dessen linker Flügel leicht geöffnet ist. Symbolisch kann man das als Einladung zum Lesen der Geschichte sehen. Im Hintergrund ist nur das Dach eines Hauses zu erkennen, so bleibt genügend Spielraum für die Fantasie des Lesers sich das Herrenhaus in der Löwengasse bildlich entsprechend der Beschreibung im Roman vorzustellen. Die Farbgebung ist entsprechend eines mit Patina überzogenen Fotos und weist so auf einen historischen Roman hin.

In den 1820er Jahren tritt die junge Pauline Schmitz nach dem Tod ihres Onkels, bei dem sie aufgewachsen ist, eine Stelle in Bonn als Gouvernante an. Der Hausherr begehrt Pauline und lässt trotz ihres Bittens nicht von ihr ab, bis die beiden in flagranti erwischt werden. Daraufhin wird Pauline des Hauses und der Stadt verwiesen. Sie erhält kein Arbeitszeugnis, jedoch einen Fahrschein für die Postkutsche nach Köln. Durch Zufall findet sie unmittelbar nach ihrer Ankunft eine Stellung als Magd. Ihre wahren Talente bleiben zunächst verborgen, bis sie den verwitweten  Textilunternehmer Julius Reuther kennenlernt, der bei den Dienstherren von Pauline zu Gast weilt. Nachdem dieser einige Erkundungen bezüglich ihrer Vergangenheit über sie eingezogen hat, stellt er sie als Gouvernante für seine beiden Kinder ein. Er fühlt sich zu ihr hingezogen, weiß aber um Paulines Problem sich aufgrund der schlechten Erfahrung von Männern fernzuhalten. Und spekulative Geschäfte bringen Julius fast an den Ruin den er scheinbar nur noch durch die Ehe mit einer reichen Braut verhindern kann. Wird es eine gemeinsame Zukunft für die beiden geben?

Beim Buch „Das Haus in der Löwengasse“ bleibt es aufgrund einiger Wendungen lange offen, ob Pauline und Julius zueinander finden werden, denn zu sehr scheinen beide mit den Erwartungen die sich durch ihre Herkunft ergeben, verknüpft zu sein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Standesdünkel noch sehr ausgeprägt, weshalb Ehen in höheren Ständen möglichst zweckmäßig nach dem Willen der Eltern ausgehandelt wurden und nicht aus Liebe. Diesem Diktat scheint auch Julius unterworfen. Pauline dagegen ist zu dieser Zeit als Frau nicht erbberechtigt und nach dem Tod ihrer nächsten Verwandten nahezu mittelos. Auch sie ist sich ihrer Stellung durchgehend bewusst. Nachstellungen von Dienstherren waren durchaus üblich, solange sie diskret im Verborgenen stattfanden. In den meisten Fällen trugen die Frauen die Konsequenzen. Gerne habe ich mitgefiebert, ob die beiden gegen die von ihnen verlangte Vernunft handeln werden. Neben Pauline und Julius lässt die Autorin mit Frieda, der Tochter eines gut situierten Fabrikanten, einen weiteren liebenswerten Charakter entstehen, der dem Leser von der Intention her eigentlich unsympathisch sein sollte. Die beiden recht aufmüpfigen Kinder von Julius wachsen den Lesen zunehmend ans Herz.  Es finden sich allerdings noch genügend bei Pauline und so auch beim Leser unbeliebte Personen und wie sich später herausstellt, findet auch Julius Gegenspieler, die ihm geschäftlich Schaden wollen. Petra Schier schreibt einfühlend und feinsinnig. Sehr detailgenau sind die Ausführungen in der historischen Ausgestaltung des Geschehens in Bezug auf Örtlichkeiten,  Mode,  Interieur und Erziehung. So kann man sich das Leben in der damaligen Zeit sehr real vorstellen. Der Roman liest sich sehr flüssig. Die Sprache ist modern gehalten mit einigen wenigen dialektischen Einstreuungen, die das historische Ambiente unterstreichen und für mich als Rheinländerin einfach zu verstehen waren. Gerne gebe ich für diesen Roman eine uneingeschränkte, eindeutige Leseempfehlung an die Freunde historischer Romane.

Mittwoch, 2. Januar 2013

[Rezension Hanna] Ursula Poznanski - Die Verratenen



~ Inhalt ~


Europa in der Zukunft: Auf dem gesamten Kontinent herrscht eisige Kälte. Daher wurden Sphären gebaut, in welchen die Bewohner wohlbehütet aufwachsen. Auch Ria ist eine von ihnen. Als „Vitro“ in einer künstlichen Gebärmutter herangezogen, wird sie schon ihr ganzes Leben lang darauf vorbereitet, bald eine wichtige Position innerhalb der Sphären einzunehmen. Doch nicht alle Menschen können von den Sphären aufgenommen werden: In der eisigen Kälte leben die sogenannten „Prims“, die immer wieder Transporte der Sphärenbewohner überfallen.

Ria befindet sich inzwischen im letzten Jahr der Akademie und hat in der Reihung einen beeindruckenden 7. Platz inne. Doch das Leben, das sie kannte, endet abrupt, als sie ein streng vertrauliches Gespräch zwischen den Leitern der Gilde und einem Unbekannten mithört: Es soll eine Verschwörung geben, an der Studenten beteiligt sind. Die Beteiligten sollen möglichst schnell eliminiert werden. Es wird die 7 genannt, Rias eigene Zahl, außerdem die Ziffern von fünf weiteren Studenten. Warum werden sie beschuldigt? Wer soll sie verraten haben? Und wird man es tatsächlich wagen, einige der besten Studenten ohne Prozess zu töten?

~ Meinung ~


Die dystopische Welt, die Ursula Poznanski in diesem Jugendthriller erschaffen hat, konnte mich von der ersten Seite an begeistern. Der Aufbau der Sphären und der Akademie ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Vor allem das Konzept der Reihung der Studenten, welche zu Leistungsdruck und der Jagd nach Privilegien durch höhere Plätze führt, hat mir zu denken gegeben.

Im Zentrum der Geschichte steht Ria, durch die der Leser erst den Alltag in den Sphären und die Sicht der Sphärenbewohner auf die Welt kennen lernt. Durch die Verschwörung erhält Rias Weltbild jedoch Risse. Warum sollen sie ohne Prozess getötet werden? Angesichts der drohenden Abhörung sämtlicher Gespräche sind Ria jedoch lange Zeit die Hände gebunden, sie verharrt in bangem Abwarten. Dann jedoch überschlagen sich die Ereignisse, und spannende, actionreiche Szenen jagen einander.

Sobald Ria die Ziffern ihrer angeblichen fünf Verbündeten kennt, rücken auch diese mehr ins Zentrum der Geschichte. Ursula Poznanski hat hier eine gelungene Auswahl verschiedenster Charaktere getroffen, die sich in ihren Fähigkeiten ergänzen, oft kommt es aufgrund verschiedener Meinungen und Ziele aber auch zu verdeckten und offenen Konflikten.

Von den Sphären verfolgt harmonieren die Charaktere gelungen als Gruppe beim Versuch, zu überleben. Schließlich jedoch ist die Gruppe vorerst in Sicherheit, und hier liegt mein einziger größerer Kritikpunkt: Für mich ging die Geschichte ab diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr recht voran. Natürlich bleibt die Bedrohung bestehen, und die Versuche der Gruppe, sich zu organisieren und Entscheidungen für die Zukunft zu treffen, sind interessant zu verfolgen. Die entscheidende Richtung fehlte mir jedoch lange Zeit und wurde für mich erst wieder zum Ende des Buches her offenbar, indem Ursula Poznanski die Überleitung zum zweiten Teil schafft. Hier wurden die drängendsten Fragen beantwortet, aber natürlich auch einige Fragen für den nächsten Teil offen gelassen.

~ Fazit ~


„Die Verratenen“ ist der gelungene Auftakt eines dreiteiligen dystopischen Jugendthrillers, der mit abwechslungsreichen Charakteren, einer gut durchdachten Welt und spannenden Szenen überzeugen konnte. Lediglich die mangelnde Zielstrebigkeit der Handlung in der zweiten Buchhälfte kann ich kritisieren. Ich bin aber guter Dinge, dass sich dies im zweiten Teil ändern wird, auf den ich mich schon jetzt sehr freue. Das Buch empfehle ich gerne weiter!



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Gebundene Ausgabe: 460 Seiten
Erscheinungsdatum: Oktober 2012
Verlag: Loewe Verlag
Link zur Buchseite des Verlags

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Rezension zu Markus Heitz - Die Legenden der Albae: Dunkle Pfade

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Titel: Die Legenden der Albae 3: Dunkle Pfade
Autor: Markus Heitz
Erscheinungsdatum: 20.08.2012
Buchausgabe: Klappenbroschur
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 9783492701983
Preis: 16,99 Euro





„Die Legenden der Albae – Dunkle Pfade“ von Markus Heitz ist der dritte Teil der Albae-Reihe, der in derselben Fantasywelt spielt, wie die inzwischen vier Bücher über „Die Zwerge“, die vom selben Autor geschrieben wurden. Zeitlich ist im Vergleich zum zweiten Buch der Albae-Serie einige Zeit verstrichen. Was sich natürlich nicht geändert hat, ist die Bosheit und Verschlagenheit des Albaevolkes. Inhaltlich geht es um die Drillinge Firusha, Sisaroth und Tirigon, die Kinder des Statthalters von Dson Sòmran sind. Firusha, die begnadete Sängerin und Sisaroth, ein Priester in Ausbildung werden des Mordes angeklagt. Die beiden werden für ein halbes Leben nach Phondrason, einem unterirdischen Ort der Schrecken und des Grauens verbannt. Ihr Bruder, ein Krieger, schließt sich ihnen freiwillig an. Getrennt voneinander treffen sie dort ein. Während in der Heimat ihre Mutter versucht, die vermeintliche Verschwörung gegen ihre Kinder aufzudecken, beginnen die drei Geschwister auf den dunklen Pfaden der Unterwelt einen Weg zueinander zu finden. Dabei treffen sie auf weitere verbannte Albae und einen besonderen Helden der Zwerge, die ihnen hilfreich zur Seite stehen. Leider hat sich auch ein mächtiger Feind der Albae in das unterirdische Reich begeben und beansprucht es für sich. Schlechte Nachrichten aus Dson Sòmran bekräftigen den Entschluss der Geschwister, den Albae eine neue Heimat zu erobern und sich selbst an der Spitze ihres Volkes zu setzen und sich verehren zu lassen..
In diesem Band gibt es wenige Handlungsorte, hauptsächlich spielt die Geschichte in Phondrason, das bis jetzt in den Albaebänden noch nicht erwähnt wurde. Die Erzählung wird zwar an spannenden Stellen unterbrochen und der Ort des Geschehens gewechselt, jedoch dauert es nur einige Seiten bis zur jeweiligen Fortsetzung, was den Reiz des Weiterlesens erhöht. In bewährter Manier hat Markus Heitz  mit dem dritten Albaeband einen spannenden Fantasyroman geschrieben. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und erfordert kein weiteres Vorwissen der ersten beiden Bände, jedoch geben die Kenntnisse über die jeweiligen Eigenschaften der Völker meines Erachtens nach ein besseres Verständnis für das Taktieren der Einzelnen. Ein weiterer, kleiner Vorteil ergibt sich bei der Verortung der Gebiete von Dson Sòmran und Phondrason bei der die Karten der Fantasywelt, die sich im Buch finden, leider wenig hilfreich sind. Die neugeschaffenen Charaktere der Drillinge bleiben für mich recht blass und ragen nicht wirklich aus der Menge heraus, obwohl sie im Mittelpunkt stehen. Außer Firusha verfügt keiner der drei über eine besonders erwähnte Eigenschaft. Noch jung an Jahren sind sie kampfunerfahren, gewinnen aber mit der den Albae üblichen besonderen Fähigkeiten und der Hilfe weiterer Albae der Unterwelt - von Freunden wie wir sie kennen, kann man bei den Albae aufgrund ihrer Hinterhältigkeit kaum sprechen -  erstaunenswerterweise jeden Kampf. Wer die ersten beiden Bücher gelesen hat und diese Art der Dark Fantasy mag, dem kann ich das Buch empfehlen.


Samstag, 22. Dezember 2012

[Rezension Hanna] Kai Meyer - Asche und Phönix






~ Inhalt ~


Parker Cale ist Hollywoods erfolgreichster Jungschauspieler. Ash hingegen gehört zu den „Unsichtbaren“ – sie wohnt zeitweise in fremden Wohnungen, deren Besitzer für einige Tage unterwegs sind. Als sie sich als Zimmermädchen ausgibt, wird sie ausgerechnet von Parker beim Ausrauben seiner Suite erwischt. Dieser hat sich vor der Premiere seines neuen Film von seinem Vater, der für seinen Erfolg verantwortlich ist, losgesagt.

Anstatt Ash auffliegen zu lassen, möchte Parker mit ihrer Hilfe seinen Plan umsetzen: Er will seinem Leben entfliehen – seinem Vater, seiner Assistentin Chimena und seinen Fans. Gar nicht so einfach, wenn man weltberühmt und süchtig nach Ruhm und Aufmerksamkeit ist. Gemeinsam mit Ash taucht er in London unter. Doch er wird von übernatürlichen, gefährlichen Wesen verfolgt. Warum jagen sie ihn? Um Antworten zu finden, reist er mit Ash nach Frankreich und stößt auf ein Netz von Verrat, Lügen und einen teuflischen Pakt…

~ Meinung ~


Das Buch beginnt recht klischeehaft – ein unscheinbares Mädchen trifft auf eine gutaussehenden, berühmten Jungen, der gemeinsam mit ihr untertauchen will. Hier enden aber auch die Klischees. Was folgt ist eine Geschichte voller Wendungen und Überraschungen. Kurze Kapitel, ein flüssiger und fesselnder Schreibstil und zahlreiche Cliffhanger am Kapitelende zwingen einen geradezu, nur noch ein Kapitel weiterzulesen… oder zwei… oder drei. Das Buch ließ sich schwer aus der Hand legen!

„Asche und Phönix“ ist das erste Buch, das ich von Kai Meyer gelesen habe. Sehr gefallen hat mir die Art und Weise, wie Realität und Fiktion hier verwoben wurden. Einzelne übernatürliche Charaktere werden ins alltägliche Leben der Protagonisten integriert und sorgen für unerwartete Momente. Gemeinsam mit Ash begegnet der Leser ihnen zum ersten Mal. Parker hingegen war ihre Existenz bereits bekannt, er begibt sich nun aber auf die Suche nach der Antwort auf die Frage, warum die Kreaturen in sein Leben getreten sind.

Ash und Parker waren mir von Beginn an sympathisch und sind mir schnell ans Herz gewachsen. Ihre Reise entwickelt sich bald zu einer waghalsigen Flucht quer durch Frankreich, und so darf der Leser sich auf viele spannende und actionreiche Szenen freuen. Auch wenn die Handlung ab einem bestimmten Punkt recht vorhersehbar war, hat dies der Spannung nicht geschadet, denn die Umsetzung hat mich überzeugen können!

„Asche und Phönix“ vereint gekonnt Liebesgeschichte, Fantasy und Action in eine einzige temporeiche und spannende Geschichte. Die sympathischen und vielschichtigen Charaktere haben mich mitfiebern lassen, und so konnte mich das Buch voll überzeugen. Ich kann es daher uneingeschränkt weiterempfehlen!

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Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: November 2012
Verlag: Carlsen

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Rezension zu Rachel Joyce - Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry


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Titel: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Autorin: Rachel Joyce
Erscheinungsdatum: 14.05.2012
Verlag: Krüger Verlag
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783810510792
Preis: 18,99 Euro


Rachel Joyce erzählt in ihrem Roman „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ von der ungewöhnlichen Durchquerung des Heimatlands eines pensionierten Engländers.  Der im Krüger Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag erschienene Roman  378 Seiten mit 32 Kapiten. Hinten im Buch findet sich eine hilfreiche Übersichtskarte von England, auf der die Reiseroute von Harold Fry eingezeichnet ist.

Eines Morgen, während der erst vor einem halben Jahr pensionierte Harold Fry am Frühstückstisch sitzt, trifft Post bei ihm ein. Er erhält einen Brief von seiner früheren Arbeitskollegin Queenie. Sie schreibt ihm aus einem Hospiz, das von Harold’s Wohnsitz aus gesehen, am anderen Ende von England liegt. Queenie ist schwer krank und verabschiedet sich von Harold. Sofort verspürt er das Bedürfnis ihr zu antworten. Danach bringt er den Brief zum Briefkasten, in den er ihn allerdings nicht einwirft. Stattdessen beschließt er den sonnigen Tag zu nutzen und zum nächsten Kasten zu gehen. Dann aber geht er auch dort vorbei zur Post und immer weiter, sehr viel weiter, raus aus der Eintönigkeit seines Alltags. 

Dieses Buch ist keine bloße Reiseerzählung. Rachel Joyce erzählt die Geschichte aus unterschiedlichen  Perspektiven. Einerseits darf der Leser Harold auf seiner Reise per Pedes begleiten, andererseits erfährt er aber auch einiges über Maureen, seiner Frau, die er zu Hause zurück gelassen hat. Beide sind in ihren Traditionen erstarrt. Durch die Trennung voneinander und den Abstand zueinander den sie dadurch gewinnen, beginnt jeder für sich Rückblick zu halten auf die guten und schlechten Tage des Miteinanders im Leben und daraus ganz neue Erkenntnisse zu ziehen. Eine wichtige Rolle spielt auch ihre jeweilige Beziehung zum gemeinsamen Sohn. Doch sie bleiben während der langen Trennung nicht allein, vor allem Harold begegnet auf seinem langen Weg den unterschiedlichsten Personen. Die Reise wird für ihn mit zunehmender Erschöpfung zu einem täglichen  Kampf mit sich selbst. Mit und mit blättert die Autorin Stationen eines Ehelebens auf und zeichnet das Porträt einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Arbeitskollegen. Mich hat mich dieses Buch unterstützt durch die Sprache und Gestaltung sehr berührt. Ich empfehle dieses Buch gerne weiter.

Donnerstag, 22. November 2012

Rezension zu Sybil Volks - Torstraße 1



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Titel: Torstraße 1
Autorin: Sybil Volks
Erscheinungsdatum: 01.11.2012
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783423280044
Preis: 19,99 Euro


„Torstraße 1“ von Sybil Volks ist im dtv Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag erschienen. Das Cover zeigt auffällig  das rote Kleid einer jungen Frau, wie es in den 1950er Jahren getragen wurde. In der Mitte des Titelbilds findet sich ein Fotoapparat, den die junge Frau umgehängt hat und der Bezug auf den Roman nimmt. Die Autorin erzählt in diesem Buch die wechselhafte Geschichte des Hauses Torstraße 1 in Berlin, von dem der Leser ein Foto in der linken oberen Ecke auf dem Cover abgebildet sieht, wie es zur Eröffnung des Kaufhauses im Jahr 1929 ausgesehen hat. 

Verbunden mit der Chronik des Hauses Torstraße 1 ist jedoch auch das Leben zweier Personen, die am Tag der Eröffnung geboren werden und deren Familien. Elsa kommt unerwartet zu früh während der Feierlichkeiten in der Packstation zur Welt. Elsa's Vater ist der Junior des jüdischen Kaufhausbesitzers und eine öffentliche Beziehung, gar Heirat, mit der nichtjüdischen Mutter Vicky, scheinbar unmöglich. Vicky, die im Kaufhaus als Verkäuferin angestellt ist, steht bei der Geburt Wilhelm, ein Zimmermann, der beim Bau des Kaufhauses geholfen hat und nun als Gast zur Eröffnung gekommen ist, zur Seite.  Während Wilhelm in der Packstation bei der Geburt hilft, wird seine Frau zu Hause von einem Jungen, den sie Bernhard nennen, entbunden.  Mit den unterschiedlichen Lebenswegen der Menschen ist aber auch die Geschichte der Deutschen verbunden, die gerade in Berlin durch die Mauer eine schmerzhafte Trennung erfahren hat. Von der Trennung in Ost und West sind auch die Familien von Vicky und Wilhelm betroffen. 

Sybil Volks gelingt es auf besondere Weise die wahre Geschichte eines bekannten Berliner Hauses mit der fiktiven Erzählung über zwei Familien miteinander zu verknüpfen. Begleitet wird die Schilderung von politischen Entscheidungen in Deutschland und spiegelt deren Konsequenzen speziell in Berlin wieder. Mit dem Wandel des Hauses versteht die Autorin es, ihre Figuren so zu zeichnen, dass diese die verschiedenen politischen Ansichten der jeweiligen Zeit in ihrem Handeln wiederspiegeln. So entsteht ein differenziertes Bild der  Auffassungen der Bürger in Ost- und West-Berlin und deren gelebten Alltags. Einiges an Zeitgeschichte wird leider recht kurz angerissen. Das Geschehen wird aus unterschiedlichen Perspektiven der Familienmitglieder geschildert. Dabei wird aus einer familiären Situation heraus  immer wieder Rückblick gehalten auf die vergangenen Vorkommnisse. Zur besseren zeitlichen Einordnung hätte ich mir häufiger die Nennung einer Jahreszahl gewünscht. Sybil Volks schafft es durch liebevolle Details in Sachen wie Mode und Musik den jeweils typischen Zeitgeist einzufangen. Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und ich gebe gerne eine Leseempfehlung.
Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 20. November 2012

Rezension zu Bettina Szrama - Das Mirakel von Köln

Zunächst einmal möchte ich mich bei der Autorin dieses Buches bedanken, die alles dafür getan hat, damit ich in den Besitz des Buches kommen konnte!!! Ein Buch das der emons Verlag verschickt hat, ist tatsächlich auf dem Postweg verschwunden, so wie ein weiteres in dieser Zeit an mich versendetes Buch eines anderen Verlags auch :-(
Ganz herzlichen Dank für deine Mühe und das persönlich signierte Buch, Bettina!  



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Titel: Das Mirakel von Köln
Autorin: Bettina Szrama
Erscheinungsdatum: 30.10.2012
Buchausgabe: Taschenbuch
Verlag: emons Verlag
ISBN: 9783954510290
Preis: 11,90 Euro


 
Der historische Kriminalroman „Das Mirakel von Köln“ von Bettina Szrama ist im emons Verlag erschienen und umfasst inklusive Prolog und 22 Kapiteln 280 Seiten. Das Cover in düsteren Farben schaut aus wie der Ausschnitt aus einem historischen Gemälde und zeigt eine junge Frau auf dem Scheiterhaufen, von Flammen umzüngelt. Auffällig ist ihr Gesichtsausdruck, der nicht etwa wie zu erwarten wäre, schmerzverzerrt und gebrochen ist, sondern erlöst, entrückt und auf das Jenseits hoffend. Allein diese Szene wirft beim Betrachten des Buchs die Frage auf, wie es zu solch einem scheinbaren Widerspruch kommen kann.
Ostern 1622 wird im Kloster St. Klara in Köln die Äbtissin Benedikta im Todeskampf von der Nonne Sophia gefunden. Unterhalb ihres Herzens steckt ein Dolch. Selbstmord scheidet aus, da dieser zur Verdammnis in der katholischen Kirche führt. Sophia, die im Kloster für eine Heilige gehalten wird, kehrt in ihre Klosterzelle zurück und findet dort ihr Kruzifix vor, aus dessen Dornenkrone Blut fließt. Dieses Mirakel wird vom päpstlichen Nuntius für eine nähere Untersuchung beschlagnahmt. Einige Jahre später wird die junge, von Kind an fallsüchtige Christina Plum vom Generalvikar Bernard Fresenius auf seinem Weg zum Kloster dem auf sie einschlagenden Pöbel entrissen. Nicht nur wegen seiner Gutherzigkeit, sondern vor allem, weil ihm die Ähnlichkeit zu Sophia auffällt, nimmt er sie mit.  Bernard wurde vom Kurfürst mit der Untersuchung des Mirakels und der inzwischen an die Öffentlichkeit gedrungenen Gerüchte über das Vorkommen von Besessenheit mehrerer Klosterschwestern und der in St. Klara stattfindenden Teufelsaustreibungen beauftragt. Obwohl Christina nicht Nonne werden möchte, scheint es aufgrund der Umstände der beste Lebensweg für sie zu sein und es findet sich auch jemand, der ihre Ausbildung dort unterstützt.  Während ihres Aufenthalts im Kloster beobachtet sie voller Schrecken und Abscheu mysteriöse Vorfälle, die sich dort abspielen.  Sie versucht sich dem Klosterleben zu entziehen, gerät jedoch selbst in das Blickfeld der Verschwörer.
Die Untersuchung des Mirakels und die Zweifel an der Echtheit durch den päpstlichen Nuntius führten in der Realität in Köln zu Kompetenzgerangel mit dem Kurfürsten, der seinerseits verlangte das Kruzifix untersuchen zu dürften. Zur Wahrheitsfindung erhielt er die Zusage auch peinliche Befragungen anwenden zu dürfen. Auf diese Weise bezichtigten die der Tortur unterzogenen Personen  willkürlich andere der Hexerei. Doch diese Verhöre brachten in Köln einen Sumpf aus Verschwörungen und Ränkeleien zu Tage. Durch die Aussagen von Christina wurden die höchsten weltlichen und geistlichen Kreise der Stadt mit hineingezogen. Eine Übersicht der handelnden Personen vorne im Buch hilft dabei die Übersicht während des Lesens zu behalten.
Basierend auf dem Leben der historisch verbürgten Persönlichkeiten Sophia von Langenberg und Christina Plum baut Bettina Szrama eine spannende, fiktive Geschichte auf. Sie füllt mit ihrer Fantasie den Hintergrund der unbenannten, doch überlieferten Personen aus der Umgebung der beiden Protagonistinnen auf und verknüpft deren Schicksal miteinander. In glaubhafter Weise gelingt ihr die Darstellung des Gewissenskonflikts, den Christina durchlebt hat und der sie dazu brachte sich trotz mehrerer Möglichkeiten nicht der Flucht aus dem Kloster und der Stadt zu bedienen, sondern sich dem Vorwurf der Hexerei zu stellen und dadurch dem sicheren Tod entgegen zu gehen. Die Spannung erhält sich beim Lesen fortlaufend durch ständig weiter aufgedeckte Vorkommnisse im Kloster und der stets neuen Intrigen vieler Christina umgebenden Personen, die sich darum bemühten, sie selbst in diesen Sündenpfuhl hineinzuziehen.
Bettina Szrama hat die Sprache an die Historie leicht angepasst, was den Leser besser in die Lage versetzt, sich in das Geschehen hineinzuversetzen. Zum besseren Verständnis der Handlungsumgebung werden in einem Glossar auf den letzten Buchseiten einige wichtige Bezeichnungen und deren Bedeutung von Orten, Dingen und Titeln aufgeführt. Für mich stellt die Beschreibung der Ereignisse eine denkbare Art dar, wie sie sich damals tatsächlich zugetragen haben könnten. Daher empfehle ich diesen Krimi gerne weiter an alle, die spannende historisch begründete Romane mögen.



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