Freitag, 6. November 2015

[Rezension Ingrid] Nina Sahm - Das letzte Polaroid


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Titel: Das letzte Polaroid
Autorin: Nina Sahm
Erscheinungsdatum: 12.10.2015
Verlag: Aufbau Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Handlungsort: Budapest
Handlungszeit: 2011




„Das letzte Polaroid“ ist der Debütroman von Nina Sahm. Die Autorin erzählt darin von einer Freundschaft die im Urlaub zwischen zwei Mädchen im Teenageralter begann und nun nach zehn Jahren zu einer unvorhersehbaren Entwicklung in ihrer Bekanntschaft geführt hat. Über diese lange Zeit der Freundschaft haben Fotos, die mit einer Polaroid-Kamera aufgenommen wurden, die beiden über die räumliche Distanz hinweg begleitet. Die Fotos verblassen langsam wie auf dem Titelbild, doch die Erinnerungen bleiben.

Zu Beginn des 21.Jahrhunderts macht  Anna aus Deutschland mit ihren Eltern Urlaub am Plattensee in Ungarn. Im Nachbarhaus wohnt die gleichaltrige Ungarin Kinga, die ebenfalls mit ihren Eltern von Budapest aus in die Ferien an den Balaton gekommen ist. Ein Tag genügt und es beginnt eine Freundschaft, die für beide einen ganz besonderen Anreiz hat. Kinga findet in Anna jemanden mit dem sie ihre kleinen Geheimnisse teilen kann und Anna lauscht staunend den Ausführungen von Kinga über deren erwachende Liebe. Von Annas Eltern wird die Freundschaft nicht gutgeheißen, doch gegen deren Verbot finden die beiden einen Weg auch weiterhin in Kontakt zu bleiben. Zehn Jahre nach dem Urlaub erhält Anna, in deren Leben sich inzwischen einiges geändert hat, einen Brief von Kingas Mutter, die ihr schreibt, dass Kinga nach einem Unfall im Koma liegt. Kurz entschlossen macht sie sich auf den Weg nach Budapest. Doch aus ihrer Reise wird mehr als ihr Besuch am Krankenbett der Freundin. Immer mehr nimmt sie Plätze ein, die bisher von Kinga ausgefüllt wurden.

Anna ist in einem gut situierten Haushalt aufgewachsen. Ihre Eltern legen sehr viel Wert auf Sauberkeit und Wissenserwerb, doch Liebesbekundungen sind selten. Kingas Eltern sind viel unbesorgter, ihr Umgang miteinander ist herzlicher. Doch Anna hat keine andere Wahl als ihre Eltern nach dem Urlaub nach Hause zu begleiten. Der weitere Kontakt zu Anna ist ihre erste Auflehnung gegen ihre Eltern auf dem Weg zum Erwachsensein und zu ihrer Selbstfindung, ihre Berufswahl ist eine weitere. Lediglich einmal haben Anna und Kinga sich in den ganzen Jahren bis zum Unfall getroffen. Anna, die inzwischen deutlich gereift sein sollte, bewundert Kinga und kommt sogar deren Wunsch nach als sie Anna zu einem ersten Mal verhilft. Die Schilderung fand ich unrealistisch und zu Anna unpassend.

Als Anna spontan nach Budapest reist trifft sie hier auf den Alltag von Kinga, den sie nur aus den Briefen kennt und auf eine Stadt, die sich aktiv in Auflehnung zur gegenwärtigen Regierung befindet, darunter auch der Vater ihrer Freundin. Obwohl Anna in der Ich-Form erzählt, erfährt man als Leser wenig über die Gründe für ihr gegenwärtiges Handeln. Das lässt Platz für eigene Interpretationen. Immer mehr nimmt sie den Platz von Kinga ein. Doch wie in allen menschlichen Beziehungen gibt es immer zwei Personen die für die Fortführung des Miteinanders verantwortlich sind. Es war für mich zwar verständlich, dass Anna Freude daran findet, die Rolle der von ihr bewunderten Kinga einzunehmen, doch dass Kingas Eltern und Kingas Freund sie so eng in ihr Leben holen, kann ich nicht so ohne weiteres nachvollziehen.

Glaubte ich Anna durch ihre Erinnerungen näher zu kommen, so rückte sie durch ihr Handeln in der Gegenwart wieder von mir ab und konnte mir nicht sympathisch werden. Die Randfiguren waren interessant beschrieben. Der Reiz der Geschichte war für mich die wunderbare Freundschaft und der Zusammenhalt der Freundinnen über Grenzen und Jahre  hinweg. Insgesamt eine nette Geschichte, aber für mich kein Highlight.


Sonntag, 1. November 2015

[Rezension Ingrid] Leo Martin - Ich stopp dich!

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Titel: Ich stopp dich! Gefühlsterroristen erkennen und ausschalten - Ein Ex-Agent im Einstz gegen Nervenkiller
Autor: Leo Martin
Erscheinungstermin: 24.08.2015
Verlag: Ariston Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
Handlungsort: Hamburg
Handlungszeit: Gegenwart


„Ich stopp dich“ heißt das Buch von Leo Martin in dem er Wissen und praktischen Rat mit einer spannenden Geschichte aus dem Agentenmilieu verbindet. Der rote Hintergrund unter dem Titel fängt den Blick des Betrachters ein und führt ihn anschließend zum Untertitel „Gefühlsterroristen erkennen und ausschalten“. Der unter Pseudonym schreibende Autor erklärt  in  der Rolle eines Agenten sein Vorgehen gegen nervige Mitmenschen, die er „Gefühlsterroristen“ nennt. Es sind die Menschen, denen wir im täglichen Leben begegnen und die mit ihrer Art und Weise auf Abneigung stoßen und dadurch oft heftige Reaktionen bei uns auslösen.

Nach einer ersten Einführung ins Thema beginnt der Kriminalfall. In der Wohnung des V-Manns Tichow ist dessen Freund ermordet worden. Tichow weiß nicht warum. Aber der V-Mann hat im Auftrag von Leo Martin einem Mafiaboss etwas entwendet, sieht darin einen Zusammenhang zum Mord und denkt an Rache. Kann Leo Martin ihn stoppen?

Der Autor bindet in der weiteren Erzählung immer wieder einen besonderen Typen eines Gefühlsterroristen in seine Schilderung ein. So bekommt man als Leser schon einmal ein praktisches Beispiel für den jeweiligen Typen den Leo Martin als Nächsten in den Fokus nimmt. Zum Choleriker, Arroganten, Nörgler und vier weiteren Charakteren zeigt der Autor zunächst auf, wie man demjenigen im Normalfall zum Opfer fällt, bevor er punkteweise aufzeigt wie man Typen wie diese aufhält. Am Ende jeden Kapitels gibt er noch einen letzten Hinweis, wie man in möglichen Stresssituationen, die durch Gefühlsterroristen hervorgerufen werden, mit diesen umgeht. Ergänzt werden die Tipps vom Autor mit Auszügen aus einem Agentenhandbuch, die Leo Martin näher erläutert.

Mir hat die Kombination zwischen fiktiver spannender Geschichte und Wissen gut gefallen. Die Umsetzung der Tipps im realen Leben ist sicher nicht einfach und die Reaktionen auf sein Gegenüber situations- und tagesformabhängig. Trotzdem ist es hilfreich, mit diesem Buch passende Ratschläge für kritische Momente zu erhalten, damit man in Erinnerung daran in entsprechenden Situationen darauf zurückgreifen kann. 



[Rezension Hanna] Walled City - Ryan Graudin


Inhalt
Jin Ling lebt in Hak Nam, einer ummauerten Stadt in Hongkong. Auf zweieinhalb Hektar Land leben hier Tausende Menschen in Wohnblöcken, die so hoch und dicht beieinander stehen, dass sie die Sonne aussperren. Ungezählte Verbrecher treiben sich herum, denn Polizisten setzen aufgrund des rechtlichen Sonderstatus von Hak Nam keinen Fuß hinein. Als Junge verkleidet ist Jin Ling auf der Suche nach ihrer Schwester, die von ihrem Vater verkauft und in eins der ungezählten Bordelle gebracht wurde. Inzwischen hat sie überall nach ihr gesucht, außer im Bordell von Longwai, dem skrupellosen Anführer der mächtigen Bruderschaft. Diese Chance bietet sich ihr, als der geheimnisvolle Dai ihr einen Job als Läuferin für Longwai anbietet. Doch damit verfolgt Dai auch sein eigenes Ziel. Doch um dieses zu erreichen bleiben ihm nur noch wenige Tage.

Meinung
Von Beginn an hat mich der Schauplatz des Buches fasziniert. Eine Stadt in der Stadt, unendlich hohe, heruntergekommene Wohnblöcke, dominiert von Armut und Gesetzlosigkeit. Besonders interessant fand ich, dass es diese ummauerte Stadt tatsächlich gegeben hat – das zeigen die Fotos auf den letzten drei Buchseiten, die man sich spoilerfrei auch schon während der Lektüre anschauen kann. Diesen absolut realen, wenn auch historischen Schauplatz hat die Autorin ausgewählt, um die fiktive Geschichte dreier Teenager zu erzählen, die es alle aus einem anderen Grund in diesen Sumpf der Menschheit verschlagen hat.

Die Kapitel sind abwechselnd aus der Perspektive von Jin Ling, Mei Yee und Dai geschrieben. Die Zusammenhänge zwischen den dreien wurden schnell verständlich gemacht. Ihre Leben sind völlig unterschiedlich und doch begreifen sie allmählich, dass ihre Ziele sich ergänzen und eine Zusammenarbeit von Vorteil ist. Besonders gut ist es der Autorin gelungen, mir die Motivation der drei Protagonisten zu vermitteln. Auch wenn man Hak Nam durchaus verlassen kann, waren all ihre Handlungen und die Entscheidung, für den Moment dort zu bleiben, für mich nachvollziehbar.

Ich hoffte sehr, dass die Drei ihre Ziele erreichen. Dazu müssen sie jedoch so manches Wagnis eingehen. Nicht immer gelingt das, was sie sich vorgenommen haben. Pläne müssen verändert oder gleich ganz neu geschmiedet werden, denn immer wieder kommt es zu unerwarteten Zwischenfällen. Dies macht die Geschichte unvorhersehbar und ließ mich um die Drei, die sich schon bald meine Sympathien gesichert hatten, bangen. Das Tempo des Buches ist meist ruhig und lässt den Charakteren die Zeit, über ihre nächsten Schritte nachzudenken und sich weiterzuentwickeln. Dann folgen aber auch wieder Szenen, in denen sich die Ereignisse überschlagen.

Die Geschichte bietet alles, was ich mir von einem spannenden Buch wünsche. Starke Charaktere, die aber nicht unfehlbar sind. Einen plausiblen Handlungsverlauf mit so mancher Überraschung. Und eine ausgewogene Mischung aus lauter Action, stiller Spionage, geflüsterten Geheimnissen und aufwühlenden Gefühlen. Begeistert las ich mich durch die Seiten, verfolgte den Countdown und konnte bis zum Schluss nicht genug von dieser gelungenen Geschichte bekommen, die ein Einzelband bleiben wird.

Fazit
„Walled City“ bietet einen höchst interessanten Schauplatz und drei ganz unterschiedliche Charaktere, von denen jeder auf seine Weise Stärke beweisen muss. Können sie ihre Ziele erreichen, bevor die Zeit abgelaufen ist? Mich hat das Buch voll überzeugen können. Deshalb kann ich jedem, der in diesem Leseherbst nach einer spannenden Geschichte sucht, „Walled City“ nur ans Herz legen! Traut Ihr Euch zwischen die Mauern von Hak Nam?

*Werbung* Weitere Informationen zum Buch

Titel: Walled City
Autorin: Ryan Graudin
Übersetzerin: Katharina Naumann
Hardcover: 432 Seiten
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2015
Verlag: Rowohlt rotfuchs
Link zur Buchseite des Verlags

Samstag, 31. Oktober 2015

[Rezension Hanna] Eisige Schwestern - S. K. Tremayne


Inhalt
Sarah und Angus Moorcroft und ihre Zwillinge Kirstie und Lydia wurden jahrelang von ihrem Umfeld als perfekte Familie wahrgenommen, die sich ein Leben der oberen Mittelklasse mitten in London leisten konnten. Doch als die Zwillinge sechs Jahre alt sind, stirbt Lydia bei einem Unfall. Ein Jahr später beschließen Sarah und Angus, mit ihrer überlebenden Tochter auf einer kleinen Insel vor der schottischen Küste ganz neu anzufangen. Doch Kirstie besteht plötzlich darauf, eigentlich Lydia zu sein. Können Sarah und Angus herausfinden, welche Tochter überlebt hat? Und wird der Umzug ihnen zu einem erfolgreichen Neuanfang verhelfen?

Meinung
Von der ersten Seite an hat mich die bedrückende Atmosphäre des Buches gefangen genommen. Der Leser erfährt gleich, dass Sarah und Angus vor einem Umzug stehen und ihre aktuelle Situation alles andere als einfach ist. Ein Unfall und Geldsorgen werden angedeutet und man spürte, dass der anstehende Umzug bei beiden mit Hoffnungen verbunden ist. Ich freute mich darauf, tiefer in die Familiendynamik einzutauchen und zu verstehen, was in jedem der drei Familienmitglieder vorgeht.

Noch bevor die Familie umzieht behauptet Kirstie erstmals, Lydia zu sein. Mit ihrer Behauptung erhöht sich schlagartig die Spannung und auch die Anspannung. Wie können ihre Eltern herausfinden, ob sie die Wahrheit sagt? Warum kommt es ausgerechnet jetzt zu ihrem Geständnis – oder ihrer Lüge? Vor allem ihre Mutter macht sich an das Sammeln von Beweisen. Hat vielleicht doch ihr Lieblingszwilling Lydia überlebt? Ein bisschen gewundert habe ich mich schon, dass es sich so gar kein Nachweis finden lässt, um die Identität zu klären. Selbst wenn sie sich wirklich so unglaublich ähnlich gesehen haben hat sich doch sicherlich in fünf Lebensjahren mal ein Zwilling eine Narbe zugezogen? Aber gut, dann hätte die Geschichte einfach nicht funktioniert.

Die Geschichte lässt den Leser immer tiefer in die Psyche der Familienmitglieder blicken. Die meisten Kapitel sind aus der Sicht von Sarah geschrieben. Sie kämpft darum, ihr eigenes Gleichgewicht wiederzufinden und will gleichzeitig ihrer Tochter helfen, ohne ihre Schwester und an einem neuen Wohnort zurechtzukommen. Doch immer wieder fragte ich mich, ob Sarahs Handeln das Leiden des Zwillings nicht noch verstärkt. Handelt sie wirklich zu dessen Wohl? So manche Szene hat mich hier schockieren und traurig stimmen können. Einige Kapitel sind auch aus der Sicht von Angus geschrieben, aus dem ich einfach nicht schlau geworden bin. Seine Motivation konnte ich in vielen Fällen nicht nachvollziehen. Er schwankt zwischen Hilflosigkeit und Wut und ihm gelingt es nicht, konsequent zu handeln.

Während der Lektüre setzte ich mich stark damit auseinander, was die einzelnen Familienmitglieder antreibt und umtreibt. Die bedrohliche Atmosphäre ließ mich weiterlesen, weil ich wissen wollte, was nun hinter all diesen Ereignissen steckt. Dabei ist die Handlung sehr ruhig, für mich ein bisschen zu ruhig. Mit der Auflösung habe ich nicht gerechnet, doch mit dem Wissen, das man als Leser bis zu diesem Moment gesammelt hat, war sie nachvollziehbar und stellt einen gelungener Abschluss dar.

Fazit
„Eisige Schwestern“ ist ein psychologisches Familiendrama, das vor allem durch seine atmosphärische Gestaltung überzeugt. In ruhigen Tönen erzählt es von der Ungewissheit der Eltern, welcher ihrer beiden Zwillinge überlebt hat sowie dem verzweifelten Versuch, in einem gänzlich neuen Umfeld Fuß zu fassen. Ich empfehle das an Leser weiter, die sich für die menschliche Psyche und deren Abgründe interessieren, die in jedem Menschen stecken könnten.

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Titel: Eisige Schwestern
Autor: S. K. Tremayne
Übersetzerin: Susanne Wallbaum
Klappenbroschur: 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 4. Mai 2015
Verlag: Knaur TB
Handlungszeit: Gegenwart
Handlungsort: Schottische Hebrideninsel
Link zur Buchseite des Verlags

Freitag, 30. Oktober 2015

[Rezension Ingrid] Ursula Poznanski und Arno Strobel - Fremd

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Titel: Fremd
Autoren: Ursula Poznanski und Arno Strobel
Erscheinungsdatum: 30.10.2015
Verlag: Rowohlt Verlag
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur
Handlungsort: München
Handlungszeit: Gegenwart



Das Gesicht einer jungen Frau und eines jungen Manns sind auf dem Umschlag des Buchs „Fremd" von Ursula Poznanski und Arno Strobel zu sehen. Die Frau auf dem Cover, der Mann auf der Rückseite, voneinander abgewandt, sich fremd geworden? Nein, so einfach ist die vorliegende Konstellation in diesem hochbrisanten Thriller nicht, die Erzählung ist sehr viel subtiler.
Die Australierin Joanne Berrigan ist schon seit einigen Jahren in Deutschland als Fotografin tätig. Eines Abends steht sie im Bad und hört Geräusche im Erdgeschoss. Sie schleicht die Treppe nach unten ins Wohnzimmer und erschrickt, als ein Mann, den sie noch nie gesehen hat, von der Küche aus den Raum betritt.

Erik Thieben, der die IT-Abteilung eines Unternehmens leitet, kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause. Als er ins Wohnzimmer kommt findet er dort seine Freundin Joanne vor mit der er seit einem halben Jahr zusammenlebt. Sie starrt ihn fassungslos an, fordert ihn auf zu gehen und siezt ihn dabei, weicht vor ihm zurück, wirft schließlich einen schweren Gegenstand nach ihm, um ihn zu vertreiben.

Auf Erik wirkt Joanne wie eine Verrückte, Erik ist Joanne unbekannt, auf diese Weise bauen die Autoren von Beginn des Buchs an eine Situation auf, die verstörend ist. Das Buch ist abwechselnd aus der Sicht von Erik und Joanne geschrieben. Die Geschehnisse werden mit Ausnahme der ersten beiden Kapitel chronologisch, mit ganz wenigen Überlappungen geschildert. Dadurch, dass beide aus der Ich-Perspektive erzählen, kann der Leser an den Gedankengängen der Protagonisten teilnehmen. Die Anfangsszene scheint für den Leser zunächst klar zu sein: Joanne lebt allein im Haus, es gibt keine Anzeichen dafür, dass Erik hier lebt. Meine Sympathie galt sofort Joanne, ich konnte ihre Angst vor dem Einbrecher in ihrem Haus gut nachvollziehen. Auf der anderen Seite deutet im anschließenden Kapitel, das aus der Sicht von Erik erzählt wird, nichts in der Schilderung darauf hin, dass er ins Haus eingebrochen ist, dort einen Diebstahl begehen oder sogar Joanne Schaden wollte. Er hat mit seinem Schlüssel die Haustür geöffnet, die Räumlichkeiten sind ihm bekannt.

Eine erste Kommunikation der beiden Hauptcharaktere führt zu keiner weiteren Klärung. Ein Kollege von Erik, der wegen eines Problems vorbeischaut, wird von Joanne für einen Komplizen gehalten. Auch für den Leser scheint das Argument hinreichend. Inzwischen konnte ich mich nicht entscheiden, welcher Figur ich mehr glauben sollte.  Der Thriller entwickelte den gewollten Sog und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Mein Herz klopfte, während ich hoffte, dass Erik Joanne nichts antun wird. Gleichzeitig hätte ich Joanne gerne geschüttelt und in die Wirklichkeit zurückgeholt, denn Erik ist so sehr um sie bemüht, dass es gar nicht anders sein kann, als das er Joanne seit längerer Zeit liebt und darum seine Aussagen richtig sein müssen.

Erst als Joanna an sich selbst eine seltsame Verhaltensweise bemerkt und Erik seine Aufrichtigkeit in einer dramatischen Situation beweist, finden die beiden einen Ansatz dazu, einen Schritt aufeinander zuzugehen. Selbst nachdem sie erkannt haben, dass die Gefahr von außerhalb ihrer Beziehung kommt, bleiben die Hintergründe verworren. Jede Person mit der die beiden in Kontakt stehen, wirkte undurchsichtig und schien mir verdächtig zu sein. Das blieb sehr lange so. Durch gekonnt gesetzte überraschende Wendungen bleibt der Spannungsbogen bis zum Schluss erhalten. Erst nach und nach erhält der Leser Informationen darüber, wie es zur Entstehung des aktuellen Stands der Beziehung kommen konnte.

Lange vor Schluss inszenieren die beiden Autoren ein furioses Ereignis mit nationaler Bedeutung. Lassen Sie sich überraschen! Am Ende des Buchs gibt es einen Hintergrund für die Geschehnisse, den ich so nicht vermutet hätte.

Das Buch hatte alles, was ein Thriller für mich haben muss, konnte mich begeistern und erhält von mir gerne eine Leseempfehlung. 
Interesse an einer zweiten Meinung? 
Hannas Rezension zum gleichen Buch findet ihr hier: KLICK!

Montag, 26. Oktober 2015

[Rezension Hanna] Sonntags im maskierten Waschbär - Stefan Nink




Inhalt
Siebeneisen, Wipperfürth und Schatten – das sind die Köpfe hinter NIU, „Nichts ist unmöglich“, einer Agentur, die verspricht, für ihre Kunden auch die unauffindbarsten Gegenstände zu bergen. Die drei haben sich in New Orleans niedergelassen und verbringen ihre Sonntage nun im „Maskierten Waschbär“, einem Waschsalon mit integrierter Bar. Dessen Besitzer überlässt ihnen eines Tages uralte Tagebücher, die er beim Entrümpeln auf seinem Speicher gefunden hat. Wipperfürth und Schatten machen sich gleich an die Lektüre. Bevor sie sich versehen, jagen die Freunde der Mumie des letzten wahren Inkaherrschers Atahualpa hinterher und erleben dabei wieder so manches Abenteuer…

Meinung
Das inzwischen dritte Buch rund Siebeneisen beginnt in New York. Bevor der Leser erfährt, wie es Siebeneisen in der Zwischenzeit ergangen ist, lernt er Zach kennen, der seit Jahren für einen einflussreichen Mafioso arbeitet. Doch ausgerechnet vor dessen großer Restaunrant-Eröffnungsfeier lösen sich die Mosaike aus dem Fußboden, für den Zach zuständig ist. Was hat die Geschichte rund um Zach mit Siebeneisen zu tun? Meine Neugier war geweckt.

Zuerst einmal ging es für mich nach New Orleans, wo ich Siebeneisen wiedertraf. Etwa fünf Jahre sind seit den Ereignissen in Indien vergangen und Siebeneisen hat sich in New Orleans niedergelassen. Doch auch Wipperfürth und Schatten sind nicht weit, und so verbringen die Freunde ihre Sonntage nun im maskierten Waschbär. Diese Waschsalon-Bar ist ein wirklich ganz spezieller Ort, in dem ich mich gleich wohlfühlte. Bei diesem kreativen Namen fehlt eigentlich nur noch ein waschechter Waschbär. Doch keine Sorge, hier hat der Autor ein ganz süßes, lustiges Exemplar in petto…

Nachdem der Einstieg meine Lachmuskeln aufgewärmt hatte, erwachte in mir auch allmählich wieder die Lese-Reiselust. Ich fand es sehr unterhaltsam, dass Siebeneisen deutlich standhafter geworden ist und ganz nüchtern vorschlägt, dass Wipperfürth und Schatten doch einfach selber nach ihrem Schatz suchen sollen. Ob das gut geht? So viel sei verraten: Diesmal müssen alle drei aktiver werden, als sie es geplant hatten!

Im Gegensatz zu den Reisen der Vorbände jagen die Freunde diesmal einem einzigen Gegenstand und nicht vielen hinterher. Statt mit Siebeneinsen rund um die Welt zu jetten lernt man zahlreiche Orte in und um Nord- und Südamerika kennen. Ich fand es klasse, dass der Autor das Konzept leicht verändert hat und er damit frischen Wind und ein gewisses Maß an Unvorhersehbarkeit in die Geschichte bringt. Gleichzeitig wird wieder auf Bewährtes gesetzt: Eine authentische Beschreibung exotischer Reiseziele, gewürzt mit ganz viel Situationskomik dank unverwechselbarer Charaktere. Diese Mischung aus Altem und Neuen funktioniert ganz hervorragend und hat mich bestens unterhalten können.

Fazit
In „Sonntags im maskierten Waschbär“ begeben sich die drei Freunde Siebeneisen, Wipperfürth und Schatten zum inzwischen dritten Mal auf ein Reiseabenteuer. Mehr oder weniger selbstverschuldet geraten sie in die verrücktesten, unmöglichsten und komischsten Situationen. Auch wenn man das Buch problemlos ohne Vorkenntnisse lesen kann, macht es noch mehr Spaß, sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Siebeneisens unterhaltsame Abenteuer solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

*Werbung* Weitere Informationen zum Buch

Klappenbroschur: 416 Seiten
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2015
Verlag: Limes Verlag
Link zur Buchseite des Verlags

Donnerstag, 22. Oktober 2015

[Rezension Ingrid] Karen Sander - Ich sehe was, und das ist tot

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Titel: Ich sehe was, und das ist tot (3. Band der Serie um Kommissar Georg Stadler und Psychologin Liz Montario)
Autorin: Karen Sander
Erscheinungsdatum: 25.10.2015
Verlag: Rowohlt Verlag
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Handlungsort: Düsseldorf
Handlungszeit: 28.09-17.10.2015


Das blutige Messer auf dem Cover führt den Leser des Buchs „Ich sehe was, und das ist tot“ von Karen Sander mitten hinein in die Handlung. Das Titelbild deutet aber auch an, dass der Thriller nichts für schwache Nerven ist. Der Titel unterstützt diesen Eindruck, er könnte ein Ausspruch des ermittelnden Düsseldorfer Kommissars Georg Stadler sein. Für ihn und sein Team sowie der in Liverpool tätigen Psychologin Liz Montario ist es bereits der dritte Fall. Obwohl ich die beiden ersten Bände der Serien nicht gelesen habe, war es möglich, der Handlung ohne Schwierigkeiten zu folgen.  Dank der geschickten Andeutungen im Buch auf die beiden vorausgegangenen Bände ist bei mir das Interesse geweckt worden, auch diese beiden Bücher zu lesen.

Der Prolog führt nach Maryland. Dort sieht ein kleines Mädchen in den 1970er Jahren zu, wie zwei unbenannte Männer ihre tote Mutter in einem Fluss versenken. Sehr lange muss der Leser warten um aus dieser Schilderung die Zusammenhänge zu den vorliegenden Morden herstellen zu können.

Ende September 2015 wird in einer leerstehenden Düsseldorfer Papierfabrik eine Blutlache vor einer Wand mit einem aufgesprühten Schrank aufgefunden. Auf dem Graffito entdeckt Kommissar Stadler eine Zeichenkombination. Ein Rasiermesser, ein Rasierspiegel und eine Maske, die in der Nähe liegen, sehen wie Requisiten aus. Stadler überlegt, ob vielleicht vor Ort ein Video gedreht wurde. Doch ob dabei tatsächlich jemand zu Tode gekommen ist, ergibt sich aus den vorliegenden Tatsachen nicht, eine Leiche fehlt. Mit der Idee, dass hier eine Filmszene nachgestellt wurde, sucht er Kontakt zu der Regisseurin Helene Weigand, die ihm aber leider nicht weiterhelfen kann.  Der Kommissar schaltet die mit ihm befreundete, zurzeit in Düsseldorf weilende Liz Montario ein. Sie soll die Botschaft des am Tatort vorgefundenen Codes finden.  Schon zwei Tage später wird in einem Hotel eine weibliche Leiche gefunden. Der Mord wirkt inszeniert, wieder wird eine Maske gefunden und ein Zeichenfolge. Derweil plant ein Kollege von Stadler eine Intrige gegen Stadler. Dieser ahnt noch nicht die hieraus entstehenden weiteren Auswirkungen auf ihn. Und wieder geschieht ein Mord, der wie in Szene gesetzt aussieht …

Hier stimmt einfach alles. Das Zusammenspiel der Kollegen, aber auch die Darstellung des Hasses und des Neids bei Ermittlungserfolgen. Karen Sander beschreibt ebenso die Gefühle einer der ermittelnden Personen, bei der die erlebten grässlichen Bilder beim Auffinden eines Tatorts nachwirken. Obwohl die Ermittler miteinander befreundet sind, bleibt einiges aus ihrem Privatleben im Verborgenen, man nimmt Rücksicht aufeinander und möchte sich nicht zu sehr einmischen. Dies geschieht zum Vorteil des Lesenden dem dadurch immer auch ein Quäntchen Neugier für den privaten Hintergrund der Ermittler bleibt, denn die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten. Die Ermittlungen dauern etwa drei Wochen. In dieser Zeit lernt Stadler, wem aus seinem Umfeld er tatsächlich Vertrauen kann.

Geschickt gibt Karen Sander in ihren Mordszenarien Andeutungen darauf, dass weitere Taten geschehen könnten. So bleibt die Handlung von Beginn an spannend- Sie zieht den Leser mit in das Geschehen ein und lässt ihn gemeinsam mit den Ermittlern rätseln, was der jeweilige Code zu bedeuten hat. Auch das aus den eigenen Reihen jemand Stadler Schaden möchte, ohne zu wissen warum und wohin das führen wird, hält den Spannungsbogen aufrecht. Einige Male scheint die Fallaufklärung sehr nahe zu sein und bringt dann doch nochmal eine weitere ungeahnte Wendung.

Das Buch entwickelt einen Lesesog und konnte mich von Beginn an begeistern. Eindeutig eine Leseempfehlung für Thrillerfans!

Mittwoch, 21. Oktober 2015

[Rezension Hanna] Die lange Reise - Annelie Wendeberg


Inhalt
Mai 1891: Nach dem Tod von James Moriarty befinden sich Anna Kronberg und Sherlock Holmes auf der Flucht. Verfolgt werden sie von Moran, der es im Auftrag der Familie Moriarty auf Anna und ihr ungeborenes Kind abgesehen hat. Um Moriartys Netzwerk zu sprengen und gleichzeitig Moran von ihrer Spur abzubringen, denken sich Anna und Sherlock ein gewagtes Täuschungsmanöver aus. Wird ihr Plan aufgehen?

Meinung
„Die lange Reise“ ist der dritte Teil der Anna Kronberg-Reihe. Nachdem im ersten Band noch schwerpunktmäßig entwickelt wurde, erzählte das zweite Buch von einem psychologischen Duell zwischen Anna und James Moriarty. Nun war ich gespannt, was sich die Autorin für den dritten Band überlegt hat. Ob jetzt wieder ermittelt wird?

Der Titel des Buches ist Programm, denn auf den ersten Seiten des Buches begleitet der Leser Anna und Sherlock auf einem schier endlosen Fußmarsch durch unwegsames Gelände. Annas Schwangerschaft lässt sie grübeln und zweifeln, und auch Sherlocks Laune ist nicht die beste. Dieser Einstieg zog sich für mich in die Länge und ich fragte mich, welchen Weg die Geschichte denn einschlagen will.

Erst allmählich wird klar, welchen komplexen Plan Anna und Sherlock verfolgen. Dessen Ausführung besteht aus mehreren Schritten und nimmt entsprechend viel Zeit in Anspruch. Der Leser wird dabei lange im Dunkeln gelassen und erfährt erst spät, was di beiden überhaupt vorhaben. Ich war neugierig, ob alles wirklich funktioniert wie geplant, doch wirklich fesseln konnten mich die Ereignisse leider nicht, dafür entwickelten sich die Dinge zu langsam.

Immer wieder drehen sich Annas Gedanken rund um ihre Schwangerschaft. Sie ist überzeugt davon, dass sie das Kind von James Moriarty nicht wird lieben können. Was soll sie nach der Geburt mit dem Kind machen? Welche Auswirkungen hat das Ganze auf ihr berufliches Wirken? Wer sich für diese psychologische Komponente interessiert wird eine interessante Entwicklung beobachten können.

Anna und Sherlock verbringen in diesem Buch mehr Zeit miteinander als zuvor. Im Schmieden von Plänen und deren Umsetzung ergänzen sie sich wirklich gut und die Raffinesse ihrer Pläne war beeindruckend. Die Dialoge der beiden hätten gerne aber mit noch mehr Schlagfertigkeit und Sarkasmus und weniger Melancholie angereichert sein können. Bis zum Schluss hatte ich nicht das Gefühl, den Sherlock Holmes der Autorin wirklich durchschaut zu haben.

Einen klassischen Kriminalfall sucht man in diesem Buch wie schon im Vorgänger vergeblich. Vielmehr geht es darum, James Moriartys kriminelles Netzwerk auszuhebeln. Ein Katz-und-Maus Spiel zieht sich durch das ganze Buch und konnte mich an einigen Stellen überraschen. Insgesamt war mir die lange Reise dann aber einfach zu lang. Zum Ende hin setzen Anna und Sherlock einen besonders gewagten Plan um, was meine Neugierde noch einmal erhöhte. Doch die letzten Seiten haben mich nicht zufrieden stellen können – das soll es nun gewesen sein? Ist vielleicht doch noch eine Fortsetzung der Reihe geplant? Im Januar erscheint mit „Der irische Löwe“ erst einmal das Prequel zu den drei Büchern.

Fazit
Bei „Die lange Reise“ ist der Name Programm. Den Leser erwartet ein Katz-und-Maus Spiel, bei dem Anna und Sherlock eng zusammenarbeiten müssen, um ihren Verfolger zu überlisten. Die beiden Vorgänger „Teufelsgrinsen“ und „Tiefer Fall“ sollte man unbedingt gelesen haben, um die Handlung nachvollziehen zu können. Für mich kommt das Buch leider nicht an seine Vorgänger heran. Annas macht eine interessante Entwicklung durch, doch die Handlung schritt mir zu langsam voran und hat mich nicht so recht packen können. Ich vergebe drei Sterne an das ungleiche Duo Anna und Holmes!

*Werbung* Weitere Informationen zum Buch

Titel: Die lange Reise
Autorin: Annelie Wendeberg
Übersetzer: Kathrin Bielfeldt & Jürgen Bürger
Taschenbuch: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 8.Oktober 2015
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Link zur Buchseite des Verlags

Dienstag, 20. Oktober 2015

[Messebericht] Unser Besuch der Frankfurter Buchmesse 2015

Hallo liebe Leser,

letzte Woche war es endlich wieder so weit: Die Frankfurter Buchmesse öffnete ihre Türen. Inzwischen war es das dritte Mal, dass Ingrid und ich als Buchbloggerinnen am Freitag und Samstag die Messe unsicher machten.

Um kurz vor halb 6 klingelten am Freitagmorgen unsere Wecker. Für mich war das mehr als eine ganze Stunde früher als üblich, dementsprechend schwer tat ich mich, aus den Federn zu kommen. Doch das Erlebnis Buchmesse wartete! Diesmal saßen wir noch etwas früher im Auto als im Vorjahr und kamen um kurz vor 10 an der Messe an. 

Es geht los!
Unser erster Termin fand um 11 Uhr statt, also blieb uns genug Zeit, uns erst einmal zu orientieren und eine erste Erkundungstour durch die Halle 3.0 zu machen. Am Stand des Piper Verlags trafen wir dabei gleich unsere Ansprechpartnerin an, mit der wir über die gerade erst beendete Blogtour zu „Das böse Kind“ und die Gefahr von Spoilern in Rezensionen plauderten.
Beim Stöbern am Piperstand
Bald schon mussten wir weiter, denn wir waren zum #blogntalk der Verlagsgruppe Random House eingeladen. Im Vorfeld hatten wir beide je einen Autor zugelost bekommen, dem wir zwei Fragen stellen sollten. Im Gewühl der Menge – was aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl in diesem Jahr mehr Platz zum Atmen ließ als im Vorjahr – suchten wir gleich nach unseren Autoren. Während Ingrid mit Thomas Krüger, dem Autor der Erwin Düsedieker-Reihe, plauderte, stellte ich meine Fragen an Susanne Kliem, die zuletzt den Krimi „Trügerische Nähe“ veröffentlicht hat.

Ingrid mit Thomas Krüger

Anschließend unterhielten wir uns noch mit Julia Engelmann sowie Kate Morton und machten Fotos mit den beiden. Außerdem nutzten wir die Zeit, um einige bekannte Blogger zu begrüßen und auch einige Gesichter hinter uns schon bekannten Blogs kennen zulernen.

Wir mit Kate Morton ...
... und mit Julia Engelmann

Am Stand von Droemer Knaur trafen wir unsere bisherige Ansprechpartnerin, die eine unbedingte Leseempfehlung für den Psychothriller „Eisige Schwestern“ aussprach. Das hat uns natürlich neugierig gemacht, euch erwarten daher bald zwei Sichten auf das Buch!

Die Bücherwand bei Droemer Knaur
Petra Hülsmanns Bücher bei Bastei Lübbe

Nach einer kurzen Stärkung machten wir uns dann auf den Weg zum Rowohlt Verlag, wo uns das Programm Frühjahr/Sommer 2016 vorgestellt wurde. Dazu wird es noch einen Extra-Post geben.

Obwohl wir uns bei Rowohlt schon etwas verplaudert hatten, trafen wir rechtzeitig am Stand der S. Fischer Verlage ein, wo wir mit einigen Mitstreitern der Verlagschallenge von den Bookwives gemeinsam in das kommende Programm hineinschnuppern konnten. Ich freue mich besonders auf die beiden Bücher „Nur ein Tag“ und „Und ein ganzes Jahr“ von Gayle Forman, die im März gleichzeitig erscheinen. Mit „Die Seiten der Welt: Blutbuch“ beendet Kai Meyer ebenfalls im März seine aktuelle Trilogie – für mich ein absolutes Must Read! Weitere interessante Neuerscheinungen sind „Schnee Elfen Herz“ von Sanja Schwarz (Debüt, Februar 2016), „Der Horizont in deinen Augen“ von Patricia Koelle (Trilogieabschluss, Juni 2016) und „Those Girls – Was dich nicht tötet“, ein neuer Thriller aus der Feder von Chevy Stevens (Juni 2016).

Zum Abschluss des Tages ging es für uns zurück an den Stand der Verlagsgruppe Random House. Am Stand von Bassermann Inspiration erwartete uns ein ganz köstliches Bloggertreffen. Die Autorin Aurélie Bastian war zu Gast und hatte Leckereien aus ihren Backbüchern dabei. Ihr erstes Kochbuch, „Französisch Kochen mit Aurélie“, ist in diesem Monat erschienen.

Ingrid mit Aurélie Bastian
leckere kleine Kostproben von Aurélie



Den Abend ließen wir ganz entspannt ausklingen. Auf dem Programm stand zunächst „Das perfekte Dinner“ auf VOX, denn meine Cousine bzw. Ingrids Nichte war in der Woche mit dabei. Danach statteten wir der Skyline Plaza an der Messe einen Besuch ab und entschieden uns für indisches Curry-Mango-Hühnchen. Das frühe Aufstehen machte sich aber bald bemerkbar. Auf unserem Hotelzimmer wälzten wir noch einige Verlagsvorschauen, bevor wir zeitig in unsere Betten fielen.

Blick aus dem Hotelzimmer - Gute Nacht!
Samstag

Am Samstag begannen wir den Tag mit einem gemütlichen Hotelfrühstück. Anschließend ging es für uns zurück auf die Messe und gleich zum ersten Termin: Dem Bloggerfrühstück von dotbooks, dem Aufbau Verlag und skoobe. Weil wir fast ausschließlich Printbücher lesen, stöberten wir uns durch die Bücher am Stand des Aufbau Verlags, was wieder so einige Bücher auf unsere Wunschliste wandern ließ.

Bloggerfrühstück bei dotbooks - gerade wird Tanja Kinkel vorgestellt
Danach ging es für uns zum Piper Bloggertreffen. Dieses fand nicht am Stand in der Halle statt, sondern der Verlag hatte eigens einen Raum organisiert, in dem es vor bekannten Gesichtern nur so wimmelte. Auch Jennifer Estep, der Stargast des Treffens, war schon da. Eine halbe Stunde lang hatten wir die Gelegenheit, ihr Fragen zu stellen. Auf meine Frage, wonach sie entscheidet, welches Buch sie als nächstes schreibt, antwortete Jennifer Estep, dass sie natürlich zuerst die Bücher schreibt, für die sie schon einen Vertrag unterschrieben hat. Das sind derzeit zwei weitere Bände der Elemental Assassin-Reihe. Wenn sie zwischen den Aufträgen Zeit hat, dann denkt sie über neue Reihen nach. Nach dem Interview hatte man noch Zeit, Fotos mit der Autorin zu machen. Leider wurde die Luft im Raum zunehmend schlechter, weshalb Ingrid sich nicht wohl fühlte und wir das Treffen etwas früher verließen.

Jennifer Estep beim Piper Bloggertreffen
Nach dieser kurzen Pause stand auch gleich der nächste Termin auf dem Programm: Das Eat & Greet von Droemer Knaur. Dabei lernten wir unsere neuen Ansprechpartnerinnen des Verlags kennen. Hier traf ich zum ersten Mal auf Adriana Popescu alias Carrie Price und Anne Freytag alias Ally Taylor. Natürlich durften da Fotos und Unterschriften nicht fehlen!

Foto mit Adriana Popescu ...

... und Anne Freytag!
Auch über die Begegnung mit Rainer Wekwerth habe ich mich sehr gefreut. Dieser hat uns sein neues Projekt „Hamburg Rain 2084“ vorgestellt. Gemeinsam mit sechs Nachwuchsautoren hat er eine dystopische Welt erschaffen, in der jeder eine eigenständige Geschichte angesiedelt hat. Das klingt richtig spannend!

Die Autoren von Hamburg Rain 2084
Der letzte Termin des Tages war für uns das Lovelybooks Lesertreffen. Ingrid und ich waren schon vor vier Jahren das erste Mal beim Lesertreffen – damals noch ohne Goodiebags, im Freien und mit circa 30 Teilnehmern. Das hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Schon 10 Minuten vor dem Start war es so voll, dass kein Durchkommen mehr möglich war. Eigentlich hatten wir für das Treffen einiges an Zeit mitgebracht, doch bei den Massen verging uns die Lust und wir verließen das Treffen bald wieder.

Völlig platt von den ganzen Messeeindrücken schauten wir dann noch in der Halle für englische Bücher vorbei, doch dort war man nicht auf Stöbern eingestellt – sämtliche Stände waren mit Stühlen abgesperrt und erlaubten es dem Besucher nicht einmal, sich die Bücher aus der Nähe anzuschauen. Schade. Nach einer letzten Stippvisite in Halle 3.0 machten wir uns dann mit ganz vielen Eindrücken und einer prall gefüllten Wunschliste im Gepäck auf den Heimweg.

Liebe Buchmessebesucher, was war euer Highlight in diesem Jahr? Liebe Daheimgebliebenen, welchen Buchschatz habt ihr in der Zwischenzeit entdeckt?

Montag, 19. Oktober 2015

[Rezension Ingrid] Sabine Kornbichler - Das böse Kind


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Titel: Das böse Kind (3. Band der Kristina-Mahlo-Reihe)
Autorin: Sabine Kornbichler
Erscheinungsdatum: 19.10.2015
Verlag: Piper Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Leseexemplar (Fahne)
(Haupt-)Handlungsort: Obermenzing (München)
Handlungszeit: Gegenwart


„Das böse Kind“ von Sabine Kornbichler ist der dritte Band der Kristina Mahlo-Reihe. Die ersten beiden Bände habe ich nicht gelesen, dennoch hat es die Autorin verstanden, mir die fehlenden Informationen zu früheren Geschehnissen an entsprechender Stelle zu vermitteln. Gleichzeitig bleibt aber genug Anreiz bestehen, den ersten und zweiten Band noch nachträglich zu lesen.

Die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo, kurz Kris genannt, hat mit dem Detektiv Martin eine Beziehung angefangen, nachdem ihr Freund Simon eine Auszeit gefordert hat. Während sie sich über ihre Gefühle zu beiden Männern erst noch klar werden muss, erhält sie vom Gericht die Anfrage, den Nachlass einer jungen Frau zu verwalten. 

Michaela Breuer hat sich im Laufe eines Gesprächs mit ihrem WG-Mitbewohner auf dem Fuß umgedreht, ist auf die Straße gerannt und dort tödlich verunglückt. Durch eine Freundin von Michaela erfährt Kris, dass diese sich verfolgt fühlte und eine bestimmte Sache sie in Panik versetzen konnte. Aufgrund ihrer Schilderung erinnert Kris sich an einen Nachlass, den sie vor längerer Zeit bearbeitet hat. Die Verstorbene führte Tagebuch. Kris erkennt Parallelen in den Aufzeichnungen, die sie unberechtigter Weise aufgehoben hat, zum aktuellen Fall. Die Verbindungen lassen ihr keine Ruhe, sie muss der Sache auf den Grund gehen, auch wenn alle Freunde und Bekannte sie aufgrund der zurückliegenden Erfahrungen davon abhalten wollen ….

Wer die ersten beiden Bände der Reihe gelesen hat, wird auch in diesem Buch wieder auf viele alte Bekannte treffen. Ich habe mich gefreut, diese rundum interessanten Charaktere kennen zulernen, denn jeder von ihnen hat seine eigenen Sorgen und Probleme, die realistisch und verständlich sind. Kris ist eine Person mit Ecken und Kanten und wurde mir im Laufe der Geschichte zunehmend sympathisch. Entgegen des Ratschlags ihrer Freunde vertieft sie sich immer mehr in die Hintergründe des Falls.

Gleichzeitig beschäftigt sie aber auch ihr Privatleben. In ihrer eigenen Beziehung steht eine Entscheidung aus und im Verhältnis ihrer Eltern zueinander und bei ihren besten Freunden gibt es Veränderungen. Hier wird das Feingefühl von Kris gefordert, die sich ein harmonisches Miteinander wünscht. Im Umfeld der Ermittlungen in dem ihr vorliegenden Fall trifft sie dagegen auf Unverständnis im Verhältnis der Familienmitglieder füreinander.

Der Krimi ist in der Ich-Form von Kris erzählt, so dass ihre Gedankengänge dem Leser offensichtlich werden. Der anhaltend spannende Krimi profitiert  von der Erzählperspektive vor allem in beklemmenden Situationen in die Kris sich begibt und die dadurch hervorgerufen werden, dass nicht jeder ihr Vorgehen gutheißt. Das unterschwellig gefühlte Unbehagen der Protagonistin kann der Leser leicht nachspüren.

Der Krimi lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Zusammenhänge sind schlüssig, die Handlung gelungen konstruiert. Sabine Kornbichler baut verschiedene Charaktere als Täter auf, die endgültige Fallklärung zeigt sich spät und wartet zum Ende nochmals mit einer Überraschung auf. Die Betitelung des Buchs lässt sich erst am Schluss richtig einordnen.

Mir hat das Buch sehr gefallen, vor allem auch weil ich am Privatleben der ungewöhnlichen Ermittlerin  teilnehmen durfte. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an Krimileser.

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